Hier ist der Antritt der Fahrrad Podcast auf detektor.fm mit der 1. September Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich begrüße euch zu dieser Ausgabe, in der ich mit euch mal kurz in die Alpen fahre. Zumindest akustisch. Denn ich bin Anfang dieser Woche in Garmisch-Partenkirchen gewesen und habe dort auf einer Veranstaltung für Fahrradhändlerinnen und Fahrradhändler mit Amelie Suttner vom Netzwerk Women in Cycling gesprochen. Denn Women in Cycling haben im Juni eine neue Studie zu Frauen und ihrer Wirtschaftskraft im Fahrradmarkt veröffentlicht. Sie sagen, gestützt auf ihre Studie, dass diese Wirtschaftskraft von Frauen systematisch unterschätzt wird. Woran sie das festmachen und was das bedeutet, darüber habe ich mit Amelie gesprochen. Und das Gespräch dazu könnt ihr hier hören. Ich hab’s aufgezeichnet und mein Kollege Tim Schmutzler hat’s geschnitten. Und ich wünsche euch viel Spaß damit.
Antritt der Fahrradpodcast
Herzlich willkommen zu einer Live-Ausgabe des Fahrradpodcasts Antritt hier auf dem Satzbike Festival in Garmisch-Partenkirchen. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich mache seit über zehn Jahren den Fahrradpodcast Antritt auf detektor.fm. Der Antritt befindet sich auf einer unendlich langen Reise durch die Fahrradwelt und wir beschäftigen uns mit allen möglichen Fahrradthemen von Sport und Technik über Planung und Politik zu Alltag, Geschichte und noch vielem mehr. Wir erscheinen jeden Freitag. Man findet uns unter detektor.fm/antritt und auf allen üblichen Podcast-Plattformen.
Und heute findet man mich hier unterhalb der Skischanzen auf dem Satzbike Festival in Garmisch. Ich habe eben kurz nachgedacht, ob ich schon mal an so einem Ort einen Podcast moderieren durfte. Ich glaube, es nicht. Auf jeden Fall ist das hier unter meinen Top 3 Locations von Aufnahmesituationen. Und dieses Festival überhaupt und dieser Podcast werden unterstützt von Lenexo, dem Anbieter für Fahrrad- und E-Bike-Versicherungen sowie Dienstrad-Leasing. Und neben Schutz und Service engagiert sich Lenexo in der Initiative Women in Cycling und für die Themen Diversität und Teilhabe im Radmarkt.
Wir haben als Podcast die Arbeit von Women in Cycling im Antritt zum Beispiel schon im Juli 2025 mit Isabel Eberlein und Angela Franke thematisiert. Und in dieser Ausgabe greifen wir das Thema wieder auf. Denn es gibt eine neue Studie aus dem Juni 2026. Sie heißt „Frauen – der unterschätzte Wachstumshebel“ und sie beschäftigt sich mit dem Wirtschaftsfaktor Frau im deutschen Fahrradmarkt.
Gespräch mit Amelie Suttner
Und jetzt habe ich schon so viel gesagt und freue mich, dass ich endlich darüber sprechen kann mit Amelie Suttner. Amelie ist Soziologin und Stadtplanerin. Sie hat diese Studie zusammen mit anderen koordiniert. Sie leitet die Geschäftsstelle von Women in Cycling Germany. Und ich sage ganz herzlich Hallo Amelie. Willkommen unter den Sprungschanzen.
Hallo Gerolf! Sehr besonderen Ausblick, den wir hier heute haben. Ich bin ganz begeistert. Schön, dass wir heute hier sind. Amelie, ihr habt da diese Studie veröffentlicht. Ich habe es schon gesagt im Juni 2026. Und ihr schreibt in eurer Studie, Frauen würden als entscheidende Zielgruppe systematisch unterschätzt. Woran macht ihr das fest?
Nun ja, also vielleicht noch ein kurzer Hintergrund zu der Studie. Es ist tatsächlich so, wir von Women in Cycling Germany sind ein Netzwerk für Frauen in der deutschen Fahrradbranche. Uns gibt es auch auf europäischer Ebene und in verschiedenen anderen europäischen Ländern. Wir haben ein Jahrestreffen im Januar veranstaltet, wo es um Frauen und Leadership im Handel ging. Und dort haben wir dann noch mal herausgefunden, wie viel Prozent sozusagen machen eigentlich Frauen als Kundinnen im Fahrradhandel aus. Und dann waren da ganz viele Expertinnen vor Ort. Und dann haben wir gemerkt, vielleicht fehlen da tatsächlich die Zahlen. Und sozusagen, was ist eigentlich das Umsatzpotenzial, was Frauen derzeit in der Fahrradbranche für den Fahrradmarkt bedeuten? Und dort wollten wir dann noch mal rein.
Und deswegen haben wir uns dann zusammen mit der IFH Köln, das ist ein Institut für Handelsforschung, zusammengetan und haben gesagt, wir haben jetzt eine Timeline von knapp vier Monaten. Wir würden gerne auf der Eurobike eine neue Studie veröffentlichen, wo wir genau diese Zahlen eben präsentieren möchten. Wie viel Prozent des Marktumsatzes entfallen denn auf die Frauen und was ist denn da für ein Hebel? Und was ist da auch noch für ein Potenzial für die deutsche Fahrradwirtschaft?
Und da haben wir uns dann unter anderem mit verschiedenen, genau, IFH-internen Daten konnten wir reanalysieren. Aber wir haben unter anderem eben auch in der deutschen Fahrradwirtschaft herumgefragt und nach zusätzlichen Daten gefragt, unter anderem, wie gesagt, jetzt auch von Lenexo, die welche bereitgestellt haben, oder auch ITO. Du hast es eben schon gesagt, Frauen machen 51 Prozent der Bevölkerung aus, aber sie haben nur 38 Prozent Anteil am Umsatz in der Fahrradbranche.
Anspracheproblem
Interessiert sich die Fahrradbranche einfach weniger für Frauen? Oder woran liegt das? Das würden wir eben so gar nicht sagen. Also vielleicht klar, was du auch am Anfang meintest. Wir sagen natürlich, die Frauen werden da weniger angesprochen, aber können einfach genau diesen Wirtschaftshebel auch darstellen. Und wir sagen, ja, es ist kein Nachfrageproblem von der Zielgruppe Frau da, sondern es ist ein Zugangs- und Anspracheproblem. Und das wollen wir eigentlich mit der Studie auch zeigen. Es ist ganz viel Potenzial bei der Zielgruppe Frau da. Wir müssen sie bloß besser erreichen. Und das wollen wir aufzeigen.
Und die Studie ist tatsächlich auch, ich nenne es mal als Weckruf gedacht, als Werkzeug für die Branche und auf keinen Fall ein Anklagebrief, sondern wir wollen zusammen mit der Branche erarbeiten, wo können wir hin, wo kommen wir her und wie können wir die Frauen in ihrer ganzen Ausprägung in den verschiedenen Clustern, da kommen wir gleich auch noch mal drauf, die die Studie auch identifiziert, wie können wir die Frauen noch mal besser ansprechen, dass einfach sozusagen mehr Fahrräder, inklusive Services zu Behörden, sowas wie Versicherungen, sowas wie Accessoires, noch mal mehr an die Frauen auch verkauft wird.
Wenn du sagst, es ist ein Anspracheproblem und Frauen wollen eigentlich Fahrrad fahren oder wollen mehr Fahrrad fahren oder wollen mehr Umsatzanteil haben und die Fahrradbranche, die will ja naturgemäß auch Fahrräder verkaufen und gern auch mehr. Ist es letztlich ein Kommunikationsproblem? Also wie gegenüber Frauen kommuniziert wird? Ist das die Übersetzung für dieses Anspracheproblem? Weil es klingt für mich so, als würden beide Seiten eigentlich wollen.
Ich würde ich auch sagen, es ist ja so ein bisschen, wer spricht denn wen an? Und natürlich sind halt die Fahrradbranche, wie auch generell die Mobilitätsbranche, ist ja einfach sehr männlich geprägt. Das haben wir schon in der anderen Studie, die eben letztes Jahr erschienen ist, wo du wahrscheinlich da mit Isabel und Angela auch darüber gesprochen hast, wo wir eben sagen, wie viele Frauen arbeiten in der deutschen Fahrradbranche. Genau, stand letztes Jahr.
Und wir wollten jetzt eben schauen, wie können wir denn zusätzlich? Also wirklich, wir reden hier und die Studie schaut sich Status 2025 an mit Ist-Zahlen, aber rechnet eben auch Prognosen bis 2030 für den Fahrradmarkt auf. Und da schauen wir eben an, hey, was können wir denn jetzt? Was haben wir jetzt für Stellhebel, die wir ad hoc ändern können, um tatsächlich dieses Umsatzvolumen bis 2030 zu erhöhen? Und da reden wir, da kann ich vielleicht schon mal die Zahl droppen, da sprechen wir eben von einem Umsatzvolumen von bis zu 950 Millionen.
Cluster der Zielgruppe
Zu den Hebeln würde ich gern ein bisschen später im Gespräch kommen. Vorher möchte ich gern mit dir über Cluster sprechen, denn ihr habt fünf verschiedene Cluster identifiziert innerhalb der Zielgruppe Frauen im Fahrradmarkt. Welche sind denn das?
Genau, da habe ich mich natürlich als studierte Soziologin gefreut. Da kommt natürlich, da freut sich mein Marktforschungsherz. Es ist tatsächlich so, die Frauen oder die Cluster innerhalb der Zielgruppe Frauen, die kommen vom Forschungsinstitut, also von der IFH Köln. Die haben eben gesagt, Frauen sind nicht einfach nur eine Zielgruppe, sondern wir müssen da nochmal dezidierter reingehen. Wen sprechen wir wie an? Und genau, vielleicht gehe ich da mal kurz drauf ein.
Also 18 Prozentpunkte fallen auf die Zielgruppe von Passion Driven Riders. Das heißt, Fahrrad gehört hier zum Lebensstil, ist eine hohe Zahlungsbereitschaft. Diese Frauen sind sehr technikaffin. Sie sind sehr performancegetrieben. Es wird allerdings eben auch, wie gesagt, 18 Prozent ist relativ hoch, aber da wird dann auch errechnet, das Wachstumspotenzial ist relativ gering oder etwas geringer, dadurch, dass diese Frauen sich ja schon vielerlei Hinsicht sehr mit Fahrrad beschäftigen und einfach schon sehr involviert sind.
Dann gibt es die Gruppe von Safety Seeking Riders. Das ist tatsächlich die größte Gruppe mit 26 Prozent. Die haben eine hohe Motivation, fühlen sich aber durch Sicherheitsbedenken, beispielsweise durch fehlende Infrastruktur im Straßenverkehr, die fühlen sich dadurch ein bisschen begrenzt und die können wir eigentlich noch mal besser motivieren. Da ist ein sehr hohes Wachstumspotenzial, gerade wenn man eben Argumente wie Vertrauen und, wie gesagt, auch Verkehrssicherheit wirklich als sehr großes Argument dort noch mal bedient.
Dann haben wir das Cluster von Service Oriented Riders. Das sind 23 Prozent. Das sind Frauen, die nach viel Beratung suchen, nach Vertrauen, nach so einer Rundum-Expertise, können aber auch sehr gut aktiviert werden und suchen tatsächlich einfach dieses persönliche Kundinnen-Händlerinnen-Verhältnis. Und das sind 23 Prozent. Also wir sprechen hier wirklich, das will ich noch mal kurz einhaken, von Safety Seeking Riders und Service Oriented, die zusammen auf 49 Prozent der Zielgruppe Frauen entfallen, die eigentlich noch hohes Wachstumspotenzial aufweisen.
Dann haben wir Inconsistent Riders, das sind neun Prozent. Die sind eher preisgetrieben. Da ist dann eher so eine rationale Gründe, fahre ich Fahrrad? Was ist das Nutzen? Hier ist tatsächlich hohes Potenzial für Händlerinnen oder auch für Servicedienstleister, dass man sagt, hey, was ist das hohe Potenzial durch einfach wirklich Vereinfachung von Informationen? Einfach sagen, das ist der klare Nutzen, den wollen wir so kommunizieren. Und dann noch die Gruppe von Low Involvement Riders, wo wir ausgerechnet haben, die haben aber die wenigste Aktivierung und das geringste Wachstumspotenzial, die dort anfallen.
Du hast es eben schon gesagt, die Safety Seeking und Service Oriented sind 49 Prozent zusammen und das sind die bei denen ihr diesen Hebel seht. Passion Driven, weil sie sich schon so stark identifizieren und schon so viel Umsatz wahrscheinlich auch machen, fallen die da raus. Also nicht unbedingt rausfallen, aber können noch nicht mehr so sehr aktiviert werden wie tatsächlich eben die anderen beiden Gruppen zusammen.
Ja, war von mir schräg formuliert. Also sie sind nicht im Fokus, wenn wir darüber sprechen, wer kann aktiviert werden. Und du hast vorhin auch Hebel genannt. Welche Hebel wären denn das?
Mir ist zum Beispiel auch aufgefallen, Safety Seeking, du hast Straßenverkehr, Infrastruktur angesprochen. Liegen diese Hebel jetzt nur im Bereich der Fahrradbranche oder der klassischen Fahrradbranche und des Handels und allen möglichen anderen Abteilungen der Fahrradbranche sozusagen? Oder liegen die vielleicht auch außerhalb, wenn ich auf so etwas wie Infrastruktur schaue?
Natürlich, beides. Aber es ist schon sehr wichtig, gerade auch für Händlerinnen und für die Fahrradbranche zu verstehen, dass eben sehr viele Hebel tatsächlich in der Fahrradwirtschaft in der Branche selbst liegen. Dass man eben nicht darauf warten muss und auch kann, dass die Kommunen beispielsweise neue Fahrradwege bauen. Darum geht es gar nicht, sondern wir sagen wirklich, wir haben die Zielgruppe Frauen, die sagen, wir suchen ein sicheres Bike, das perfekt an die eigene Körpergröße angepasst ist. Ich suche vielleicht auch einen neuen Helm, ich will ein neues Schloss, ich will einfach ein Fahrrad, mit dem ich gerne fahre, was auf mich abgestimmt ist, mit dem ich mich sicher fühle.
Und das sind ja alles Beratungspunkte, die im Fahrradhandel liegen und die tatsächlich, und das kommt eben auch aus der Studie raus, dass sich genau die Frauen eben auch gerne im Handel beraten lassen und auch dort gerne informieren. Also wir haben die Zahl von 41 Prozent der Frauen, die sich in ihrem privaten Umfeld informieren, die dort sich Informationen einsammeln von Freundinnen, von Geschwistern, welche Fahrräder bereits gefahren werden. Aber dass man eben auch sagt, der Handel hat da ganz viel Wissen und sozusagen die Beratung endet nicht beim Fahrradkauf, sondern da kann man eben auch nochmal rein und beispielsweise, und da nehme ich mal als Beispiel für den Hebel, dass man sagt, ja, man hat ein Wartungs-Service-Produkt, wo man heißt, einmal im Jahr wird einfach zurück zum Fahrradhändler, zu der Werkstatt gegangen, dort wird nochmal das Fahrrad durchgecheckt. Das sind genau Produkte, die diese Gruppe Zielgruppe Frauen gerne haben möchte.
Beratung und Ansprache
Jetzt sind so Hebel oder Werkzeuge wie Beratung oder so Service-Termine ja auch welche, die sind schon vorhanden. Die werden ja schon gemacht von Händlern. Wenn da trotzdem diese Lücke noch besteht, könnte man sich ja fragen, okay, werden die vielleicht nicht richtig gemacht? Also ist da wieder das ein Anspracheproblem? Also wie wird quasi diese Leistung erbracht? Oder würdest du sagen, das wird generell zu wenig gemacht?
Es wird zu wenig auf individuelle Räder beraten. Ich würde eher sagen, dass da auf jeden Fall nochmal, gerade auch im Handel, nochmal ganz konkret hingeschaut werden kann. Dass man eben sagt, werden Frauen im Laden aktiv angesprochen oder werden sie mitgedacht als potenzielle Kundinnen? Habe ich vielleicht nicht sozusagen konkret mit dem Fallbeispiel der Frau, die in meinem Laden kommt und ein Fahrrad kaufen möchte, habe ich dort nochmal nachgefragt, was ist das Nutzungsbedürfnis dahinter? Was sind die Wünsche? Erzählt sie vielleicht von weiten Wegen am Wochenende oder erzählt sie vielleicht von vielen Alltagsstrecken? Das sind einfach unterschiedliche Nutzungsbedingungen, auf die gehört und auf die dann auch aktiv eingegangen werden kann und die ja dann sozusagen auch verschiedene Customer Journeys der verschiedenen Kundinnen einfach auch beeinflussen.
Deswegen würde ich sagen, ich glaube, es geht ganz viel darum zu sagen, sehe ich die Zielgruppe Frau als eine oder sehe ich sie eben konkretisiert auf verschiedene Frauen, die nach Beratung fragen? Und danach wird eben schon gefragt.
Du hast mir meine nächste Frage schon vorweggenommen. Du hast die Customer Journey erwähnt. Was ist die Customer Journey? Auf die geht es hier in der Studie auch ein.
Genau, also es geht ja wirklich darum zu schauen, inwiefern sozusagen wie wird sich informiert von Information zu Kaufentscheidung und dann auch tatsächlich Fahrradkauf. Und da haben wir eben herausgefunden, dass die Frauen stark persönlich und vertrauensbasiert sich informieren. Wie gesagt, schon diese 51 Prozent, die sich bei Freundinnen oder Familie an der Kaufentscheidung orientieren. An dem Fall will ich einmal kurz sagen, dass Männer haben gesagt, sie machen das nur zu 39 Prozent. Also da ist wirklich ein krasses Gap, dass da eigentlich auch noch mal reingegangen werden kann.
Genau, das grundsätzlich sagen vor dem Kauf ist es die persönliche Beratung. 50 Prozent sagen, dass das wichtig ist. Probefahrt 43 Prozent. Also wirklich so dieses, ich will testen, ob dieses Fahrrad zu mir passt, ob ich mich damit wohlfühle. Da sind wir dann wieder genau in diesem Sicherheitsbedürfnis und einfach sozusagen, ist das auf mich abgestimmt, auf das Bedürfnis, wie ich fahren möchte. Und genau, als Kaufkriterien sind einfach Preis und Passform mit am wichtigsten. Die perfekte Anpassung und optimale Anpassung an den Körper ist zum Beispiel 48 Prozent geben das als sehr wichtig an. Und auch nochmal auch der Punkt, dass man sagt, man informiert sich über den Gebrauchtmarkt, weil 64 Prozent der Frauen würden ein hochwertiges Gebrauchtrad kaufen, wenn es, wie gesagt, dann auch wieder perfekt zu ihnen passt und zu den eigenen Bedürfnissen.
Zufriedenheit mit der Beratung
Das Preis natürlich schon weiterhin ein Kaufargument ist, aber dass wir sagen, da ist wahnsinnig viel Potenzial, wenn wir richtig beraten und vielleicht auch nochmal sozusagen das Spektrum erweitern an Möglichkeiten des perfekten Fahrrads. Habt ihr sowas abgefragt, wie Zufriedenheit mit der bisherigen Beratung? Also quasi, wie die bisherige, die aktuelle Customer Journey so aussieht und was da verbesserungswürdig wäre?
Da müsste ich jetzt nochmal in die 72-seitige Studie reingeschaut, aber ich würde sagen, wir fragen tatsächlich. Also wir haben ja auch verschiedene Expertinnen und Experten befragt. Und zum Beispiel hatten wir ja dort eine Tina Totsch, die Filialeiterin von eMotion in Hannover ist. Tatsächlich ist es genau, was eben Tina Totschs Argument war, war so ein bisschen, wir sprechen ganz konkret mit den Frauen, die vor Ort zu uns kommen. Wir wollen verstehen, was ist deren Bedürfnis, was ist deren Nutzen und dahingehend beraten wir. Einfach nochmal ganz tief reinzugehen und sich auch Zeit zu nehmen und eben zu verstehen, das ist Teil der Kaufentscheidung, das beeinflusst, welches Fahrrad am Ende gekauft wird.
Und da kommen wir dann auch wieder zu den Clustern zurück, hier Service Orientated und Safety Seeking, die tatsächlich auch so quasi diese Ausprägung als Zielgruppe haben. Die sagen, ich will diese Beratung, ich will mich nochmal darüber informieren und ich will mich sozusagen beraten lassen. Und tatsächlich eine von den beiden Zielgruppen sagt dann einfach auch, es geht mir darum, wenn ich diese Beratung sinn- oder zielgerichtet bekomme, kaufe ich auch dieses Fahrrad. Und da glaube ich, man hat dann diesen Kaufabschluss basierend auf den Informationen, die ich als Händlerin, als Händler aktiv mitgebe und dann eben auch zum Beispiel kombiniert mit zusätzlichen Accessoires, zusätzlichen Leistungen, die ich vielleicht auch einfach als Händler mit vertreiben kann.
Klischees und Ansprache
Man muss bei Klischees immer so ein bisschen vorsichtig sein, damit man sich nicht selbst irgendwie das Klischee nicht ständig wieder verstärkt. Aber ein Klischee, was ich im Kopf habe, ist trotzdem der Fahrradhändler, in dessen Werkstatt ein Mechaniker steht. Ich kenne auch sehr gute Fahrradmechanikerinnen und ich weiß, dass es die gibt. Aber allein von meiner eigenen Empirie, von den Fahrradläden, die ich so kenne, die ich besuche, ist es schon so, einfach ganz klar, dass die Mehrzahl der Leute, die solche Läden betreiben und die in den Läden angestellt sind und die dort arbeiten und die letzten Endes den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden haben, das sind Männer. Und meine Frage an dich ist einfach, spielt das eine Rolle für Frauen?
Was wir gehört haben ja. Ich will mich jetzt aber nicht so weit aus dem Fenster lehnen, dass das die Studie auf Daten basiert, so wiedergibt. Wir haben schon erfahren, dass natürlich, und ich glaube, das wäre tatsächlich noch eine andere erweiterte Studie, es ist dann eher Mystery Shopping, wenn man in diese Richtung geht, wo man dann genau so etwas erforschen kann, zu sagen, wie ist die Ansprache? Fühle ich mich als Frau angesprochen? Fühle ich mich da gut beraten?
Aber ich glaube, worauf du ja auch eingehst, ist nochmal, wie vielleicht auch Technik oder Komplex ist eine Beratung, die ich auch als Händlerin, als Händler gebe. Also zu sagen, nicht nur ich konzentriere mich auf die Bedürfnisse der Kunden, sondern auch wie wird darüber gesprochen? Rede ich genau so, dass es auch verstanden wird? Oder kann ich vielleicht auch in meinen Ausführungen zum Fahrrad Komplexität reduzieren? Kann ich vielleicht einfach in Lösungen denken, anstatt zu erzählen, wie toll dieser Antrieb ist? Dann muss ich über die Technik reden oder kann ich die Technik als den Lösungsbaustein sehen?
Dann sind wir nämlich wieder genau da. Es ist eine Kommunikation und es ist, glaube ich, ganz wichtig zu sagen, mit wem rede ich und wie will ich auch darüber sprechen. Und das ist ja wirklich auch eine Stellschraube, die jeder und jede individuell sich einfach hinterfragen kann. Rede ich einfach gerne über den Antrieb, weil ich selbst ganz begeistert davon bin? Oder kann ich vielleicht der Kundin erzählen, das hat den Nutzen für dich, das bringt dich nochmal zwei Tage später, musst du das Fahrrad erst aufladen? Ist eine andere Kommunikation, kommt im Endeffekt auch selber raus, dass dann dieser Antrieb der beste ist.
Ja, und vor meinem inneren Auge ist jetzt schon wieder jemand aufgetaucht, nicht der Fahrradhändler, sondern Freundinnen, die ich habe und Frauen, die ich kenne, die sehr technikaffin sind, die es natürlich auch sagen würden, so Moment mal, du kannst mit mir auf jeden Fall über diese Scheibenbremse, über diese Schaltung oder so, über sowas. Das steht sich ja nicht entgegen. Es ist eigentlich völlig logisch. Also genauso wie es bei Männern welche gibt, die kennen sich mit der Technik aus und dann gibt es welche, die interessiert das überhaupt nicht. So ist es eigentlich auch bei Frauen.
Ganz genau. Also kann man vielleicht auch nochmal so modern sagen, keine One Size Fits All Kommunikation, sondern genau einfach dann auch wieder auf die Zielgruppe spezifisch und zu sagen, ja, was für ein Verkaufsgespräch möchte ich gerade führen? Wie du auch selbst sagst, wenn eine Frau, die vielleicht dann performance-driven ins Radgeschäft kommt und sich selbst bestens auskennt, toll, habe ich ein super Gespräch, kann vielleicht fachsimpeln. Oder aber ich habe immer gesagt, ich würde gerne ein neues E-Bike kaufen, ich kenne mich aber nicht aus. Und dann ist das ja sozusagen die neue Basis, auf der ich dann auch sprechen muss.
Und ich glaube, dass man da einfach, wie du auch sagst, die Zielgruppe einfach nicht sagt, das ist die Zielgruppe Frau, sondern das sind viele verschiedene Personen und das auch nochmal zu verstehen. Die brauchen verschiedene Ansprache und da ist dann auch extrem viel Wachstum. Und da sind wir dann wieder einfach Zahlen. Da ist einfach extrem viel Marktpotenzial zu holen, weil sich die Leute verstanden und auch wirklich aktiviert fühlen.
Und da dann wieder die Frage, denke ich, die Frau als Zielgruppe mit oder spreche ich sie tatsächlich konkret an oder die Zielgruppen in dem Fall? Das ist auch das, was ich jetzt hier so ganz spontan aus diesen letzten Minuten quasi so mitnehme, weil wir ja über diese Hälfte gesprochen haben und gesagt haben, okay, es findet ja auch schon Beratung statt, individuell, aber das ist eigentlich die Frage, spreche ich das konkret an? Also schaue ich konkret, wo dieser Bedarf ist und wo vielleicht wie viel in Richtung Safety Seeking wie viel in Richtung Service Oriented geht, dass man sich diese Frage vielleicht konkret stellt.
Marktpotenzial
Du hast vorhin genannt, was für ein Potenzial da drin steckt laut der Studie. Möchtest du das bitte nochmal ausführen?
Genau, wir haben uns, was sie ja schon meinte, wir haben einen Stand jetzt von den Zahlen und wir schauen uns das Marktpotenzial bis 2030 an, wo wir wirklich davon sprechen, es ist ein zusätzliches Marktpotenzial von 310 Millionen bis 570 Millionen. Wenn wir nur auf die Fahrräder schauen, dann schauen wir uns jetzt mal den gesamten Markt an, zusätzlich mit anderen Produkten, mit anderen Dienstleistungen, Bekleidung, Zubehör, XYZ. Dann sprechen wir von einem Umsatzplus von bis zu 950 Millionen, was möglich ist bis 2030. Ganz genau.
Das ist ja nur durch das Aktivieren der Zielgruppe Frau. Und das muss man, glaube ich, nochmal sagen, da ist der Hebel. Also, weil sonst haben wir von den Zahlen von der IFH basierend, ist sonst eigentlich kaum Wachstumspotenzial in der Fahrradbranche, ist eigentlich Stagnation. Und das heißt, wir haben eine Zielgruppe, die hat Lust, Fahrrad zu fahren, die ist motiviert, die ist schon aktiviert. Wie gesagt, 49 Prozent der Frauen fahren schon auch viel Fahrrad. Aber da kann ich doch nochmal mehr reingehen und sagen, so hey, wir sehen euch, da ist noch was zu holen.
Und dann, wie heben wir es denn jetzt? Und das vielleicht dann auch nochmal von uns als Netzwerk auch nochmal wirklich der Aufruf an, dass wir gerne mit der Fahrradbranche dazu nochmal weitere Daten auch erheben möchten. Wir haben die Studie jetzt innerhalb von wenigen Wochen, Monaten auf den Weg gebracht.
Da ist noch so viel über, was man sprechen kann, wo man nochmal tiefer reingehen kann, wo Wir wollen auch wirklich sagen: Hey, das wollen wir zusammen erarbeiten.
Was sind Stellschrauben? Wer hat gute Ideen? Wie können wir da nochmal weiter um tatsächlich sozusagen dieses Potenzial einfach zusammen als Branche heben? Ja, und gerade, wie du sagst, in Zeiten der Stagnation ist das natürlich eine große Summe. Ganz konkret, wenn man sich weiter damit beschäftigen möchte, aus verschiedenen Gründen, die man dafür ja haben kann.
Also, man kann es sehen, man kann einfach an dem Umsatz interessiert sein, man kann einfach sowieso an der Repräsentanz von Frauen interessiert sein und daran, dass mehr Frauen Fahrrad fahren. Was passiert mit der Studie und wie kann man mit euch daran arbeiten? Was macht Women in Cycling? Beratet ihr in die Richtung?
Naja, also wir sind ja eine gemeinnützige Stiftung, angedockt als Netzwerk. Wir sind ein ehrenamtliches Netzwerk, das heißt, viele Frauen arbeiten in der Fahrradbranche. Wir haben aber auch Radsportlerinnen, die sich bei uns beispielsweise engagieren. Wir haben natürlich Händlerinnen, Servicedienstleisterinnen, XYZ aus dem Tourismus.
Wir arbeiten aber auch mit kommunalen Frauen. Das heißt, wirklich das komplette Spektrum ist daran abgedeckt. Und wir sagen schon, das ist jetzt einfach eine Datengrundlage für den deutschen Fahrradmarkt, von dem ausgehend wir jetzt eben sagen, was sind es für Stellschrauben für den Handel, da für die Hersteller, da für Produktentwicklung beispielsweise auch.
Und da sagen wir eben, ja, wir sind als Netzwerk gerne ansprechbar. Wir wollen da gerne auch unsere Expertise. Natürlich sind wir über 700 Frauen, die aktiv in Deutschland in diesem Netzwerk mitarbeiten. Dass wir sagen, ja, wir wollen da was weiterentwickeln. Wir wollen da gerne auch Leitfäden mitentwickeln.
Genau, aber da sind wir jetzt auch gerade einfach mit dabei, dass wir in den kommenden Wochen und Monaten einfach sagen, ja, sprecht uns an. Die Studie ist jetzt seit zwei Monaten frei verfügbar. Wer Zeit hat, kann sich da gerne durch diese 70 Seiten durchwälzen, aber eben genau die Gespräche suchen, um zu sagen: Ich komme aus dem Bereich, ich will hier noch mehr lernen.
Oder aber auch einfach vielleicht die Möglichkeit: Hey, mit den Daten, die wir jetzt aus der Studie haben, was können wir vielleicht auch für Nachfolgestudien einfach nochmal mit auf den Weg bringen? Und da sind wir offen. Und auch bei den Studienleserinnen und Lesern gibt es ja unterschiedliche Zielgruppen.
Es gibt auch eine Kurzversion der Studie, die hat nur zehn Seiten. Die Leute werden also auch abgeholt. Und wer diese Studie lesen möchte, der kann das zwar jetzt nicht direkt hier unter der Sprungschanze tun in Garmisch-Partenkirchen, aber wenn ihr dieses Gespräch als Podcast hört, dann könnt ihr das machen.
Ich habe die Studie in den Show Notes verlinkt. Ich habe auf Women in Cycling natürlich auch verlinkt. Und ich sage dir, Amelie, ganz vielen Dank dafür, dass du uns hier einen Einblick gegeben hast in die Studie und wünsche euch viel Erfolg bei eurer weiteren Arbeit. Vielen Dank!
Danke für die Einladung. Hat viel Spaß gemacht. Und ja, offener Aufruf: Wir freuen uns auch an alle Frauen, die heute hier sitzen, ob als Privatperson oder im Business-Kontext, die gerne auch einen Button von uns haben möchten und uns aktiv supporten.
Ich sind heute auch ein paar aus dem Münchner, die hier angereist sind und einfach sagen: Ja, sprecht uns an. Wir sind viele und wir haben Lust, aktiv mitzuarbeiten. Und von daher, ja, schön, dass wir heute hier sind.
Für das Interview mit Amelie habe ich dort in Garmisch-Partenkirchen eine halbe Stunde Zeit gehabt. Mir ist schon klar, dass es zu dem Thema noch mehr zu sagen gäbe. Interessant wäre zum Beispiel auch, inwiefern es an den Produkten selbst liegt, dass Frauen weniger Anteil am Umsatz in der Fahrradbranche haben.
Aber wie gesagt, hat sich die Veranstaltung an Händlerinnen und Händler gerichtet und dementsprechend haben wir uns inhaltlich auch in der Richtung orientiert. Und wenn euch die Studie interessiert, dann schaut einfach in die Show Notes. Dort habe ich euch die entsprechende Seite verlinkt, auf der ihr die Voll- und auch die Kurzversion findet.
Und wenn wir mal zwei Schritte zurücktreten, dann ist bei dem Thema natürlich klar, dass es noch mehr Gründe für mehr Frauen auf dem Rad gibt, als den Umsatz, den sie bringen können, der aber natürlich für die Fahrradwirtschaft interessant ist.
Amelie hat es angesprochen: Fahrradinfrastruktur spielt bei der Entscheidung für oder gegen das Fahrrad auch eine große Rolle. Und wenn ihr an der Einschätzung und Verbesserung der Infrastruktur bei euch vor Ort interessiert seid, dann schaut doch mal beim Fahrradklimatest des ADFC vorbei.
Der hat gerade Anfang September begonnen. Er läuft bis zum 30. November. Und das Ziel des ADFC ist es, mit dem Fahrradklimatest die Fahrradfreundlichkeit von Kommunen aus gleich drei Perspektiven einschätzbar und sichtbar zu machen.
Es gibt einen Test für Erwachsene, ganz neu in diesem Jahr auch eine eigene Umfrage für junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren. Und es gibt auch einen Fahrradklimatest für Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen mit mindestens 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Die Teilnahme ist kostenlos, sie dauert nur ein paar Minuten und es ist eine Möglichkeit, Fahrradinfrastruktur einzuschätzen und damit im besten Fall auch zu ihrer Verbesserung beizutragen. Der Fahrradklimatest wird alle zwei Jahre durchgeführt und die Ergebnisse dieser zwölften Ausgabe, die wird es im Frühjahr 2027 geben.
Und bis dahin gibt es aber auch noch einige Ausgaben dieses Podcasts. Am kommenden Freitag, dem 11. September, erscheint die nächste Folge. Ihr erreicht uns unter antritt@detektor.fm und auf Instagram und Mastodon.
Und ich sage vielen Dank für die Aufmerksamkeit und wünsche euch gute Fahrt. Bis dann! Ciao.
Untertitelung aufgrund der Audioqualität nicht möglich.