Ein spannendes Thema
Also, für uns ist es natürlich einfach ein spannendes Ding, weil wir wissen wollen, wie fährt sich das? Ist das lustig? Das können wir auf jeden Fall schon sagen. Das wird definitiv kommen. Also die Entscheidung ist bei allen OEMs gefallen. Hat es denn von Kundenseite bei dir konkrete Nachfragen gegeben? Haben sich relevante Leute bei dir gemeldet und gesagt: „32 Zoll, habt ihr was?“
Also ich finde, dass der Spieltrieb das ist, was die Branche sehr sympathisch macht. Und der gefällt mir. Das ist aber gleichzeitig auch etwas, woran die Branche ein bisschen leidet, weil dieser Spieltrieb eben selten gestoppt wird. Der Prototypenbau für uns intern ist etwas, wo wir sagen: „Okay, wir können innerhalb von sechs Wochen Prototypen auf die Beine stellen“, wo wir vorher ungefähr vier Monate für gebraucht haben. Also, es ist schon ein Zeitunterschied.
Der Fahrrad Podcast
Hier ist der Antritt der Fahrrad Podcast auf detektor.fm mit der April-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und ich möchte mich bedanken für das viele schöne Feedback zu meiner kleinen Schnee- und Hagelreportage in der letzten Ausgabe. Solche Stücke sind immer mit einigem Aufwand sowohl für mich als auch für unser Audio-Team verbunden.
Und weil noch ein bisschen mehr von mir selbst drin steckt als in dem Interview, bei dem es ja vor allem um andere Personen und ihre Gedanken geht, bin ich da immer noch ein bisschen mehr im Tunnel als in Interviewfolgen. Und wenn ich dann aber lesen kann, dass sich Menschen von meiner Ventoux-Eskapade dazu inspiriert fühlen, einfach mal nach Frankreich rüberzufahren, um ein paar Éclairs zu verputzen, dann freut mich das wirklich enorm. Und mehr kann ich mir eigentlich auch nicht wünschen.
Denn dieser Podcast hier, der existiert ja unter anderem deswegen, weil ich von so vielen Menschen in dieser Fahrradwelt und dem, was sie so machen, immer wieder massiv inspiriert werde. Und wenn dann das Resultat dieser Inspiration wiederum andere Leute dazu veranlasst, sich ebenfalls den schönen Dingen hinzugeben, die man mit und auf zwei Rädern erleben kann, dann haben wir doch ein schönes Pingpong der Fahrradgeschichten, die wir erleben und von denen wir uns gegenseitig erzählen können.
Ich versuche jedenfalls, in jeder Woche hier im Antritt meinen Teil dazu beizutragen. Und darum geht es in dieser Ausgabe auch gleich damit weiter. Diesmal geht es aber nicht um ein Fahrerlebnis an sich, sondern eher um die Frage, wie eigentlich Fahrradideen entstehen und wie sie in Drehung geraten.
Entwicklung von Fahrradideen
Ich spreche dafür mit einem Gesprächspartner, der eine aktuelle Entwicklung in der Welt der Stollenreifen sozusagen am eigenen Leib begleitet und auch mitgestaltet. Und es wird deswegen in dem Gespräch auch mal ziemlich detailliert geometrisch. Das ist für Leute, die sich viel mit dem Mountainbike beschäftigen, bestimmt interessant.
Aber ich glaube, man kann auch einiges daraus ziehen, wenn man selbst gar nicht so viel auf Stollenreifen im Gelände unterwegs ist. Denn was Christoph Süße von der Firma Sauer mir gleich über die Entwicklung von Mountainbikes mit 32 Zoll Laufrädern erzählt, lässt sich zumindest teilweise sicher auch auf andere Entwicklungen in der Fahrradwelt übertragen.
Ich sage Spieltrieb voraus und viel Spaß mit einem kleinen Blick hinter die Kulissen eines Fahrradtrends. Wir rollen rein auf großen Rädern. Der Fahrrad-Podcast von detektor.fm.
Fahrradtrends und ihre Entstehung
Wie entstehen eigentlich Fahrradtrends? Diese Frage kann man sich in der Fahrradwelt mit schöner Regelmäßigkeit stellen, denn das Fahrrad und sein Einsatz entwickeln sich immer weiter. Ganz klar, die Fahrräder von heute sehen anders aus als die vor 20 oder vor 30 oder vor 50 Jahren. Und es gibt viele Schritte, die zu dieser Entwicklung beitragen.
Was sind das aber eigentlich für Schritte? Was löst sie aus? Wer geht sie und wie entscheidet sich, ob sie in die richtige Richtung gehen? Das kann eine ziemlich spannende Frage sein. Und vielleicht lohnt es sich gerade jetzt, sich die wieder zu stellen.
Denn wer Mitte April das Sea Otter Classic, eine Art Fahrradfestival mit angeschlossenem Messebereich in Monterey in Kalifornien, verfolgt hat, der oder die konnte den Eindruck gewinnen: Fahrräder mit 32 Zoll großen Laufrädern, die sind plötzlich da. Den Eindruck kann man jedenfalls bekommen. Auf einigen Webseiten und YouTube-Kanälen.
Diese großen Laufräder, die stecken vor allem in neuen Mountainbikes. Es gibt Rahmen, Reifen, Felgen und Gabeln und auch an Gravelbikes gibt es die Räder schon zu sehen. Und eins der Räder, das ich auf einer Webseite gesehen habe, dort in der kalifornischen Sonne, das hat die Firma Sauer aus Dresden gebaut. Und ich möchte wissen, wie es dazu gekommen ist, warum die Firma Sauer sowas macht und warum es eben diesen Trend gibt.
Gespräch mit Christoph Süße
Und dazu kann ich sprechen mit Christoph Süße. Er ist Gründer und Geschäftsführer von Sauer. Und ich sage: Hallo an die Elbe. Hallo Christoph. Hallo, jawohl. Und vielen Dank schon mal für deine Zeit, mit uns zusammen zu sprechen.
Ja, und danke für deine Zeit, Christoph. Ich habe gestern Abend erst ein Video gesehen vom Sea Otter. Und in dem ging es natürlich um 32 Zoll Laufräder. Die Kommentare darunter, die waren teils recht kritisch. So in dem Ton: „Die Industrie, die braucht ganz dringend eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird.“ Und ich will ja wissen, wer sich diese Sau eigentlich ausgedacht hat.
Und da du zur Industrie gehörst und so ein Rad ausgestellt hast, machst du das. Ich war das nicht, aber wir wären nicht werbesinn, wenn wir es nicht wenigstens ausprobieren würden, was es da Neues gibt oder eventuell geben wird. Ja.
Okay, also ich möchte genau über diese Entwicklung, die Geburt dieser Sau sprechen und was sie eigentlich ausmacht. Und bevor wir auf diese Zeitschiene gehen, lasst uns mal ganz kurz für die Leute, die von 32 Zoll Laufrädern noch nichts gehört haben, zusammenfassen: Worum geht es da eigentlich bei dem Thema? Was ist das? Was sind 32 Zoll Laufräder?
Was sind 32 Zoll Laufräder?
Also, ein 32 Zoll Laufrad ist, der Name sagt es eigentlich schon, ein noch größeres Laufrad als der 29er. Das bedeutet nochmal einen größeren Durchmesser, Außendurchmesser, beim Vergleichsreifen von ca. 64 Millimeter mehr im Vergleich zum aktuellen Standard-MTB-Laufradgröße 29 Zoll.
Und warum sollte man sich um 32 Zoll jetzt Gedanken machen? Also gibt es da Vorteile dahinter? Ja, das ist genau die Frage, weil das ist viele Leute, die Zähne ausbeißen. Wir könnten jetzt die rein physikalischen Betrachtungen ranziehen und sowas wie besseres Überrollverhalten zum Beispiel.
Das heißt, im Vergleich zum Laufraddurchmesser und zur Position der Radachse ist ein gleich großes Hindernis einfach kleiner für das größere Rad. Somit müsste das Rad in der Theorie ruhiger laufen beziehungsweise da entspannter rüberrollen. Es gibt diese Herangehensweise an das Thema. Wir nehmen eine reine Physik, aber lassen da natürlich irgendwie den Menschen aus.
Wir lassen auch bei vielen von diesen Berechnungen die Reifen und diese Dämpfung beziehungsweise Federung, die nur durch die Reifen kommt, aus. Oder es gibt natürlich auch den Spieltrieb der Industrie. Also für uns ist es natürlich einfach ein spannendes Ding, weil wir wissen wollen, wie fährt sich das? Lustig!
Der Spaßfaktor
Also viele Sachen, die vor 20, 30, 40 Jahren im Mountainbike entstanden sind, sind entstanden, weil das irgendjemand in seiner Garage sich ausgedacht hat. Und da muss man halt schauen, wie weit kann man das drehen oder kann man schauen. Man muss immer daran denken: Wir haben das eigentlich auch versucht in unserem Pressrelease für das 32 Zoll-Pass hervorragend so ein bisschen hinzukriegen.
Aber das ist natürlich schriftlich immer schwierig, dass man das jetzt nicht unbedingt im Moment zumindest zu ernst nehmen sollte. Also weder aus der Industrie noch von uns. Weil, wenn wir ehrlich sind, ist die Branche, in der wir uns bewegen, also Fahrräder an sich, sind Spaßprodukte. Es gibt viel wichtigere Probleme als das, was wir hier tun.
Ja, nun sind wir aber hier im Fahrrad-Podcast, also jetzt hier auf meiner Seite, und du bist eine Fahrradfirma. Also können wir uns diesem Thema schon mal widmen und das auch ernst nehmen. Ich habe, du hast Überrollverhalten gesagt, ich habe in den meisten Artikeln und Videos als Vorteil gelesen. Und das ist auch völlig klar.
Es geht um diesen Winkel, in dem so ein Laufrad auf ein Hindernis trifft. Der ist kleiner, dadurch soll es besser rollen. Und als Nachteil habe ich so als Hauptfaktor ganz simpel gefunden: Die Dinger nehmen einfach mehr Platz weg. Würdest du das so bestätigen?
Überrollverhalten und Platzbedarf
Ja. Also, wenn du das Überrollverhalten berechnest, das ist der eine Punkt. Ob du das merkst, wenn du fährst, dieses bessere Überrollverhalten, das ist die andere große Frage. Und bei dem mehr Platz wegnehmen, das hat sogar auch schon viele verschiedene Ausbügel.
Also einmal natürlich rahmenkonstruktionsmäßig ist das tatsächlich eine völlig andere Nummer als das, was wir im Moment tun und bauen. Aber es sind auch so ganz profane Probleme, wie dass wir letztens mit einem großen Laufradhersteller gesprochen haben und denen dann irgendwann aufgefallen ist, dass das auch ein Versandproblem ist.
Diese Laufräder, weil es auf einmal gar nicht in die normalen Gurtmaße der Versanddienstleister passt, weil die Räder schon erheblich größer sind. Das ist interessant. Wir sprechen über eine Neuentwicklung, über ein neues Produkt und sind aber eigentlich jetzt schon am Anfang so ein bisschen dabei, das zu relativieren.
Also wir wollen das mal nicht zu ernst nehmen und es ist ein bisschen Spieltrieb und es ist auch größer, aber es könnte was dran sein am Überrollwinkel. Lass uns das mal weiter verfolgen, und zwar am besten chronologisch. Und zwar an dem Punkt, als du zum ersten Mal davon gehört hast. Wann war das? Kannst du dich daran erinnern, wann das Thema für dich zum ersten Mal greifbar war?
Erste Begegnung mit 32 Zoll
Zum ersten Mal gesehen, zum ersten Mal gehört? Das war ziemlich genau vor einem Jahr, ein bisschen mehr als ein Jahr. Das war im Zeitraum zwischen Taipei und Sea Otter letztes Jahr, also 2025, als Maxxis den 32 Zoll Espen vorgestellt hat. Mit Taipei meinst du die Taipei Cycle Show, die große Industriefachmesse sozusagen? Genau.
Dann war das eine Zeit lang zumindest für uns. Man muss dazu sagen, wir sind ja jetzt keiner der großen fünf Hersteller. Wir sind eigentlich in diesem ganzen Business mit das kleinste Licht. Aber das Schöne an dieser Industrie ist, dass die Hierarchien tatsächlich sehr flach sind und man durchaus, wenn man lange genug in der Branche ist, die richtigen Kontakte hat, um solche Trends auch früh genug mitzubekommen.
Und daraufhin, dass wir so klein sind, haben wir natürlich manchmal auch den Vorteil, dass wir viel schneller reagieren können als die Großen, die halt viel mehr Vorlaufzeit für Produkte haben, weil sie sie A nicht selber fertigen und B natürlich auch schon drei, vier Jahre im Voraus mit ihrer Produktplanung sind.
Es war dann eine Zeit lang relativ ruhig um 32 Zoll. Da ist tatsächlich gar nicht so viel passiert. Das ging bestimmt sechs Monate, war das Thema gar nicht so groß. Also wir haben es weder aus der Industrie noch von Kunden noch von irgendjemand anderem mitbekommen und es war tatsächlich gar nicht so viel Presse.
Anfragen und Entwicklungen
Und dann hat das aber zum Ende des Jahres schlagartig Fahrt genommen. Und bei uns war das so, dass wir Anfragen bekommen haben von Blaufradmarken und von anderen Herstellern, ob wir Prototypen bauen können zum Testen. Das heißt, anscheinend wussten diese Hersteller, es waren also teils OEM-Hersteller, teilweise Komplettrad-Anbieter, mehr als wir.
Das heißt, da war der Punkt, dass ich dachte: „Okay, wir müssen uns mal damit beschäftigen.“ Und im gleichen Zeitraum haben wir eine Anfrage bekommen von der Hayes-Gruppe. Das heißt, zur Hayes-Gruppe im Fahrradbereich gehört Hayes als Bremsenhersteller, Manitou als Federgabelhersteller und Reynolds als Laufradhersteller.
Haben wir eine Anfrage von denen bekommen, ob wir für sie auch einen Rahmen bauen könnten. Sie müssen das unbedingt ausprobieren, gerade mit Zug auf Laufräder und Federgabeln. Und wir haben dann relativ schnell, also ich habe vielleicht vier Wochen irgendwie auf diesem Thema drumrum geköchelt, allerhöchstens diese Geometrie für das Pasta Party 212 fertig gemacht.
Der Grund für das Pasta Party war, auf der einen Seite hat Reynolds beziehungsweise Manitou spezifisch nach einem Rad für eine Federgabel von 100 bis 120 Millimetern gefragt. Und wir haben gesagt: „Okay, das ist diese initiale Zündung. Wir können das jetzt ausprobieren. So bauen wir es.“
Geometrie und Prototypen
Und nachdem wir dann Daten von Felgen und Reifen und echten realen Durchmessern dieser großen Räder hatten, war das auch relativ offensichtlich, dass wir es in ein Mountainbike reintun, weil das geometrisch einfacher ist als das in ein Gravelbike reinzubauen. Ja, für die Leute, die mit euren Modellnamen jetzt nicht so vertraut sind: Pasta Party ist euer, kann ich Cross-Country-Hardtail dazu sagen? Cross-Country-Bikepacking eigentlich.
Okay, ja. Also klassisches Hardtail. Und ich finde interessant an dem, was du beschreibst, dass, und korrigiere mich bitte, wenn ich das falsch verstehe, aber dass die erste Nachfrage nach so einem Rad oder so einem Rahmenmodell nicht jetzt von Kundenseite kam, sondern von der Industrie. Verstehe ich das richtig? Genau.
Aber zu dem Zeitpunkt tatsächlich noch fast ausschließlich von unserer Seite, zumindest ausschließlich in Bezug auf: Wir wollen das ausprobieren. Uns fehlen die Möglichkeiten, uns schnell ein Testobjekt dafür hinzustellen. Ja, und ihr seid als kleiner Hersteller, der schnell reagieren kann, da wahrscheinlich willkommene Ansprechpartner.
Anfragen und Marktreaktionen
Jetzt weiß ich nicht, ob du mir darüber berichten kannst oder ob du davon Eindruck hast. Aber es muss ja zum Beispiel die Hayes-Gruppe, die du da nennst, oder andere Leute, die sich an euch wenden, die muss ja auch irgendwas veranlassen, dazu zu sagen: „Okay, hier kommt ein Thema und wir merken das und wir müssen da jetzt was machen.“ Hast du eine Idee davon, was das sein könnte?
Also, bei denen sind definitiv eigentlich alle Anfragen von Firmen, die wir bekommen haben, entweder OE-Zulieferer oder selber die Marken an sich. Und OE müssen wir kurz erklären, Christoph. Das sind Erstausstatter-Marken. Das heißt, Manitou liefert für das Komplettrad der Großserie an zum Beispiel Specialized, Trek, Giant.
Und die Frage war da andersrum. Der OE ist dann der Hersteller an sich, also Giant oder Trek, und die fragen bei ihren Lieferanten nach: „Habt ihr das entsprechende Produkt oder gibt es das eventuell noch gar nicht?“ Und in dem Fall sind die Stückzahlen natürlich riesig.
Also wenn man jetzt an solche großen Hersteller wie Decathlon oder irgendwas anderes denkt mit ihren ganzen Hausmarken, wenn die ein Produkt rausbringen und sagen: „Wir bringen ein 1000 Euro Hardtail raus“, dann gibt es davon 20.000 Stück. Und da sind die Stückzahlen natürlich die, die Federgabelhersteller verkaufen wollen und können, viel größer. Und der Druck, das auszuprobieren, natürlich auch.
Der Einfluss von Maxxis
Und so in dieser Reihenfolge ist das passiert. Das heißt, für unsere Wahrnehmung hat Maxxis das ausprobiert, weil es ging. Und das hat eine Zeit lang geköchelt, lag vor allem aber auch daran, dass in der aktuellen Situation in der Branche ja viele Überbestände da waren, man das erst mal abverkaufen wollte und so weiter.
Und dann eben, ich sage mal, die Motivation der Spieltrieb der Branche wieder geweckt wurde, wahrscheinlich auch der Verkaufsgedanke dahinter. Aber das ist noch ein ganz anderes Thema, wahrscheinlich heute in unserem Gespräch. Und dann hat sich das so ein bisschen Pingpong-mäßig hochgeschaukelt.
Das heißt, wir haben dann im Prozess der Entwicklung, wir haben dann vielleicht vier Wochen gebraucht, zwar genau über den Jahreswechsel, um diesen Rahmen zu bauen. Wir haben dann immer mehr mit anderen OE-Ausstatter, also anderen Federgabelherstellern spezifisch und anderen Laufradherstellern gesprochen, wie die Anfrage für dieses 32 Zoll-Thema immer weiter gestiegen ist innerhalb der Branche.
Erste Anzeichen eines Trends
Da wusste eigentlich noch keiner, dass das überhaupt irgendwie passieren soll oder kommen wird. Und dann gab es aber schon erste Anzeichen. Das ist also alles losgelöst von uns. Sachen, die wir auch in der Presse teilweise sehen, Dinge die darauf hin deuten, dass das viel größer passieren wird, als der Kunde im Moment annimmt.
Das heißt, wir haben Kommentare hinter Messen gesehen, wo Kunden gesagt haben: „Naja, so wenig 32 Zoll Räder wie jetzt auf der Messe standen, zum Beispiel Seckenwild Düsseldorf, da wird 2026 wohl nicht das Jahr des 32 Zoll.“ Ist logisch, weil es ja noch gar nicht so viele Komponenten dafür gibt.
Und auf der anderen Seite werden jetzt zum Beispiel von Trek, glaube ich, war das oder Giant, die haben vor ein paar Wochen ein neues Cross-Country-Super-Fully vorgestellt. Das Topmodell der Topmodelle. Besser geht’s nicht. Und im Press Release wenn das Rad rauskommt, wurde gesagt: „Das Rad gibt es 2026 nur für Teamfahrer.“
Und das für einen Hightech-Carbonrahmen mit bester Ausstattung. Und meine Theorie dahinter war: „Okay, die haben das Projekt zufälligerweise gerade schon durchentwickelt gehabt, aber haben jetzt trotzdem den Stecker gezogen, weil das definitiv auf 32 Zoll kommen wird. Und sie jetzt nicht Anfang der Saison ein 29 Zoll Rad bringen und sagen: „Das ist das beste Rad, beste Performance, die ihr kriegen könnt“, um dann ein halbes Jahr später ein 32 Zoll Äquivalent vorzustellen, das natürlich noch besser ist.
Marktentwicklung und Spekulationen
Okay. Jetzt müssen wir an der Stelle ein paar Sachen klären. Das eine ist, du hast Maxxis genannt und den Spieltrieb. Maxxis ist der Reifenhersteller, der wahrscheinlich mit als erstes mit so einem Reifenmodell am Start war. Und inzwischen, ich glaube, fünf sind es aktuell, fünf Mountainbike-Reifen. Genau. In der Größe.
Okay, das ist das eine. Und das Trek-Beispiel, eben was du genannt hast, oder Giant. Ich habe es jetzt gerade auch nicht griffbereit, welcher Hersteller es war. Da meinst du aber: Okay, die stellen ein Modell vor und merken quasi: „Hups, wir haben hier einen 29er gemacht und eigentlich ist doch aber 32 Zoll das neue Ding.“ Exakt.
Okay, das klingt für mich trotzdem immer noch danach, weil du es auch vorher mit der Nachfrage von den Großen hattest, als wäre das na ja so ein bisschen so Daumen anlecken und in den Wind halten. Oder meinst du, es gibt bei den großen Herstellern die dann wirklich diese Stückzahlen machen? Gibt es da eine Datenbasis? Gibt es dieses vielgerühmte Rider-Feedback?
Oder ist es ein bisschen eine Spekulation? Hat es was damit zu tun: „Okay, wir kriegen die alten Modelle, die dann noch so ein bisschen im Rückstau sind, nicht mehr alle abverkauft und wir brauchen jetzt was Neues?“ Oder ist es eine Mischung aus allem?
Mischung aus Faktoren
Ich denke, das ist eine Mischung aus allem. Also wenn wir, wir müssen dazu sagen, ein Großteil der Menschen, die in dieser Branche arbeiten, in Entwicklung und Produktmanagement und so weiter, sind Enthusiasten. Das ist ein ganz schöner Teil dieser Branche.
Und das ist aber gleichzeitig auch etwas, woran die Branche ein bisschen leidet, weil dieser Spieltrieb eben selten gestoppt wird. Und jetzt haben wir uns über die letzten Jahrzehnte wurden Produkte verkauft durch Performance. Irgendwas, was messbar ist, leichter, steifer, wo immer irgendjemand festgelegt hat, dass eben auch leichter und steifer zum Beispiel besser ist und andere messbare Punkte.
Und wenn wir uns jetzt mal zurückerinnern an, wir gehen jetzt mal von dem sportlichen Charakter, die Leistung, die so ein Fahrrad bringen kann, den Performance-Faktor. Wir erinnern uns jetzt mal an 20 Jahre zurück. Wir sind bei 26 Zoll. 2004, 2005 und 2006 gibt es dann irgendwie einen Umstieg auf 29 Zoll mit der Begründung: „Jetzt sind unsere Technologien soweit ausgereift, Federgabeln, Bremsen, das wird schon noch besser werden.“
Geometrische Entwicklungen
Aber gar nicht mehr so. Aber wir haben die Laufradgröße noch nie in Frage gestellt. Warum haben denn Mountainbikes 26 Zoll? Weil die ersten Mountainbikes, die ersten Clunker, 26 Zoll hatten, weil es da vom Tandem stabile Reifen und Felgen gab. So das war der Grund.
Das bedeutet Zufallserfindung Mountainbike und die Laufradgröße stand fest, weil sie schon immer fest stand. Und dann wurde das im Prinzip mal hinterfragt, weil man davon ausging: „Okay, alles andere ist ja irgendwie schon besser geworden. Die Laufradgröße ist eine vermeintlich einfache Größe, die wir anfassen können, um zu gucken: Geht das noch besser?“
Und jetzt wird das schon wieder ein bisschen schwierig, weil das verschwimmt. Wenn wir jetzt die letzten 15 Jahre angucken, dann war das so, dass als die ersten 29er ankamen, die Geometrien im Mountainbike-Bereich, die mit diesen ersten 29ern kamen, waren konservativere Geometrien als die 26 Zoll Räder zu diesem Zeitpunkt hatten, weil man davon ausging: „Wir wollen dieses größere Rad im Prinzip irgendwie geometrisch ausgleichen.“
Aktuelle Geometrien
Also Stichwort Lenkwinkel und Drehlagerhöhen vor allem. Und dann hat sich das aber so weiterentwickelt, dass heutige Geometrien ja viel extremer sind als vor 10 oder 15 Jahren. Das heißt, wir haben längere Oberrohre, wir haben viel flachere Lenkwinkel als früher. Das, was jetzt an einem Trailbike ist, war früher noch nicht mal an einem Downhillrad dran.
Und jetzt ist aber die letzten fünf Jahre sind wir an den Punkt gekommen, dass wir auf einem Plateau der Geometrien angekommen sind. Das ist eigentlich geometrisch ausentwickelt. Das MTB, wir wissen, ein Trailbike hat die Geometrie, ein Downhillbike ist in diesem Bereich.
Da gibt es natürlich Nuancen, die sich unterscheiden. Aber es gibt eigentlich relativ genaue Standards, sozusagen, um da eine Geometrie zu bauen, auf der sich ein Großteil der Menschen wohlfühlen. Und dann kam wieder die Frage: „Okay, jetzt gerade in Bezug auf elektronische Schaltungen und Federgabeln und Dämpfungstechnologie, wie viel besser kann es denn jetzt noch werden als der Status quo, den wir haben?“
Laufradgrößen und Produktion
Und dann sind wir nämlich langsam bei den Vergleichen mit so Motocross-Maschinen, wo wir wissen, die haben sich eigentlich seit 1960 nie weiterentwickelt. Nicht viel geometrisch und Laufradgrößen und alles andere, weil das Produkt an sich durchentwickelt ist. Und da kommt der Gedanke wieder: „Sind wir denn beim Laufrad auch schon am Ende? Dieses geflügelte Wort ist 30,5 Zoll.“
Weil, wenn wir als Hersteller uns das jetzt angucken und sagen: „Okay, wir sind unsere Prototypen gefahren, das und das ist gut, das und das ist schlecht“, dann ist bei den schlechten Punkten auf jeden Fall die Größenvariabilität ein ganz großer Punkt. Ich kann jetzt eigentlich nicht mehr an Größe XS Rahmen mit 30 Zoll bauen, ohne geometrisch oder sitzpositionsmäßig große Einschlüsse zu machen.
Salsa hat ja jetzt auf dem Sea Otter Größe XS 32 Zoll Räder vorgestellt. Aber da sind auch noch ganz viele Fragezeichen in diesen Rädern. Und wenn wir das aus einer rein produktionstechnischen Sicht sehen, wenn es für uns als Hersteller, als kleiner Hersteller, mir das erst mal relativ egal, ob ich nur 30,5 oder 29 Zoll Räder baue, wenn sich das gut fährt, also mindestens gleich gut, dann kann ich das ja ohne Probleme bauen.
Herausforderungen der Industrie
Aber kann denn die restliche Industrie sich das leisten? Also Federgabelhersteller, Reifenhersteller, Felgenhersteller, mehrere Laufradgrößen in den Umfängen überhaupt bereitzustellen? Oder trägt das nicht einfach nur die Kosten nach oben? Ja, ich vermute, dass du mit den 30,5 eventuell auf 27,5 anspielst, was eine Zwischengröße ist oder als Zwischengröße gesehen werden kann, die nach 29 Zoll kam, wieder so einen halben Schritt zurück.
Wenn man das so sehen will, ist es das oder worauf spielst du an der Stelle an? Naja, so wie ich das verstanden hatte, bei 27,5, die Größe hat für mich damals gar nicht so wirklich existiert in meinem Horizont, weil der Unterschied von 26 Zoll zu 27,5 oder eigentlich 650B gar nicht so groß war wie zu 29 Zoll.
Und zwar ja nicht mal in der Mitte. Das war eine reine Zahlendrehereise. Wir nennen 29er 29er, obwohl die Felge eigentlich 28 Zoll ist. Und die 32 Zoll ist jetzt eher der Gedanke, dass die Industrie schon merkt, okay, die Rahmenbauer haben tatsächlich ganz schön zu tun, für diese großen Räder sinnvolle Geometrien zu machen.
Wir brauchen nicht unser Pasta Party als Cross-Country-Bikepacking Rad in 32 Zoll in Größe S bauen, weil ich schon das Gefühl habe, dass das 29 Zoll Rad die Grenze ausreizt für einen Fahrer mit 1,65 Meter. Wir entscheiden uns bewusst und sagen, okay, für den Bikepacking-Cross-Country-Bereich hast du den Vorteil des ruhigeren Laufs, das bessere Überrollverhalten.
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Da nehmen wir natürlich 29 Zoll für diesen langen Streckenbereich. Aber theoretisch, wenn der Kunde wirklich das gleiche Fahrverhalten haben soll, muss man davon ausgehen, dass jeder gleich fahren soll. Das ist natürlich sehr schwer zu simulieren. Jemand, der wie ich 1,85 Meter groß ist, kann sich das sehr schwer vorstellen, wie das Rad für 1,65 Meter ist und sich fährt. Der geht erst mal davon aus, okay, wahrscheinlich müsste der eigentlich 650B fahren. Und schon stirbt ja aus. Das ist ja bis auf Kinderrädergrößen und so was eigentlich im sportiven Bereich überhaupt nicht mehr existent oder im Downhill Bereich am Hinterrad.
Das ist natürlich eine traurige Nachricht, die ich hier gar nicht gerne höre, weil ich diese Größe sehr mag. Und wir müssen jetzt ein bisschen gucken. Wir merken schon, du steckst da völlig drin. Diese Diskussion ist natürlich sehr vielschichtig. Mir fallen da verschiedene Verbindungen ein. Zum einen haben wir hier neulich über verschiedene Laufradgrößen gesprochen mit Jens Klötzer vom Tourmagazin. Und der hat gesagt, naja, ideal wäre es eigentlich, wenn ich für jede Rahmengröße eine eigene Laufradgröße hätte, weil ich dann eben proportional zur Körpergröße den Rahmen und die Laufräder bauen kann.
Das ist jetzt aber bei 32 Zoll ja auch nicht der Fall. Hast du jetzt ja auch noch mal erklärt, weil das einfach nach unten begrenzt ist. So gibt es verschiedene Angaben auch dazu, wer da als welche Körpergröße so die kleinste ist. Und Salsa will ich als Kontext nennen. Du hast das eben erwähnt. Das ist eine Tochter von Quality Bicycle Products. Das ist der größte Distributor in den USA, also ein Riese eigentlich. Eine Marke, die einem Riesen gehört. Und da ist jetzt interessant, dass die halt auch einen Titan- und einen Stahlrahmen vorstellen und da auch in die Vollen gehen, gefühlt.
Also sich da, naja, zumindest dazu bekennen, so, okay, wir haben ja was entwickelt. Aber ehe wir uns jetzt in diese ganzen Verästelungen reinspinnen, will ich noch mal zu dir zurück zu eurem konkreten Modell. Das heißt, das Thema köchelt in der Branche. Ihr kriegt Anfragen: Hey, könnt ihr uns hier was bauen? Wir wissen, dass es kommt, aber so richtig was es ist, wissen wir nicht. Jetzt könnt ihr ja für Reynolds und Co. könntest du auch so einen einfachen HTL hinbauen. Warum bringst du es jetzt als Marke und bist damit auch so eine weitere Stimme in diesem Neuheiten-Konzert, sag ich mal.
Ist es, weil es dir Sichtbarkeit gibt als kleine Marke? Oder ist es, dass du sagst, das ist das neue Ding? Oder was war für dich dann der Grund, zu sagen, okay, im Februar, nicht mal ein Jahr danach, nachdem du das erste Mal davon gehört hast, bringe ich das, erweitere ich mein Portfolio sozusagen? Ja, das sind auch viele, viele Gesichtspunkte. Das eine ist, dass wir festgestellt haben, dass immer wenn wir sagen, für uns bauen wir also gar nicht unbedingt Fahrradprodukte an sich, also Rahmen oder Modelle, sondern auch Sachen, die wir hier für unseren Shop, für einen Showroom bauen, sich die auf einmal manchmal ganz gut verkaufen.
So, und ich mir denke, ach Mensch, das ist ja cool. Dann nehmen wir das auch mit in den Shop auf. Vielleicht hat ja jemand Interesse daran. Und wenn ich jetzt Entwicklungsarbeit in ein Produkt stecke, wie das Pasta Party 32 Zoll, und ich bin davon überzeugt, dass das gut fährt, also es ist mindestens gleichwertig rein vom Fahrverhalten, ich fahre damit sehr gern, dann wäre es ja eigentlich nicht sinnvoll, meine geleistete Entwicklungsarbeit auch zu versuchen, dem Kunden anzubieten.
Das heißt, jetzt im Moment gingen wir davon aus, okay, das fuhr sich wirklich gut. Aber gleichzeitig war das Rad oder die Prototypen, die wir gebaut haben, auf alle top ausgestattet. Und dann nach der ersten Fahrt dachte ich, Mensch, das fuhr sich ja wirklich gut. Und dann, eine halbe Stunde später, dachte ich, na, was habe ich eigentlich erwartet, wie sich’s fährt? Ich habe top ausgestattete Komponenten. Ich habe eine Geometrie, bei der ich mir ziemlich sicher bin, wie schlecht hätte es sich denn fahren sollen oder können, sozusagen.
Aber im Moment bei unserem Kunden ist es ja so, dass gerade im Mountainbike-Bereich die Kunden schon eher, ich sage mal, Special Interest Kunden sind. Der Großteil der Kunden hat eine sehr genaue Vorstellung von seinen Geometrien. Die hatten schon ein paar Räder, die haben schon viel ausprobiert. Also empfinden wir die bei diesem Produkt im Moment als mündig genug zu sagen, wenn ihr wollt, probiert das aus, wir helfen euch. Es ist im Moment sehr schwierig, so ein 32 Zoll Rad aufzubauen, aber es ist nicht unmöglich, weil es eben an Komponenten mangelt.
Also ich sage mal so, es ist möglich, auch als Endkunde, wenn man will. Aber es ist natürlich noch nicht so bequem wie ich gehe online und kaufe ein Komplettrad. Ja, und dann fragen wir doch gleich mal an der Stelle, weil wir reden ja jetzt hier schon eine ganze Weile und wir reden hauptsächlich über Industrie und über so Sachen, die im Hintergrund ablaufen, die am Ende ja die Leute draußen auf dem Trail gar nicht so interessieren.
Hat es denn von Kundenseite bei dir konkrete Nachfragen gegeben? Haben sich relevante Leute bei dir gemeldet und gesagt, 32 Zoll, habt ihr was? Also erstens, da hänge ich noch die Antwort auf die Frage vorher. Ich hätte nicht gedacht, dass wir durch dieses Projekt so viel Aufmerksamkeit bekommen. Das heißt, für uns als kleine Marke ist es wirklich erstaunlich gewesen, was Manitou dann natürlich auch für sich, weil die ja ihre Laufräder und ihre Federgabel zeigen wollen, was die da an Reichweite sozusagen erzeugen konnten, wo diese Räder überall stehen.
Diese zwei Prototypen, die von Manitou gebaut wurden, die waren in Taipei, die sind jetzt in Shanghai bei der größten Endverbrauchermesse in Asien. Das ist für uns ein Glückstreffer, sozusagen. Das war ein wirklich sehr glücklicher Zufall. Ich bin sehr dankbar für diese Chance, die Manitou uns gegeben hat, indem sie uns gefragt haben, ob wir das bauen können. Und bei den Nachfragen ist es so, dass das so ganz langsam mehr wird, tatsächlich.
Aber die Leute sind relativ reserviert, auch weil, Stichwort educated customer, die wissen ja schon, dass es gerade im Moment noch gar nicht so viel gibt. Und wenn man jetzt was baut mit einer halbwegs sinnvollen Ausstattung, da kannst du bei vielen Sachen gerade nur im Premium-Bereich angreifen, weil es nur da Komponenten dafür gibt, weil das halt alles noch dauert. Das heißt, bei Federgabel zum Beispiel Faster Farty ist logisch, wir bauen so eine mit einer Federgabel auf. Gibt es von namenhaften Herstellern eigentlich nur Intent, die Federgabeln herstellen. Da kostet die Federgabel so viel wie unser Waren.
Da gibt es noch keine, ich sage mal, mittelpreisige Budget-Variante oder eben von einem der großen Hersteller, die einfach aufgrund ihrer Stückzahlen fähig sind, da einen besseren Preis anzubieten. In den Anfragen ist uns auch aufgefallen, dass es ein Großteil sehr großer Menschen sind, also 1,90 plus, die sich freuen, dass es endlich proportional größere Fahrräder gibt. Und das wäre auch der Gedanke, den wir dahinter verfolgen, wenn wir sagen, wir bieten das an. Denn wenn wir bei Kinderrädern schon immer erzählen, die Rahmengröße muss mitwachsen proportional zur Laufradgröße, warum hören wir dann eigentlich bei den Erwachsenen auf?
Es gibt halt das Beispiel, was ich vorhin meinte mit dem Pasta Party in Größe S und 29 Zoll. Das größere Laufrad hat im Vergleich zum kleineren natürlich noch gewisse Vorteile. Und entsprechend des Einsatzzwecks des Fahrrads kann ich natürlich, wenn ich ein Kunde bin, der eigentlich beides fahren könnte, das kleinere und das größere Rad entscheiden, was ist mir wichtiger. Also will ich das verspielte Fahrrad oder will ich das Laufrad, was mir mehr Sicherheit gibt. Und entsprechend dort kannst du entscheiden.
Das heißt, so Leute wie ich mit Körpergröße 1,85 könnte beides fahren. So Leute mit 1,75 Meter müssen sich schon sehr bewusst dafür entscheiden, 32 Zoll zu fahren, weil sie sagen, das bringt mir halt noch mehr Laufruhe für mein Cross-Country Rad. Aber alles, was 1,90 plus ist, die Leute freuen sich. Und wir würden das natürlich sehr gern anbieten, weil diese Herangehensweise der mitwachsenden Laufradgrößen mir eigentlich ziemlich gut gefällt. Lightwheel war ja auch so ein Hersteller. Die haben das jahrelang natürlich nur bei ihren Hinterrädern, aber die haben das Scale Sizing genannt, da durchgezogen. Und das macht in meinen Augen auf jeden Fall Sinn.
Aber wir als kleinster Hersteller können das ja nicht. Ich kann hier überhaupt nichts im Markt sozusagen forcieren. Ich kann nur das anbieten, wo ich auch Komponenten dafür bekomme. Und wenn die restliche Industrie das sozusagen nicht schafft, die einzelnen Komponenten zu sinnvollen Preisen zu produzieren, dann wird es natürlich für uns auch schwierig, 32 Zoll Räder anzubieten. Nichtsdestotrotz, das können wir auf jeden Fall schon sagen. Das wird definitiv kommen. Also die Entscheidung ist bei allen OEMs gefallen. Wir sehen, dass das jetzt bei vielen Komponentenherstellern und Zulieferern alle ihre Tests machen.
Und manchmal gibt es Posts wie: Wir wollen das nicht, wir brauchen das nicht. Oder es ist einfach nie viel besser. Oder wir müssen nochmal Nabenstandards tauschen und sowas. Von welcher Seite gibt es diese Posts? Du meinst jetzt Kundenseite oder die? Also manche Hersteller positionieren sich da auch viel, viel stärker. Also in Human zum Beispiel hat er so einen sehr, sehr ausführlichen Post und meinte, dass das eigentlich gar nie so viel Sinn macht. Ich versuche mich da immer zurückzuhalten, gar nicht aus dem Punkt, dass ich mich da angreifbar machen will, sondern ich bin da ein bisschen pragmatischer und gehe davon aus, ich kann ohnehin nur, also wenn ich ein gutes Rad mit 32 Zoll bauen kann und es gibt nur 32 Zoll Felgen, dann ist das meine Größe.
Ich kann nur versuchen, meine Vorteile als kleiner Hersteller auszuspielen. Aber ich kann nicht versuchen, diesen Weg zu ändern, der da von den großen OEMs gegangen wird, weil die halt schon drei Jahre in der Zukunft planen. Ja, so klingt für mich aber auch alles so, wie ich den Eindruck auch schon hatte. Also wir haben zumindest kein rundheraus begeistertes Feedback. Also da musste ich wirklich suchen, um das zu finden. Und ich habe viele Kommentare mir durchgelesen und hatte bei vielen Leuten den Eindruck, dass sie wirklich so, da gibt es auch schon so ein Misstrauen gegenüber der Industrie. Natürlich ist das im Netz öfter mal auch verstärkt.
Ja, und dann werden da so Kommentare abgegeben. Aber ich habe, so wie du das gesagt hast, die Leute, die so im Bereich ab 1,90 oder sind, das waren die, wo ich eigentlich gemerkt habe, okay, da sind Leute, die sagen, ich habe da wirklich drauf gewartet. Denn diese Verfügbarkeit der Komponenten, die ist ja das eine, dass man sagen kann, okay, es gibt die Federgabel nicht, deswegen ist die Nachfrage nicht da. Aber dass überhaupt erst mal der Wunsch danach besteht, nach einem Rad, was dann aus Federgabel und so besteht, hatte ich schon den Eindruck, okay, das betrifft eigentlich diese großen Leute.
Und andererseits ist der Eindruck aber jetzt vom Sea Otter und aus anderen Sachen, du hast auch andere Messen genannt und so, ist halt schon so, hey, da fängt jetzt wirklich wieder so ein Rad an, sich zu drehen. Das ist, ich muss mich selber konzentrieren, weil ich auch mal dazu tendiere, in verschiedenen Richtungen abzuschweifen, während ich da versuche, was zu erklären. Der Richard Sachs hat letztens ein Interview gegeben und meinte, aufgrund der letzten fünf Jahre in dieser Überproduktion, die daraus entstanden ist, gab es bei den ganzen großen OE-Herstellern so viele Sales, dass der Markt an Mountainbikes, Mountainbikes überhaupt an Fahrradfahrern im Moment sehr gut gesättigt ist.
Also ein Großteil der Kunden hat gut ausgestattete Räder, die sie im Idealfall für sich letztes oder vorletztes Jahr gekauft haben, also auch noch zu einem sehr guten Preispunkt. Und jetzt sind wir an dem Punkt, dass die Hersteller langsam ihre Lager leer verkauft haben. Die Räder sind aber technisch ausgereift und sehr gut. Also muss man sich natürlich was überlegen, was man machen kann, um die Räder wieder veraltet werden zu lassen. Das ist das, was dort gepostet wurde. Das kannst du natürlich posten, wenn du als Eimer der Gottväter angesehen wirst.
Wir reden über einen Rahmenbauer im Rennradbereich, der also nicht dem Mountainbike-Thema nicht nah ist. Der hat damit kein Geschäftsinteresse. Genau. Und einfach in einem ganz anderen, anderen Firmensystem sozusagen unterwegs bist, sondern im anderen Bereich des Marktes. Und das ist sicherlich ein Punkt. Das ist ja auch die Frage, wer hat damit angefangen? Für uns hat Maxis damit angefangen. Und so wie ich jetzt alle Reaktionen danach rausgefunden habe oder lesen konnte, kann es tatsächlich so gewesen sein, dass Maxis das aus irgendeinem Grund ausprobiert hat.
Aber es gab zu dem Zeitpunkt noch keinen Plan von irgendeinem großen OE, dort tatsächlich was zu machen, sondern das hat sich erst jetzt so wie gesagt über diese sechs bis zwölf Monate entwickelt. Und das wird sich auch noch ein bisschen weiterentwickeln, weil die Produktzyklen und die Entwicklungszyklen werden natürlich auch größer. Also vor Oktober, November wird es von den Zuliefererherstellern keine größere Ankündigung an Produkten geben. Und damit wird das alles irgendwie wahrscheinlich Modelljahr 28 oder 29 sein. Und dann immer Modelljahr. Wir leben ja ein Jahr in der Zukunft mit unseren Fahrradmodellen üblicherweise.
Also irgendwann im Laufe des nächsten Jahres wird es bestimmt ein paar große OEs geben, die dort was bringen werden. Dann lass uns mal noch ein bisschen spekulativer in die Zukunft schauen, denn ich habe so überlegt, was gibt es für Beispiele für solche Entwicklungen, wo sich auch erst über die Zeit so bewiesen hat, hat das jetzt Substanz oder nicht? Und mir sind eigentlich auch so zwei Pole eingefallen. Also gerade auch in dieser steuernreifen Welt. Der eine Pole ist das Fatbike. Gab so eine Phase, so vor 15 Jahren bis vielleicht so vor 12, 11 Jahren, so ungefähr gefühlt, jeder Hersteller hatte ein Fatbike. Und man hatte schon so dieses Herdentrieb-Gefühl. Damals Eurobike war noch in Friedrichshafen. Man ist dort durch die Hallen gegangen und alle, alle hatten das.
Es ist inzwischen absolut wieder in die Nische reingefahren. Und die andere Entwicklung ist ganz klar 29er. Die hat auch eine Weile gebraucht, um Schwung zu nehmen. Und dann ist sie da gewesen. Und es waren auch nicht gleich alle überzeugt. Das hat eine Weile gedauert. Und inzwischen würde ich sagen, also wer bezweifelt aktuell, dass ein Mountainbike mit 29 Zoll Laufrädern gut funktioniert? Das ist auch inzwischen nur eine Minderheit. Zwischen diesen beiden Polen, wo würdest du diese 32 Zoll Geschichte einordnen? Was denkst du, wo steht hier so, sagen wir mal, in drei Jahren?
Also Christoph persönlich, was eigentlich auch der Christoph persönlich, so die Person, die unsere Produkte macht. Ja, hallo Christoph. Geht davon aus, dass das wahrscheinlich wieder ein Stück zurückgehen wird. Es wird entweder größenspezifisch werden oder einsatzbereichspezifisch. Das heißt im Cross-Country-World-Cup-Bereich Speerspitze der Technologie, schräg, recht des Sports, bringen die Räder auf jeden Fall Vorteil. Und da wird es auch in 1,75 Meter Fahrer geben, die sagen, sie wollen das fahren. Und das fährt sich für sie angenehmer aus verschiedenen geometrischen Gründen.
Aber ob die Industrie das sozusagen durchhält aufgrund der Kundennachfrage, ist die andere Frage. Wobei man auch da sagen muss, das hat man gesagt, bei 29 Zoll hat das relativ lange gedauert, bis der Kunde das angenommen hat. Das liegt auch viel, also hängt viel damit zusammen, wie oft sehe ich das Produkt. Also als wir das erste 32 Zoll Rad aufgebaut haben bei uns in der Werkstatt, erst habe ich das Laufrad in der Hand und denke, Mensch, das ist ja riesig. Und dann haben wir es aufgebaut. Es war kein anderes Fahrrad in der Werkstatt. Und dann haben wir für Lenkerhöhenvergleich nochmal 29 Zoll Fasterfahrt die daneben geschoben.
Und auf einmal sah der 29er schon klein aus. Und zwar ungewohnt klein, so wie jetzt ein 26 Zoll Rad für uns aussieht. Also ich hatte das Gefühl, unsere Gewöhnung an diese größeren Laufwege aus optischen Gründen, dass das proportional in Anführungsstrichen normal oder gedient aussieht, geht viel schneller als bei den 29 Zoll Rädern. Aber das liegt auch daran, dass wir zumindest bei unseren Prototypen und die anderen Prototypen von anderen Herstellern, die wir bisher gesehen haben, sind ja gar nicht so weit weg, immer relativ große Räder waren, also ab Größe L.
Somit kriegst du proportional dieses 32 Zoll Rad ein bisschen schöner rein verbaut, als wenn du das in eine XS reinmachen musst, weil man dann die Rohre schon massiv bearbeiten muss. Und wir haben nicht den Fehler gemacht, also in meinen Augen den Fehler, die Geometrie für die 32 Zoll Räder übermäßig nochmal anzupassen, weil das war nämlich das, was wir ja damals bei der Einführung von 29 Zoll, was die Industrie gemacht hat. Wir haben aufgrund der sogenannten Trail, also der Feder oder der Lenkgeometrie sozusagen, wurde damals aufgrund der höheren Radachse angepasst, auf welchen man wird.
Ein Lenkwinkel wurde wieder steiler bei den ersten 29 Zoll Rädern. Und dann jetzt, zehn Jahre später sind wir oder 15 Jahre später viel flacher, als wir vorher bei 26 Zoll je waren. Und ich habe da viel mit Simon von Active 5 gesprochen und dem Ralf Volleis von Hugen, weil beide, Simon hatte kurz vor uns das 32 Zoll Rad vorgestellt. Und der Ralf Volleis hat ja sogar auch schon 36 Zoll Räder gebaut und hat nach den Erfahrungen gefragt. Und dann kamen natürlich auch noch die Informationen, die wir aus der Industrie bekommen haben.
Also was haben die Feder gehabt, zum Beispiel für einen Vorlauf. Und wie sehen die Zeichnungen aus? Die Informationen, die wir hier bekommen haben. Und da haben wir gemerkt, okay, der Vorlauf ist gar nicht anders. Und will ich jetzt nochmal, und da mussten wir uns auch entscheiden, will ich jetzt nochmal den gleichen Fehler begehen und vermeintlich die Geometrie anpassen auf das größere Rad, also in verschiedenen Sachen, oder versuche ich das auf Minimum zu begrenzen, so wie Tretlagerhöhe zum Beispiel, und lasse den Nachlauf der Gabel jetzt erst mal weg.
Und wir haben uns dafür entschieden, die Pasta Party-Geometrie sozusagen nur ganz wenig anzupassen. Also wir haben Tretlagerhöhe angepasst, aber ansonsten Stack und Reach versucht, so weitestgehend gleich zu lassen und auch den Front Center weitestgehend gleich zu lassen und den Lenkwinkel. Und jetzt merkst du natürlich, wenn du das TARA schiebst, also wirklich nur Laufgeschwindigkeit 4-5 km/h, dann kippt das Vorderrad leichter zur Seite als es das vorher gemacht hat, also beim Trendy Niner.
Aber wir haben das Gefühl, zum Beispiel, dass wenn wir fahren, dass die höhere Drehkraft, die höhere rotierende Masse dieses Rades, dieses zur Seite kippen beim Fahren ausgleicht. Und ab dem Punkt, ab dem ich auf Fahrgeschwindigkeit mit diesem Rad war, ist mir das nicht mehr aufgefallen, dass das mehr zur Seite kippen wollte als der Trendy Niner. Und das war eigentlich ganz interessant. Und da bin ich gespannt, wie die restliche Industrie sich da positionieren wird und Geometrien anpassen wird oder nicht, weil wir effektiv eigentlich nur die Kettenstrebenlänge anpassen mussten.
Sind wir 15 mm länger geworden, anstatt der 34, die es eigentlich sein müssten. Und die Tretlagerhöhe scheiden sich so ein bisschen die Geister. Das ist für uns in der Entwicklung. Ich meine, die Entwicklung macht 95 Prozent. Da gab es natürlich immer jemanden, der schon mal so ein Rad gebaut hat. Das heißt, ich gehe erst mal online und schaue, wo haben denn die ganzen anderen Prototypen-Rahmen 32 Zoll gerade so ungefähr ihre Tretlagerhöhen. Da macht man sich ein paar Screenshots und dann guckt man mal.
Und dann stellen wir fest, okay, die Europäer haben die Tretlager alle relativ hoch und die Amerikaner haben die Tretlager alle relativ niedrig. Und dann habe ich mit dem Karl Volleris gesprochen und er meinte, als er damals den 36 Zoll gebaut hat mit einer effektiven Tretlagerhöhe, die eigentlich in dem 29er ansprach, hat er das Gefühl gehabt, er konnte das Fahrrad gar nicht lenken. Er saß so richtig schön unten zwischen den Radachsen und das lief super geradeaus, aber um die Kurve ging es gar nicht.
Und ich habe da mal ein bisschen geschaut und habe gedacht, alles klar, wir sind schon ein ganzes Stück höher und habe mich auch dafür entschieden, das Tretlager effektiv zehn Millimeter höher zu setzen, als es beim 29er von uns ist. Das ist eigentlich der einzige wirklich geometrische Unterschied, weil erstens ist es ein Versuch. Da waren gerade die zweiten Prototypen, die das Tretlager zehn Millimeter niedriger hatten, um das nochmal vergleichen zu können. Aber wir haben das den sogenannten BMX-Effekt genannt. So ein BMX kannst du unter dir wunderbar nach rechts und links kippen.
Das eine ist natürlich, die Räder sind klein, die Räder kippen sogar so schneller. Aber relativ zur Radachse ist dein Tretlager auch viel höher. Das ist bei einem BMX natürlich nicht gedrungen, weil die Räder halt so klein sind. Aber du kannst das wunderbar unter dir bewegen. Und als ich jetzt bei unseren Probefahrten und auch von unseren Entwicklungsfahrern, die zwei, die bisher so einen Rahmen bekommen haben, ist es nicht negativ aufgefallen, außer dass man halt gemerkt hat, okay, das Tretlager ist generell einfach jetzt im höheren Bereich.
Wir sind von effektiven Tretlagerhöhen immer noch in einem ganz normalen Bereich. Aber wenn man den Kunden das sagt, dann merkt man das natürlich. Ja, in den letzten Minuten war jetzt deutlich zu merken, dass wir mit dem Entwicklungs-Christoph sprechen, der da in den ganzen Maßen drin steckt. 36 Zoll wurde auch kurz angesprochen. Das ist dann noch eine andere Größe, über die müssen wir jetzt nicht hier sprechen. Ich würde denken, man merkt es bei dir so, weil du sowieso, also weil du der Entwickler bist, weil du so in dem Thema auch drin steckst.
Aber vielleicht, ja, es werden sich sicher einige Leute erinnern und es werden auch einige wissen, weil du eben mit Sauer, mit deiner Firma seit ein paar Jahren direkt vor Ort produzierst. Und das ist sicher auch ein Grund, warum du angesprochen wirst von anderen OE Herstellern, weil du schnell reagieren kannst. Das heißt, du hast irgendwann im Zuge der Covid-Wirren die Produktion umgezogen und ihr seid damit jetzt soweit ich weiß so gut wie komplett, bis auf ein paar Zulieferteile, im Erzgebirge.
Sowas wie Kettenstreben oder sowas. Ganz kurz, auch wenn wir da lange drüber sprechen könnten, was sind für dich jetzt so in den letzten Jahren noch weitere Vorteile? Haben sich deine Hoffnungen mit dieser Produktionsverlagerung, haben die sich bestätigt? Und gibt es vielleicht auch Punkte, wo es kritisch geworden ist? Also die eigene Fertigung, das war ja, wir haben damals ja, glaube ich, schon mal dazu telefoniert vor ein paar Jahren. Das war so ein eigentlich immer ein nice to have.
Wir haben es während Covid dann notgedrungen getan, weil wir so die Möglichkeit hatten, auf mehr Zulieferer bei Rahmenbauteilen zuzugreifen, als wenn wir eben von einem Rahmenbauer abhängig sind. Die Lernkurve war lang und die Lernkurve war auch sehr teuer. Das heißt, es ist tatsächlich ein Unterschied, einen Rahmen zu bauen und relativ viel Zeit dafür zu haben oder zu sagen, okay, wir müssen das. irgendwie wirtschaftlich gut hinkriegen. Und dann das zu einem sinnvollen Preispunkt für den Kunden, natürlich auch, weil wir auch einen gewissen Preispunkt haben, den wir erreichen wollen, dass wir eben irgendwie auch noch so Preise anbieten können, dass wir einen Großteil der Menschen auf Räder kriegen können und eben nicht in so einen Super-Premium-Bereich abdriften, weil das einfach nicht das ist, was ich selber anbieten will.
Und das war mit der Fertigung hier tatsächlich relativ schwierig. Und ich hatte schon damals und der Ansatz ist auch jetzt eigentlich noch der gleiche, die Idee zu sagen, wir müssen nicht zwangsläufig alles in-house machen. Das heißt, ich muss nicht alle Rohre biegen, ich muss nicht alle Gerbungen selber machen, weil das in unseren Stückzahlen und in der Modellvielfalt – also bei Modellvielfalt können wir auch davon ausgehen, dass wir jedes Modell, das wir haben und jede Größe als ein einzelnes Modell sehen, weil eigentlich fast alle Rohre unterschiedlich sind.
Somit sind das immer einzelne Schritte. Und in dieser Vielfalt, in der wir da sind, ist es vielleicht sinnvoller, wenn das jemand anders macht.
Und somit haben wir verschiedene Partner, die sind entweder in Taiwan oder eben auch im europäischen Ausland und auch in Deutschland, die für uns zum Beispiel Zuschnitte machen für die Rohre oder halt drei verschiedene Lieferanten haben für Sitzstreben und sowas mittlerweile.
Aber es gibt halt Sachen, die wir hier nur sehr schwer bzw. sehr teuer bekommen in Europa oder nicht in der Konfiguration, wie wir die brauchen. Somit arbeiten wir weiterhin halt relativ eng mit Taiwan zusammen, zum Beispiel bei unseren Ausfallenden und Sattelklammen, bei den Gussteilen.
Wir könnten sie jetzt auch hier 3D drucken, aber aus technischer Sicht bin ich eigentlich Fertigungstechniker. Widerstrebt mir das, das Drucken zu lassen, wenn ich es eigentlich gießen kann, was kostenmäßig viel sinnvoller ist.
Also wenn wir was drucken wollen, dann würde ich das nur machen, wenn ich weiß, das ist ein Druckteil, das ist so entworfen, dass man es eben drucken muss. Und es bietet mir auch irgendeinen Vorteil. Aber bisher, ich sage mal, denke ich nicht in 3D-Druck.
Deswegen sehen die Produkte natürlich auch anders aus. Wir hatten halt auch letztes Jahr so Situationen, wo uns diese Internationalität unserer Fertigung trotzdem das Leben schwer gemacht hat.
Das heißt, wenn du weiterhin gewisse Teile, auf die du angewiesen bist, aus Asien bekommst und dort einfach die Lieferzeiten lang sind oder irgendwas unvorhergesehen länger im Zoll stand und du hast eigentlich, so wie in jedem halbwegs modernen Betrieb, in Anführungsstrichen, eine Just-in-Time-Lieferung für die Sachen oder nur einen relativ kleinen Buffer, dann kann das so eine Unternehmung wie unsere schon ganz schön in Probleme bringen, wo wir einfach extrem viel mit den Kunden und unseren Händlern kommunizieren müssen.
Das ist ja eigentlich was, was auch ein Vorteil von uns ist. Wir können schnell auf viele Dinge reagieren und gucken, was der Markt will, weil wir so einen direkten Kontakt mit unseren Händlern und Kunden haben. Es gibt einfach nicht viele Ebenen, die zwischen dem Markt und uns dazwischen liegen.
Aber damit kriegst du natürlich gerade in so einem kleinen Team auch ganz viel ungefiltert ab, sozusagen, weil es ja ganz verständlich ist, wirklich, dass der Kunde, wenn er einen Rollout plant und dann verzögert sich was, dass er dann ungehalten wird, irgendwie.
Und das nimmst du natürlich auch mit nach Hause. Also das sind halt einfach Sachen, auf das lässt du dich ein, wenn du direkt verkaufst und auf solche Dinge.
Wir haben da extrem viel dazugelernt im Zuge von, ich sage mal, progressiver oder proaktiver Kommunikation. Wie können wir die Kunden besser abholen, dass das nicht so eine Blackbox ist, unsere Fertigung, sondern die eher über Schritte informiert werden.
Und da muss man auch die Waage finden. Es gibt halt Kunden, die sagen, sie finden das super, dass sie hier insgesamt zehn E-Mails bekommen haben über jeden Schritt, und andere sagen, eigentlich haben sie sich die gar nicht durchgelesen, weil das eigentlich nur genervt hat.
Das ist super, super schwierig, weil wir ja für jeden Mann sich diese Arbeit macht und manchmal merkt man, okay, ist es eigentlich egal. Und manchmal ist es super wichtig.
Ja, und jetzt hast du eine Weile schon auch ein paar Probleme aufgezählt. Also wo ich mir dann gedacht habe, okay, jetzt kommen also nicht die Rahmen am Stück und entweder kommen die durch oder nicht, sondern jetzt hängt es halt dann manchmal in Einzelteilen.
Also vielleicht ein bisschen ein Austausch der Elemente, die dann auch mal verzögert sein können und alles, was sich dann danach zieht mit Kunden und so. Das sind ja eher auch so Punkte, die – also es ist ja kein positiver Punkt, wenn man über eine mögliche Verzögerung spricht.
Gibt es für dich auch ganz klar positive Punkte? Auf jeden Fall. Also ein positiver Punkt ist einmal das, was wir für das Produkt an sich geschafft haben, an Qualität zu steigern im Vergleich von 20 zu jetzt.
Also wenn ich die Rahmen jetzt sehe, sind das einfach viel bessere Rahmen. Das ist für den Kunden aus Stabilitätsgründen oder Fahrtechnik macht das jetzt nicht so einen großen Unterschied. Aber man sieht das an den Schweißnähten zum Beispiel.
Und dann jetzt natürlich Sachen aus technischer Sicht, wie sich meine Entwicklungsarbeit, meine Gedanken, die ich gehe und die Reihenfolge, die ich mache bei der Entwicklung, wie sich das verändert hat.
Jetzt, da wir das selber machen müssen, gehe ich also alles verschweißen müssen, gehe ich ganz anders daran. An so ein neues Ausfallende gehe ich ganz anders ran, weil ich denke, wie kriegen wir das sehr gut verschweißt?
Wie kriegen wir das gut verbaut, dass das die saure Formsprache hat, aber es auch wiederholgenau und im Idealfall ohne irgendwelche Probleme gut verbaubar ist. Das ist etwas, was ich jetzt sehr gerne sehe, weil ich jetzt an meinen Produkten ziemlich genau weiß, warum habe ich mich dafür entschieden und dafür entschieden.
Und die Fertigung gibt uns natürlich auch mehr Möglichkeiten für Individualisierung, also auf extra Ösen einzugehen für Rahmentaschen, für Snackbag-Ösen und so eine Sachen. Das ist das.
Und es erhöht natürlich auch den Spieltrieb. Also jetzt Sachen auszuprobieren. Der Prototypenbau für uns intern ist was, wo wir sagen, okay, wir können innerhalb von sechs Wochen Prototypen auf die Beine stellen, wo wir vorher ungefähr vier Monate für gebraucht haben.
Also es ist schon ein Zeitunterschied. Ja, und da sind wir wieder beim Spieltrieb. Den wollte ich ja am Ende sowieso noch mal auffassen, weil ich finde, das ist eigentlich ein ganz schönes Bild.
Und das ist ja auch vielleicht eine Überlegung wert, sich vorzustellen, okay, dann haben vielleicht auch bei Maxis und vielleicht sind auch die Leute bei Track und Giant, vielleicht haben die auch alle diesen Spieltrieb.
Nun gibt es Leute, die sagen, das ist richtig cool, dass es den gibt in dieser Fahrradbranche. Und es gibt Leute, die sagen, so hey Leute, hier hängen Jobs dran, wir drehen hier echt Gewichte, hier hängen Summen dran, wir sollten an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch ein bisschen rationaler vorgehen.
Und diese Frage stellt sich ja sicher auch bei diesem neuen Laufradmaß. So wo kommt es her? Ganz insgesamt für dich, dieser Spieltrieb in der Branche, siehst du den eher positiv oder sagst du, so hier könnte man vielleicht auch ein bisschen vorsichtiger sein?
Also ich finde, dass der Spieltrieb, das ist was die Branche sehr sympathisch macht und der gefällt mir. Und es gibt halt Hersteller, die – also mein guter Freund Christian von Cybercycles ist so jemand, der hat so eine Größe und so eine Motivation, Dinge zu tun für drei Kunden weltweit.
Und der macht das und der hat da Bock drauf. Und es wäre schade, wenn das nie existieren würde innerhalb dieser Branche. Und das ist, glaube ich, auch diese Branche sehr einzigartig.
Mir fällt keine andere ein, außer vielleicht Modellbau oder so, was – ich stecke jetzt gerade anders in Branchen drin – aber wo man seine Individualität mit dem Produkt so sehr ausleben kann.
Und es gibt auch, und das ist wirklich was Schönes, diesen Vergleich bringe ich manchmal. Ich kenne wenige Branchen, wo Firmen wie wir mit sechs Personen auf eine Messe gehen können.
Und ich baue einen Messestand mit meinen 25 Quadratmetern und dann steht neben mir das große S mit 30 oder 35 Quadratmetern. Wir reden von Specialized. Genau.
Und ein Kunde kommt an, auf die Messe, kauft sich ein Ticket und hat noch nie vorher am Fahrrad gesehen. Dann ist auf ersten Blick, ohne dass ich mich jetzt zu sehr mit den vergleichen will, aber der wusste gar nicht, dass Fahrräder existieren.
Dann stehen wir nebeneinander. Und ich kann die jetzt nicht ärgern oder so was. Das ist alles ein ganz anderes Level. Aber wir können daneben, wir können koexistieren in so einem Markt und das bei den Größenunterschieden, bei den Finanzunterschieden, auch bei den Produktunterschieden.
Und das finde ich ziemlich charmant, weil es das sonst halt – ich wüsste nicht, wo es das sonst gibt. Ja, das klingt gut, wie so die zwei S nebeneinander stehen.
Und was dann jetzt für jeden individuell das große und das kleinere S ist, das kann ja auch jeder individuell entscheiden. Und wenn ich das jetzt so zusammenfasse, für mich was du gesagt hast, denke ich mir, okay, 32 Zoll ist jetzt so ein Spiel und das müssen wir halt auch in Kauf nehmen, dass so ein Spiel ab und zu mal ein bisschen vielleicht aus dem Ruder läuft oder eine Weile braucht, bis es anläuft.
Und jetzt lässt sich aber auf jeden Fall noch nicht sagen, so was wird da letztlich draus, weil alle sind eigentlich noch im Spielmodus. Habe ich das so richtig zusammengefasst?
Ja, also man kann bei den Großen des Spielmodus auf Entwicklungsmodus ummünzen. Aber ja, das wird sich tatsächlich erst rausstellen. Es wird größer kommen, als viele denken. Das steht fest, zumindest in 27, 28.
Aber der Vergleich mit den FedBikes war auch sehr passend. Es könnte eben auch so enden. Dann sind wir gespannt, wie das endet, wie sich das weiterentwickelt.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir drüber sprechen konnten. Und danke dir für die Einblicke, Christoph, denn das ist schon ziemlich interessant, das so mitzubekommen, was dann in dieser Branche eben dann auch eigentlich – ich finde, in relativ kurzer Zeit sich so tut und wie vermutlich dann niemand auch so richtig genau zu wissen scheint, wo das alles hinläuft.
Es bleibt spannend und ich danke dir. Sehr gern. Und ja, vielen Dank für die Möglichkeit.
Dieses Bild des Spieltriebs, das mag ich wirklich sehr. Und natürlich wird mein kleines Mountainbike-Geschichtsherz deutlich davon angesprochen, wenn wir uns in diesem Gespräch nebenbei klar machen, dass das Mountainbike an sich ja auch aus Zufall und aus Spielerei entstanden ist.
Und damit ist es nicht mal der einzige Radtyp. Ich habe mich im Nachhinein noch gefragt, ob der Erfolg dieser neuen Laufradgröße auch davon abhängen wird, inwiefern die auch an E-Mountainbikes von Komponisten ausgesprochen werden.
Das ist natürlich ein Thema, das auch in der Zeitung funktioniert, denn wir wissen ja spätestens seit dem Gespräch mit Maxi Dickehoff im Januar 2026, die meisten Mountainbikes rollen heutzutage mit Motor aus dem Fahrradladen.
Und da stellen sich dann nochmal andere Fragen, zum Beispiel in Sachen Bauraum und Stabilität. Wir werden das jedenfalls alles weiter beobachten und machen einfach Woche für Woche weiter.
Darum erscheint auch die nächste Ausgabe dieses Podcasts in einer Woche, am 1. Mai, und ihr erreicht uns wie immer unter antritt@detektor.fm sowie auf Instagram und Mastodon.
Und wenn ihr gut findet, was wir hier machen, dann unterstützt uns doch gern auf Steady oder Apple Podcasts. Damit stellt ihr nicht nur sicher, dass ich hier Menschen wie Christoph Fragen stellen kann, sondern auch, dass unser Audio-Team das alles so gut aufbereitet, damit es sich richtig gut anhört.
Wie das genau geht mit der Unterstützung, findet ihr in den Show Notes. Und ganz konkret haben diese Ausgabe Clemens Möller und Stanley Bald aufgeschnitten.
Eine kleine Brücke in die nächste Ausgabe hat Christoph, ohne es zu wissen, in unserem Gespräch schon gebaut, denn zwei Personen, die er nebenbei genannt hat, die werden auch in der nächsten Folge angesprochen werden.
Wir reden dann aber nicht über Laufradgrößen und Stollenreifen, sondern über einen Fahrradtraum, der mir mindestens so gut schmeckt wie ein richtig gutes Erklärer.
Das Rad meiner Träume bekommt eine Fortsetzung. Und bevor das passiert, wünsche ich euch erst mal ein richtig schönes Frühlingswochenende, noch hoffentlich richtig gute Fahrt.
Und ich appelliere an euren Spieltrieb. Pflegt ihn, denn das lohnt sich meistens. Macht’s gut, wir hören uns. Ciao.
[Musik: Firefall – Sweet and Sour]