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Bild: aminebeta | Shutterstock

Spektrum-Podcast | Betrug in der Wissenschaft

Wie viel Fälschung steckt in der Forschung?

Das System Wissenschaft steht unter Druck: Viele Studien sind fehlerhaft. Mit Betrug lässt sich zudem eine Menge Geld verdienen. KI verschärft das Problem noch. Doch einige mutige Forschende wehren sich.

Betrug in der Wissenschaft gefährdet das System als Ganzes: Denn die Forschung gilt als eine der verlässlichsten Quellen für Wissen. Sie lebt von ihrer Glaubwürdigkeit. Wird diese nachhaltig untergraben, hat das weitreichende Folgen.

Immer mehr Studien sind fehlerhaft, manipuliert oder sogar vollständig gefälscht. Besonders problematisch ist dies, weil künftige Forschung auf bereits veröffentlichten Ergebnissen aufbaut. Werden falsche Daten Teil der wissenschaftlichen Literatur, können sie weitere Studien, medizinische Entwicklungen und politische Entscheidungen beeinflussen.

Betrug mit System

Eine zentrale Ursache liegt im Anreizsystem der Wissenschaft: Forschende stehen unter hohem Publikationsdruck, da Karrierechancen, Fördergelder und Reputation stark von Veröffentlichungen und Kennzahlen wie dem Impact Factor oder dem h-Index abhängen.

Dieses System begünstigt nicht nur fragwürdige Forschungspraktiken, sondern hat auch einen Markt für sogenannte Paper Mills entstehen lassen. Diese Unternehmen produzieren gegen Bezahlung komplette Studien, verkaufen Autorschaften und sorgen dafür, dass gefälschte Forschung in seriösen Fachzeitschriften erscheint.

Gleichzeitig geraten die etablierten Kontrollmechanismen an ihre Grenzen. Peer Reviews und Qualitätskontrollen der Verlage können die enorme Menge an Veröffentlichungen oft nicht mehr ausreichend prüfen. Hinzu kommen wirtschaftliche Interessen, da Verlage von steigenden Publikationszahlen profitieren. Dadurch gelangen zahlreiche problematische Arbeiten in die wissenschaftliche Literatur.

KI als Katalysator

Zusätzlich verschärft künstliche Intelligenz die Situation. KI kann inzwischen täuschend echte wissenschaftliche Bilder, Datensätze und Texte erzeugen, wodurch Fälschungen immer schwieriger zu erkennen sind. Expertinnen und Experten gehen deshalb davon aus, dass die Wissenschaft langfristig nicht nur besser darin werden muss, Betrug aufzudecken, sondern vor allem auch darin, glaubwürdig die Echtheit von Forschungsergebnissen nachzuweisen.

Als Reaktion darauf hat sich eine internationale Gemeinschaft von sogenannten Science Sleuths gebildet. Fachleute überprüfen veröffentlichte Studien nachträglich auf Bildmanipulationen und Datenfälschungen. Ihre Arbeit deckt regelmäßig gravierende Probleme auf, erfolgt jedoch häufig ehrenamtlich und ist mit erheblichem persönlichem Risiko verbunden. Viele werden Ziel von Drohungen, Verleumdungen oder juristischen Angriffen.

Wer sich wirklich Mühe gibt und irgendwo Bilder fälscht oder Daten manipuliert, der wird nie erwischt werden.

Florian Sturm, Journalist

Florian Sturm, JournalistFoto: Gonçalo Fonseca

Florian Sturm ist freier Journalist und hat sich monatelang mit dem Betrugsproblem in der Forschung auseinandergesetzt. Für Spektrum der Wissenschaft hat er mehrere Artikel dazu veröffentlicht. Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. zeichnet Florian Sturm für seine Recherchen mit dem Journalistenpreis „Evidenzbasierte Medizin in den Medien“ 2026 aus. Außerdem ist er für den Theodor-Wolf-Preis nominiert. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer erklärt er, wie es so weit kommen konnte und welche Auswege es aus der Situation gibt.

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