Fields Medaillen und ihre Bedeutung
Die berühmten Fields Medaillen, die wichtigste Auszeichnung in der Mathematikwelt, sind vergeben worden. Ihr habt es vielleicht mitbekommen. Doch in diesem Jahr gab es ja noch viele Schlagzeilen drumherum. So wurden zum Beispiel die Preisträger schon im Vorfeld geleaked. Das ist eines der Themen, über die wir heute hier im Spektrum-Podcast sprechen wollen. Und zwar mit jemandem, der bei der Verleihungskonferenz in den USA dabei war. Mein Name ist Marc Zimmer. Schön, dass ihr zuhört. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm.
Wer die berühmte Fields Medaille bekommt, der hat es in den Mathe-Olymp geschafft. Denn die Auszeichnung gilt als so eine Art Nobelpreis der Mathematik. Vielmehr geht also nicht. Alle vier Jahre werden die begehrten Medaillen auf dem International Congress of Mathematicians vergeben. Aber in diesem Jahr machte die Veranstaltung nicht nur mit der Preisverleihung Schlagzeilen, sondern auch mit viel Drumherum. So sind zum Beispiel die Namen der Gewinner schon vor der offiziellen Bekanntgabe durchgesickert. Und zwar wurden sie durch eine künstliche Intelligenz geleaked. Also das ist schon mal ein Hinhörer. Sprechen wir gleich drüber.
Und dann hat auch noch einer der frisch gekürten Preisträger gesagt, dass er die Wissenschaft verlässt und jetzt zu einem KI-Unternehmen, nämlich zu OpenAI wechseln will. Seine Begründung: Künstliche Intelligenz werde die Mathematik eben grundlegend verändern. Und dann noch mehr interessante Geschichten von der Verleihung: Hong Wang hat als dritte Frau in der Geschichte der Fields-Medaille eine solche gewonnen. Ihr merkt also schon, da war einiges los in der Mathe-Welt. Und wir haben zum Glück eine Spektrum-Redakteurin, die bei der Verleihung in den USA vor Ort war, bei diesem Kongress: Manon Bischoff. Und die ist heute mein Gast hier im Podcast. Hallo Manon.
Rückkehr von Manon Bischoff
Hi Marc. Manon, du bist eigentlich gerade erst aus Philadelphia zurück von diesem International Congress of Mathematicians. Hast du noch Jetlag? Ich merke es noch nicht so, aber frage mich vielleicht am Montag nochmal. Wir nehmen hier Freitag auf, Freitag, 31. Juli. Und Manon ist quasi gerade gelandet. Vielleicht, Manon, starten wir mal so rein: Was ist denn jetzt eigentlich genau diese Fields Medaille und warum gilt sie so ein bisschen als die höchste Auszeichnung in der Mathematik?
Also in anderen Naturwissenschaften gibt es ja zum Beispiel den Nobelpreis. Den gibt es ja bekannterweise in der Mathematik nicht. Und deswegen wurde dann die Fields Medaille irgendwann eingeführt. Und die wird aber nur alle vier Jahre verliehen an bis zu vier MathematikerInnen. Und die müssen auch noch unter 40 Jahre alt sein. Weil im Gegensatz zum Nobelpreis ist die Fields Medaille nicht nur ein Preis für zurückliegende Errungenschaften, sondern halt auch für Forschung, die von den PreisträgerInnen halt kommen kann in Zukunft. Ah ja, okay. Also so ein bisschen auch ein Motivationspreis vielleicht auch für sehr talentierte junge Forschende.
Genau, ja. Also das Preisgeld ist auch tatsächlich sehr viel niedriger als bei den Nobelpreisen. Also ich glaube, das sind irgendwie so um die 15.000 Euro umgerechnet oder so. Aber ja, es geht halt super viel Prestige damit einher. Und deswegen ist es auf jeden Fall auch eine der höchsten Auszeichnungen in der Mathematik.
Politische Dimensionen des Kongresses
Ja, und dieser Kongress, Mathe ist ja sonst vielleicht für viele auch eher so ein Thema, wo sie nicht so genau hingucken, wenn man es nicht gerade selber damit zu tun hat. Aber dieses Jahr stand der Kongress unter besonderer Beobachtung. Es wurde politisch, denn mehr als 2.400 Mathematikerinnen und Mathematiker hatten vorher so eine Petition unterzeichnet, dass man den Kongress in ein anderes Land verlegen sollte. Da nannte man eben als Gründe so ausgesetzte Visa-Verfahren in den USA. Das hat man auch während der WM ja gehört bei einigen Leuten. Dann so ein bisschen auch Bedenken um die freie Forschung in den aktuellen USA und so ein bisschen die destabilisierende Rolle der USA. So haben die das genannt in der Petition. Wurde noch als Begründung angeführt.
Jetzt warst du vor Ort. Wie war denn da die Stimmung? Hat man davon was gespürt? Ja, also die Personen die ja vor Ort waren, sind ja die, die dorthin gereist sind und die halt auch ein Visum bekommen haben. Deswegen hat man da jetzt nicht so viel davon gehört. Aber man muss halt auch sagen, dass es deswegen auch so aufgeladen war, weil vor vier Jahren, als der Kongress stattfinden sollte, hätte er in Russland stattfinden sollen und wurde dann in letzter Sekunde quasi, als eben Russland in die Ukraine einmarschiert ist, dann als Online-Veranstaltung verlegt. Und jetzt war es halt so, wie der alte Staat, der in der Kritik steht aktuell. Und das hat natürlich für sehr viel Unmut vorher gesorgt.
Und was auch sehr überraschend war, war, dass zum Beispiel die Mathematische Gesellschaft von Frankreich sich eigentlich dafür ausgesprochen hatte, das zu boykottieren. Aber im Endeffekt hatte eine Mathématicien France einen Stand. Und es gab auch eine Veranstaltung mit der französischen Diplomatin. Und das war halt alles dann so ein bisschen seltsam. Und es wurden auch Fragen gestellt. Wir dachten, dass Frankreich das eigentlich wollte kodiert. Dann konnten die SprecherInnen wahrscheinlich auch nicht so ganz frei sprechen oder wollten das nicht. Haben dann gesagt: Nein, nein, also Frankreich und die USA, das ist ja schon immer so eine ganz tolle Geschichte. Und das stand ja nie wirklich zur Debatte. Wobei man sagen muss, dass der Vorsitzende der französischen Mathematikervereinigung nicht da war.
Eindrücke vom Kongress
Ja, man hört schon raus, er ist doch hochpolitisch auch bei diesen Mathekonferenzen. Dann erzähl mal so ein bisschen. Viele waren vielleicht auch sowieso noch nie bei so einer großen Konferenz und dann schon gar nicht bei einer Mathekonferenz. Wie läuft denn das da so ab? Wie ist das da generell? Warst du auch das erste Mal da? Wie sieht es denn da aus? Nimm uns mal mit. Ja, genau. Also ich war auch das erste Mal auf dem ICM, also so wird es abgekürzt, dieser internationale Mathekongress. Und ich war auch total aufgeregt, weil ich mich super darüber gefreut habe, weil das ist so die größte Mathematikveranstaltung der Welt. Und die ist auch sehr geschichtsträchtig. Also im Jahr 1900 fand die zum Beispiel in Paris statt und damals hat Hilbert eine sehr berühmte Rede gehalten, auf die wir auch noch später kurz zu sprechen kommen. Und das hat die Mathematik des kommenden Jahrhunderts oder bis heute eigentlich geprägt gehabt. Und deswegen, ja, diese Veranstaltung ist halt einfach legendär, sage ich jetzt mal. Und deswegen war ich sehr aufgeregt.
Es waren über 2000 Mathematiker vor Ort in Philadelphia. Und das war in dem riesigen Kongresszentrum dort. Was alle ein bisschen seltsam fanden, was ich vorher auch noch nicht bei großen Konferenzen mitbekommen habe, ist die Security, die es dort vor Ort gab. Also man musste wirklich immer durch so einen Metalldetektor durch, wenn man rein oder raus wollte. In jeden Raum, in den man gegangen ist, wurde der Badge, also quasi den man da hatte, das Namensschild gescannt. Ich weiß nicht, warum. Also es hieß irgendwie, dass es vielleicht Datenerhebungen gab, um zu gucken, welche Vorträge besonders beliebt waren und welche nicht. Aber gut, ja, die Sicherheitsmaßnahmen beim Einlass, die waren halt wirklich ein bisschen, also da hat sich auch jeder ein bisschen drüber gewundert.
Aber ja, ansonsten gab es sehr, sehr viele verschiedene Vorträge, sehr viele soziale Netzwerkveranstaltungen auch abends quer verteilt durch Philadelphia. Und es war eigentlich ganz lustig, weil immer wenn man durch die Stadt gelaufen ist, hat man eigentlich irgendeinen Mathematiker gesehen. Also es war wirklich voll damit, ja.
Konferenzatmosphäre und Networking
Ja, cool, okay. Und sonst ist das wie bei jeder anderen Konferenz? Da gibt es dann in irgendwelchen Räumen irgendwelche Veranstaltungen, dazwischen stehen irgendwie Kaffeetische und irgendwelche Häppchen und man hält sich mal auf dem Flur so. Stellst du mir so irgendwie vor? Ja, es gab erstaunlich wenig Kaffee und Häppchen, was ich ziemlich erschreckend fand. Aber deswegen war gegenüber von der Konferenz gab es so ein kleines Café und da waren eigentlich immer Mathematikerinnen anzutreffen. Und lustigerweise, also ich war ja nicht die einzige Journalistin vor Ort, sondern hab auch Kolleginnen und Kollegen von Scientific American und Quanta dort getroffen. Und jedes Mal, wenn ich rüber ins Café gegangen bin, meistens um jemanden zu interviewen, waren die auch dort in einem Interview mit irgendjemandem. Also das war eigentlich immer ganz witzig, ja.
Ja, schön. Okay, also es ist ja immer auch so ein Community-Event, natürlich irgendwie auf eine Art. Lass uns doch mal auf die Preisträger und Preisträgerinnen schauen. Ganz kurz, wer hat gewonnen und warum? Also es haben vier Personen gewonnen, die maximale Anzahl diesmal. Der eine ist Yu Deng, ein Mathematiker, der Hilberts zehntes Problem gelöst hat. Also jetzt, da kommen wir wieder auf Hilbert zu sprechen. Der hatte 1900 eben in seiner berühmten Rede auf dem ICM insgesamt, also er hat zehn Probleme vorgestellt, aber eigentlich 23 hinterher insgesamt nachgeschoben, sage ich mal. Und das sind Matheprobleme, die damals halt offen waren im Jahr 1900 und von denen er dachte, dass sie das kommende Jahrhundert der Forschung prägen sollten. Haben sie dann auch. Also da haben sich ganz viele Mathematikerinnen hingesetzt und haben versucht, die zu beweisen. Viele von denen sind noch offen tatsächlich von den Problemen.
Und so zum Beispiel Hilberts zehntes Problem, da geht es darum, eigentlich die Physik auf eine mathematische Grundlage zu setzen. Also dass man halt versucht, die physikalischen Theorien, die wir so haben, um unsere Welt zu beschreiben, sauber mathematisch auszuformulieren, was Physiker vielleicht manchmal ein bisschen nachlässig sind. Und eine der großen offenen Fragen hatte mit der Fluiddynamik zu tun. Also wenn man eben Flüssigkeiten oder Gase beschreiben möchte, da kann man nämlich einmal so ganz klein drauf gucken und sich quasi die Moleküle anschauen, so wie als kleine Kugeln, die zusammenstoßen. Oder man kann eine Ebene größer gucken und das Ganze eben als Kontinuum, also so als Wellen und so beschreiben. Und die Frage, die noch offen war, war halt: Wie komme ich von diesem Teilchenmodell zum Kontinuum? Also wenn ich die quasi raussume aus dem System. Und das wollte man beweisen, dass die beiden gut zusammenpassen. Und genau das ist Yu Deng gelungen. Und ja, dafür hat er die Fields Medaille bekommen. Das ist also der Erste im Bunde.
Weitere Preisträger
Genau, das ist der Erste. Und er hat mir auch im Gespräch gesagt, den konnte ich auch interviewen. Und er hat mir erzählt, dass er auch gar nicht so überrascht war, als der Anruf kam. Okay, auch genau. Bold hat dann gesagt, dass das ja schon ein sehr wichtiges Problem ist, was er da gelöst hat. Und dass er sich das deswegen schon vorstellen konnte. Aber er hat sich trotzdem sehr gefreut und ist auch sehr sympathisch, auch wenn das jetzt ein bisschen… Ja, das klingt selbstbewusst, auf jeden Fall. Ja, genau. Also selbstbewusst ist er, aber ist auch ein sehr sympathischer Mensch.
Dann die zweite Person, das ist… Ich gehe einfach mal alphabetisch durch. Das ist John Pardon, auch ein Mathematiker. Und der hat sich eher abstrakteren Gebieten in der Geometrie gewidmet. Lustigerweise haben die nächsten drei Preisträger alle drei an geometrischen Problemen gearbeitet, aber aus verschiedenen Gebieten. Und John Pardon hat sich unter anderem angeschaut eine Vermutung, die in den 80er Jahren formuliert wurde über Knoten. Also wenn du dir jetzt einen Knoten im Raum vorstellst und da sind zwei Punkte drauf, also du guckst dir einfach zwei Punkte auf dem Knoten an, dann können die ja im Raum zum Beispiel sehr nah beieinander sein, wenn du einfach die Luftlinie zwischen diesen beiden Punkten betrachtest. Wenn du aber auf dem Knoten quasi von dem einen Punkt zu dem anderen gehen musst, ist die Strecke halt wahrscheinlich länger, weil du ja quasi wie so eine Schleife oder so hast. Und die Frage war, wie viel länger das höchstens sein kann. Und da wurde eine Vermutung geäußert in den 80er Jahren, die hat sich als falsch herausgestellt. Und das hat John Pardon eben beweisen können. Und dann hat er auch noch viele weitere bedeutende Arbeiten in der Geometrie geleistet. Und dafür hat er die Fields-Medaille bekommen.
Mit ihm konnte ich nicht sprechen. Mit ihm konnte fast niemand sprechen, weil er generell nicht gerne Interviews gibt, offenbar. Und man muss dazu sagen, er war nicht mal bei der Pressekonferenz da, die im Anschluss von der Fields-Medaille von der Verleihung gemacht wurde, wo halt die PreisträgerInnen alle saßen. Und er war halt als einziger gefehlt, was doch sehr erstaunlich war. Ja, genau. Im Moment der höchsten Auszeichnung. Genau, und zehn Minuten vorher war er noch da, um die Auszeichnung entgegenzunehmen. Und er war auch danach noch auf der Konferenz. Also man hat ihn dann noch gesehen, aber er hat gesagt, er spricht nicht so gerne mit Journalisten. Was ich ehrlich gesagt ein bisschen schade finde, weil, naja, ich meine, seine Forschung wird ja von öffentlichen Geldern bezahlt.
Letzte Preisträgerin und ihre Errungenschaften
Ja, naja, okay. Spannende Charaktere hast du da auf jeden Fall. Ja, dann die dritte Person, auch sehr spannend: Jacob Zimmerman. Der hat auch an noch viel abstrakteren geometrischen Problemen gearbeitet, an sogenannten Shimura-Varietäten. Das sagt wahrscheinlich kaum jemandem was. Ich musste es auch erst mal googeln. Das sind ganz bestimmte Arten von geometrischen Objekten, die man sich, ich sag’s jetzt einfach mal so, nicht wirklich vorstellen kann. Die aber sehr wichtige Eigenschaften haben, die gerade auch in der Zahlentheorie wichtig sind. Also da, wenn man sich Primzahlen und so anguckt, deswegen werden die halt viel untersucht. Man weiß aber über diese Varietäten noch sehr wenig. Also man weiß insbesondere auch nicht genau, wie die aussehen, wie die beschaffen sind, also was für Punkte da drauf liegen und so. Und da hat Jacob Zimmerman sehr wichtige Fortschritte gemacht. Genau, dafür wurde er ausgezeichnet.
Mit ihm konnte ich auch sprechen. Und er hat gesagt, er hat tatsächlich sich in den letzten zwei Jahren seiner Karriere entschieden, dass er seine Chancen maximieren möchte, um die Fields-Medaille zu bekommen. Und deswegen hatte er sich extra so Probleme, wo er dachte, vielleicht könnte er es lösen, aber es wird wahrscheinlich sehr schwierig und nicht so viel Spaß machen. Er hat sich gedacht, naja, ergibt sich jetzt eben diese zwei Jahre, stürzt sich da rein, versucht es, um halt eben vielleicht diesen Preis bekommen zu können, bevor er halt 40 ist. Und es hat geklappt. Wow, okay. Na gut, klar, irgendwie muss man seinen Hut dann auch in den Ring werfen. Ja, aber auch sehr selbstbewusst und krass, ey. Also das muss man sich vorstellen. Das finde ich auch heftig, ja, total Respekt.
Und er hat, und da kommen wir auch noch drauf zu sprechen, er hat halt in der Pressekonferenz dann auf einmal so fallen lassen: Ja, ach übrigens, ich gehe dann halt zu OpenAI jetzt und werde dort KI-Sicherheitsforscher. Und das war halt für alle so: Oh mein Gott, was? Genau, und ich kann auch sagen, warum das so schockierend ist, aber können wir dann gleich machen. Gehen wir gleich drauf ein, ja.
Hong Wang und ihre Errungenschaften
Die letzte im Bunde, genau, das ist Hong Wang. Das ist die Frau, die hat die sogenannte Kakea-Vermutung gelöst. Das ist auch eine Vermutung, die sehr lange offen war, also jahrzehntelang und auch geometrisch. Und die kann man erklären. Und zwar, wenn du dir vorstellst, du hast eine unendlich dünne Nadel, also eine Nadel, und die liegt auf einem Blatt Papier. Und jetzt willst du sie so drehen, dass sie einmal in alle 360 Grad zeigt. Dann würde man jetzt sagen: Na ja, ich kann sie ja einfach drehen und dann markiert die quasi so eine Kreisscheibe. Einfach genau. Was man versucht zu machen, ist, dass man diese Drehung so vornimmt, dass möglichst wenig Fläche dabei eingenommen wird. Also man könnte statt die Nadel einfach nur zu drehen, könnte man wie bei so einem Einparkmanöver immer wieder vor- und zurückfahren. Dadurch wird die Fläche, die diese Nadel markiert, halt, die sieht dann so ein bisschen aus wie so eine Sonne, wenn man die malt, mit so Strahlen einfach nur. Und das kann man im Extremfall so machen, dass das Ganze wie so ein Fraktal ist. Also man hat ganz viele unendlich dünne kleine Streifen und das Ganze hat dann eine Fläche von null. Und die Frage, die halt im Raum stand, war: Wenn es eine Fläche von null hat, welche Dimension hat dieses Muster dann? Also weil es gibt, weil so Fraktalen, die haben dann Dimensionen, die teilweise kleiner sind als zwei, zum Beispiel also 1,5 oder so. Genau, und für den zweidimensionalen Fall war es bekannt, also für die Ebene, dass es halt eben trotzdem zwei Dimensionen hat, obwohl die Fläche nulldimensional ist. Und in Dreidimensionen war die Frage halt aber noch offen. Und Hong Wang hat gezeigt, dass es in Dreidimensionen dann auch dreidimensional ist. Also ohne dass man es komplett verstehen kann, kann ich euch auch beruhigen an den Endgeräten. Ich verstehe es auch nicht ganz, aber man checkt auf jeden Fall, dass sie krasse Forschung gemacht haben, alle vier.
Hong Wang ist ja jetzt dann auch erst die dritte Frau, habe ich gesagt, ne? Genau, sie ist erst die dritte Frau. Und ja, wenn man es runterbrechen will, hat sie Dimensionen von Fraktalen untersucht und dabei halt eben sehr wichtige Methoden entwickelt, die wahrscheinlich auch in anderen Bereichen halt wichtig sein könnten. Und genau deswegen wurde sie geehrt.
Leaks und Kontroversen
Okay, also so viel zur ganzen Mathematik, die dem zugrunde liegt. Kommen wir mal so ein bisschen zum Gossip, sage ich, der Veranstaltung. Weil also wahrscheinlich der größte Aufreger war, die Namen waren vorher klar. Die sind vorher öffentlich geworden von allen vier Preisträgern. Was ist denn da genau passiert? Und was weiß man darüber, wie das abgelaufen ist oder wer vielleicht auch dahinter steckt? Ja, also man muss dazu sagen, dass die Veranstalter im offiziellen Statement nur gesagt haben: Ja, es wurde wohl geleakt. Sie versuchen aber noch zu untersuchen, wie es dazu gekommen ist. Was im Internet kursiert, ist, dass eine Person aus China wohl wissen wollte, wer die Fields Medaillen gewinnt und die KI Codex gefragt hat, ob man auf der Webseite vom ICM, ob da die Namen vielleicht irgendwo stehen von den Gewinnern. Und tatsächlich hatte wohl, also laut diesem Gerücht, ist es wohl so, dass im Frontend der Webseite die Namen halt schon da standen, aber halt quasi mit so einem Hidden Code vorne, sodass man das jetzt nicht sieht, wenn man draufguckt. Aber wenn man sich halt den Code der Webseite ansieht, halt eben sehen kann, wer das ist und dass da halt die vier Namen standen. Und ich meine, im Internet waren dann überall diese vier Namen, die halt eben auch korrekt waren nachzulesen. Also quasi fürs menschliche Auge unsichtbar, aber die hatten es schon mal dahinterlegt, weil man die Webseite halt so weit vorgebaut hat, dass man es dann nur anschalten muss. Genau, genau. Und im Frontend halt nicht im Backend. Bitter. Da hat jemand Ärger bekommen, schätze ich mal. Ich vermute auch, ja. Ja, krass. Okay, also das ist quasi der eine Momentum.
Ja, und was ich daran halt so lustig finde, ist, na ja, das sollte ja eigentlich das größte Geheimnis sein, ja, rund um die Veranstaltung. Das größte Geheimnis war dann aber tatsächlich stattdessen, wer die Fields-Medaillen überreichen wird. Weil traditionell ist es so, dass es das Staatsoberhaupt macht. Und alle haben sich gefragt: Wird jetzt wirklich Donald Trump die Fields-Medaillen vergeben? Und wenn ja, wird er sie sich selbst verleihen? Nicht auszuschließen. Nicht auszuschließen, genau. Und das wurde halt vorher versucht. Also die Veranstalter wurden gefragt. Also ich kenne viele Journalisten, die danach gehackt haben, und es war nicht rauszubekommen, wer das jetzt machen wird. Und am Ende war es halt so, also offenbar wurde Trump gar nicht erst gefragt, sondern es hat ja der Vorsitzende der Internationalen Mathematischen Union gemacht. Also eigentlich gar nicht so spektakulär. Man hätte es ruhig sagen können, aber das war so das größte Geheimnis.
Fazit und Ausblick
Ja, wahrscheinlich wollten sie wenigstens ein Geheimnis dann behalten, auch irgendwie. Okay, also verkehrte Welt. Nicht die Preisträger waren unbekannt vorher oder wurden geheim gehalten, sondern dann, wer die Medaillen schlussendlich verleiht. Warst du denn bei der Verleihungszeremonie auch im Raum oder konnten da nur ausgewählte Leute rein? Also im Raum konnte jeder sein. Ich hatte nur leider einen etwas späten Zug und kam dann etwas später nach, war dann aber bei der Konferenz im Raum. Ah ja, okay, cool.
So, jetzt lassen wir uns noch mal auf den einen Preisträger eingehen. Er sagt mir gleich nochmal seinen Namen, der quasi die Seiten wechselt oder was heißt die Seiten? Da können wir gleich drüber diskutieren und zu diesem privatwirtschaftlichen Unternehmen OpenAI geht um KI-Forschung zu machen. Ja, das ist Jacob Zimmerman. Und das Ganze hat zu Aufregung geführt aus zwei verschiedenen Gründen. Also das Erste ist natürlich, ich habe es ja schon gesagt, die Fields-Medaillen ehren ja nicht nur die vorangegangene Forschung, sondern auch die, die noch kommt. Also er ist nicht der erste Mathematiker, der nach der Fields-Medaille dann irgendwann auch mal aus der Forschung rausgeht oder zumindest temporär aus der Forschung rausgeht. Er behält nämlich auch seine Professur, das heißt, er kann auch zurückkommen, aber pausiert halt erst mal.
Aber das halt direkt bei der Pressekonferenz zu sagen, ist halt schon krass. Also das direkt im Anschluss, das war halt schon heftig und hat bei vielen für Verstimmung gesorgt. Und dann kommt halt noch eben die Sache dazu, dass das Ganze halt eben mit KI zu tun hat, weil man muss sagen, die komplette Konferenz hatte auch so eine düstere Stimmung, eben gerade wegen KI. Also das ist einfach momentan in der Mathematik, nimmt das so eine besondere Rolle ein. Und ich glaube, das kann man sich gar nicht so vorstellen, wenn man da nicht drin steckt. Weil ich war auch auf großen Physikkonferenzen dieses Jahr und da war klar, ist KI da auch ein Thema, aber bei weitem nicht so. Und ich habe das Gefühl, dass in der Mathematik sich die Menschen wirklich existenziell bedroht fühlen, weil die neuen KI-Systeme große, große oder wichtige Ergebnisse mittlerweile liefern teilweise und wahrscheinlich bald auch richtig komplexe Beweise führen können. Also davon geht jeder bald aus. Und das ist ja eigentlich die Arbeit von MathematikerInnen. Und dann ist halt die Frage: Wofür sind denn dann die Menschen da noch? Und die Frage stellt sich ja in der Physik oder so zum Beispiel nicht. Also im Labor stehen ja immer noch Menschen, die viele von den Vermutungen machen. Menschen. Also da ist die Rolle des Menschen noch mal größer.
Und man muss sagen, dass die KI-Unternehmen sich ja auch sehr auf Mathematik stürzen. Also das ist so ein Fokuspunkt von denen. Und deswegen war dann generell, also auch junge, gerade junge Forschende, die noch keine festen Stellen haben, fragen sich: Sollen sie jetzt überhaupt noch ihre Karriere in der Mathematik machen? Sollen sie überhaupt Mathematik studieren, wenn man jünger ist? Ja. Und das ist so ein ganz, ganz großer Punkt. Und hinzu kam dann noch, dass ein paar Tage vor der Konferenz, also sonntags, als das WM-Spiel war, hat ein Mathematiker sich hingesetzt, der aber lustigerweise auch bei Anthropic arbeitet und hat eine sehr wichtige Vermutung in der Mathematik. Da hat er die Frage an, ich glaube, Claude Fabel war es, gestellt, ob die Vermutung richtig ist. Und Claude hat gerechnet und hat ein Gegenbeispiel gefunden. Und das ist halt eine Vermutung, an der wirklich viele Mathematiker seit Jahrzehnten gearbeitet haben. Also das ist wirklich so eine der größten Errungenschaften der KI generell. Aber das wäre auch ein Riesenergebnis, wenn es ein Mensch gemacht hätte. Also das hat halt schon so gezeigt: Okay, so langsam tritt eine neue Ära an und viele fühlen sich davon bedroht.
Berechtigte Sorgen?
Ja, sind diese Sorgen denn berechtigt aus deiner Sicht? Das ist so ein bisschen die Frage. Also ich denke schon, dass Menschen auf jeden Fall noch eine Rolle spielen werden, weil wir Menschen, wir messen ja bei, was wir spannend finden. Wir müssen ja auch noch mal prüfen, ob alles richtig ist und so. Die Frage ist aber ja natürlich: Welche Rolle nimmt denn der Mensch ein? Nimmt Er dann irgendwann mal nur noch eine kommentierende Rolle ein, oder nimmt er aktiv an der Forschung teil? Und das war Teil vieler, vieler Diskussionen.
Also, ich habe auch den Vergleich gehört, zum Beispiel mit Schach, dass ja KIs mittlerweile viel besser Schach spielen als Menschen.
Aber trotzdem spielen Menschen noch Schach, und trotzdem wird Schachspielen noch zugeguckt, also zwischen Menschen. Weil es ist super langweilig, einer KI beim Schachspielen zuzuschauen.
Die Frage ist halt nur: In der Mathematik, es ist ja auch ein Beruf, man wird dafür bezahlt. Ja, wie viel Zukunft gibt es? Dann stellt sich die Frage: Was ist denn genau die Rolle eines Mathematikers? Also besteht es nur darin, Beweise zu führen? Was genau wird denn noch gemacht? Und was davon kann der Mensch denn viel oder ist essentiell für den Menschen?
Ja, das ist halt super spannend, aber auch, wie gesagt, ein bisschen düster teilweise. Ja, sehr, sehr spannende Fragen auf jeden Fall. Fragen, mit denen sich auch die Preisträger und Preisträgerinnen auseinandersetzen müssen.
Über eine haben wir jetzt noch nicht gesprochen, nämlich über Hong Wang. Wir hatten es ein paar Mal gesagt: Er ist die dritte Frau, die so eine Fields-Medaille bekommen hat. Wäre jetzt ein Klischee gewesen, aber es fühlt sich bestätigt an, wenn ich das so lese.
Also ist Mathe dann doch immer noch diese Männerdomäne? Ich meine, du bist selber eine Frau in der Mathematik. Nimmst du das noch so als Männerdomäne wahr? Und wenn ja, woran liegt das aus deiner Sicht? Und hast du das Gefühl, da tut sich irgendwie was?
Ja, also auf der Konferenz war der Frauenanteil auf jeden Fall deutlich geringer als der Männeranteil, das schon. Es sind Frauen da, auch natürlich. Gut, ich bin jetzt als Journalistin da. Generell bei der Presse ist der Frauenanteil eher sogar ein bisschen höher.
Aber ja, nee, also es ist schon so, dass es deutlich weniger Frauen sind, immer noch in dem Gebiet. Vor allem auch, wenn man jetzt anguckt, ich meine, es waren ja generell auch eher ältere Menschen teilweise da. Und da ist der Frauenanteil noch mal viel geringer.
Bei den Jüngeren kommen mehr Frauen nach. Das sieht man schon, das ist auch gut. Was auch ganz interessant ist: Es ist nicht nur, dass Hong Wang eine Frau ist, sondern sie ist ja auch Chinesin, genauso wie Yu Deng.
Und auch da gab es bisher, ich glaube, es gab vor ihnen nur einen anderen Viz-Medallienpreisträger. Und das ist auch erstaunlich, weil es gibt sehr viel Mathematik in China. Und da wurden auch viele Fragen gestellt, woran das liegt, dass die erst irgendwie die Zweiten oder Dritten, wenn man so will, sind.
Und da wurde auch gesagt, ja, mittlerweile, dass die Unis besser sind, dass viele auch wieder zurückkehren. Und aber auch, um noch mal auf das Thema Geschlecht zu kommen, was ich ganz spannend fand: Was so ein typisches Klischee ist, was ich jetzt auch nicht unbedingt gerne bediene.
Aber ich habe ja eben schon gesagt, als ich die Viz-Preisträger vorgestellt habe, die Männer waren ja sehr selbstbewusst und haben gesagt, ja, sie haben darauf hingearbeitet oder es hat sie nicht gewundert, dass sie das bekommen haben.
Und Hong Wang ist da komplett anders. Also sie hat quasi gesagt, dass sie angefangen hat, Mathe zu studieren, weil sie es spannend fand. Dann hat sie gemerkt, dass es ihr sehr schwerfällt, nach eigenen Worten, und hat deswegen eine Pause eingelegt und hat Architektur studiert.
Hat dabei aber gemerkt, dass sie eigentlich Mathe total mag und hat gedacht, na gut, dann kehrt sie zur Mathematik zurück. Testweise gibt sie sich, ich glaube, drei oder fünf Jahre, einfach um zu gucken, ob es ihr Spaß macht und ob es funktioniert.
Und wenn nicht, dann macht sie halt was anderes. Und dann habe ich noch mit einem Journalisten von Scientific American geredet, und er hat mir erzählt, er war im Februar auf einer Konferenz, wo auch Hong Wang war, und sie wusste damals schon, dass sie die Viz-Medaille bekommt.
Das muss man wissen. Also sie wusste es schon. Und sie hat auf der Konferenz, wo sie eingeladen war und den Vortrag gehalten hat, gemeint, dass sie sich total geehrt fühlt, dass sie hier diesen Vortrag halten darf und sich eigentlich fehl am Platz fühlt, neben all diesen großen Namen hier auch zu sprechen.
Und er hat sie dann nochmal darauf angesprochen und meinte, aber du wusstest doch schon, dass du die Viz-Medaille bekommst. Sie meinte, ja, aber trotzdem, das kann man ja nicht vergleichen mit dem, was die schon geleistet haben.
Also total anders. Wow, ja. Sehr bodenständig. Interessant. Ja, das ist vielleicht auch ein Punkt, der da eine Rolle spielt.
Manon, tolle Geschichten, die du da mitgebracht hast von dieser Konferenz. Gefühlt reicht quasi alles, was so neben der Mathematik passiert, schon für mehrere Jahre eigentlich aus.
Aber es wird natürlich auch in vier Jahren wieder eine Konferenz geben. Wenn du jetzt auf diese so ein bisschen zurückblickst, auch die erste, die du jetzt aktiv vor Ort miterlebt hast, was könnte denn vielleicht von diesem Kongress langfristig auch in Erinnerung bleiben?
Ja, ich denke eben, dass dieser ganze Punkt mit KI auf jeden Fall da bleiben wird. Vor allem, wenn man sieht, vor vier Jahren, als die Konferenz stattfand, war das ja noch überhaupt kein Thema.
Ich war auch letztes Jahr auf einer Mathekonferenz und ich weiß noch, dass ich da allen Mathematikern die Frage gestellt habe, mit denen ich gesprochen habe, ob sie KI in ihrer Arbeit verwenden.
Und dass ich das Gefühl habe, dass so normale Mathematiker, die jetzt nicht an KI arbeiten, überhaupt noch nicht damit arbeiten. Und diese Frage ist komplett von meinem Fragenblock verschwunden, weil jeder das aktuell nutzt.
Also vielleicht einzelne Menschen jetzt nicht, aber fast alle nutzen es für so kleinere Schritte zumindest. Also jeder benutzt KI, habe ich das Gefühl. Die Frage stellt sich gar nicht mehr.
Und die Frage ist, wie das in vier Jahren überhaupt aussehen wird. Die Konferenz soll dann in Schottland stattfinden. Und einige, also einige wenige, haben prophezeit, dass es in vier Jahren überhaupt keine Viz-Medaille mehr geben wird, weil es keinen Sinn mehr gibt, sie an Menschen zu verleihen.
Ob das stimmt, wage ich zu bezweifeln. Das ist auch nicht das, was die Mehrheit der Menschen denkt. Aber das sind halt Aussagen von teilweise bekannten Mathematikern, die so grassieren und die Leuten halt Angst machen.
Okay, also das Thema KI bleibt hängen nach der Konferenz. Und Manon würde ich gerne zum Schluss noch wissen: Was bleibt denn bei dir ganz persönlich hängen? War ja für dich auch ein Highlight, da hinzufahren.
Überhaupt? Ja, total. Also ich muss sagen, ich fand die Community unfassbar herzlich und freundlich. Also ich habe mit sehr, sehr vielen MathematikerInnen gesprochen.
Alle haben sich gefühlt gefreut, über ihre Forschung zu reden, mit Journalisten. Das ist ja auch nicht immer der Fall. Und wir hatten auch abseits der Konferenz oder so abends häufiger Zusammenkünfte mit Mathematikern, die total interessiert waren und die erzählt haben und wo man dann einfach sich spontan zum Essen getroffen hat.
Also es war eine sehr, sehr schöne Gemeinschaft, einfach, muss ich sagen. Sehr schön. Dann vielen, vielen Dank, dass du uns davon berichtet hast.
Mehr erfahrt ihr auf spektrum.de. Manon hat natürlich auch Artikel geschrieben und Interviews gemacht, wie ihr gehört habt. Das könnt ihr dann alles bei Spektrum nachlesen.
Und ja, Manon, vielen vielen Dank für den kleinen Ausflug nach Philadelphia. Ja, danke dir.
Und das war’s für diese Woche von uns hier beim Spektrum-Podcast. Schön, dass ihr zugehört habt. Nächsten Freitag gibt’s wie immer eine neue Folge von uns.
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Mein Name ist Max Zimmer und ich sag Tschüss und macht’s gut. Spektrum der Wissenschaft. Der Podcast von detektor.fm. Spektrum der Wissenschaft. Der Podcast von detektor.fm.