Forschungsquartett | Ökologie der Korallenriffe

Upcycling im Korallenriff

25.10.2016

Korallenriffe gelten als die Regenwälder der Meere. Denn ihre Artenvielfalt ist ähnlich hoch. Doch ihre Nährstoffkreisläufe sind weltweit bedroht. Welche Rolle spielen dabei die Schwämme?

Etwa ein Viertel aller Lebewesen in den Ozeanen haben in den Korallenriffen ihren Lebensraum, aber auch für den Menschen sind sie wichtig. Denn viele ernähren sich von den dort lebenden Fischen. Als natürliche Barrieren schützen Korallenriffe zudem die Küsten vor Erosion. Auch die Medizin entdeckt in der Artenvielfalt ein ganzes Arsenal an neuen Wirkstoffen.

Erderwärmung und Ozeanversauerung bedrohen die Korallenriffe

Doch die Riffe sind weltweit bedroht, insbesondere durch die Erderwärmung und den mit ihr verbundenen Anstieg der Wassertemperaturen. Diese Faktoren stören die Symbiose zwischen den Korallenpolypen und den in ihnen lebenden Zooxanthellen.

Diese produzieren bei höheren Temperaturen Giftstoffe und werden darum von den Korallen abgestoßen. Doch ohne ihre Mitbewohner verlieren die Korallen wichtige Nährstoffe und ihre Farbe. Die so genannte Korallenbleiche setzt ein.

Portrait_Malik_NaumannDas weltweite Korallensterben ist dramatisch. Vieles deutet darauf hin, dass die Artenvielfalt und Funktion von Korallenriffen durch andere Organismen wie Algen nicht erhalten werden kann.Dr. Malik Naumannforscht am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie ZMT Bremen. Foto: Privat 

Algen sind die Gewinner der Korallenbleiche

Korallen sind in den Riffen nicht ersetzbar. Denn die anderen Lebewesen brauchen die Höhlen und Risse, die aus den Skeletten der Steinkorallen bestehen. Zusätzlich hindert die Ozeanversauerung die Korallen direkt an der Skelettbildung.

Solche beschädigten Korallenriffe – Meeresforscher sprechen von „gestressten Riffen“ – werden dann oft von Algen überwuchert, die weiteren Schaden anrichten. Sie entziehen den Korallen das Licht und konkurrieren um Nährstoffe. Sie erschweren somit eine Regeneration der Korallen noch zusätzlich.

Der Nährstoffkreislauf wird zum Teufelskreis

  • Als Teil der Schwammschleife wandelt der Riffschwamm Hemimycale arabica unsichtbares gelöstes organisches Material in Partikel um. Foto: Laura Rix
  • Der Riffschwamm Mycale fistulifera wandelt von Korallen und Algen stammendes gelöstes organisches Material in Partikel um. Foto: Malik Naumann
  • Ein intaktes Korallenriff im Roten Meer mit hoher Bedeckung durch verschiedene Steinkorallenarten. Foto: Malik Naumann
  • Von Algen überwuchertes Riff im Roten Meer nach einem Regimewechsel. Foto: Malik Naumann

Forscher versuchen daher, den Nährstoffkreislauf der Korallenriffe besser zu verstehen. Dabei ist ein wichtiger Protagonist erst vor wenigen Jahren identifiziert worden: Schwämme spielen eine wichtige Rolle in diesem Nährstoffkreislauf.

Sie könnten das Wachstum und die Ausbreitung von Algen begünstigen. Darauf lassen Ergebnisse eines Forschungsprojekts im Roten Meer schliessen, an dem Laura Rix und Malik Naumann beteiligt waren.

Den ganzen Beitrag hören Sie hier:

Laura Rix photoSchwämme übernehmen im Riff eine Vielzahl von Aufgaben. Viele stellen selbst Lebensraum für andere Organismen dar. Kleine Fische und Wirbellose wie etwa Garnelen leben im Inneren von Schwämmen.Dr. Laura Rixarbeitet am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Foto: Privat