Ich persönlich bin auch immer noch der Meinung, dass ein geiles, leichtes 29 Zoll Mountainbike hauptsächlich auch das bessere Gravelbike ist. Konzentrieren wir uns beiden nur auf die Technik, um uns untereinander vergleichen zu können, oder konzentrieren wir uns eben auf die Nutzer und deren Motivation, deren Motive, warum wir diese Bikes überhaupt in die Hand nehmen? Was ist das eigentlich für eine komische Entwicklung, dass wir die Verbesserung eines Gegenstandes haben, der technisch immer mehr kann, die aber in der Summe aller dieser kleinen Schritte doch dazu führt, dass du sagst, wir sind da trotzdem falsch abgebogen. Das war einfach ein unglaublich universelles Mountainbike, mit dem man richtig viel machen konnte. Ein Mountainbike ohne Motor stürzt im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit.
Hier ist der Antritt, der Fahrradpodcast auf detektor.fm mit der 5. Januar Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und tatsächlich ist dieser Januar einer mit 5 Antritten. Diesen Podcast gibt es jeden Freitag, und wenn der Monat 5 Freitage hat, dann gibt es eben 5 Antritte. So einfach ist das. Das ist alles überhaupt nur möglich, weil uns immer mehr Menschen bei dem, was wir tun, unterstützen, und sie machen das auf Steady und Apple Podcasts. Das geht ganz einfach, denn für den Gegenwert von einem oder zwei Erfrischungsgetränken im Monat kann man sich bei uns ins Peloton einreihen. Unsere Folgen bekommen in Spezialausgaben eigene Themen, wir platzieren zu unseren Events mit Live-Podcast Aufzeichnungen und wir haben auch noch mehr Ideen für unser Peloton.
Seit dem letzten Mal ist es jedenfalls wieder passiert. Dazu gekommen sind Philipp, Nikolai und Bernd. Und wenn das für euch auch in Frage kommt, dann schaut doch einfach mal in die Show Notes. Wir sagen jedenfalls vielen herzlichen Dank und freuen uns, dass ihr mit dabei seid und dass wir uns durch eure Hilfe dem Fahrrad so widmen können, wie wir und ihr das gern möchten. Und seien wir mal ehrlich, wie es dieser großartige Gegenstand einfach verdient. Einerseits, weil er so schön funkelt, und andererseits, weil er so unglaublich viele positive Erlebnisse ermöglicht. Um zumindest einen Teil davon abzubilden, gibt es diesen Podcast, der sich mal mit Fatbikes, mal mit Radwegen, mal mit Taschen und mal mit Ventilen beschäftigt. Und das waren nur die bisherigen Themen dieses Monats.
Ventile und Veluminati-Regeln
Das Thema Ventile und speziell die Ventilkappen und die Sache mit den Veluminati-Regeln haben einen unserer großartigen Unterstützer übrigens besonders angeregt. Matthias aus Münster findet, diese inoffiziellen und gerade dadurch besonders ernst zu nehmenden Radsportregeln, die sollten mal wieder thematisiert werden. Denn auch wenn wir wissen, dass es keine verbindlichen Regeln sind, bei so Dingen wie nicht zum Ventil ausgerichteten Reifenbeschriftungen da hört der Spaß wirklich auf. Und was in Sachen Sockenhöhe und Farbe erlaubt ist, das muss ich nochmal eben nachlesen. Da diese Regeln so umfangreich sind, lasse ich in der Zwischenzeit diese Episode laufen und wünsche euch viel Spaß damit. Ich gebe hiermit das Handzeichen und wir biegen rein. Der Fahrradpodcast von detektor.fm.
Mountainbike und seine Entwicklung
Wie geht es eigentlich dem Mountainbike? Wir haben hier im Podcast immer wieder über Mountainbikes gesprochen, auch wenn sie nicht zentral in unserem Fokus liegen. In letzter Zeit ist es hier aber etwas ruhiger um das Thema geworden. Andere Fahrradtypen, die scheinen gerade vitaler und spannender, jedenfalls dringen sie als Themen klarer zu uns durch. Vielleicht liegt das ein bisschen an unserem Fokus, vielleicht aber auch am Thema selbst. Denn es gibt einige Menschen, die dem Mountainbike eine handfeste Identitätskrise bescheinigen. Einer von ihnen ist Maxi Dickerhoff, der in der Bikebranche schon viele Hüte aufgehabt hat. Er ist Downhill-Rennen gefahren, war Redakteur bei MTB News, er ist Enduro-Profi im Canyon Factory Enduro-Team gewesen und Brandmanager bei Ghostbikes. Außerdem Marketingleiter bei Synthase und Lightwheel. Inzwischen ist er als Fotograf selbstständig mit seiner Agentur InsideOut Studio und Markenbotschafter für die Schweizer E-Bike-Marke Chilo.
Im Herbst 2025 hat er einen viel beachteten Artikel auf der Seite bike test.com veröffentlicht, in dem er fragt: Ist das Mountainbike falsch abgebogen? Auf den Artikel hat es viel Resonanz gegeben, und ich möchte mit Maxi darüber sprechen, wo das Mountainbike falsch abgebogen sein könnte und was das alles zu bedeuten hat. Ich freue mich, dass es mit diesem Gespräch klappt und grüße nach Rettenberg im Allgäu. Hallo Maxi.
Gespräch mit Maxi Dickerhoff
Gerolf, hallo. Danke für die Einladung. Freut mich, dass wir dem Thema heute hier im Podcast so viel Aufmerksamkeit schenken können und mal genau beleuchten dürfen, was da los ist. Ich glaube, das hat es verdient, das Thema. Denn aus deiner Perspektive ist das Mountainbike falsch abgebogen. Das steht jedenfalls über deinem Artikel. Was steht dabei auf dem Spiel? Fährt das Mountainbike jetzt in den Abgrund? Tatsächlich, das ist die große Frage, die ich mir selber gestellt habe. Schlicht und ergreifend durch Beobachtungen der Marktsituation, durch Beobachtungen im Freundeskreis. Immer mehr Freunde haben das Mountainbike in die Ecke gestellt und sind mittlerweile auf dem Gravelbike. Das hat mich eben zu der Frage veranlasst: Ist das nur ein Trend oder haben wir hier ein handfestes Problem, vielleicht sogar ein strukturelles Problem der Branche?
Warum sollte das problematisch sein, wenn die jetzt einfach Gravelbike fahren? Vielleicht ist ja das Gravelbike das bessere Fahrrad. Vielleicht ist das so. Nein, tatsächlich problematisch für die Branche ist es im Allgemeinen natürlich nicht. Fahrrad erfreut sich größter Beliebtheit. Die Beliebtheit ist ungebrochen. Ich persönlich bin einfach Herzblut-Mountainbiker und E-Mountainbiker. Mir macht es einfach riesig Spaß, mit dem Lenker zwischen den Händen und Stollenreifen durchs Gelände zu fahren. Deswegen fällt es mir ein bisschen schwer, das nachzuvollziehen, warum man sich von Singletrails und dieser Art von Naturerlebnis abwendet und aus meiner Betrachtung auf langweilige Schotterpisten geht. Also das ist dann mehr so ein persönliches Ding.
Ja, das finde ich gut. Wir schießen uns die Pfeile hier schon ein bisschen hin und her. Aber was nun auf welchem Weg besser geeignet ist, das kann ja jeder und jede für sich selbst bewerten. Aber wir können ja mal über diese Entwicklung des Mountainbikes sprechen. Für Menschen, vor allem die dem Thema nicht so nah sind: Auf welcher Reise befindet sich das Mountainbike? Und an welcher Kreuzung ist es denn, an der aus deiner Sicht eine falsche Richtungsentscheidung getroffen worden ist? Die Reise, auf der sich das Mountainbike befindet, ich glaube, da muss man differenzieren. Sprechen wir von dem unmotorisierten Mountainbike oder beziehen wir E-Bikes mit ein? Wenn wir es nämlich mit einbeziehen, dann befindet sich das Mountainbike nach wie vor auf Wachstumskurs. Also Mountainbikes und E-Mountainbikes in eine Schlüssel geschmissen, die verkaufen sich nach wie vor sehr gut. Also wir haben ja keine Nachfragekrise. Wir haben ja, würde ich mal eher sagen, eine Sinnkrise.
Sinnkrise des Mountainbikes
Denn was wir erleben, ist da draußen, dass diese Bikes, ob mit Motor oder ohne Motor, beide mit krassen Rabatten verkauft werden müssen. Das heißt, wir sehen, dass der Nutzer offensichtlich nicht mehr willens ist, so viel Geld für dieses Sportgerät auszugeben. Und da stellt sich eben die Frage: Erkennt er den Nutzwert, den Sinn hinter dem Produkt nicht mehr? Ja, an der Stelle muss man wahrscheinlich ziemlich genau differenzieren, weil diese Rabattierung, die haben wir ja auch bei anderen Rädern. Also im Nachgang von Covid, Überkapazitäten, vollen Lagern und so. Aber du hast es eben schon gesagt, du attestierst dem Mountainbike eine Sinnkrise. Ich habe vorhin dich gefragt, an welcher Kreuzung diese Abbiegung stattgefunden hat. Und eigentlich müsste man vielleicht schon noch eher fragen: Ist es überhaupt nur eine Kreuzung? Oder ist es eine Kette von Entwicklungsschritten, die da stattgefunden hat?
Ja, so sehe ich das. Das ist tatsächlich eine Verkettung von vielen Umständen. Ich denke, dass vieles seitens der Bikebranche hausgemacht ist. Es ist aber auch einfach eine Veränderung des Nutzungsverhaltens, eben hin zum Rennrad, hin zum Gravelbike. Also wenn man jetzt beispielsweise mal die Motive betrachtet, aus denen der Mountainbiker vor vielen Jahren noch auf das Bike gestiegen ist, da war maßgeblich eben dieses Motiv, Naturerlebnis, rauszukommen, dem Alltag auszubrechen und den Kopf frei zu kriegen. Also da geht es auch ganz viel um Einfachheit. Also der Alltag ist ja irgendwo mit all den Aufgaben, die uns da belasten, eine Herausforderung. Und aufs Fahrrad zu steigen und auszubrechen, das ist ja unglaublich befreiend.
Und gleichzeitig haben wir jetzt gerade am Mountainbike und im E-Mountainbike die letzten Jahre erlebt, dass da so ein, ja, ich würde sagen, so ein Technik-Overdose entstanden ist. Also immer kompliziertere Produkte, mit denen ich mich immer intensiver auseinandersetzen muss. Da kann ich mir gut vorstellen, dass der eine oder andere da vielleicht einfach auch den Spaß, die Leichtigkeit an der Sache verloren hat. Und so ein Gravelbike oder ein Rennrad, das sind ja relativ einfache Produkte. Also im besten Sinne einfach. Einfach in der Anwendung, einfach in der Nutzung. Genau draufsetzen, losfahren, Spaß haben.
Technisierung und Fragmentierung
Ja, also wenn ich das mal so zusammenfasse für mich, was du eben gesagt hast, dann haben wir es also einerseits mit so einer Technisierung zu tun. Also es wird eher verkompliziert, der Gegenstand wird komplexer. Und es gibt, glaube ich, auch so eine große Diversifizierung. Ich habe nicht nur den einen Gegenstand für diesen Zweck, sondern ich habe immer mehr Gegenstände für kleine Partikularzwecke oder wie auch immer man das nennen will. Ist es das, was du meinst? Auch unter anderem. Die Produktgruppen werden immer nischiger. Es wird auf jede noch so kleine Untergruppe ein eigenes Produkt zugeschnitten. Ich meine, früher so ein klassisches Mountainbike-Hardtail, damit konnte man ja richtig viel machen. Ich persönlich bin auch immer noch der Meinung, dass ein geiles, leichtes 29 Zoll Mountainbike-Hardtail auch das bessere Gravelbike ist. Also wenn das Rad wirklich schön leicht ist, rollt das wie Hölle. Da kann ich richtig Strecke machen und habe aber auch vor einem anspruchsvollen Singletrail muss ich da keine Angst haben. Das Ding bringt mich da sicher durchs Gelände, wo das Gravelbike dann schon eine klare Limitierung mit sich bringt. Bitte nicht falsch verstehen, es soll kein Gravelbike-Bashing sein, aber es ist einfach meine persönliche Erfahrung, dass ein leichtes Mountainbike-Hardtail einfach unglaublich breit einsetzbar ist.
Dann lass uns mal auf diese Fragmentierung schauen, denn du bist der Experte für diese ganzen verschiedenen Geräte mit Stollenreifen. Welche Fragmente oder Segmente würdest du denn aktuell einteilen? Wenn ich dich frage, meinetwegen, ich habe überhaupt keine Ahnung von Mountainbike und frage dich, welche Typen gibt es denn da? Was haben wir da heute am Markt? Also die Segmente, die das Grand der Segmente ausmachen, das sind eben die leichten Cross-Country-Bikes. Dann diese neue Kategorie Down-Country. Irgendwo dazwischen gibt es vielleicht sogar nochmal eine Differenzierung zu Marathon-Bikes. Darüber kommen dann die Trail-Bikes, die nochmal ein bisschen mehr Federweg als ein Down-Country Bike mit sich bringen, also noch mehr Spaß im anspruchsvollen Gelände machen sollen. Dann darüber die All-Mountain-Bikes, mit denen es dann schon mehr auch in hochalpines Gelände geht, die aber heutzutage auch schon wieder so progressive Geometrien, viel Federweg und hohes Gewicht mit sich bringen, dass man damit früher hätte auch locker ein Enduro-Rennen fahren können. Enduro-Bikes gibt es aber weiterhin, die sind dann darüber, dann Freeride-Bikes und natürlich auch noch Park- und Downhill-Bikes.
Nutzererfahrung und Produktvielfalt
Okay, also das ist eine ganze Menge. Jetzt, ich als Nutzer, ich möchte mich ja eigentlich gar nicht so hängengehängt fühlen, indem ich mich für so eine spezielle Nische entscheiden möchte. Eigentlich möchte ich ja ein maximal zwei Mountain-Bikes haben, mit denen ich dann alles machen kann. Ich glaube, in der Industrie hatte man vielleicht mal kurz so einen Höhenflug und hat sich gedacht, je mehr Produktgruppen wir machen, desto mehr Bikes kauft der Nutzer. Dann wäre ja interessant, die Frage zu stellen: Ist das nur etwas, was industriegetrieben ist? Also einfach etwas, wo man sagt, okay, dann kann ich hier mehr verkaufen? Oder ist es eventuell auch etwas, was teilweise nachfragegetrieben ist, weil man sagt, okay, dann könnte es doch dieses Bike geben, mit dem ich noch präziser in diese Nutzungsnische zielen kann? Wie würdest du das gewichten? Schwer zu sagen. Ich glaube, grundsätzlich im Initialmoment ist es immer nutzer- also nachfragegetrieben, weil auch die Bike-Industrie besteht aus Menschen, die selber Rad fahren. Also viele Produkte kommen ja aus einem Eigennutzen heraus, weil man sich als Mountain-Biken-Produktentwickler die Frage stellt: Was kann ich mir jetzt hier für einen Gefallen tun? Was kann ich als nächstes entwickeln?
Trotzdem glaube ich, hat man sich als Branche verzettelt. Man hat sich auch deswegen verzettelt, weil man eben in der Produktkommunikation viel zu stark auf Features und auf die Technik eingegangen ist und gar nicht mehr die Motive aus denen wir aufs Bike steigen betrachtet und auch bespielt hat. Diese extreme Technikkommunikation hat in meiner Wahrnehmung eben dem Thema Mountainbiken die Leichtigkeit genommen. Also ich stelle für mich zumindest fest, weil ich ja von Berufs wegen immer auch so ein bisschen auf Sprache und auf Worte achte, dass sich ja ab einem gewissen Stadium, finde ich, so in jeder Nische so eine Geheimsprache entwickelt. Und ich kann jetzt vielleicht noch was anfangen mit dem Begriff Downcountry-Bike, aber wenn ich mir vorstelle, irgendjemand hat Interesse daran, einfach rauszugehen und steht dann vor Downcountry, Trail, Enduro, Super Enduro, du hast vorhin noch ein paar andere gesagt, da ist dann mal ganz schön Schluss, das zu verstehen. Das denke ich mir dazu.
Und du hast es vorhin schon angetippt, jetzt eben nochmal genannt, die Motive. Du hast ja in deinem Artikel ziemlich gut herausgearbeitet. Du unterscheidest zwischen vier Motiven, die uns letztlich aufs Bike steigen lassen. Welche sind denn das? Ich muss ja mal noch ganz gut nachdenken, ob ich die alle noch zusammenbringe. Also das eine ist tatsächlich so, den Alltag hinter sich zu lassen, also sich den Kopf frei zu radeln. Das andere ist dann das Naturerlebnis, also in die Natur, ins Grüne. Sicherlich auch stark verbunden mit so auf der Metaebene mit den psychologischen Aspekten, ins Grüne rauszukommen, Energie zu tanken, mal abzuschalten. Dann gibt es natürlich auch die Kategorie, da teile ich mich jetzt selber auch stark mit ein: Adrenalin-Junkies, also dem Spaß-Faktor und dem Dopamin-Kick, den man sich da holt, und auch dem Adrenalin-Kick. Das ist natürlich auch ein starker Treiber. Wenn ich in den Bikepark gehe und die Bremsen aufmache und einfach mich da mit der Hangabwärtskraft runtersegeln lasse, das schüttet ja pure Glückshormone aus.
Ja, das sind jetzt mal die drei Treiber, die drei Motive, die mir jetzt am stärksten in Erinnerung geblieben sind, als ich das ausgab. Aber jetzt musst du mir helfen. Was war nochmal das vierte? Na, du hast eins aufgespalten, also Freiheit und Natur hast du in einem. Okay, ja, aber auch Freiheitsgefühl, ganz klar. Ich muss sagen, es ist unfair, ich habe den Artikel hier vor mir liegen. Ja, also ich lese es auch nur ab oder ich habe es mir notiert in meinem Skript. Ansonsten haben wir noch Gesundheit und wir haben Gemeinschaft. Ganz wichtig, ja genau, das Gemeinschaftsgefühl. Das finde ich persönlich immer wieder interessant. Mountainbiken, Radfahren im Allgemeinen, ist ja kein Mannschaftssport, Herdefinition erst mal ein Individualsport. Und trotzdem erlebe ich, dass gerade Mountainbiken ein unglaublich sozialer Sport ist, weil es macht erst so richtig Spaß, wenn ich es mit den Kumpels in der Gruppe mache. Also wenn ich die Freude über das Trailfahren mit anderen teilen kann.
Konflikte zwischen Mountainbikern und E-Mountainbikern
Also wir sehen uns hier per Video und du hast eben so ein bisschen gegrinst, auch gerade bei dem Dopamin. Und wenn man sich ein bisschen mit dir beschäftigt, dann weiß man auch, dass du dem sehr zugeneigt bist. Also durchaus ordentlich scheppern zu Tal zu fahren, möchte ich mal sagen. Jetzt haben wir ja an verschiedenen Stellen dieser Motive eigentlich eine Situation, wo die Maschine diese Funktionen eventuell besser erfüllen kann. Also du kannst mit einem heutigen Mountainbike höchstwahrscheinlich, da wirst du mir zustimmen, besser zu Tal fahren als mit einem vor 20 Jahren. Du kannst heftigere Sprünge machen, krassere… Total, yes! In jedem Punkt volle Zustimmung. Was ist das eigentlich für eine komische Entwicklung, dass wir die Verbesserung eines Gegenstandes haben, der technisch immer mehr kann, die aber in ihrer Summe aller dieser kleinen Schritte doch dazu führt, dass du sagst, wir sind da trotzdem falsch abgebogen.
Also aus mehrerer Hinsicht. Jetzt muss man unterscheiden zwischen dem Bio-Mountainbike und natürlich dem E-Bike. Beim Bio-Mountainbike, also bei dem, das ich noch aus eigener Muskelkraft betreibe, da haben ja all diese Faktoren, mehr Federweg, mehr Stabilität, robustere Komponenten, robustere Rahmen, also die Fähigkeit, noch wilder den Berg runterzufahren, dazu geführt, dass ich halt viele Abstriche, viele Kompromisse beim Bergauffahren in Kauf nehmen musste. Als ich 2013 zum Enduro-Sport gekommen bin, da war Enduro wirklich genau dieses ausgewogene Verhältnis aus: Ich muss aus eigener Kraft da hochstrampeln und schaue dann aber so schnell wie möglich, also eben mit bestmöglicher Zeit, wieder bergab segeln. Jetzt ist es so, dass das Bergauffahren ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wurde, weil die Räder so schwer sind, weil wir so breite und so schwer rollende Reifen mittlerweile da drauf haben, aus Gründen der Pannensicherheit und so weiter und so fort.
Und irgendwie ist dieses unmotorisierte Mountainbike für mich eben nicht mehr dieser universelle Alleskönner geworden, sondern es ist sehr stark auf Bergabfahren getrimmt. Ich bin vielleicht immer mehr darauf angewiesen, in Regionen zu sein, wo ich Liftunterstützung habe oder Shuttle-Möglichkeiten, wie unten in Finale Ligure. Klar kann jetzt auch sein, dass einfach da auch ein Trend hingegangen ist, dass immer mehr Menschen eben da eher spaßorientiert unterwegs sind. Dem entgegen steht aber, dass ja sehr viele Menschen heutzutage zum Gravelbike greifen. Und das ist für mich der beste Beweis, dass eben immer noch ein ganz großes Interesse, vielleicht sogar die Mehrheit da draußen, mehr Interesse hat, einfach zu strampeln, rauszukommen, was Gutes für die eigene Gesundheit zu tun, raus in die Natur zu kommen. Und ja, an der Stelle ist meines Erachtens das Mountainbike falsch abgebogen.
E-Mountainbike und seine Zukunft
Okay, zum Gravelbike will ich gleich noch kommen mit dir. Ich will trotzdem vorher mal noch bleiben, gerade bei diesem eventuellen Gegensatz oder dieser Beziehung zwischen E-Mountainbike und, wie du es nennst, Biobike. Ich habe versucht, da mal Zahlen zu finden. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, waren 2024 6 % der verkauften Mountainbikes noch ohne Motor. Und für 2025 haben wir noch keine Zahlen. Ich glaube sogar, es gibt schon Zahlen, wo das unmotorisierte Mountainbike schon nur noch bei 3 % liegt. Also es ist faktisch so, ein Mountainbike ohne Motor stürzt im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit. Und wir haben irgendwie so diese komische Situation, dass es einige Leute betrifft. Also traurig macht man das, bedauert, aber trotzdem eben diese Zahlen sich nicht anders entwickeln. Und ich habe auch so ein bisschen den Eindruck, das ist so ein selbstverstärkendes Ding, weil Komponenten werden dann eben nicht mehr für leichte Hardtails, zum Beispiel, entwickelt. Du hast es genannt, die Reifen zum Beispiel sind viel schwerer geworden, sind viel stabiler geworden. Ist das so eine Spirale und wie ist überhaupt so diese Beziehung zwischen E-Mountainbike und dem Biobike?
Ja, also das E-Mountainbike, das muss man auch eben sehen, da ist dann wieder der positive Trend. Das E-Mountainbike macht 40 % aller verkauften E-Bikes aus. Also da wiederum sieht man, dass der Kunde durchaus großes Interesse hat an so einem stark profilierten Mountainbike, das für jedes Gelände gewappnet ist. Und ich denke, dass auch daher natürlich der Trend zu diesen immer robusteren Komponenten kommt, weil man eben dank der Motorisierung mehr Menschen die Möglichkeit haben, in anspruchsvolles Gelände vorzudringen und sich dann aber eben auch die Sicherheit, ein robustes, haltbares Bike, das ihnen auch in der Fahrsicherheit viel Fahrstabilität gibt.
Das heißt, wenn du sagst, das Mountainbike ist falsch abgebogen, sprichst du dann vom unmotorisierten Mountainbike oder generell vom Mountainbike? Dann spreche ich vom unmotorisierten Mountainbike, ganz genau. E-Mountainbike muss meines Erachtens auch aufpassen, dass man hier nicht in dieselbe Kerbe reinschlägt. Also dass man auch hier sich zu abfahrtsorientiert aufstellt. Ich glaube nämlich auch fest daran, dass auch das E-Mountainbike von einem gewissen Leichtbau profitiert. Ich finde einfach, je schwerer Räder werden, desto weniger Spaß machen sie mir, desto unhandlicher sind sie, ob es beim Verladen ins Auto oder sonst was ist, ob ich es im Haus über die Treppen runter in den Keller tragen muss. Ich finde leichte Räder gut. Das gilt für das Mountainbike wie für das E-Mountainbike. Das sollte haltbar und robust sein, aber es gibt ja genügend Produkte am Markt, die beweisen, dass es da einen guten Mittelweg gibt.
Ja, aber das E-Mountainbike scheint ja in einer anderen Phase zu sein. Du hast eben schon gesagt, das ist relativ erfolgreich, gerade auch unter den E-Bikes. Wenn wir sagen, das Mountainbike, das klassische Mountainbike, das erklärt sich nicht mehr so von selbst, das ist eher verwirrend, dann muss es am E-Mountainbike irgendetwas geben, das ein Versprechen zumindest gibt und das attraktiv macht für Kundinnen und Kunden, sich dieses Rad zuzulegen. Was ist denn das? Das wirst du ja als Botschafter für eine E-Bike-Marke zum Beispiel relativ gut sagen können. Ich denke, es sind maßgeblich zwei Versprechen, die da mit dem E-Bike einhergehen. Für die eine ist das Versprechen mehr Spaß, weil ich kann in derselben Zeit mehr erleben. Ich komme schneller den Berg hoch, kann vielleicht in derselben Zeit nach dem Feierabend nochmal zwei, drei Abfahrten mehr machen, wenn es mir um den Backup-Spaß geht. Und der, der dieses Naturerlebnis sucht, der raus will, der Touren fahren will, der kommt eben in derselben Zeit weiter oder er kommt überhaupt an andere Orte, die ihm vielleicht mit seiner Fitness vorher nicht zugänglich waren. Das ist ja grundsätzlich erstmal ein riesengroßer Zugewinn, den uns das E-Bike da beschenkt hat.
Zukunft des E-Mountainbikes
Ja, und du siehst es aber trotzdem auch gefährdet in Zukunft. Hast du eben gesagt. Kannst du da nochmal drauf eingehen? Ich denke, man muss aufpassen, die Branche muss aufpassen, dass wir hier in der Kommunikation nicht die selben Fehler machen. Ich denke, wir machen sie, wir machen sie zum großen Teil, nämlich auch schon selber, feature-lastig, produkttechnik-lastig kommunizieren. Eben nicht mehr diese Motive, den Sinn hinter dem Mountainbiken, E-Mountainbiken. Ich fasse es in dem Fall mal zusammen, eben diese Motive auf diese Motive in unserer Kommunikation einzahlen, zu zeigen, warum es grundsätzlich ein richtig toller Sport ist, mit dem Mountainbike raus ins Gelände zu gehen, in die Natur zu gehen, was zu erleben.
Wenn ich da noch eins hinterher schieben darf, was auch beide Produktkategorien gleichermaßen betrifft und belastet, das ist in Brabbeln anders. Ich habe das Gefühl, dass unter Mountainbikern und E-Mountainbikern mittlerweile Konflikte relativ offen ausgetragen werden, also auch in der Öffentlichkeit. Die Mountainbiker beschimpfen die E-Mountainbiker, dass sie an allem schuld seien, was sich im Sport zu schlechten verändert hat. Wir sind mit unglaublich vielen Regeln mittlerweile konfrontiert. Es hat eben alles nicht mehr diese Leichtigkeit, einfach aufs Rad steigen und losfahren. Ich würde mir da mehr Gemeinschaftsgefühl wünschen, ungeachtet, ob ich mit oder ohne Motor fahre. Ich würde mir da auch mehr Gemeinschaftsgefühl gegenüber öffentlichen Debatten führen, wenn Single-Trail-Mountainbiker irgendwann in Pranger gestellt werden.
Da würde ich mir wünschen, dass Mountainbiker und E-Mountainbiker da eine Sprache sprechen und sich nicht gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Ich habe es in meiner Anmoderation gesagt, wir haben uns hier schon öfter mit dem Mountainbike beschäftigt. Im Podcast. Und ich glaube, die zwei stärksten Themen sind einerseits die Ursprünge des Mountainbikes. Und da ging es, glaube ich, unter der Oberfläche letztlich um den Spirit, der damals geherrscht hat.
Ein anderer wichtiger Teil sind ganz konkrete Fragen, wie das Wegerecht gewesen ist, also am Beispiel Baden-Württemberg. Oder wir hatten auch andere Beispiele dafür. Welche Rolle spielt dieses Thema eigentlich? Ich habe jetzt erst gelesen, im Dijster gibt es zum Beispiel große Probleme. Die Probleme, die gibt es vielerorts. Es gibt wohl auch Studien und Erkenntnisse, dass diese Probleme und eben die öffentliche Debatte über das Thema, ob es legitim ist, mit dem Mountainbike abseits von befestigten Wegen ins Gelände zu gehen, das führt schon dazu, dass sich viele Mountainbiker scheinbar von dem Sport abwenden, lieber aufs Gravelbike auf dem Schotterweg gehen, weil sie einfach keine Lust haben, darüber nachzudenken.
Jedes Mal, wenn sie aufs Bike steigen, bin ich da jetzt in der Grauzone unterwegs? Muss ich mich mit irgendwelchen anderen Nutzergruppen herumschlagen? Sehe ich mich da Beschuldigungen ausgesetzt? Das hält alles nicht auf diese Leichtigkeit, auf dieses den Kopf freikriegen rein, sondern eher das Gegenteil. Auch da empfinde ich es als Biker so, dass wir auch innerhalb der Mountainbike-Community uns da viel zu oft mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen. Da darf man so nicht fahren, da darf man dieses und jenes nicht tun, da muss man sich an vorgegebene Regeln halten.
Ich glaube, je mehr Regeln man sich selber auferlegt, desto weniger Leichtigkeit hat das Thema. Und dann braucht man sich nicht wundern, dass das Thema an Bedeutung verliert. Ja, gerade diese Leichtigkeit, die scheint so ein bisschen raus zu sein. Also dieser Gedanke, der irgendwie von selbst überspringt, wie das Leute erzählen, so aus den 90er Jahren, wenn sie dann ihre Helden zitieren, die sie in verschiedenen Filmen und Magazinen und so gesehen haben.
Auch eher von außen gesehen, aus zwei Gründen, weil ich wohne in der Tieflandsbucht und ich habe kein E-Mountainbike. Meine Frage an dich: Hast du den Eindruck, dass die E-Mountainbikes, die so im Umlauf sind, die sich ja sehr gut verkaufen, dass die alle noch mountainbike-mäßig eingesetzt werden, oder ist es eher so, wie manchmal gesagt wird, von außen gesehen, das sind eigentlich auch bessere Forstwegmaschinen und die Leute, die die fahren, können die auch gar nicht so richtig beherrschen? Also es geht eher um das Versprechen des Produkts als das, was es wirklich kann.
Jein. Also ich glaube, es gab immer schon die Mehrheit der Mountainbiker, auch damals vor der E-Bike-Zeit, die total happy waren, mit dem Mountainbike auf groben Schotterwegen in die Natur rausflüchten zu können. Und das wäre auch vollkommen in Ordnung. Die dedizierten Single-Trail-Biker, das war im Volumen immer die Minderheit und das ist es auch heute noch. Und das ist es auch beim E-Bike. Trotzdem haben wir im Gesamtmarkt auch bei denen, die mit dem E-Mountainbike auf Single Trails gehen, grundsätzlich Zuwächse.
Weil das E-Mountainbike das eben auch denen ermöglicht, die vorher vielleicht nicht die Fitness, nicht die Zeit, aus welchen Gründen auch immer, es war ihnen einfach nicht möglich. Mit dem E-Mountainbike wird es möglich. Und das finde ich grundsätzlich erstmal eine super Entwicklung. Ich finde es immer gut, wenn sich ein Sport demokratisiert und mehr Menschen die Möglichkeit haben, daran teilzuhaben.
Ja, und dann lass uns jetzt an der Stelle nochmal aufs Gravelbike kommen, denn du hast das genannt jetzt eben im Gespräch. Du nennst es auch im Artikel. Dort fragst du, ob Gravelbikes und Rennräder eigentlich die logische Konsequenz sind, wenn wir einfach nur Rad fahren wollen. Sind sie das? Unter der aktuellen Entwicklung, die wir in der Mountainbike- oder in der Fahrradbranche sehen, eben der Komplexität, die bei Mountainbikes und E-Mountainbikes einhergeht, würde ich sagen, ja.
Für viele ist das dann der logische Rückschluss. Es ist ein sehr einfaches, unkompliziertes Produkt. Draufsetzen, losfahren, Spaß haben. Und wenn ich jetzt mal versuche, das Ganze eher aus der Richtung deiner Motive zu denken und zu sehen, die du genannt hast, und nicht aus der Richtung der Technik. Wir haben gesagt, die Branche kommuniziert viel zu technisch.
Die einzelnen Marken. Gehen wir mal einen Schritt zurück und reden über Freiheit, über Gesundheit, über Gemeinschaft und über Spaß und Flow. Wo ist aus dieser übergeordneten Perspektive eigentlich das Problem daran, wenn dieses Bedürfnis zur Erfüllung dieser Motive jetzt von anderen Fahrradkategorien eingelöst wird? Gibt es da ein Problem? Also für die Branche im Gesamten gibt es da im ersten Moment mal kein Problem.
Weil wenn wir das Gesamtvolumen betrachten und x Anzahl an Rädern verkauft werden und sich innerhalb dieser Anzahl einfach die Produktsegmente verschieben, dann ist das für die Branche ja erstmal kein Problem. Ich persönlich als Mountainbiker finde es einfach schade, weil ich finde es schade, dass wir dadurch als Mountainbiker einen Stellenwert an Kraft gegenüber zum Beispiel anderen Nutzergruppen und der Politik verlieren.
Mehr Mountainbiker ist ja auch eine starke Aussage. Das gibt uns eine Stimme, das gibt uns Kraft, um unsere Interessen auch zu vertreten. Wenn das abnimmt, dann ist es natürlich leichter zu sagen, okay, dann müssen wir nicht mehr in legale Mountainbike-Strecken investieren, weil die Nutzer ja offensichtlich mit Schotterwegen glücklich sind. Also das finde ich persönlich schade.
Für die Branche an sich ist das kein Problem. Was für die Branche ein Problem ist, ist eben dieses Thema, dass die Branche es aktuell nicht mehr schafft, einen Sinn zu vermitteln, sinnstiftende Motive zu vermitteln. Und deswegen wir als Nutzer, die Kunden nicht mehr so bereit sind, so viel Geld für das Produkt auszugeben.
Weil mit jedem Kauf muss ich erst mal vor mir selber den Kaufpreis rechtfertigen. Ich muss mir genau überlegen, wie viel Mehrwert bringt mir dieses Produkt in meinem Leben, dass es diesen Preis rechtfertigt. Und wenn wir das Produkt auf seine Technik reduzieren, dann wird es für mich selber immer schwieriger, diesen Wert vor mir selbst zu rechtfertigen.
Wenn es mir aber einen Sinn gibt, dann finden wir ganz schnell Gründe, dass es rechtfertigt. Ein gutes Beispiel ist, finde ich, da immer wieder Patagonia. Ob jetzt die Patagonia Daunenjacke wirklich so viel besser ist als die Daunenjacke von Decathlon, weiß man nicht. Aber Patagonia liefert mir sehr gute Argumente, warum ich in diese Marke investiere. Weil das sinnstiftende Argumente sind und weil es so eine eingebaute Haltung hat.
Also zumindest, dass es geschafft wurde, das zu kommunizieren. Kannst du sagen, was dann Gravel und Rennrad gerade richtig machen und was sie besonders gut kommunizieren? Also das ist dann bei dir wahrscheinlich eher eine Außensicht. Was können die, was versprechen die und halten es eventuell auch?
Also was ich gerade beim Graveln von außen beobachte, ist ein unglaublicher Zusammenhalt dieser Community. Ich finde, die Community versprüht eine tolle Leichtigkeit, ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Von außen beobachtet habe ich das Gefühl, dass da jeder willkommen ist. Da gibt es nicht diese Grabenkämpfe innerhalb der Szene, wie es sie eben leider beim Mountainbike gibt.
Das sind im ersten Moment mal die Werte, die ich da beobachte: Leichtigkeit, Gemeinschaftsgefühl und das wirklich aktiv gelebt. Und wenn wir aber sagen, dass beim Mountainbike, also beim klassischen Mountainbike, diese Diversifizierung letztlich dazu geführt hat, dass das Produkt zu komplex wurde und nicht mehr selbsterklärend und diese Motive nicht mehr erfüllt, dann könnte man ja auch die Frage stellen, ob das eine Entwicklung ist, die beim Gravelbike selbst auch stattfindet.
Da sind wir auch von einem Rad für alle Schotterwege, also Schotter in Klammern, sind wir ja inzwischen bei den Bikepacking-Rädern. Wir sind bei Aero-Gravel-Rädern. Wir haben inzwischen Fullys oder haben immer wieder neue Versuche, Fullys zu etablieren. Wir haben Hardtails, wir haben mehrheitlich starre Räder. Könntest du dir vorstellen, dass wir da in zwei bis fünf Jahren auch an so einem Punkt stehen, dass wir sagen, irgendwie ist hier die Luft raus?
Also ich kann mir das gut vorstellen. Und wenn man sich die aktuellen Marktentwicklungen anschaut, dann scheint es genau darauf hinauszulaufen. Was ja auch logisch ist, weil am Ende sind es ja dieselben Akteure im Markt, die diese Themen bespielen. Das sind dieselben Hersteller, dieselben Firmen, dieselben Marketing-Teams, die ihre Botschaften platzieren.
Auch das Gravelbike oder Rennrad ist nicht davor gefeit, dass man es wieder einfach auf seine Technik reduziert. Und wenn wir zurück zum Mountainbike gehen und sagen, okay, wir haben, und das Mountainbike, das du meinst, das falsch abgebogen ist, da haben wir einstellige Prozentszahlen an den Verkäufen insgesamt. Wie sieht denn die Zukunft dieses Gerätes aus? Also wird es ganz verschwinden oder hat das vielleicht auch den Vorteil, so einer Nischenexistenz, die man gar nicht mehr so beachtet?
Das kann ja auch gut sein. Also die Nischenexistenz, die wir jetzt denke ich immer geben. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele Fahrer, die über das Gravelbike einen Einstieg in den Radsport gefunden haben, vielleicht sogar vom Gravelbike zum Mountainbike-Hardtail wieder überwechseln. Vielleicht sogar auch zu einem leichten Mountainbike-Fully, weil man eben noch mehr Möglichkeiten hat, noch mehr, eben einen noch breiteren Einsatzbereich und damit eben dieses Freiheitsgefühl einhergeht, was für mich selber auch immer ausschlaggebender Grund und mein Hauptmotiv war.
Ich habe mit dem Mountainbike eine riesige Freiheit, weil ich habe unglaublich viele Möglichkeiten, unglaublich viel Zugang zu verschiedensten Terrain. Und da kann ich mir schon vorstellen, dass da eben so ein kleiner Prozentsatz des Mountainbikes immer am Leben erhalten wird. Und wie sehr das Mountainbike im Gesamten noch seine Daseinsberechtigung behalten wird oder wie gut es sich verkaufen lässt, ich glaube, das entscheidet zum großen Teil auch die Branche selber, wie sie dieses Thema bespielt.
Jetzt habe ich vorne ganz am Anfang deine verschiedenen Funktionen aufgezählt, die du eingenommen hast. Du bist unter anderem Redakteur gewesen bei MTB News und bei MTB News habe ich einen Artikel gefunden, der ist betitelt mit „Warum verkümmert das Mountainbike?“. Das ist eine ziemlich deutliche Sprache. Und wenn man sich jetzt noch vergegenwärtigt, dass es da um einen Gegenstand geht, der im Namen der Plattform sogar enthalten ist, dann frage ich mich, okay, was löst das in den Leuten aus?
Also in den Leuten, die direkt damit befasst sind mit dem Mountainbike. Ist das eine Entwicklung, die Leute traurig macht, die sie desillusioniert, die man so hinnimmt, oder wie stehen die Leute in der Branche dazu? Tatsächlich sehr unterschiedlich. Also auch in der Branche, wie gesagt, die Branche ist ja geprägt von Radfahrern. Das sind ja in der Regel keine Nichtradfahrer, sondern das sind alle Selbstradfahrer.
Da gibt es genauso viele, die selber vom Mountainbike zum Beispiel zum Gravelbike übergewechselt sind und sagen, damit können sie ihre Bedürfnisse besser befriedigen. Das zahlt auf ihre Motive ein. Das heißt, es gibt nicht für jeden einen Grund zu handeln, weil, wie gesagt, der Branche als solches geht es ja per se nicht schlecht. Wir haben, wie gesagt, kein Absatzproblem, wir haben nur ein Sinnproblem und gerade ein Problem, dass wir es halt nicht mehr zu den Preisen verkaufen können, die wir uns mal ausgemalt haben und auf Basis derer Umsätze Unternehmen sich auch selbst aufgestellt haben mit Mitarbeiteranzahl und so weiter.
Aber jetzt erkennen wir halt, okay, der Kunde ist nicht mehr bereit, so viel Geld zu zahlen. Es kommt weniger Geld rein, die Unternehmen können sich dann oft ihre Mitarbeiterstamm nicht mehr leisten und so weiter. Das ist tatsächlich ein Problem und das betrifft ja auch dann Menschen ganz konkret, wenn sie ihren Job verlieren. Und aus der Hinsicht hoffe ich, als jemand, der von dieser Branche lebt, dass wir es als Branche schaffen, wieder den Sinn der hinter all dem steht, stärker in den Vordergrund zu rücken.
Du hast vorhin ziemlich klar gesagt, dass du mit dem „falsch abgebogen“ vor allem das unmotorisierte Mountainbike meinst. Wie bist du denn selbst unterwegs? Also du bist, habe ich schon gesagt, Markenbotschafter für eine E-Bike-Marke, also du wirst nicht nur auf deinem unmotorisierten Hardtail unterwegs sein. Nein, tatsächlich. Am meisten bin ich auf dem E-Bike unterwegs, fahre trotzdem nach wie vor auch viel Muskelbike, also Bio-Bike, vor allem wenn es die Zeit erlaubt und aus einer Trainingssicht.
Also mir macht es immer noch unglaublich viel Spaß, mich zu schinden. Mir macht es richtig viel Spaß, den Berg hoch zu pressen und oben mit totaler Erschöpfung anzukommen und am Ende des Tages die Muskeln brennen zu spüren. Das ist immer noch ein sehr befriedigendes Gefühl. Aber auch bei mir ist es so, meine freie Zeit wird immer knapper. Jetzt bin ich vor kurzem Papa geworden. Es ist einfach so, die Zeit, die mir zur Verfügung steht, um mein Hobby zu leben, die wird, glaube ich, mit fortschreitenden Lebensjahren halt weniger.
Und da ist das E-Bike eine riesengroße Bereicherung. Du hast ja schon gesagt, mir geht es auch ganz viel um diesen Abfahrtsspaß. Und mit dem E-Bike bretter ich halt den Hometrail dreimal statt nur einmal in den eineinhalb Stunden, die mir abends dann zur Verfügung stehen. Also erstmal Glückwunsch zum Papa geworden sein. Und dann lass uns doch aber mal in die Zeit schauen, nochmal zum Schluss ganz kurz auf den Maxi, der noch nicht Papa gewesen ist und der unmotorisierte Mountainbikes gefahren ist.
Wenn du dich für eins der Räder, die du gefahren bist, entscheiden könntest, eins dieser Bio-Bikes, wie du sie auch nennst, welches wäre das und was hat das für dich ausgemacht? Also wenn ich an die Zeit zurückdenke, dann wäre es das Enduro-Bike aus den Anfängen der Enduro-Bikes, als ein potentes Enduro-Bike noch 13 Kilo gewogen hat. Das war einfach ein unglaublich universelles Mountainbike, mit dem man richtig viel machen konnte.
Für die Leute, die dem Enduro-Sport nicht so nah sind, kannst du es noch kurz ein bisschen beschreiben und auch, welches Versprechen da drin gesteckt hat für dich und was das eingelöst hat? Also das Versprechen, was ich da drin eingelöst gefunden habe, das war die Freiheit, Zugang zu einer riesengroßen Bandbreite an Trails zu haben. Ich konnte mit dem Ding meine 2000 Höhenmeter hochstrampeln, um dann eben auch 2000 Höhenmeter Single Trail ins Tal rauschen zu können.
Mir geht es auch ganz viel um dieses Bergabfahren, ums Downhillfahren, Trailfahren, Adrenalin. Ich finde aber halt, gebaute Strecken, Bikeparks auch relativ schnell langweilig. Also mir macht es Spaß, in der Natur, in den Bergen halt eben diese Single Trails zu finden, die so Single-Trail-Perlen sind, die man suchen und sich erarbeiten muss. Und das war mit diesem klassischen Enduro-Bike von damals halt super möglich, weil der Hochweg, den musste ich mir auch erkämpfen, aber das war machbar.
Heute wiegen Enduro-Bikes teilweise 16, 16,5 Kilo. Da muss ich sagen, 2000 Höhenmeter damit hoch zu strampeln, nein, danke. Was ist da passiert? Warum sind die so schwer geworden? Vor allem aus dieser Haltbarkeitsthematik, klar. Allein schon auch mit dem Einzug von 29 Zoll, größere Reifen, größere Laufräder, die dann aber immer stabiler, immer mehr Federweg, immer mehr Nutzung dieser Produktgruppe auch in Bikeparks oder in Regionen wie Finale Ligure, wo ich grundsätzlich eh nur hochgeschattet werde und das Material bergab so stark belaste, dass man eben so viel Haltbarkeit braucht, dass es einfach mehr Materialeinsatz benötigt und die Produkte dementsprechend schwerer werden.
Wenn ich so drüber nachdenke, in welchem Zusammenhang ich in der jüngeren Zeit unmotorisierte Mountainbikes gesehen habe, so in den Medien auch, dann ist es meistens, also so, dass es mir im Kopf geblieben ist, dass es mir auffällig war, ist meistens in Verbindung mit 32 Zoll Laufrädern. Hier haben wir es wieder mit so einem Trend zu tun, der technisch kommuniziert wird, der aber eventuell ja doch dieser Kategorie Fahrrad neues Leben einhauchen könnte. Wie blickst du darauf?
Genau, könnte spannend werden, ob wir uns damit nicht einen Bärendienst erweisen. Also die Frage ist, was ermöglicht mir das? Also zahlt es auf diese Motive ein? Schenkt es mir Freiheit? Schenkt es mir Einfachheit? Schenkt es mir diese Freiheit, eine ganz große Bandbreite an Möglichkeiten abzudecken? Oder limitiert es mich am Ende wieder, weil es zwangsläufig ja schwerer werden muss? Geht ja gar nicht anders.
Die Laufräder werden größer, die Reifen werden größer, wieder mehr Materialeinsatz. Also kann es ja nur im Vergleich zum 29 Zoll-Bike der gleichen Kategorie schwerer werden. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist. Also du klingst auch da skeptisch. Da bin ich skeptisch.
Maxi, du hast zu Anfang gesagt, oder du hast in deinem Artikel gesagt, das Mountainbike ist falsch abgebogen. Wir haben darüber gesprochen, warum das so passiert ist. Und ich habe dich zu Anfang gefragt, ob es jetzt in den Abgrund fährt. Es klingt mir nicht ganz danach, dass das passiert. Wie geht es weiter? Wie wird sich das Mountainbike weiterentwickeln?
Zum großen Teil hängt es davon ab, wie motiviert die Branche ist, in dieses Produkt zu investieren, vor allem in Sachen Kommunikation zu investieren. Das unmotorisierte Mountainbike wird wahrscheinlich weiter, also noch weiter an Bedeutung verlieren. Es wird nicht verschwinden. Es wird immer eine Nische geben, die darauf nicht verzichten möchte.
Und wie es mit dem E-Mountainbike weitergeht, eben auch da. Alles eine Frage dessen, wie wir das Produkt vermarkten, wie wir darüber sprechen, mit welchen Geschichten wir es belegen und worauf wir uns als Branche konzentrieren. Konzentrieren wir uns weiter nur auf die Technik, um uns untereinander vergleichen zu können, oder konzentrieren wir uns eben auf die Nutzer und deren Motivation, deren Motive, warum wir diese Bikes überhaupt in die Hand nehmen?
Das sagt Maxi Dickerhoff, der ein ziemlich großes Mountainbike-Herz hat. Über das Mountainbike und verschiedene Kreuzungen, wo das Mountainbike eventuell den falschen Weg genommen hat. Wer Maxi noch darüber hinaus zuhören will, der kann das machen im Supertrails-Podcast. Den macht er zusammen mit dem Fotografen Markus Gräber. Den findet ihr auch dort, wo ihr euren Podcast findet.
Maxi, ich sage ganz vielen Dank für das Gespräch und vor allen Dingen weiterhin viel Trailspaß und Abfahrtsspaß dir. Gerolf, vielen Dank für die Zeit und euch da draußen ganz viel Spaß beim Radfahren, ganz egal auf welchem Rad ihr sitzt. Hauptsache Lenker in den Händen und Pedale unter den Füßen. Danke dir.
Nach diesem Gespräch habe ich wirklich noch eine ganze Weile übers Mountainbike nachgedacht. Maxi und ich haben im Gespräch leicht unterschiedliche Zahlen genannt. Aber eins ist klar: Der prozentuale Anteil unmotorisierter, also klassischer Mountainbikes an allen Mountainbike-Verkäufen in Deutschland ist nur noch einstellig, während das E-Mountainbike mit 40 Prozent Anteil an den E-Bikes richtig erfolgreich ist.
Klar, das sind nur die Neuverkäufe und es gibt wahnsinnig viele Bikes da draußen, die seit Jahren viel genutzt werden und ganz viele Erlebnisse ermöglichen. Aber die Verkaufszahlen sind deutlich. Und ich habe darüber nachgedacht, was mich eigentlich mal so fasziniert hat an diesen Rädern. Ich bin damit noch nicht ganz fertig, denn ich habe durchaus eine große Faszination für Technik.
Ich kann mich auch richtig lange damit beschäftigen und überhaupt Maschinenliebe, da ist sie wieder. Was ich aber auch total nachvollziehen kann, ist, wenn Maxi sagt, dass es viel mehr auf die Sinnstiftung ankommt, den Einsatz und die Motive, als auf konkrete technische Lösungen. Denn die sollten, wenn ich Maxi richtig verstehe, immer nur Mittel zum Zweck sein.
Und der Zweck, mit dem man mich an den Haken bekommt, das ist tatsächlich so eine Mischung aus Freiheit und Entdecken und Abgeschiedenheit und Relativierung von Alltagskram und eine ganze Menge Kurvenspaß. Vielleicht nennt man das dann auch Flow-Kurve. Und noch eine Kurve, man reiche mir das passende Gerät und dann ist mir ziemlich egal, wie das aussieht.
Was mich jubeln lässt, das will ich nutzen können. Und wenn ich noch ein Stück weiter darüber nachdenke, welches unmotorisierte Mountainbike für mich zurzeit attraktiv wäre, dann ist das wahrscheinlich ein Bikepackinggerät. Also irgendwas, was mich mal wieder auf den Balkan bringt, in die Baskiden, auf irgendeinen verlassenen Trail und gern auch wieder auf den extrem schnipsigen Hohlweg, den ich vor vielleicht fünf Jahren mit meinem Kumpel Eik in Polen runtergeschossen bin, auf dem Weg zu einem herrlichen Frühstück am Straßenrand.
Wird es dafür weiter Räder geben? Ich hoffe es. Und ich glaube es auch, denn ich weiß, dass ich mit solchen Motiven längst nicht allein bin. Wer sich noch ein bisschen weiter mit dem Thema beschäftigen will, ich hab euch Artikel verlinkt. Sowohl den angesprochenen von MTB News als auch einen von Bikepacking.com, der da heißt „Has Marketing Ruined Bikes?“. Der ist allein schon wegen der grandiosen Bilder vom Roughstar Fellowship lohnenswert.
Wenn sogar Tandems im Adventure-Modus auf kurvigen Trails ins Spiel kommen, dann bin ich sowieso erledigt. Schaut dort gern mal rein. Ich hab euch außerdem, harter Themenwechsel, nochmal die Nahtenumfolge vom Januar 2025 verlinkt. Und ich möchte nochmal auf die Gedenkfahrt für Andreas Mandalka am 31.01. um 11 Uhr in Pforzheim hinweisen. Andreas Mandalka ist am 30.01.2024 südlich von Pforzheim totgefahren worden und dort werden am kommenden Wochenende Menschen an ihn erinnern, so wie an alle anderen Menschen, die auf dem Rad im Straßenverkehr gestorben sind.
Dieser Podcast schließt hiermit den Januar 2026 ab. Ihr erreicht uns unter antritt@detektor.fm und auf Instagram und Mastodon. Und dann hören wir uns wieder am 6. Februar oder schon am 5., wenn ihr im Peloton mitfahrt. Wie auch immer ihr hier dabei seid, seid gut und sicher unterwegs. Und ich denke jetzt noch ein bisschen an die Trail-Momente, die ich bisher schon haben durfte und freue mich auf alle, die kommen. Ich sage gute Fahrt und happy trails.
[MUSIK: Motorpsycho – The Comeback]