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Bild: Suliman Razvan | Shutterstock.com

Spektrum-Podcast | Psychedelika

Warum wir vor dem Tod high sind

Unser Körper produziert eigenständig starke Psychedelika, wie sie auch im halluzinogenen Ayahuasca-Trank enthalten sind. Erklärt das Träume, Kreativität und den letzten Rausch kurz vor dem Tod?

Psychedelika wie DMT (kurz für: Dimethyltryptamin) werden in Lateinamerika seit Jahrhunderten für rituelle Zeremonien genutzt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des schamanischen Gebräus Ayahuasca. Das ist ein halluzinogener Trank, der einen heftigen Rausch auslöst und zur Bewusstseinserweiterung genutzt wird.

Erstaunlicherweise produziert der menschliche Körper solche Psychedelika auch selbst. Forschende haben DMT im Blut, Urin und im Gehirn nachgewiesen. DMT ähnelt strukturell dem Neurotransmitter Serotonin, ein Hormon das für unsere Stimmung, den Schlaf-Wach-Rhythmus, Appetit und sogar Darmtätigkeit zuständig ist. DMT bindet an dessen Rezeptoren. Offenbar kann es Prozesse auslösen, die Reparatur und Wachstum von Nervenzellen fördern.

Gleichzeitig scheint die Substanz das Gehirn bei Sauerstoffmangel zu schützen: In Experimenten mit Tieren überlebten Nervenzellen mit DMT deutlich besser, Entzündungen nahmen ab, Schäden nach Schlaganfällen waren geringer.

Aufgrund der rauschhaften Wirkung auf das Gehirn könnten die Psychedelika auch Träume und Kreativität beeinflussen sowie spirituelle Erfahrungen und insbesondere Nahtoderlebnisse erklären.

Psychedelika beim Sterben

Versuche zeigen beispielsweise, dass der DMT-Spiegel im Gehirn bei lebensbedrohlichen Situationen stark ansteigt. Berichte von Nahtoderfahrungen ähneln auffällig den Beschreibungen eines DMT-Trips: Es fühlt sich an, als würde man seinen Körper verlassen, das Zeitgefühl verändert sich, Emotionen sind verstärkt. Forschende vermuten daher, dass kurz vor dem Tod vermehrt Psychedelika ausgeschüttet werden.

Warum der Körper eine halluzinogene Substanz herstellt, ohne dass wir ständig „high“ sind, ist dabei bis heute nicht vollständig geklärt. Aber seine neuroprotektiven Eigenschaften machen DMT auch therapeutisch interessant. Erste Studien untersuchen seinen Einsatz bei Schlaganfällen, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Gleichzeitig arbeitet man daran, DMT-Derivate zu entwickeln, die medizinisch wirksam sind, ohne starke Halluzinationen auszulösen.

Was genau DMT im Gehirn macht, ist extrem schwierig nachzuweisen.

Anna von Hopffgarten

Anna von HopffgartenFoto: Spektrum der Wissenschaft

Anna von Hopffgarten leitet bei Spektrum der Wissenschaft die Redaktion Life Sciences. Im Gespräch mit detektor.fm-Moderator Marc Zimmer erklärt sie, was über DMT und seine psychedelische Wirkung in unserem Körper bekannt ist.

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