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Bild: Schwerlast-Bohrgerät | Shutterstock/dizain

Forschungsquartett | Wissenschaftliches Bohren

Teleskope ins Erdinnere

Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt es verschiedene Gründe, ein Loch zu bohren. Durch Messungen und Proben lassen sich zum Beispiel Aussagen zur Erdgeschichte und zum Klimawandel treffen oder auch Erdbeben besser vorhersagen.

Das Forschungsquartett — dieses Mal in Kooperation mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung

Mutter aller Bohrungen

In der Nähe der oberpfälzischen Stadt Windischeschenbach steht ein riesiger Bohrturm mit 83 Meter Höhe. Hier haben Forscherinnen und Forscher Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre das tiefste noch offene Loch weltweit gebohrt: Mehr als 9 Kilometer hat sich der Bohrer in die Tiefe gegraben, um die kontinentale Erdkruste zu erforschen. Dieses Kontinentale Tiefbohrprogramm (KTB) gilt als Mutter aller wissenschaftlichen Bohrungen. 

Es gibt einen alten Bergmannsspruch, der besagt: „Vor der Hacke ist es duster.“ Das heißt, im Gegensatz zur Wetterforschung und Wettervorhersage können wir nur durch Bohrungen in den Untergrund gucken.

Marco Bohnhoff, Leiter der Sektion 4.2 "Geomechanik und Wissenschaftliches Bohren" am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung

Marco Bohnhoff, Leiter der Sektion 4.2 "Geomechanik und Wissenschaftliches Bohren" am GFZ Helmholtz-Zentrum für GeoforschungFoto: H. Hecht

In enger Zusammenarbeit mit der Industrie wurde am KTB auch das Richtbohrverfahren entscheidend weiterentwickelt, um selbst in mehreren Kilometern Tiefe präzise und nahezu perfekt senkrecht bohren zu können. Das KTB ist deshalb nicht nur für seine Rekordtiefe bekannt, es ist auch die „senkrechteste“ Tiefbohrung weltweit.

Die Technik findet vielfältige Anwendungen, etwa bei horizontalen Bohrungen unter Schutzgebieten oder bei der Erschließung unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen. Auch für die Erforschung aktiver Erdbebenzonen, wie etwa der San-Andreas-Verwerfung, sind solche Verfahren unverzichtbar geworden.

30 Jahre ICDP

Aus dem deutschen Großprojekt ist 1996 das internationale Bohrprogramm International Continental Scientific Drilling Program (ICDP) entstanden, das heute 20 Mitgliedsländer vereint und weltweit mehr als 60 Forschungsprojekte unterstützt. Koordiniert wird ein Teil der Arbeiten am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung.

Die Projekte sind dabei vielfältig. So untersucht das Vorhaben „SWAIS2C“ unter dem Ross-Schelfeis in der Antarktis Sedimente aus einer früheren Warmzeit, um besser zu verstehen, wie Eisschilde auf eine Erwärmung um etwa zwei Grad reagieren. Die Bohrungen durch wanderndes Schelfeis, Wasser und Sedimente zählen zu den logistisch anspruchsvollsten Unternehmungen der Polar­forschung.

Im „Forschungsquartett“ schauen wir uns gemeinsam an, wie diese einzigartigen Einblicke in das Innere unseres Planeten möglich gemacht werden. Marco Bohnhoff ist Professor für Experimentelle- und Bohrlochseismologie und leitet die Sektion „Geomechanik und Wissenschaftliches Bohren“ am GFZ Helmholz-Zentrum für Geoforschung und erklärt detektor.fm-Redakteur Stephan Ziegert, warum sich diese aufwendigen und teuren „Nadelstiche“ in die Erdkruste lohnen und ein Schlüssel zur Beantwortung drängender Fragen sind.

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