Karte der Woche | Sexarbeit in Europa

Verboten oder legal?

06.08.2018

In Europa gibt es kein einheitliches Prostitutionsgesetz. Während in Deutschland Sexarbeit erlaubt ist, drohen in anderen europäischen Ländern Strafen. Dabei unterscheidet sich, ob Prostituierte oder Freier sich strafbar machen.

Rechtliche Situation in Europa

In Deutschland ist Prostitution legal. Allerdings sind Prostituierte durch das 2017 in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz zu Gesundheitsberatungen und einer behördlichen Anmeldung verpflichtet. Die Europäische Union wiederum empfiehlt ihren Mitgliedstaaten die Übernahme des schwedischen Modells. In Schweden ist Prostitution seit 1998 verboten, jedoch machen sich beim Sexkauf nur die Freier strafbar. Mittlerweile gibt es diese Regelung auch in Norwegen, Irland und Frankreich.

Die grundlegende Idee in Deutschland ist es gerade nicht, die Prostitution zu verbieten oder zurückzudrängen. Weil man davon ausgeht, dass es sich nicht einfach per Gesetz abschaffen lässt. Sebastian Haupt, Autor beim Katapult-Magazin

Sexarbeit: Zwang oder Freiheit?

Entgegen der Auffassung, dass Prostitution aus Zwang und Unterdrückung resultiert, betonen Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter immer wieder, der Arbeit gern und freiwillig nachzugehen. Dementsprechend kritisieren Berufsverbände und Beratungsstellen Verbote und staatliche Regulierungen. Diese würden Prostitution nicht verhindern, lediglich die Sexarbeit vom öffentlichen Markt in den unkontrollierbaren Bereich verdrängen. So wurde auch an der deutschen Registrierungspflicht für Prostituierte kritisiert, dass in Gewaltsituationen nicht-registrierte Prostituierte keine polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen könnten, da ihnen eine Strafverfolgung aufgrund illegaler Sexarbeit drohe.

Menschenhandel und Zwangsprostitution

Verboten wird Sexarbeit in der Hoffnung, Zwangsprostitution und Menschenhandel zurückzudrängen. Zwar ist eine deutsche Studie von 2013 zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenhang zwischen Menschenhandel und legaler Prostitution bestehe, dieser Zusammenhang sei allerdings von länderspezifischen Faktoren abhängig. In Deutschland wurde 2001 die Sittenwidrigkeit von Prostitution aufgehoben. Gleichzeitig ging die Zahl der Opfer von Menschenhandel in den letzten 20 Jahren zurück.

Es wird ja ganz oft kolportiert, dass Deutschland der Hort des Menschenhandels geworden sei, seitdem im Jahr 2001 von der rot-grünen Regierung Prostitution oder Sexarbeit liberalisiert worden ist. Nach den Zahlen, die uns vorliegen, kann man das so nicht sagen. Sebastian Haupt

Über die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen und den Zusammenhang von Prostitution und Menschenhandel hat detektor.fm-Moderatorin Bernadette Huber mit Sebastian Haupt vom Katapult-Magazin gesprochen.

Sebastian Haupt vom Katapult-Magazin spricht über die Wirkungslosigkeit internationaler Sanktionen.Es bietet sich eher an, konkrete Maßnahmen gegen Menschenhandel und illegale Prostitution vorzunehmen und nicht Prostitution per se zu verbieten.Sebastian Hauptist Autor beim Katapult-Magazin. 

Redaktion: Yannic Walther


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