Einfluss der Laufradgröße
Erstmal hat die Laufradgröße erheblichen Einfluss auf ganz viele Dinge am Fahrrad. Stimmst du dem zu? Ist das der große Industrietrick? Der große nicht? Also, da ist zum Teil was dran. Wir haben besonders eine Änderung vom Fahrverhalten, also Lenkverhalten, und gerade im Gelände. Und ich glaube, deswegen sehen wir dort auch oft eine Änderung des Überrollverhaltens von Hindernissen. Weil diese Räder dann doch wieder von Männern gemacht wurden, die meinen zu wissen, was Frauen gefällt.
Markt und Größen
So, im dritten Schritt könnte ich sagen, ist da nicht eigentlich ein Markt? Dass es ein Fahrrad in Größe S mit 26 Zoll, in Größe M mit 27,5 Zoll, in Größe L mit 28 und in XL mit 29 Zoll gibt, weil es dann für alle Körpergrößen mehr oder weniger das gleiche Fahrrad hat. Warum heißt denn das eigentlich Laufrad? Hier ist der Antritt, der Fahrrad-Podcast auf detektor.fm mit der zweiten März-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer, und nachdem ich in der vergangenen Ausgabe gelernt habe, wie ich in diesem Leben doch noch Zweirad-Mechatroniker werden kann, habe ich mich für diese Ausgabe wieder auf das konzentriert, was ich aktuell ziemlich regelmäßig mache: Nicht an Fahrrädern schrauben, sondern über Fahrräder sprechen mit Menschen, die sich damit auskennen und die einfach spannende Dinge mit Fahrrädern erleben.
Jens Klötzer und spannende Geschichten
Da gibt es immer wieder neue Themen und Geschichten, und viele davon sind in diesem Podcast zu hören. Es gibt aber auch Konstanten, und eine davon ist Jens Klötzer vom Tourmagazin, mit dem ich schon um einiges länger Fahrrad fahre und über Fahrräder spreche, als es diesen Podcast überhaupt gibt. Mit Jens habe ich schon einige großartige Reisen gemacht, sowohl mit dem Rad als auch mit dem Zug. Und auf einer dieser Reisen, nämlich von Leipzig nach Triest, direkt vor der Eurobike 2014, ist uns irgendwo im Böhmerwald die Serie „Klingeln bei Klötzer“ eingefallen.
Eurobike und persönliche Erlebnisse
Nicht nur deswegen ist diese Eurobike eine der schönsten für mich gewesen, denn allen Menschen, die mich dort gefragt haben, wie es mir denn so ginge, habe ich einfach meinen Oberarm gezeigt, mit einer klar definierten und zwischen Leipzig und Triest nachgeschärften Bräunungskante. Habe ich schon erwähnt, dass wir zwischen Triest und Friedrichshafen auch noch ein Stück Nachzug eingebaut haben? Ich schweife ab und hole mich zurück, wieder in den Böhmerwald, ungefähr dorthin, wo „Klingeln bei Klötzer“ zum ersten Mal gedacht und ausgesprochen worden ist.
Rennradreifen und Entwicklungen
Und dort in der Nähe hat Jens 2014 einen Rennradreifen in der fast unerhörten Breite von 28 Millimetern auf einem 29er Laufradsatz in einem Querfeldeinrad gefahren und während mehrerer Reifenpannen einen Reifenheber in deutlicher Sprache verwünscht. Seitdem hat sich einiges getan, und manche Dinge sind besser geworden, aber nicht alle. Und damit haben wir auch schon unser Thema für diese Ausgabe. Ich spreche mit Jens über Laufräder, die Entwicklung ihrer verschiedenen Formate und die physikalischen Grundlagen. Wir klingeln bei Klötzer und gehen rein, wie man so sagt. Ich wünsche euch viel Spaß!
Geschichte der Laufradgrößen
Klingeln bei Klötzer – Die Technikfrage beim Antritt auf detektor.fm. Die Geschichte des Fahrrads ist eine der sich ändernden Laufradgrößen. Das könnte man zumindest so zuspitzen, wenn man denn zuspitzen wollte. Laufräder, das sind einfach die beiden Räder an einem Fahrrad, und die haben über die Jahrzehnte und Jahrhunderte gesehen schon immer ihre Größe geändert. Man denke nur an das Hochrad mit seinem menschhohen Vorderrad und dem Hinterrad, wie an einem Kinderwagen.
Entwicklung der Laufradgrößen
Und auch in der jüngeren Fahrradgeschichte haben neue oder wiederentdeckte Laufradgrößen Tradition. Nach einigem Vorlauf bei Rahmenbauern trat in den 2000ern langsam das sogenannte 29er Laufrad auf den Plan und setzte sich in der Mountainbike-Welt weitgehend durch. Es hat das 26 Zoll Laufrad verdrängt, und man hat zumindest gedacht, dass es sich auf lange Sicht durchgesetzt hätte, bis jüngste Entwicklungen wie das 32 Zoll Laufrad die Geländefahrradwelt betreten oder besser gesagt berollt haben.
Physikalische Grundlagen
Ich möchte ein bisschen besser verstehen, warum sich Laufradgrößen und Reifenformate immer wieder ändern und was überhaupt physikalisch dahinter steckt. Und an der Stelle merkt ihr es schon, ich habe mir einen sehr guten Technikfreund dafür ins Studio eingeladen. Jens Klötzer vom Tourmagazin ist zu uns gekommen, und ich freue mich, dass er mal wieder Zeit hat für ein Gespräch im Antritt. Ich sage Hallo, lieber Jens, willkommen im Studio. Hallo Gerolf, freue mich auch.
Gründe für die Änderung der Laufradgröße
Jens, warum ändern Laufräder immer wieder ihre Größe? Aus verschiedenen Gründen. Also, erstmal hat die Laufradgröße erheblichen Einfluss auf ganz viele Dinge am Fahrrad, auf ganz viele Eigenschaften, vor allem Fahreigenschaften, optische Eigenschaften, Gewichte und so weiter. Und dann sind das ja teilweise Moden, teilweise neue technische Entwicklungen, teilweise physikalische Erkenntnisse oder neue Untergründe, die dazu führen, dass man sich überlegt, eine andere Größe wäre vielleicht besser geeignet.
Eigenschaften der Laufräder
Okay, also kommen da auch so neue Anwendungen dazu? Ja, diese verschiedenen Eigenschaften, die das dann jeweils betrifft, die müssen wir natürlich ein bisschen auseinandernehmen. Als erstes oder als zweites möchte ich dich aber erstmal fragen, warum heißt denn das eigentlich Laufrad? Ich glaube, das ist eine Besonderheit der deutschen Sprache, dass man das Laufrad von dem Begriff Rad, der ja auch das ganze Fahrrad meinen kann, unterscheiden kann. Im Englischen heißt es einfach Wheel, also Rad. Und beim Fahrrad sagt man Laufrad, ja, weil das läuft, weil es das Fahrrad zum Laufen bringt.
Technische Unterscheidungen
Und damit man das einfach von der Kurzform des Fahrrades, die auch Rad heißt, unterscheiden kann, damit man technisch weiß, was gemeint ist. Ja, verstehe. Mir fallen da jetzt so von Lokomotiven, da gibt es glaube ich auch so was wie Treibräder zum Beispiel. Das sind dann die Angetriebenen. Da übertragen aufs Fahrrad hätten wir hinten also ein Treibrad und vorne das Laufrad, das mitleitet. Ja, das ist bei mir nur so ungefähres Wissen. Da gibt es glaube ich noch Vorläufer und Nachläufer und sowas, aber egal, darum soll es hier nicht gehen. Wir bleiben mal schön beim Fahrrad und einigen uns darauf, okay, es handelt sich einfach beim klassischen Rad um diese beiden Räder, Vorder- und Hinterrad, dass beides sind die Laufräder.
Grundlegende Eigenschaften der Laufradgröße
Und ja, nun geht es in diesem Gespräch darum, dass die immer mal wieder ihre Größe ändern, wundersamerweise. Und ich möchte erst mal mit dir darüber sprechen, welche grundlegenden Eigenschaften ich ändere, wenn ich die Größe eines Laufrades ändere. Was passiert da grundsätzlich physikalisch? Also, wir haben besonders eine Änderung vom Fahrverhalten, also Lenkverhalten, und gerade im Gelände. Und ich glaube, deswegen sehen wir dort auch oft eine Änderung des Überrollverhaltens von Hindernissen. Also größere Laufräder rollen leichter über Hindernisse als kleine. Kleinere fallen halt auch dann öfters in irgendwie so Lücken rein.
Einfluss auf Geometrie und Übersetzung
Das ist mal mit die wichtigste Triebfeder, glaube ich, um an der Laufradgröße zu drehen. Und wenn wir das machen, hat es aber Einfluss auf ganz viele andere Dinge. Ja, vor allen Dingen die Geometrie des Fahrrades. Ein größeres Laufrad bedeutet, dass die Achsen nach oben kommen, das Rad wird höher. Dann muss ich Platz schaffen für den Umfang der Räder in der Gabel im Hinterbau. Das heißt, so ein Rad wird auch länger. Und ich muss eben auch bei der Interaktion mit den Menschen gucken, wie passt es noch? Passen die dann noch aufs Fahrrad? Ist die Fußfreiheit zum Vorderrad groß genug? Und sogar auf die Übersetzung hat es Einfluss, weil die Entfaltung des Abrollumfangs ja auch größer wird. Wenn ich dem Fahrrad das gleiche Verhalten eingedeihen will, müsste ich auch an der Übersetzung drehen.
Fußfreiheit und Entfaltung
Da waren schon wahnsinnig viele Sachen drin, über die wir sprechen müssen. Du hast gesagt, die Fußfreiheit, das ist ein Begriff, der hier vor kurzem schon mal vorgekommen ist. Was ist das nochmal? Das ist sozusagen der Abstand zur Fußspitze zum Vorderrad bei waagerecht stehendem Pedal. Also, wenn die Kurbel waagerecht nach vorne zeigt und der Fuß auf dem Pedal steht, dann darf der Reifen die Fußspitze beim Lenken eigentlich nicht berühren. Ja, du sagst eigentlich. Und da hast du schon eine kleine Einschränkung drin. Wir wissen, dass es Fahrräder gibt, auch je nach Größe, bei denen das trotzdem der Fall ist. Und wir wissen, dass es Leute gibt, die sagen, das ist gar nicht so schlimm. Andere sagen, das ist ganz schlimm. Wollen wir jetzt aber gar nicht einsteigen.
Entfaltung und Abrollumfang
Der andere Begriff, den du genannt hast, Entfaltung. Was ist jetzt das? Die Entfaltung ist der Weg, den ein Fahrrad mit einer Pedalumdrehung zurücklegt. Und der wird natürlich größer, wenn der Reifen größer wird oder der Abrollumfang vom Reifen größer wird. Dann lege ich mir Weg zurück, wenn ich das Hinterrad drehe. Abrollumfang hatte ich gerade schon im Kopf. Perfekt, du sprichst es an. Ist auch so ein lustiges Wort, oder? Weil eigentlich ist es ja der Umfang. Ist es einmal der Umfang, ist der Abrollumfang? Nein, also genau genommen ist der Abrollumfang ein bisschen geringer, weil es den Reifen ein bisschen zusammendrückt.
Überrollverhalten und physikalische Erklärungen
Dann ist das so. Du hast auch gleich am Anfang als erstes meine Top-Antwort gebracht, die ich eigentlich am interessantesten finde an der ganzen Geschichte. Und da will ich noch ein bisschen genauer reinschauen. Du hast gesagt, ein größeres Laufrad rollt besser über Hindernisse drüber. Warum ist das so, physikalisch gesehen? Weil der Winkel, mit dem der Reifen auf ein stehendes Hindernis trifft, flacher wird. Also der Kreisbogen ist größer, flacher, und dadurch wird der Winkel etwas flacher und damit rollt es leichter eine Kante hoch. Ein größeres Laufrad, ein kleineres Laufrad stößt dann ein bisschen mehr dagegen. Kann man sich bildlich ganz gut vorstellen.
Energieaufwand und Hebeverhältnisse
Ja, und je geringer dieser Winkel ist, umso weniger muss sich das Laufrad also anteilig nach oben auslenken. Ja, genau. Es bedeutet weniger Energie, um es nach oben zu heben. Man muss es um die gleiche Höhe nach oben heben, aber die Hebeverhältnisse sind günstiger. Ich finde, es ist am besten sich vorzustellen, wenn ich mir vorstelle, ich habe ein Laufrad mit einem Radius von einem Zentimeter, also einem Durchmesser von zwei Zentimetern, und das trifft auf ein Hindernis von einem Zentimeter. Das heißt, das Laufrad trifft wirklich mit seiner Vorderseite komplett auf dieses Hindernis, und dann hat es erst mal keine Wahl, sich komplett erst mal nach oben zu heben. Es kann da nicht rüber. Also ist der Winkel ja 90 Grad, oder?
Extrembeispiele und Verständnis
Ja, also in dem Fall stößt sogar noch dagegen. Man fährt dagegen an, und da ist eigentlich Schluss. Es muss schon ein bisschen größer sein. Aber klar, je größer der Durchmesser, desto weniger. Wenn man sich die Extreme vor Augen führt, dann wird es leicht zu verstehen. Wenn das Laufrad jetzt einen Meter Durchmesser hat und das Hindernis ist immer noch ein Zentimeter, dann merkt man das kaum noch. Jetzt habe ich von dem, was du vorhin gesagt hast, so den Eindruck, dass da so zwei Pole sich widersprechen oder ausgehandelt werden. Und zwar ist das eine dieses, okay, ein großes Laufrad, das rollt besser über Hindernisse.
Kompromisse und Herausforderungen
Man könnte jetzt noch über Kreisekräfte und sowas sprechen. Also es ist wahrscheinlich auch, wenn es einmal in Fahrt gebracht ist, wie so ein Schwungrad, ist es wahrscheinlich auch relativ stabil in seiner Bewegung. Das kann man auch vielleicht wieder nachteilig sehen. Aber das andere, was du gesagt hast, ich muss dann halt irgendwie Platz dafür schaffen. Also dann gibt es diese Fußfreiheit. Dann muss ich das ja irgendwie auch das Hinterrad unterbringen. Dann sind also da irgendwann Kompromisse zu schließen. Würdest du mir zustimmen, wenn ich sage, das ist eigentlich ein Widerstreit zwischen diesen zwei Polen? Also ich will ein großes Laufrad für seine Fahreigenschaften, und ich muss dann aber irgendwann Abstriche machen, weil das wird zu sperrig.
Geometrische Herausforderungen
Ja, da kommen noch mehr Dinge dazu. Aber ich glaube, das sind die Wesentlichen, wo man sich erst mal orientieren muss. Passt das überhaupt noch? Also ist irgendwann das Laufrad zu groß für den Menschen, der eigentlich auf dem Fahrrad sitzt, der das Fahrrad noch bedienen soll? Ja, oder zumindest für viele Menschen. Ja, genau. Also dann wird es geometrisch schwierig, dass ich das Fahrrad noch kurz genug bauen kann, ohne mit dem Fuß an das Vorderrad zu kommen, zum Beispiel. Ja, weil ich kann natürlich das Laufrad immer weiter wegnehmen, umso größer ich es mache. Aber dann werden die Rahmen irgendwann auch immer länger, und irgendwann kommt man nicht mehr an den Lenker. Klar, das ist ein Problem.
Handling und Gewicht
Und die anderen Kriterien sind schon so das Handling. Ein größeres Laufrad bedeutet einen größeren Reifen, der auch immer schwerer wird. Masse, die ich beschleunigen muss, Masse, die aufs Lenkverhalten einen Einfluss hat. Welchen? Ja, es wird träger. Ja, es lässt sich schwieriger beschleunigen. Es lässt sich auch schwieriger abbremsen. Das ist jetzt das geringere Problem, weil dem kann man mit gutem Bremsen begegnen. Aber gerade das Beschleunigungsverhalten und ein agiles Lenkverhalten, was ja gerade bei sportlichen Rädern auch gewünscht ist, das steht dem größeren Laufrad entgegen.
Reifenformate und deren Zusammenhang
Jetzt haben wir über verschiedene Laufradgrößen gesprochen, die, wenn wir es genau nehmen, immer den Durchmesser des Reifensitzes beschreiben. Also dort, wo der Reifen auf der Felge sitzt, nicht mal den Felgendurchmesser. Der kann dann nochmal anders sein. Was können wir zum Reifenformat sagen? Also gilt da meinetwegen je größer die Felge ist, umso größer, umso breiter ist der Reifen? Oder ist das manchmal auch gegensätzlich? Wenn die Felge größer wird, wird der Reifen schmaler? Oder ist das, weil es hat ja was zusammen zu tun?
Zusammenhang zwischen Laufrad und Reifen
Wenn ich über Laufrad an sich spreche, dann spreche ich eigentlich über die Summe. Ja, ja, ja, der Reifen gehört in der Betrachtung da immer mit dazu. Aber es ist leider ein totales Durcheinander. Es kommt so ein bisschen auf den Fahrradtyp an, aber es gibt natürlich große Laufräder mit sehr schmalen Reifen, kennen wir vom Rennrad. Und es gibt kleine Laufräder mit sehr breiten Reifen. Da gibt es jetzt so einen strengen Zusammenhang nicht. Da kommen immer verschiedene Eigenschaften, je nachdem, bei welchem Fahrradtyp es sich handelt. Die werden da immer mit einbezogen.
Geländetauglichkeit und Reifenbreite
Und wenn wir aber beim Laufraddurchmesser selbst gesagt haben, je größer der ist, umso besser rollt der über Hindernisse drüber, könnten wir vielleicht bei der Reifenbreite sagen, je breiter die wird, gibt es einen ähnlichen Zusammenhang, dass der Reifen auch, sage ich mal, kleine Unebenheiten besser schlucken und besser ausgleichen kann. Klar, also ein breiter Reifen hat schlicht mehr Volumen und weniger Druck und ist, ich glaube, das richtige Wort ist geländetauglicher. Also den Zusammenhang gibt es. Größere Laufräder und breitere Reifen, umso geländetauglicher wird ein Rad.
Druck und Volumen
Warum gibt es diesen klaren Zusammenhang zwischen Druck und Volumen? Wenn du sagst, größeres Volumen, der hat auch niedriger, also geringeren Druck. Ich kann doch theoretisch den noch auf den gleichen Druck aufpumpen. Theoretisch ja, sie sind meistens nicht dafür ausgelegt, um den Druck eines Rennradreifens auszuhalten. Aber man baut breite Reifen vor allen Dingen als Federelement, als Fahrwerk, damit das Luftvolumen Hindernisse wegschlucken kann und Komfort bringen kann. Und da werden sie dann auch breiter.
Chaos der Größenangaben
Okay, das kommt also noch dazu. Und weil es noch nicht kompliziert genug ist, kennen wir jetzt auch noch verschiedene Angaben der Laufrad- und der Reifengröße. Das kennen wahrscheinlich viele Leute, dass sie schon mal gehört haben, so okay, es gibt 28 Zoll und dann sagt plötzlich jemand 650B und dann sagt jemand 700C und dann sagt jemand 622 oder 584. Also ganz grob gesagt, was gibt es da alles und warum ist da wieder so ein Chaos? Da ist ein ziemliches Chaos. Ja, also da kommt es halt immer so ein bisschen darauf an, meint man jetzt die Laufradgröße, also den Felgendurchmesser, oder ist die Reifengröße gemeint? Dann gibt es die Angaben in Zoll und in Millimetern.
Vergleichbarkeit der Maße
Was man immer ganz gut vergleichen kann, ist die Millimeterangabe bei Felgen und bei Reifen, weil die sich auf den Durchmesser des Reifensitzes bezieht. Also es ist nicht der Außendurchmesser der Felge, es ist auch nicht der Felgenboden, sondern es ist da, wo der Reifen sitzt, weil man die dann eben mit dem Reifen vergleichen kann. Die kommen ja auch von unterschiedlichen Herstellern, damit zumindest dieses Maß schon mal passt. Aber es gibt da auch wieder Ausnahmen. Also zum Beispiel bei Schlauchreifenfelgen bei Rennrad. Da wird am Felgenboden gemessen, weil die ja gar keinen richtigen Reifensitz haben, sondern die werden aufgeklebt auf eine relativ flache Fläche, und da bezieht sich die Millimeterangabe auf den Felgenboden.
Zollangaben und Sicherheitsaspekte
Dann gibt es diese 28, 29 Zoll. Wer sich da schon mal näher reingelesen hat, hat vielleicht gemerkt, das ist eigentlich das gleiche Maß, aber die haben den gleichen Durchmesser, aber unterschiedliche Namen. Und man will damit eigentlich verhindern, dass man jetzt nicht die dicken Mountainbike-Reifen auf 28 Zoll Rennradreifen zieht, weil die viel schmaler ausfallen und das dann auch sicherheitsmäßig bedenklich wird. Oder eben umgekehrt, einen ganz schmalen 23 Millimeter Rennradreifen nicht auf so eine Mountainbike-Felge, die dafür viel zu breit ist. Deswegen hat man da gesagt, wir nennen das anders und nennen das 29 Zoll, bezieht also den Reifen mit ein. Dann ist es ein größeres Maß, aber die Felge hat eigentlich den gleichen Durchmesser, nur andere Breiten.
Marketing und neue Trends
Und könnte es auch sein, dass es was mit Marketing-Gesichtspunkten zu tun hat. In dem Moment, wo ich was Neues bringen will. Also wir können dann auch gleich noch über das konkrete Beispiel 29 und überhaupt Mountainbike sprechen. Aber in dem Moment, wo ich was Neues bringen will, ist es halt ungünstig zu sagen, hey, das ist hier übrigens das gleiche Maß, was du an einem Trekkingrad hast, was du seit zehn Jahren irgendwie in der Garage stehen hast. Auch das, klar, wenn man da irgendwie einen modernen Trend setzen will und eine Mode generieren will, dann hilft so ein Name. Sonst schlagen wir das schon auch. Das ist Aufmerksamkeit, der regt und die Leute erst mal wissen wollen, was ist das eigentlich?
Trends in Laufradgrößen
Okay, wir haben jetzt sozusagen die Basics geklärt. Also wie benennt man das? Warum macht man das überhaupt? Wir haben aber noch nicht ganz geklärt, warum es immer wieder diese Trends gibt zu verschiedenen Laufradgrößen. Also ich hatte es in der Anmoderation schon gesagt, also wenn wir uns so ein Hochrad vorstellen, da ist es eine der herausstehenden Eigenschaften dieses Fahrzeugs, dass dieses Riesenrad hat, dieses Riesen-Vorderrad. Warum ist das so? Woher wird das immer wieder gefüttert, sozusagen, dass es dann doch diesen Impuls gibt? Anne, komm, wir machen jetzt mal was anderes.
Hochrad und Entfaltung
Also ich hatte es eingangs schon gesagt, es sind ganz verschiedene Gründe. Auch das Hochrad würde ich aus dieser Betrachtung so ein bisschen rausnehmen, weil es da vor allen Dingen die Entfaltung war. Wir hatten noch keinen Kettenantrieb, wir hatten noch keine Übersetzung. Und um mit einem Fahrrad schneller zu fahren, musste ich den Laufraddurchmesser vergrößern. Das hatte nur Nachteile. Man saß wahnsinnig weit oben, man konnte kaum aufsteigen. Wenn man gestürzt ist, hat man sich dolle verletzt. Aber das Überrollverhalten muss doch grandios gewesen sein. Das Überrollverhalten war grandios, wenn man jetzt von den luftlosen Vollgummireifen mal absieht, die knüppelhart waren und auch sehr, sehr schmal, damit sie wenig Rollwiderstand haben.
Regularien und Entwicklungen
Aber ja, da hat es hauptsächlich die Gründe der Entfaltung, dass ich mit dem Rad einfach schneller fahren kann. Dann kommen auch Regularien ins Spiel. Also manche kennen es vielleicht noch. Triathlon oder Zeitfahrräder von früher hatten oft kleinere Laufräder als Rennräder. Triathlon oft 26 Zoll vorne und hinten. Und bei Zeitfahrrädern kennen wir das noch, dass sie hinten ein normales 28 Zoll Rennradlaufrad hatten und vorne 26 oder sogar 24 Zoll, um mit dem Lenker möglichst tief zu kommen und möglichst aerodynamisch auf dem Rad zu sitzen, bis der Weltradsportverband irgendwann mal gesagt hat, die Räder müssen zwei gleich große Räder haben. Und dann sind diese Größen ausgestorben. Und dann hatten Zeitfahrräder und Rennräder alle einheitliches Laufradmaß.
Mountainbike-Entwicklung
Solche Dinge kommen da mit rein. Und bei Mountainbikes, wo wir diese Entwicklung nun sehr häufig sehen, die sind von Regularien nicht so betroffen, und da kann man so ein bisschen mehr spielen. Da ist es aber, glaube ich, auch so eine Entwicklung, dass das Mountainbike immer geländegängiger, geländetauglicher entwickelt wurde und dort eben dieses Überrollverhalten die Haupttriebfeder dafür war, dass sich dort die Laufradmaße änderten. Also diese 26 Zoll Geschichten, die wir so aus den 80er, 90er Jahren, den Ursprüngen des Mountainbikes kennen, die waren ja für den Markt eher so als Feldwegrad hauptsächlich gedacht. Da war 26 Zoll ein gut größer. Aber je mehr Potenz die im Gelände entwickelt haben, desto vorteilhafter war es dann eben auf größere Räder zu gehen. Dann ist man mit den 29 Zoll Laufrädern dort einfach besser gefahren.
Anpassungen für verschiedene Körpergrößen
Das ist aber auch ein gutes Beispiel. Da hat man schnell gemerkt, dass das für kleine Menschen nicht mehr passt und dass die damit Probleme kriegen. Und dann kam 27,5 Zoll dazu, und so entwickelt sich das. Ja, über diese unterschiedlichen Größen von Menschen werden wir dann noch sprechen. Es ist schön, dass du das Mountainbike-Beispiel hier gleich bringst. Hat es neben diesen Trends und neben diesen Faktoren, die du genannt hast, auch noch was zu tun mit Materialien und Technologie, die zur Verfügung steht, meinetwegen Felgen herzustellen? Das sicher auch. Ich glaube, dass ein wesentliches Hindernis auch in früheren Zeiten war, dass die Laufräder sehr, sehr schwer wurden und dann eben das Fahrverhalten darunter leidet.
Fortschritte in der Technik
Sie sind natürlich heute dann auch schwerer als kleinere Laufräder, aber sie lassen sich deutlich leichter bauen und können jetzt ein ähnliches Fahrverhalten bieten wie zum Beispiel ein 26 Zoll Laufrad, aber das auf größerem Umfang und dadurch die Vorteile besser zum Tragen kommen. Du hast es schon angesprochen, 32 Zoll am Mountainbike sind gerade, ich würde nicht sagen, da, weil es ist nicht so flächendeckend, da, aber es ist zumindest gerade in so einer Cross-Country-Richtung eine deutlich wahrnehmbare Option, die plötzlich auftaucht. Für manche vielleicht auch nicht so plötzlich. Und es gibt einige Komponentenhersteller, die da auch aufspringen.
Marktbeobachtungen und Trends
Also wir haben Felgen, wir haben Reifen, es kommen Gabeln, es gibt Rahmen. Beobachtest du das auch, und was hältst du davon? Ich sehe das auch, und die Kollegen vom Bike Magazin, die sagen, das wird das nächste große Ding, dass das die große Mode wird bei Mountainbikes. Und da kommen dann aber auch noch so Marktsituationen dazu, dass das Mountainbike, das Klassische im Moment echt eine schwere Zeit erlebt, weil es nicht mehr so gefragt ist. Und da ist natürlich aus Hersteller-Sicht, aus Marketing-Sicht irgendwie so eine Neuentwicklung, die wieder Kaufanreize schafft und dann auch am besten eine, die grundlegend ist, ist da willkommen.
Neue Technologien und Herausforderungen
Und das ist glaube ich auch so mit einem Antrieb, da eine neue Technologie zu entwickeln und 32 Zoll zu entwickeln. Und auch da sagt man eben, okay, wir haben jetzt irgendwie viel so Carbonfelgen, leichtere Rahmen und so. Und beim Cross-Country-Mountainbike, da sind die Begrenzungen durch Vollfederung noch nicht so groß, dass man da irgendwie geometrisch sich noch in die Quere kommt, weil die Federwege nicht so lang sind. Genau, weil die Federwege nicht so lang sind. Und da probiert man es jetzt mit 32 Zoll. Und die Menschen, die es bis jetzt Probe gefahren sind, die halt so eine mittlere Größe haben, die finden es alle toll.
Kritikpunkte und Herausforderungen
Einen Kritikpunkt hast du schon genannt. Also das funktioniert eigentlich erst ab so einer mittleren Größe. Ich habe auch zum ersten Mal jetzt davon gelesen, dass bei einer Laufradgröße das limitierende Maß, wie sage ich es freundlich, die Hinternfreiheit ist. Also das zum ersten Mal so, okay, du musst checken, ob du hier in einer steilen Bergabpassage, ob du hier ordentlich hinter den Sattel kommst. Oder wenn du hast natürlich eine versenkbare Stütze, aber du wirst dann irgendwann, musst halt gucken, dass du nicht auf dem Hinterrad aufsetzt. Das ist der eine Kritikpunkt. Also das ist erst ab einer gewissen Größe, funktioniert das erst.
Der andere ist, das trifft auf einen Markt, der sowieso schon so wahnsinnig verzweigt und diversifiziert ist und einbrechende Verkaufszahlen, wenn wir aufs unmotorisierte Mountainbike schauen.
Was hältst du davon? Ja, was halte ich davon? Ich finde es nachvollziehbar, dass man damit versucht, dem Mountainbike neuen Schub zu geben. Ich finde eigentlich auch begrüßenswert, weil ich glaube, dass es technisch Sinn ergibt.
Zumindest für, wie du sagst, Menschen ab mittlerer Größe aufwärts und erst recht für besonders Große, die vielleicht mit den bisherigen Laufradmaßen nicht das gleiche Fahrverhalten genießen konnten. Aber klar, Schwierigkeiten stehen dem entgegen: mangelnde Standardisierung.
Wir haben es wieder mit einem neuen Reifenmaß zu tun. Die Händler werden da auch nicht erfreut drüber sein, weil sie müssen neue Reifen, neue Schläuche vorhalten, neue Laufräder, Felgen als Ersatzteile und so weiter. Das macht die Fahrradwelt nicht einfacher, aber vielseitiger.
Nun ist das Mountainbike gerade deswegen auch so interessant, wenn man über Laufradgrößen spricht, weil sich da ja wirklich, sage ich mal, im Zeitraum von den letzten 30 Jahren wahnsinnig viel getan hat. Also vor 30 Jahren waren wir fast flächendeckend bei 26 Zoll. Dann kamen die 29er, dann 725 bzw. 650B, also beides gleichermaßen, nur zwei unterschiedliche Namen.
Und jetzt sind 32er da. Es gibt Menschen, die dann sagen: Ja, die Industrie ändert halt einfach immer bestimmte Maße und immer auch nur stückchenweise, damit wir auch brav immer wieder dann das beste neue Produkt kaufen, weil das ja alles nicht mehr zusammenpasst.
Also ein größeres Laufrad passt nicht in den alten Rahmen rein. Stimmst du dem zu? Ist das der große Industrietrick? Der große? Nicht unbedingt. Also da ist zum Teil was dran. Das würde ich schon mit unterschreiben, dass das schon mit Grund ist, dass solche Änderungen immer wieder passieren.
Aber ich finde schon, dass es zum Teil auch wirklich eine technische Bewandtnis hat und einfach eine technische Begründung, ohne eine Begründung im Fahrverhalten, eine Begründung auch in den Materialien, wie wir vorhin gesagt haben.
Und dann kommt es ja dann eben auch immer darauf an, wie kommt dieser Trend an. Also wird er angenommen und das eben nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Industrie, weil wir dürfen nicht vergessen, dass ein Fahrradhersteller sich gerne so etwas einfallen lassen kann.
Aber er ist dort auf viele, viele andere Player angewiesen. Die Reifenhersteller müssen mitspielen, die Laufradhersteller müssen mitspielen. Das müssen alle irgendwie als positiven Trend erkennen. Und wenn da jemand sagt, das habt ihr euch nur einfallen lassen, dann werden die das nicht mitmachen.
Und so ein Trend funktioniert dann halt nur, wenn wirklich alle mitziehen und wenn es dann auch wirklich gute Produkte gibt. Es hilft nichts, wenn wir ein neues Laufradmaß haben, aber dazu gibt es dann nur schlechte Reifen. Da muss eine gewisse Auswahl da sein.
Da muss auch gutes Material da sein, was Spaß macht. Und wenn so ein Trend funktioniert, wie wir es bei 29 Zoll und bei 27,5 Zoll gesehen haben, dann ist das schon immer der Fall, dass da alles zusammenpasste.
Können wir da sagen, in dem Fall, wenn quasi die Kernqualität stimmt, also das was übrig bleibt, wenn ich sämtliche Marketingsprüche, sämtliche, also alles, was man darum für Wind machen kann, wenn ich das alles wegschäle und sage: Ich gucke mal so auf die Basis und wenn da was übrig bleibt, wenn da was ist, was wirklich überzeugend ist, dann setzt es sich durch.
Könnte man das so sagen? So könnte man das sagen. Ja, klar. Weil so ein Reifenhersteller hat natürlich kein Interesse, jetzt extra Reifen herzustellen für eine Sache, die in seinen Augen keinen Sinn macht.
Ja, jetzt bist du selbst ja nicht so in der Mountainbike-Welt zu Hause. Du hast von deinen Kollegen von der Bike gesprochen, aber das sind halt eben nur deine Kollegen und eigentlich bist du ja von der Tour, vom Rennradmagazin.
Und wenn wir mal in diese wunderschöne Rennradwelt reinschauen, da haben wir da eigentlich einen relativ stabilen Zustand. Also die 28 Zoll, die gibt es dort schon sehr lange. Das sind diese 622 Millimeter. Klammer auf, du hast vorhin schon gesagt, wenn es Schlauchreifenfelgen sind, dann werden die bitte anders gemessen. Aber so ungefähr ist gleich.
Und die Rahmen waren ja auch immer gleich. Vor einer Weile ist 650B dazugekommen. 650C war, glaube ich, dieses Triathlonmaß, was du angesprochen hattest, aber das hat nie so die richtig große Wirkung gehabt. Vor ungefähr zwei Jahren habe ich gefunden 750D für Gravelbikes, also auch Rennrad-Rennlenker-Welt.
Das hat einen Reifensitz von 660 Millimeter Durchmesser gegenüber den klassischen 622 Millimetern, also 38 Millimeter mehr Durchmesser. Was hältst du davon und wird das eigentlich in der Rennradwelt das neue 29er Laufrad?
Du meinst 650D jetzt konkret? Ne, 750D. 750D, Entschuldigung, kann man auch schon sagen. Das ist nicht schlimm. 750D, richtig, von WTB unter anderem. Ja, ja.
Wir sind dann noch in einem viel früheren Stadium, als wir es bei den 32 Zoll von den Mountainbikes sind. Und ich würde oder ich bin noch sehr skeptisch, dass sich das durchsetzt. Also Rennradfahrer gelten eher so als konservativ.
Und wir haben auch dieses Geländethema da nicht so. Also ein Grund, warum Rennrad wirklich konstant und lange bei 28 Zoll geblieben ist, sind zum einen technische Regularien und zum anderen, weil die Notwendigkeit nicht bestand, weil sich der Untergrund nicht ändert.
Die Straße bleibt Straße und es wird nicht irgendwie immer mehr Gelände. Wir haben das dann beim Gravelbike gesehen, wo aber dann automatisch durch das Reifenvolumen der Laufraddurchmesser schon gewachsen ist.
Wenn ich ihn auf eine 28 Zoll Felge ziehe, einen 40, 47 oder 50 Millimeter Reifen, werden die Laufräder schon größer. Und dort sehen wir dann halt schon das Problem, dass es in kleinen Größen geometrisch problematisch wird.
Also wir werden auch dort oder noch mehr vielleicht als bei den Mountainbikes das Problem kriegen, dass wir mit den Laufradgrößen in kleinen bis mittleren Rahmengrößen nicht mehr gut hinkommen oder wir solche geometrischen Kompromisse eingehen müssen.
Also die Lenkwinkel flacher werden, dass es sich dann nicht mehr gut um Kurven steuern lässt oder die Radstände sehr lang werden. Da glaube ich noch nicht so richtig dran.
Zumal wir jetzt einen Reifen- und Laufradhersteller damit sehen, der damit ums Eck kommt. Aber eigentlich gibt es noch keine Rahmen und ich kenne auch noch keinen Fahrradhersteller oder keinen Prominenten, der jetzt wirklich darauf angesprungen ist und der Meinung ist, das wäre ein Vorteil.
Ich meine, Mutz hat irgendwie ein Showbike damit gehabt, die stellen Einzelstückräder her. Da ist es relativ einfach, das zu machen. Das sind Unikate, aber im Pro-Serie muss es sich lohnen.
Ich finde, es hat als Idee eine gewisse Konsequenz, weil wir beobachten ja am Gravelbike, dass die Reifen deutlich breiter werden. Also inzwischen sind wir bei deutlich über 50 Millimeter, was so ernsthafte sportliche Gravelbikes, die so eingesetzt werden in den Rennen, wie die sich entwickeln, haben die das ja alle.
Also ich glaube, wir reden über 55 Millimeter oder so. Und dann ist dann halt die Folge zu sagen: Okay, dann stellen wir doch diesen Umfang mit einer größeren Felge her, dann können wir die Reifen vielleicht wieder ein bisschen schmaler machen. Vielleicht können wir dann nachher wieder ein bisschen breiter machen.
Okay, das jetzt aber mal beiseite. Mir ist aufgefallen, dass du schon mindestens zweimal angesprochen hast, dass das für bestimmte Menschen nicht mehr passt. Das ist ja ein wichtiges Thema.
Denn wenn ich das mal andersrum drehe und sage: Okay, wir haben in dieser Fahrradwelt die Möglichkeit, verschiedene Laufräder, verschiedene Reifenformate einzusetzen. Positiv gewendet könnte man ja sagen: Okay, dann lasst uns doch einfach das gleiche Modell mit unterschiedlichen Laufradgrößen bauen, weil ja auch die Größe von einem Menschen, also der kann 1,50 groß sein, der kann auch 2,10 groß sein.
Warum sollen die alle die gleichen Laufradgrößen haben? Und zumindest in Ansätzen hat es das, meiner Wahrnehmung nach, in den letzten Jahren auch gegeben. Also ich denke an bestimmte Rennradmodelle, die es zumindest mal mit zwei Laufradgrößen gab.
Hältst du das grundsätzlich für sinnvoll? Und stimmst du auch meiner Wahrnehmung zu, dass das wieder ein bisschen zurückgeht? Ich halte es grundsätzlich für total sinnvoll, weil wir ja jetzt auch schon im Gespräch gemerkt haben, welchen riesigen Einfluss Laufräder auf die Geometrie eines Fahrrades haben.
Und wenn es um Körpergrößen geht, geht es um Geometrie und dann ist es sinnvoll, wenn irgendwie alles mitwächst. Also die Rahmenmaße werden länger, werden höher, Lenker werden schmaler, breiter und die Laufräder wären eigentlich oder haben eigentlich so einen großen Einfluss, dass sie mitwachsen müssten.
Ich würde das jetzt mal, wenn wir uns die Welt aussuchen könnten, für total sinnvoll halten, dass es ein Fahrrad in Größe S mit 26 Zoll, in Größe M mit 27,5 Zoll, in Größe L in 28 und in XL mit 29 Zoll gibt, weil es dann für alle Körpergrößen mehr oder weniger das gleiche Fahrrad hat.
Die Versuche gab es immer wieder. Ich würde nicht sagen, dass es zurückgeht, sondern das ist so wellenartig. Das Problem dabei ist, dass diese, ich nenne es mal Randgrößen, also sehr kleine Menschen und sehr große Menschen, innerhalb dieser Glockenkurve in der Verteilung eben auch das Publikum immer kleiner wird und dann wird es eine wirtschaftliche Frage, ob sich so eine Konstruktion lohnt oder nicht.
Wir haben das oft gesehen, wenn die Komponenten ohnehin da waren. Also zum Beispiel… Die müssen ja auch da sein. Genau. Die Komponenten wie Laufräder und Reifen, das ist mal das Wichtigste.
Und Schläuche, dass das verfügbar ist, dass sie in den Fahrradladen gehen können und sagen: Ich habe einen Platten, ich brauche einen neuen Schlauch. Und das haben wir gesehen, als es noch 26 Zoll Triathlonräder gab. Da waren bei vielen Marken kleine Rahmengrößen mit 26 Zoll Rennradlaufrädern ausgestattet.
Das war total sinnvoll für kleine Menschen. Wir haben das wieder gesehen, als das 650B-Maß aufkam. Es gab Felgen dafür im Rennradbereich, gab es zwar noch keine Reifen, aber dann hat sich mit Schwalbe jemand gefunden, dass es Firmen gab, die kleine Rennradrahmengrößen in 27,5 Zoll hergestellt haben, weil Rahmen und Laufräder auch immer zusammen konstruiert werden müssen.
Das geht jetzt wieder zurück, weil ich meine zu beobachten, dass Schwalbe sich aus diesem Markt wieder zurückzieht. Man kann eigentlich nur den Schluss daraus ziehen, dass es sich wirtschaftlich nicht lohnt, dass das Publikum zu klein ist und auch die Modelle werden weniger.
Es gab wirklich, ich glaube, drei Rennradmodelle von Canyon, die in kleineren Größen mit 27,5 Zoll aufgeliefert worden sind. Inzwischen ist es nur noch eines, das Volumenmodell, das Endurace, das Marathonrad.
Die Wettkampfräder scheinen nicht so gut gegangen zu sein, dass man gesagt hat: Wir machen das weiter und wir finden dafür Publikum. Ein aktuelles Beispiel ist ein Kinderrad von Giant, ein Riesenhersteller, der sich das leisten kann.
Der baut eigene Laufräder, der baut eigene Reifen mit einem Kinderrad mit 27,5 Zoll Maß. Ja, super, sowas gibt es nirgendwo anders. Aber dass sich, wie wir es vorhin schon gesagt haben, dass da alles zusammenpasst, dass das Publikum da ist, dass es nachgefragt ist, dass Reifenhersteller, Laufradhersteller, Rahmenhersteller dafür einen Markt sehen.
Das muss eben alles stimmen und das ist leider selten der Fall. Ich finde es interessant, dass du gerade diese Entwicklung am Rennrad auf einen Reifenhersteller letztlich zurückführst, dass du sagst: Schwalbe hat da mitgezogen und zieht sich da deiner Wahrnehmung nach wieder ein bisschen zurück.
Ich würde gerne nochmal ein bisschen konkreter auf den Punkt bringen, was es bedeutet. Also wie sagt man biomechanisch oder vom Fahrverhalten her und rein physikalisch, wenn man dann eben doch diesen großen Kompromiss eingeht und sagt: Ich biete ein Modell mit einer Laufradgröße für alle möglichen Körpergrößen an, für mein ganzes Größenspektrum, was ich abdecken will.
Du hast vorhin die flacheren Lenkwinkel genannt. Ich habe aber mal nachgeschaut oder immer wenn ich auf Geometrie-Tabellen schaue, fällt mir das auf. Also die kleineren Rahmengrößen haben steilere Sitzwinkel.
Die genannten flacheren Lenkwinkel haben meistens auch einen deutlich längeren Nachlauf. Manchmal findet man Räder, bei denen die Gabelvorbiegung angepasst ist, je nach Hersteller. Es gibt Hersteller, die haben nur eine Vorbiegung, es gibt welche, die haben vier.
Bleibt man mal bei diesem simplen Beispiel: eine Gabel für alle Rahmengrößen mit unterschiedlichen Lenkwinkeln, nicht nur auf die Lenkgeometrie bezogen, sondern insgesamt, was ändert sich? Was ist der Kompromiss, den Leute eingehen, den ich eingehen muss, dann als kleinerer Mensch, wenn ich so ein sag ich mal suboptimal angepasstes Rad fahre?
Also im Grunde muss ich bei kleineren Menschen immer zusehen, dass ich die Laufräder, die ja jetzt eigentlich zu groß sind für diese Konstruktion, weil sie für Durchschnittsmenschen entworfen worden sind, irgendwie auseinanderziehe. Den Abstand der beiden Laufräder, damit sie nicht zu nah aneinander stehen.
Blöd wäre, wenn die Fußspitze ans Vorderrad kommt. Aber ich habe bei kleinen Rädern dann schon auch schon das Problem, dass das Laufrad dem Unterrohr sehr nahe kommt, wenn ich diese Konstruktion einfach nur skaliere.
Das heißt, ich muss das Vorderrad weiter wegbringen. Dadurch werden die Lenkwinkel flacher und das Lenkverhalten wird träger dadurch. Also die lassen sich nicht so wendig oder so agil um Kurven steuern, sondern die kippen irgendwie mehr so rein. Das wird ein Problem.
Wir haben auch hinten am Hinterrad das Problem, dass das Laufrad sehr nah ans Sitzrohr kommt. Das heißt, ich muss den Winkel dort steiler machen. Die Menschen sitzen weniger über dem Hinterrad, sondern mehr über dem Tretlager, was ja teilweise gerade ein Trend ist, auch beim Normalrennen.
Teilweise gerade ein Trend, aber es kann auch überhand nehmen. Also es kann auch zu viel werden. Also kurzum haben die Leute ein Fahrrad mit einem völlig anderen Fahrverhalten, als es in einer Normalgröße oder in größeren Größen hat.
Und ja, dadurch werden sie nie in den Genuss kommen, den sich jetzt ein Entwickler dabei gedacht hat, als er dieses Fahrrad mal entworfen hat, sondern es müssen dort immer Kompromisse eingegangen werden.
Was wir bei sportlichen Rädern auch noch sehen, teilweise ist, dass sie die Lenker gar nicht tief genug bekommen. Also dass man auf kleinen Rädern sehr aufrecht sitzt oder kleine Menschen sitzen sehr aufrecht.
Auf Mountainbikes wie auf Rennrädern. Schlicht und ergreifend, weil das Vorderrad so hoch ist, weil eine Gabelkrone und ein wenigstens kurzes Steuerrohr mit Gabelschaft noch dazwischen muss und der Lenker dadurch relativ weit oben sitzt.
Und das bedeutet also, es ist interessant, dass wir jetzt hier sogar vom Laufrad wegkommen oder auch sehen, welche Auswirkungen das hat. Das bedeutet in meiner Welt, meinem Verständnis nach, ich habe weniger Last auf dem Vorderrad, ich habe weniger Druck auf dem Vorderrad, ich habe weniger Traktion.
Ich kann weniger schnell tendenziell in Kurven gehen. Das noch verbunden mit so einem deutlich größeren Nachlauf und zum abkippenden Lenkverhalten. Also im sportlichen Bereich würde ich da klar von dem Wettbewerbsnachteil sprechen.
Im Grunde ja. Kleine Menschen kennen es oft nicht anders. Mir fallen da noch so ganz vom Sportlichen weg irgendwie alltägliche Sachen ein. Also das Gravelbike ist vor allen Dingen auch ein Erfolg in seinen Seitenspielarten, so im Alltagsbetrieb.
Also mindestens die Hälfte aller Gravelbikes, die ich sehe, haben Schutzbleche und irgendwie eine Alltagsausstattung, werden zum Pendeln genutzt. Da brauche ich wieder mehr Fußfreiheit. Also habe ich da diesen Effekt noch stärker.
Da wiederum habe ich ein bisschen Hoffnung. Du darfst bei mir immer rein kretschen, Jens. Weil wir dort, was ich vorhin mit den Komponenten angesprochen habe, das sehen wir halt gerade, weil für Gravelbikes, das war dann ursprünglich auch eine andere Idee, nämlich dass normal große Menschen in einem und demselben Rad entweder 28 Zoll mit relativ schmalen Reifen oder 27,5 Zoll mit breiteren Reifen, die dann auf den gleichen Durchmesser kommen, das gleiche Abrollverhalten haben, aber geländetauglicher sind, mehr Komfort bieten.
Dazwischen könnte man wechseln. Und das ist schon ein Trend, der sich so relativ etabliert hat. Das heißt, es gibt Komponenten. Es gibt Laufräder in 650B. Es gibt Gravelreifen in 650B.
Und was wir jetzt schon sehen, ist so eine Handvoll Kinder- und Jugend-Gravelbikes. Keine Rennräder, aber Gravelbikes, weil die Komponenten da sind und die dann in relativ kleinen Rahmengrößen wieder gut funktionieren oder besser funktionieren.
Also jetzt ein dezidiertes kleine Menschen-Gravelbike kenne ich noch nicht, aber es ist ja im Grunde das Gleiche, ob das jetzt ein älterlicher ist oder ein ausgewachsener kleiner Mensch. Und da könnte in den nächsten Jahren vielleicht ein bisschen mehr kommen.
Ja. Ich habe zwei Fragen. Die eine ist: Können wir festhalten, hältst du es für präzise, wenn wir festhalten, letztlich wird ein Großteil der Fahrräder für Menschen mit Durchschnittsgröße entwickelt?
Also Menschen, die ungefähr so groß sind wie wir beiden, so ungefähr um die 1,80, vielleicht so zwischen 1,80 und 1,85 oder so. Also letztlich für den Durchschnittsmann. Ja, für den Durchschnittsmann, wobei ich jetzt zwischen einem 1,80 Mann und einer 1,80 großen Frau keinen Unterschied machen würde, was sie für eine Art von Fahrrad brauchen.
Aber letztlich ist es für die Masse der Bevölkerung, kann man sagen. Also für die große Mitte der Glockenkurve werden diese Räder entwickelt, weil man da eben davon ausgehen kann, dass sie sich dort am besten verkaufen.
Du hast natürlich recht. Eine 1,80 große Frau und ein 1,80 großer Mann, die sind gleich groß. Das ist klar. Aber ich habe jetzt hier mal eben ganz schnell gegoogelt und zumindest das Statistische Bundesamt sagt für Deutschland, die durchschnittliche Körpergröße von Frauen in Deutschland beträgt 1,66 Meter.
Sie sind ungefähr 10 Zentimeter, 12 Zentimeter kleiner, 14 in meiner Welt. Oder 14 sogar. Ja, weiß ich nicht, wenn der deutsche Mann 1,80 im Schnitt hat. Okay, jetzt hast du mich so weit. Jetzt mache ich ja betreutes Googeln. Bei 1,78 oder so, 1,79 bis 1 80. Ja, ja, ja.
Das heißt halt im Umkehrschluss, es sind mehr Frauen davon betroffen, als es Männer sind, weil diese Verschiebung natürlich da ist. Ja, klar. Und das ist ein Zustand, den kann ich im ersten Schritt finde ich den interessant wahrzunehmen, sich erst mal zu verdeutlichen.
Im zweiten Schritt kann ich den natürlich kritisieren. Das wird auch immer wieder gemacht. Das finde ich persönlich auch total stichhaltig. Also das ist eigentlich kein Zustand. Und wenn ich will, dass mehr Menschen Fahrrad fahren, dann müsste ich vielleicht auch gucken, dass ich für mehr Menschen diese ausgefuchste Geometrie irgendwie zur Verfügung stelle.
So im dritten Schritt könnte ich sagen: Ist da nicht eigentlich ein Markt? Ist da nicht eigentlich ein Markt für eine Marke oder eine Marke, die dann auch mit anderen Marken, mit Komponentenherstellern kooperiert, um zu sagen: Okay, wir ändern das jetzt mal.
Wir machen das jetzt mal konsequent und entwickeln halt nicht für den Durchschnittsmann, sondern meinetwegen für die Durchschnittsfrau und streuen das dann noch ein bisschen zehn Zentimeter nach oben und zehn Zentimeter nach unten von der Körpergröße her.
Ist das nicht eigentlich was, wo man auch wirklich Geld verdienen könnte? Man würde, so wie du das erzählt, sofort denken: Ja, müsste doch da sein, weil ja immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung weiblich ist und entsprechend kleiner ist.
Auch da gab es in der Vergangenheit viele Versuche. Also ich erinnere mich noch vor sieben, acht Jahren, noch mehr vor zehn bis 15 Jahren waren Fahrräder für Frauen nicht nur Rennräder, sondern Fahrräder für Frauen eine große Mode.
Die gab es in kleineren Laufradgrößen, sofern es wirtschaftlich und technisch möglich war, auch mit kleineren Laufrädern. Geometrien wurden verändert, die Räder sind kürzer gewesen und so weiter. Aber für die allerallermeisten hat es sich nicht gelohnt.
Und da kommt dann so eine psychologische Komponente dazu, dass man als Frau jetzt nicht reduziert werden möchte und ein Frauenfahrrad fahren möchte, sondern die Frauen dann eben doch zu den Männerfahrrädern oder zu den normalen Fahrrädern gegriffen haben, höchstwahrscheinlich aus Imagegründen.
Man weiß es nicht genau, man müsste Umfragen starten und so. Ich erinnere mich auch an so florale Lackierungen und so, wo man vielleicht auch gesagt hat: So, ja genau, es geht auch, weil diese Räder dann doch wieder von Männern gemacht wurden, die meinen zu wissen, was Frauen gefällt.
Das Einzige, was in meiner Wahrnehmung sehr überlebt hat, ist die Frauenmarke LIV, die zu dem größten Radhersteller der Welt, zu Giant gehört. Für die ist es aber auch eher so ein Prestigeprojekt. Ich kann nicht sagen, ob die damit Geld verdienen.
Aber da gibt es diesen Anspruch zumindest, dass man kleinere Größen und auch das Größenspektrum eben auf diese kleineren Körpergrößen ummünzt und entsprechende Komponenten verbaut.
Und während du das sagst, noch bevor du das gesagt hast, habe ich die Webseite der Firma LIV angesteuert, weil ich die auch im Kopf habe und habe hier mal nachgeschaut, zumindest was die Laufradgröße anbelangt.
Also die andere Geometrien. Aber ich habe, die Laufradgröße bleibt bei denen gleich, soweit ich weiß. Das ist nämlich auch mein Eindruck gewesen oder meine Vermutung.
Und ich habe jetzt hier nicht alle Modelle durchgeschaut, aber hier ist zumindest in der Krummlenkerwelt ist hier überall 700C angesagt. Das ist dort auch so.
Das würde aber bedeuten, dass selbst die Marke, die für Frauen gemacht ist, LIV, auch diese von dir beschriebenen Kompromisse dann eingehen muss. Weil an der Physik kommen wir nicht vorbei. An der Physik kommt man nicht vorbei.
Man kann schon hoffen, nachdem sie ja jetzt für Kinderräder extra einen Rennreifen gebaut haben in 650B, dass sie das vielleicht auch auf die LIV-Räder anwenden. Dann würde ich diesen Teil des Gesprächs verlassen mit der optimistischen Aussicht und sagen: Okay, da ist Raum für Entwicklung, auch gerade was dieses Laufradthema anbelangt.
Und dich noch schnell abschließend fragen: Wenn, so wie wir das beschrieben haben, zum Beispiel in der Mountainbike-Welt immer wieder neue Laufradformate auftauchen, da ist ja eigentlich nur logisch, dass auch welche verschwinden.
Gibt es dafür Beispiele und ist es für dich aus deiner Sicht okay, dass da mal jemand nicht mehr am Start ist? Grundsätzlich ja, wenn es nicht mehr gebraucht wird.
Also ich muss sagen, so diesem 26 Zoll Triathlonmaß, den traue ich schon ein bisschen hinterher. Nicht wegen der Triathlonräder, sondern weil sie sehr kleine Rennräder ermöglicht haben, auf denen sich kleine Menschen wohlgefühlt haben.
Das ist dann echt so ein bisschen schade. Aber klar, jedes Laufradmaß, das so ein bisschen überflüssig ist, es gibt da verschiedene französische Maße oder Hollandrad-Maße, die da waren, ein bisschen größer oder ein bisschen kleiner als andere, die jetzt eigentlich nicht den technischen Fortschritt machten, sondern eher so regional entstanden sind und sich noch minimal unterschieden haben von einem anderen Standard.
Dann ist es schon gut, wenn die irgendwann mal wieder verschwinden, allein der Übersichtlichkeit halber. Und ja, es hat auch wirklich, finde ich, was man nicht unterschätzen darf, einen riesengroßen Sicherheitsaspekt.
Also wenn da einmal ein falscher Reifen auf einer Felge sitzt, weil er aussieht, als würde er passen, ist er aber irgendwie vier Millimeter zu groß, dann kann das schon böse ausgehen.
Und für alle Händler und alle, die mal einen Ersatzschlauch suchen, ist mehr Übersichtlichkeit schon auch immer willkommen. Ja, also diesem Hollandrad-Maß traue ich nicht hinterher. Da stimme ich dir zu.
Bei Französisch bin ich ein bisschen. Das musst du mir noch stärker argumentieren. Aber das müssen wir jetzt nicht machen. Für dich persönlich als Jens Klotzer vom Tourmagazin oder auch als privater Jens Klotzer gibt es für dich so etwas wie das ideale Laufradmaß? Hast du ein Liebling?
Na ja, da ich nun um die 1,80 groß bin, ist so das, was..
. sich da so auch etabliert hat, gerade auf der Straße, mit 28 Zoll eigentlich optimal. Also ich kriege da gute Räder mit einer guten Geometrie, einem ordentlichen Fahrverhalten, sowohl beim Gravelbike im Gelände als auch auf der Straße. Und selbst im schweren Gelände fühle ich mich bei den überschaubaren Anzahl an Mountainbikes, die ich bisher gefahren bin, auf 29er schon am wohlsten.
Hast du auf der Straße als Rennrad, Jens, eine Lieblingsbreite bei deinem Lieblingsmaß 28 Zoll? Auch da kommt es auf ein paar Randbedingungen an. Also was ich halt schon mag, ist ein hochwertiger, guter, schneller, pannensicherer Reifen. Und ich habe das oder ich beobachte das eigentlich die letzten Jahre schon, dass man so, als die Profis 23 Millimeter gefahren sind, waren so 25 Millimeter meine Lieblingsbreite, weil es die guten Reifen da noch gab. Aber in 28 Millimeter gab es oft schon nur schwere Trainingsreifen. Und das änderte sich über die Jahre mit 28, 30, 32 Millimeter, dass es da immer gute Reifen gab. Und das hört, glaube ich, auch noch nicht auf, weil 35 und 40 Millimeter stehen dort schon in den Startlöchern. Und sobald es da richtig gute Reifen gibt, wird das dann zunehmend meine neue Lieblingsbreite.
Ja, ich finde 700 mal 40 auch total interessant oder 700 mal 38. Nicht am klassischen, ganz klar, Straßenrennrad und so, aber bei allem, was da so an Spielarten gibt. Und ich persönlich, das will ich ja am Ende noch einbringen, ich bedauere wirklich sehr, dass die Vielfalt bei 650B 5, 8, 4 in Millimetern Reifensitzdurchmesser, dass diese Vielfalt immer weiter zurückgeht. Eigentlich aus zwei Gründen. Das eine ist wirklich, dass ich das wichtig finde für kleinere Menschen und entsprechende Räder, das proportional zu halten, also jetzt nicht optisch, sondern auch funktional, optisch vielleicht noch so ein bisschen.
Und dass ich für mich festgestellt habe, 650B mal 50 Reifen, den setze ich wahnsinnig gern ein für meine Körpergröße an allem, was irgendwie mit Last zu tun hat. Also am Reiserad. Ich liebe das, mit diesen Reifen mit Gepäck Serpentinenstraßen runterzufahren. Ich habe endlos Traktion. Ich kann Schräglage, Geschwindigkeit, alles Mögliche. Das ist super. Und vor allen Dingen, man muss dazu sagen, eine der wichtigsten Fahrradgattungen, die es gibt, ist natürlich das Tandem. Und am Tandem finde ich das auch so eine großartige Reifen- und Laufradgröße, dass ich da hoffe, dass es nicht noch bedeutend weiter sich einschränkt, das Angebot.
Ja, das ist physikalisch total nachvollziehbar. Das ist interessant. Warum kannst du es nachvollziehen? Weil das Laufrad-Reifensystem eine ähnliche Dimension hat wie ein 28 Zoll Laufrad. Also was jetzt den Durchmesser und den Umfang anbelangt, den Außendurchmesser. Genau, den Außendurchmesser. Und somit vom Fahr- und Lenkverhalten einfach gut passt für deine oder eure Körpergröße. Aber wenn eben Last dazu kommt, ein Mehr an Luftvolumen ist sicher nicht verkehrt. Ja, man hat nicht so prallhart aufpumpen, man hat mehr Grip und es gibt nicht gleich einen Durchschlag, wenn man irgendwo mal durch den Schlag noch hämmert. Und insofern sehr gut passend.
Ja, nun ist leider der Markt für Tandems auch sehr klein. Naja, das ist etwas, was ich persönlich noch nicht bereit bin hinzunehmen oder zu akzeptieren. Aber ja klar, also beim Tandem ist es noch ein Sonderfall, weil du musst ja beim Tandem jede Kante mitnehmen. Du kannst also bis auf ganz ausgefuchste Fahrmanöver hast du keine Chance, dem Hindernis aus dem Weg zu gehen. Du kannst nicht mal eben noch schnell dein Vorderrad anlupfen oder irgendwie noch einen Bunnyhop machen. Das geht nur in sehr eingespielten Teams. Es wird dran gearbeitet, aber so weit ist es noch nicht.
Aber okay, das kannst du nachvollziehen. Abschließend, findest du gerade irgendeine Entwicklung am spannendsten? Findest du irgendwas, wo du sagst, da tut sich was und da gucke ich genau hin? Ist es diese 700 mal 40? Nee, eher in die andere Richtung. Ich glaube, große Leute haben nicht das Problem. Also sie müssen sich vielleicht nach einer anderen Art Fahrrad umgucken, weil die für die Größe was dann auch mit mehr Gewicht einhergeht, jetzt eine Rennradreifen vielleicht zu schmal wird und ein Gravelbike die bessere Wahl ist.
Aber die kommen jetzt bis bei zwei Meter mit 28 Zoll Laufrädern noch gut zurecht, wo ich immer wieder und auch schon über Jahre die Probleme sehe, sind wirklich bei kleinen Menschen. Ja, also nicht nur kleine Frauen. Es betrifft auch kleine Männer und vor allen Dingen den Nachwuchs, die im Stand heute echt sehr spät erst in den Genuss kommen, wirklich Rennrad fahren zu können. Früher war das gang und gäbe. Da gab es Rennräder mit schmaler Bereifung und Rennlenker und Rennradschaltung in 24 Zoll, 26 Zoll, 28 Zoll. So Jugendrennräder und Kinderrennräder tatsächlich.
Aber das waren eben auch technisch oder fertigungstechnisch und wirtschaftlich andere Voraussetzungen. Da hat man Stahlrahmen gelötet und Laufräder selber eingespeicht und so und war eigentlich hauptsächlich von den Reifenherstellern abhängig, die dann Reifen in den kleinen Größen herstellen mussten. Aber ja, da hat sich viel geändert mit viel Automatisierung und Globalisierung und dem Zwang, dass ein Produkt eben sich auch wirtschaftlich rechnen muss. Sind solche Dinge verschwunden, leider.
Ich schließe mal optimistisch und stelle fest, dass ich in den letzten Jahren so viele Frauen auf Rennrädern, gerade auf Rennrädern sehe, wie das eigentlich vorher noch nie war. Und dass ich da einfach mal sagen würde, dann steigt ja die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die irgendwann sagen: „So, warum sollen wir eigentlich mit eurem 1 80 Durchschnittsrennrad fahren? Jetzt wird es aber langsamer. Zeit für ein wirklich auch für uns gemachtes Fahrrad.“ Also könnte ich mir vorstellen, optimistisch gesehen, dass da der Druck steigt und letzten Endes auch die Möglichkeit einfach da ein Marktsegment zu erschließen, zu öffnen, wie auch immer man dazu sagt.
Was ich richtig gut finde, ist, dass es seit über zehn Jahren immer wieder möglich ist, dich hier zu öffnen mit deinem breiten Wissen und dass wir hier fast eine Stunde zusammensitzen können und mal grundlegend über so etwas wie Reifenformate, nein, Laufradgrößen und Reifenformate reden zu können. Ich danke dir wie immer für die Einblicke und für die Erläuterungen, die du machst, von denen ich weiß, dass es da viele Fans gibt da draußen. Insofern danke, dass du es auch diesmal geschafft hast. Bis bald!
Immer gerne. Bis bald! Bei eigentlich allen Gesprächen in diesem Podcast ist es für mich so, dass die mich noch mal zum Nachdenken bringen und zu neuen Schlüssen, egal wie viel ich vorher schon drüber nachgedacht habe. Mir ist beim Abhören aufgefallen, dass meine im Gespräch entwickelte These: Man würde versuchen, das größtmögliche Laufrad in einer bestimmten Geometrie unterzubringen, damit das Fahrrad dann die besten Überrolleigenschaften hat, ziemlich grob ist. Denn es gibt ja noch eine ganze Menge anderer fahrdynamischer Faktoren.
Wir sind Minivelos in den Sinn gekommen, also alles, was gerade mit kleinen Laufrädern so um die 20 Zoll unterwegs ist und sich vital entwickelt. Da geht es nicht nur um Bau und Stauraum, sondern bei manchen Modellen auch um ganz bestimmte Fahreigenschaften. Denn die kleinen Räder, die können auch deutliche Vorteile haben. Und natürlich ist die Frage, ob sich mit einer bestimmten Laufradgröße Geld verdienen lässt, nicht die einzige, die zu stellen ist.
Ich wage die vorsichtige Prognose, dass es mit dem großen Laufradgrößen-Glücksrad weitergehen wird, so wie es auch in der Vergangenheit gewesen ist. Und weitergehen wird es auf jeden Fall auch mit diesem Podcast, dessen nächste Ausgabe ihr am 20. März hören könnt. Oder je nach Produktion auch schon ein bisschen früher, wenn ihr uns bei Apple Podcasts oder Steady unterstützt. Wie das geht, steht in den Show Notes und ihr erreicht uns wie immer unter antritt@detektor.fm. Außerdem auf Instagram und Mastodon.
Und wenn es euch mit den Gesprächen in diesem Podcast ähnlich geht wie mir und ihr noch Fragen habt zu unserer Serie in der Serie namens „Luft“, die ein Luftstrom streicht ums Fahrrad, dann schickt sie uns gern bis zum 29. März. Denn danach nehme ich mit Jens und hoffentlich auch mit Christian die letzte Folge „Luft“ auf, in der wir all das in den letzten Ausgaben zur Aerodynamik gelernte zusammenfassen und alle übrig gebliebenen Fragen besprechen werden. Ein paar Fragen habe ich schon notiert. Schickt gern noch mehr, sollte für euch noch etwas offen sein.
Und wenn ihr dann noch wissen wollt, welche Songs hier eigentlich immer laufen, schaut einfach auf Spotify in unsere Playlist, die ich euch auch in den Show Notes verlinkt habe. Diesmal läuft hier ein Klassiker, der in meinen Ohren schon immer für so vieles steht, vielleicht für Laufräder und Reifen, ganz bestimmt für fundiert gepflegte Technik, Freundschaften und ziemlich sicher noch für einiges mehr. Was das für euch ist, werdet ihr selbst am besten wissen. Hier ist jedenfalls die großartige Band Kante mit dem großartigen Track „Die Summe der einzelnen Teile“.
Und ich wünsche euch gute Fahrt mit welchen Laufrädern auch immer. Wir halten Kurs Richtung Frühling. Macht’s gut und bis bald. Ciao.
[Musik: Kante – Die Summe der einzelnen Teile]