Antritt des Fahrradpodcasts
Hier ist der Antritt der Fahrradpodcast auf detektor.fm mit der zweiten Mai-Ausgabe 2026. Mein Name ist Gerolf Meyer und in dieser Ausgabe bin ich nur zu hören und ich zeige auch kein Fahrrad. Das haben Jens, Christian und ich in der letzten Ausgabe gemacht und ich sage danke für das lebhafte Feedback zu unserem ersten Videopodcast.
Wir werden mal sehen, wie wir weiter mit diesem Thema Video umgehen. Ich habe so den Eindruck, dass manche von euch das ziemlich gut finden, uns im Studio zu sehen. Manche brauchen es auch nicht und für mich persönlich ist diese Aufnahme einfach eine spannende Erfahrung gewesen. Durch die Sichtbarkeit im Video und auch dadurch, dass ich diesmal der Interviewte gewesen bin, und natürlich auch dadurch, dass es um einen Gegenstand gegangen ist, zu dem ich eine spezielle Beziehung habe.
Perspektivwechsel sind ja immer mal gut und ich kann mir vorstellen, dass wir das wieder mal machen werden. Bei allem Spaß und Experimentieren ist aber auch klar, dass hier ist ein Podcast und es bleibt ein Podcast und den soll man vor allem hören können und das ist auch gut so. Denn vielleicht kennt ihr ja dieses Radio-Klischee von den Bildern, die beim Hören im Kopf entstehen. Das ist an sich als Formulierung vielleicht ein bisschen ausgeleiert, zumindest habe ich manchmal diesen Eindruck, wenn ich mit Christian darüber spreche, aber es ist eben doch was dran und mir geht es ja selbst so.
Wenn mir hier jemand von einer Radfahrt erzählt, dann sehe ich die vor meinem inneren Auge und irgendwie finde ich es gerade spannend, dass ich dabei immer etwas anderes sehe als die tatsächlich stattgefundene Radfahrt, denn die kann ich ja gar nicht sehen.
Gespräch mit Jule Borz
Um dieses ganze Thema Sehen und ein bisschen auch die Frage, was wir überhaupt sehen beim Radfahren und wie subjektiv wir sehen, geht es auch in dieser Folge dieses Podcasts. Denn ich habe für diese Ausgabe mit Jule Borz gesprochen und Jule beschäftigt sich mit dem Radfahren aus einer künstlerischen Perspektive oder vielleicht sollte ich sagen aus mehreren künstlerischen Perspektiven.
Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Gespräch und ich sage: Ton ab, wir gehen rein. Wer diesen Podcast hier öfter mal hört, wird es wissen: Fahrradfahren kann für viele Menschen mit sehr vielen verschiedenen Dingen verknüpft sein. Fahrräder, die können zum Alltag gehören, zum Sport, zum Transport. Man kann sich ein bisschen in sie verlieben und man kann sie auch einfach ganz praktisch einsetzen.
Es gibt Leute, die sagen, das Fahrrad wäre eine der besten Maschinen der Welt und wenn man das auch so sieht, dann liegt eigentlich auch ganz nahe, dass Fahrräder etwas mit Kunst zu tun haben können. Da könnte man zum Beispiel an die Lackierung klassischer italienischer Rennräder denken, an die Steuerkünste von Tom Pitcock oder vielleicht auch an die Kunst des Aufradbaus, wie ein Buch von Gerd Schraner aus den 90er Jahren heißt.
Oder man denkt einfach an Menschen wie Jule Borz, die unter dem Namen I Draw on Bikes die Oberflächen von Fahrrädern sowie Sticker, T-Shirts, Socken und Kunstdrucke gestaltet. Jule steht unter dem Titel Athletics of Desire mit Arkady Blinov vor einer künstlerischen Forschungsreise mit dem Fahrrad. Das Projekt heißt Desire Path through Italy Part 2 und ich kann mit Jule darüber und über einige andere Sachen sprechen.
Sie ist ins detektor.fm-Studio in Leipzig gekommen und ich sage: Hallo Jule, schön, dass du da bist. Hallo, hier bin ich.
Erste Radfahrt und Kunstwerk
Jule, woran erinnerst du dich besser: an deine erste Radfahrt oder dein erstes Kunstwerk? Ich erinnere mich besser an die erste Radfahrt. Ich komme aus einer Fahrradfahrfamilie, sag ich mal, und die erste Radfahrt „Gone Wrong“ war zusammen mit meinem Vater. Der hat mich vorne auf so einem kleinen Sitz gehabt und wir sind gerade vom Hof runtergerollt und da habe ich mal ausprobiert, wie es ist, wenn ich den Fuß in die Speichen mal halte. Klassiker!
Genau, und die Radfahrt war auch schon vorbei, weil wir mussten dann ins Krankenhaus. Okay, und hat man das wieder zusammenflicken können? Es war irgendwie nichts Schlimmes, anscheinend. Meine Mutter hat auch immer gesagt, ich bin dann auch schon wieder irgendwie ein paar Stunden später rumgesprungen, weil ich nicht im Bett liegen wollte. Aber ja, du kommst aus Mecklenburg, ne? Genau.
War das so ein DDR-Kindersitz, so ein Ostding mit diesen Plastikschützern neben der Gabel, die dann manchmal nicht funktioniert haben, dass die Kinderfüße da eigentlich nicht reinkommen? Weißt du das noch? Ja, obviously hat es nicht funktioniert. Ja, genau.
Okay, ja, so dann haben wir das mit der Radfahrt schon geklärt. Was wir noch nicht geklärt haben, ist die Sache mit dem Kunstwerk, denn wir haben jetzt nämlich die Chance, kurz und knapp darüber zu sprechen, was ein Kunstwerk eigentlich ist. Sollen wir das tun oder laufen wir damit in so eine überdimensionale Falle, aus der wir uns nicht mehr befreien können in diesem Gespräch? Ich glaube, da verheddern wir uns beide.
Okay, das heißt, wir bleiben dabei: du machst Kunst und Fahrrad. Ja, genau. Und was das jetzt mit der Kunst ist, das lassen wir erst mal offen, was ein Kunstwerk genau ist. Oder? Ja, ich denke, das können wir öffnen lassen erst mal.
Verbindung zwischen Kunst und Fahrrad
Okay, dann lassen wir es offen. Vielleicht kommen wir später nochmal drauf. Du machst viele verschiedene Dinge und was ich davon mitbekomme, das hat immer etwas mit dem Rad und fast immer was mit Kunst zu tun. Ist denn das Zufall? Ja, das ist eine gute Frage. Na, deswegen stelle ich sie dir. Irgendwoher muss ja diese Verbindung kommen.
Ja, genau. Also ich bin eine kreative Person und war das schon immer. Ich habe meine ganze Kindheit durchgebastelt und durchgemalt und ich habe mich halt immer kreativ ausgelebt in den verschiedensten Disziplinen. Ich hatte auch schon mal eine Radioshow. Also das ist jetzt nicht mein erster Auftritt hier. Mit Susi hatte ich, als ich acht war, schon eine Radioshow. Also ich war schon immer kreativ und das Fahrradfahren, das mochte ich überhaupt nicht.
Also meine Eltern wollten immer, dass wir halt Fahrradtouren machen und ich habe es gehasst, weil es ja auch immer sehr windig ist im Norden von Deutschland. Und zum Fahrradfahren bin ich dann quasi freiwillig erst in Berlin gekommen, beziehungsweise in so einen Übergang zwischen Belgien und Berlin. Und dann habe ich irgendwie automatisch beides zusammengetan. Und ursprünglich bin ich ja ausgebildete Modedesignerin. Das heißt, da kommt so ein bisschen mein Abschluss und meine Skills her. Und irgendwann ist es dann so zusammengelaufen.
Kreativität und Fahrrad
Okay. Also ich möchte mich erst mal bedanken für den schönen Satz: Ich habe meine ganze Kindheit durchgebastelt. Das klingt irgendwie sehr schön. So als hätte man dann auch so für andere Sachen gar nicht so viel Zeit gehabt, die dann noch so sind. Okay, und dann ist irgendwann Berlin und Belgien, hast du, glaube ich, gesagt, ist das Fahrrad irgendwie dazugekommen.
Und wenn man jetzt so eine Durchbastlerin ist wie du, ist das was, was man überhaupt noch sich überlegen muss: Integriere ich das Fahrrad jetzt irgendwie in mein künstlerisches Leben oder ist es einfach so naheliegend und offensichtlich, dass man da gar nicht drüber nachdenken muss? Also die Idee, zum Beispiel auf Fahrrädern zu malen, kam daher, das war zu der Zeit, da war ich gerade neu in Berlin angekommen und war so in dieser Fixier-Szene.
Und das ist ja früher auch so eine volle Subkultur gewesen und das habe ich als sehr kreative Community wahrgenommen. Und ich denke, das hat mich auch einfach inspiriert. Und dann brauchte ich einfach ein Projekt, wo ich im Winter irgendwie so ein bisschen aus meiner Verletzung und so weiter mich rausarbeiten konnte. Und dann habe ich gedacht, naja, ich male einfach auf mein nächstes Fixier-Rahmen.
Und ich habe mir gar nicht so wirklich dabei gedacht, ob das jetzt eine gute oder eine schlechte Idee ist, sondern naja, bin halt Bastlerin. Dann probiert man es einfach. Du hast eine Verletzung erwähnt. Welche? Ja, ich hatte Knie, natürlich.
Herausforderungen beim Malen
Okay, ganz klassisch. Fixier-Fahrrad related. Ist Fixier-Fahren nicht so gut für die Knie? Ach ne, ich glaube nicht. Also es kommt aufs Knie an. Für deine nicht so. Und dann hast du gedacht, ich brauche jetzt einen Zeitvertreib, weil ich kann ja gerade mein Fixier-Fahren nicht mit meinem kaputten Knie. Und dann hast du angefangen, auf Fahrräder zu malen. Ja, genau.
Okay. Inzwischen ist es ja nicht nur was, was du so für dich machst, sage ich mal, sondern unter dem Namen I Draw on Bikes kann man das auch gut verfolgen. Man kann bei dir auch Dinge kaufen. Ich habe versucht, das mal für mich irgendwie zusammenzufassen. Und das eine sind, was ich da so sehe, diese verschiedenen Produkte, die du anbietest unter dem Namen. Und dann malst oder zeichnest du aber auch auf Fahrradrahmen und auf Laufräder und vielleicht auch auf andere Komponenten.
Ganz einfach gefragt: Warum machst du das? Was passiert da? Also für mich ist Fahrradfahren halt hoch emotional. Ich interessiere mich nicht so sehr für die Technik hinter einem Fahrrad. Ich weiß, dass das Fahrrad, so wie es ist, ein perfektes Fortbewegungsmittel ist. Deswegen muss ich mich nicht da technisch mit auseinandersetzen.
Und für mich geht es immer um Freiheit. Und das habe ich so sehr gespürt, als ich so die ersten Bikepacking Trips mit mir ganz alleine gemacht habe, wie viel Freiheit, wie viel Selbstbestimmung mir das Fahrrad gibt. Und irgendwie wollte ich das künstlerisch umsetzen und habe das halt dann am Anfang in einer sehr langen Zeit mit Sprüchen, mit Zitaten auf den Rahmen umgesetzt, um einfach dieses Gefühl, was ich hatte, auf eine Leinwand zu bringen.
Und die Leinwand war einfach das Fahrrad. Und ich habe das dann gemerkt, dass das bei vielen Menschen einfach eine Resonanz ausgelöst hat und Menschen mir erzählen, warum sie Fahrrad fahren. Und Privatpersonen kamen zu mir mit einer persönlichen Geschichte, die sie irgendwie verarbeitet haben wollten. Und so habe ich irgendwie gemerkt, dass da irgendwas ist.
Freiheit und persönliche Geschichten
Dieses Ding mit der Freiheit, was du erwähnt hast, das habe ich schon sehr oft gehört. Das finde ich sehr interessant. Die Leute, die zu dir kommen und dir diese persönlichen Geschichten erzählen, sind das auch immer so Freiheitsgeschichten oder haben die auch mal mit anderen Dingen zu tun? Ich kann es gar nicht so verallgemeinern, weil ich jetzt nicht jede Geschichte in meinem Kopf habe. Aber es geht auch viel darum, sich selber Grenzen in dem Falle nicht zu setzen oder diese Grenzen zu überkommen, etwas zu schaffen.
Also darum geht es sehr oft in diesen Gesprächen. Also die Grenzen vielleicht ein bisschen zu verschieben. Genau, das wollte ich sagen. Okay. Also da denke ich jetzt beim Fahrrad so an zum Beispiel besondere sportliche Herausforderungen, aber es kann ja vielleicht auch in eine ganz andere Richtung gehen. Oder sind das meistens so Sachen: Ich will bis dort und dorthin fahren oder ich will in dieser Zeit irgendwas oder kann es auch was anderes sein noch? Kann ich jetzt gar nicht so pauschal beantworten.
Du sprichst ja nicht nur mit diesen Menschen, die zu dir kommen und dir Fahrradgeschichten erzählen, sondern du gestaltest auch für Firmen, zum Beispiel deren Produkte. Also ich habe mal geschaut: BMC findet man, Brompton, Laufradhersteller, Hand gibt bestimmt noch andere. Wie kommt es dazu, dass du das machst? Weil du machst es ja nicht nur für dich, sondern du machst es ja immer auch irgendwie in Kooperation mit diesen Firmen.
Zusammenarbeit mit Firmen
Buchen die dich? Die buchen mich, ja genau. Die fragen mich an für bestimmte Marketingkampagnen, Gewinnspiele etc. oder halt einfach auch für eine Messe, um einen Eyecatcher zu haben und fragen mich dann an. Und ich habe die meiste Zeit extrem viel künstlerische Freiheit, Konzepte für diese Marken mir zu überlegen und das finde ich total wertvoll.
Wenn man so was macht, einen Fahrradrahmen bemalt, ich kann mir vorstellen, dass es da ein paar Herausforderungen gibt, die man vielleicht beim ersten Nachdenken noch gar nicht so auf dem Schirm hat, aber vielleicht beim zweiten oder spätestens dann, wenn man es selber mal probiert. Nun hast du einen wahnsinnigen Vorsprung, weil du hast es ja schon oft gemacht. Was würdest du sagen, worauf kommt es denn an, wenn man das macht?
Es kommt am meisten daran an, darüber nachzudenken, dass es ein 3D-Objekt ist. Also ein Blatt hat ja quasi links einen Anfang und rechts ein Ende und ein Fahrradrohr ist einfach rund. Das heißt, wenn ich an einer Stelle anfange, etwas zu malen und ich bewege mich einmal ganz genau rum, muss ich diese zwei Enden irgendwie ästhetisch zusammenbringen.
Und diese Stellen gibt es ja in verschiedener Art und Weise auf dem Fahrradrahmen, also wo die Lötungen zusammengehen und zum Beispiel hinten an den Ausfallenden, so heißt das doch, wo die Schaltung dann montiert wird. Genau, da sind ganz dünne Rohre, da ist eigentlich fast nichts drauf zu malen. Man hat sehr viele verschiedene, wie heißt das, Umfänge? Radien? Radienformen.
Wie gesagt, ich war ja beim Basteln und nicht in Mathe. Muss man ja auch nicht sein. Ja, genau. Man muss einfach über die Dreidimensionalität des Objektes nachdenken. Und wenn du jetzt zum Beispiel, also eine Firma sagt: Hier, Jule, wir haben hier den Rahmen und wir haben dieses Event und wir hätten gern, dass du auf diesem Event diesen Rahmen bemalst.
Machst du dir lang darüber einen Kopf, was du dort machen wirst? Oder ist das was, wo du sagst: So, ich nehme mein, weiß ich nicht, ich nehme die Stifte, die Pinsel, die irgendwas mit und dann passiert es irgendwie und ich werde schon sehen, was daraus kommt? Also ich mache das ja jetzt schon neun Jahre und dadurch, dass ich selbstständig bin, bin ich ja auch für alles verantwortlich, was ich mache.
Und deswegen denke ich sehr viel darüber nach, auch so ungeplant, sag ich mal in der Dusche etc. Und wenn mich Marken ansprechen, dann versuche ich schon im Vorhinein auch mit einem klaren Konzept zu kommen. Zum Beispiel bei Brompton, in der Phase habe ich mich gerade mit Hilma af Klint beschäftigt. Das ist die erste Künstlerin gewesen, die abstrakt gemalt hat. Wurde von der Geschichte natürlich vergessen, weil sie die erste Frau war, die abstrakt gearbeitet hat.
Und das habe ich irgendwie zeitgleich irgendwie rausgefunden. Und ich dachte, das wäre doch ein cooler Aufhänger, diese Abstraktion auf einen Fahrradrahmen zu bringen. Und das war es eigentlich auch schon. Und dann arbeite ich sowas einfach aus und präsentiere das den Marken und die sind meistens positiv gestimmt.
Kreativer Prozess
Okay, die wissen vorher dann auch, was passieren wird, was du machst? Ja, das wollen die immer. Aber ich sage: Das wird leider nicht. Doch, aber ich hoffe. Ich sage dann immer so: Ich glaube, ich mache nie Vorzeichnungen oder so. Ich setze mich zu Hause nie mit einer Skizze eines Rahmens hin und sage: Oh, das passiert da, weil das funktioniert ja nicht, weil das Blatt ist ja nicht dreidimensional.
Und ich habe einfach meine Skills so weit, sag ich mal, perfektioniert, dass ich weiß, dass ich das kann. Und ich kann halt auch, und das ist vielleicht auch spannend von einer Künstlerin zu wissen. Also so eine künstlerische Arbeit hat immer so eine Sinuskurve. Am Anfang hast du ein Konzept und eine Idee und bist total hyped und das wird super. Dann fängst du an und es läuft vielleicht gut.
Und dann hast du irgendwann so einen Punkt, wo du eigentlich nicht mehr daran glaubst, dass es gut wird, weil dann setzt irgendwie so ein Perfektionismus ein. Und ich habe mir das ja ganz anders vorgestellt. Und dann weiterzuarbeiten, um dann ein tolles Ergebnis am Ende zu erhalten. Und ich glaube, ich habe oft an diesem Punkt aufgehört.
Du hast oft da aufgehört und machst es jetzt aber nicht mehr. Gehst jetzt weiter, setzt das besser aus? Ich habe es einmal, ich habe, was heißt das einmal? Ich habe gelernt, ich habe erkannt über die Jahre, dass das der Punkt ist, wo man weitermachen muss, wo man das aushalten muss, dass das halt wirklich gerade aussieht wie Kraut und Rüben.
Freude an der Umsetzung
Super, ich sehe auch, wenn ich das sagen darf, leichte Parallelen zu gewissen Aspekten des Podcasts. Aber darum soll es jetzt hier nicht gehen. Was würdest du sagen, an diesem jetzt konkreten Gestalten von Fahrradrahmen, Fahrradkomponenten? Was macht dir am meisten Spaß daran?
Mir macht Spaß, im Vorhinein zu recherchieren, weil ich dadurch neue Dinge lernen kann, neue KünstlerInnen, neue Designkonzepte recherchieren etc. Die Umsetzung macht auch Spaß. Am besten finde ich eigentlich das letzte Drittel, weil die Arbeit ist im Prinzip getan. Ich sehe, dass es gut wird und dann das abzugeben an einen Lackierer, der das dann am Ende quasi veredelt.
Mit Klarlack. Genau, mit Klarlack. Und dann bekommst du es halt zurück und es sieht so toll aus, weil alle Farben, die man angelegt hat, werden durch den Klarlack einfach nochmal, als würde man in Photoshop so den Kontrast hochdrehen. Und das ist so geil. So real world wie Photoshop. Klarlack.
Was passiert dann mit den Rahmen? Darfst du die mitnehmen? Nee, aber ich habe auch genug. Jetzt machst du als I Draw on Bikes nicht nur das, nur in Anführungsstrichen. Also du machst noch mehr, will ich sagen. Es gibt Sticker, das ist, glaube ich, das was ich von dir als erstes wahrgenommen habe, in dem du zum Beispiel Schriftzüge oder sagt man Wortmarken dazu oder so von Firmen, die eventuell inspiriert von existierenden Schriftzügen, die irgendwie verändert sind.
Es gibt Drucke, es gibt Shirts, es gibt Socken. Und man kann meine Kunst auch kaufen. Ja, das meinte ich mit Drucken, aber vielleicht geht es darüber hinaus. Ja, auch so Originale einfach. Ja, siehst du, genau. Originale gibt es auch.
Selbstständigkeit und Motivation
Du hast vorhin gesagt, du bist selbstständig. Machst du das, weil du Geld verdienen musst oder gibt es andere Gründe, warum du das machst? Ja, auch. Ich bin Teil des Kapitalismus. Du bist auch ein von denen. Ja, ich bin auch Teil davon und ich muss wohl auch Miete zahlen. Ja, das stimmt. Und jetzt sogar Steuern. WTF. Ja, das kommt auch vor.
Nein, die Frage ist natürlich ein bisschen anders gemeint. Also gibt es ein… Du könntest ja jetzt um Miete zu zahlen und Steuern und so, könntest du ja auch andere Dinge machen. Ich glaube, du machst auch noch andere Dinge. Ich habe dich auch schon als Fahrradkurierin gesehen im Einsatz. So viel kann ich vielleicht verraten. Also ich habe Bilder von dir gesehen, wo du diese Dinge machst. Warum machst du das?
Ich glaube, das ist meine Version, in dieser Welt zu bestehen, weil ich es einfach für mich nicht sehe, angestellt zu sein und ich mich einfach damit wirklich selbst verwirkliche. Ich arbeite sehr viel mit Vision Boards für mein Leben einfach. Was möchte ich machen?
Vision Boards
Das musst du erklären, was das ist. Vision Board ist einfach so eine Collage, die kann mit Worten, aber auch mit Bildern oder beides zusammen gestaltet werden, wo du immer wieder für das nächste Jahr dir Ziele aufschreibst, Ziele definierst. Und das mache ich schon seit ein paar Jahren. Und ich glaube, vor drei Jahren habe ich das so ähnlich aufgeschrieben, was ich jetzt bin. Und das ist voll cool, dass das geklappt hat.
Ich habe eben überlegt, ob das so etwas ähnliches ist wie Mood Boards. Wenn Leute irgendwie was entwickeln, dann machen die so alles mögliche, was dazu passt. Wenn unser neues Fahrrad aussehen soll wie eine Raumfähre, dann sind da Bilder von Raumfähren und sowas. Genau, sowas ist das.
Verbindung zwischen Kunst und Landschaft
Würdest du sagen, es gibt in den Sachen, die du machst und die du da verkaufst, dass die irgendwas eint? Es wäre jetzt vielleicht zu platt, dich nach irgendeiner Message zu fragen, die dahinter steckt. Aber vielleicht haben die für dich irgendwas, was die so ein bisschen verbindet. Also irgendwie, man könnte vielleicht sagen, einen bestimmten Vibe.
Ja, also ich bin ja nicht nur die Künstlerin, die in der Fahrradindustrie arbeitet. Ich bin ja auch quasi bildende Künstlerin gleichzeitig. Und da habe ich zum Beispiel vor drei Jahren so ein Mentoring-Programm für Frauen in der Kunst mitgemacht. Und ein Workshop ging nur darum, sich als Künstlerin zu positionieren. Was möchte ich sagen? Was ist das?
Und da habe ich das erste Mal so ein bisschen darüber nachgedacht. Und in meiner klassischen Malerei beschäftige ich mich sehr viel mit Landschaftsmalerei, aber in einer sehr abstrakten Art und Weise, die natürlich inspiriert ist von meinen Fahrradreisen. Also ich habe immer nach meinen Fahrradreisen danach gemalt, aus dem Kopf die Landschaften wiedergegeben und was ich dabei gefühlt habe.
Weil für mich ist Fahren durch Landschaften so eine Art Trip, wo du immer mehr alle Sorgen vergisst und auch körperlich dich ja so verausgabst, dass es so ein bisschen leer wird im Kopf. Ich weiß nicht, ob du was sagen willst. Ich glaube, das ist vielleicht auch so das Ziel, warum viele Menschen das so machen, weil es dann einfach leise wird.
Konservierung von Landschaften
Und das habe ich immer versucht, irgendwie so in Bilder umzusetzen, weil mich dieses Gefühl, das hatte ich vorher noch nie und ich wollte es immer irgendwie so einfangen. Und gleichzeitig mit meinem Fahrrad habe ich schon die ganze Welt irgendwie gesehen. Und ich habe immer so die Landschaften angeguckt und dachte: Ja, es wird nicht mehr so lange da sein.
Und ein Teil meiner Arbeit ist auch einfach die Konservierung dieser Landschaften, beziehungsweise bringe ich ja quasi etwas mit von meinen Reisen, die ich dann lokal bei mir zu Hause zeigen kann. Wenn du sagst, es wird nicht mehr so lange da sein, meinst du dann, diese Landschaft wird irgendwie zerstört, weil wir darin ziemlich gut sind?
Oder meinst du auch sowas wie: Ich selbst habe ja nur eine begrenzte Zeit, in der ich hier langfahren kann? Beides, denke ich. Aber natürlich spielt der Klimawandel und die Veränderung der Natur für mich eine große Rolle. Und ich fahre durch diese Landschaften und denke mir so: Es sieht so krass aus. Ich bin so Natur ist so vielfältig und ich bin jedes Mal so einfach sprachlos.
In Marokko, wie die Gesteinsschichten irgendwie aussehen, wie so ein leckeres Eis und so. Und wie kann das dann so bunt sein und so weiter? Und es nimmt mich einfach mit, wie du merkst. Ja, ich kann es auch nachvollziehen und ich spreche ja hier irgendwie immer wieder mit Leuten übers Fahrradfahren und überlege für mich natürlich auch, was das alles zu bedeuten hat.
Bedeutung des Fahrradfahrens
Und ich finde, eine der wirklich coolen Sachen am Fahrrad ist dieses, dass es so für mich die Welt aufmacht. Also der Blick geht nach außen. Und ich gucke gern Fahrräder an, aber eigentlich nur, weil sie Maschinen sind, um den Blick nach außen zu richten. Und vielleicht ist das, also das kann ich dir jetzt mal sagen, vielleicht kannst du was dazu sagen oder ich weiß gar nicht, ob du es irgendwie kommentieren willst.
Aber wenn ich so drüber nachdenke, okay, was macht das aus, was du da so verkaufst? Das hat halt alles so ein bisschen so einen Witz. Und es nimmt Sachen, diese gegenständlichen Sachen, nicht ganz so ernst. Also wenn ich irgendwie Schriftzüge verändere und so, dann spiele ich irgendwie damit und dann nehme ich das nicht so ernst, dass das ist die Firma und die hat so die und die Position in der Fahrradwelt.
Oder wenn ich so eine Postkarte mache mit „No one cares about your average speed“, dann sagt es zumindest für mich so: Das ist egal, guck mal, lieber nach draußen. Ja, genau, weil es ist auch egal. Und ich glaube, Natur kann einen total demütig machen.
Beziehung zur Natur
Ich komme ja aus dem Flachland und das erste Mal in den Bergen war in den Alpen. Da bin ich alleine mit dem Rennrad den Großglockner hochgefahren und ich dachte, die fallen auf mich runter und ich werde hier zerquetscht. Ich hatte so Angst vor den Bergen und seitdem male ich aber ganz viele Berge. Ich liebe es, Berge zu malen, aber eigentlich machen sie mir total viel Angst, weil es so viel Masse ist.
Die stehen einfach so 3000 Meter hoch und dann bewegen die sich ja auch noch. Also die bewegen sich ja wirklich. Die sind ja… Warum? Richtig. So, also gibt es dann verschiedene… Aber so, das ist alles nur durch… Egal, das ist ein anderes Thema. Aber genau, unterm Strich kann ich wenige Sachen ernst nehmen.
Aber ich nehme trotzdem die Kunst ernst und die Kunst, etwas nicht ernst zu nehmen, ist ja auch ernst zu nehmen. Ja, und da sind wir wieder bei Kunst. Und außerdem ist das ja mit dem Ernst nehmen, sowieso alles sehr relativ. Also, was ist ernst nehmen? Insofern können wir das mal offen lassen, damit wir uns nicht weiter verrennen.
Künstlerische Forschungsreise in Italien
Ich habe es in der Anmoderation schon gesagt: Du stehst mit deinem Partner Akadi kurz vor der Fortsetzung einer künstlerischen Forschungsreise in Italien.
Wahrscheinlich wirst du diese Fortsetzung begonnen haben, wenn dieses Gespräch hier verteilt wird. Was müssen wir uns darunter vorstellen? Eine künstlerische Forschungsreise mit dem Fahrrad in Italien. Das ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Früher, als es noch kein Auto gab und als noch alle mit Pferdekutschen unterwegs waren, war die Italienreise für einen Künstler das Nonplusultra. Die sind da über die Alpen gekommen, aus Belgien etc., und haben mehrere Monate Aufenthalt in Italien gehabt, um sich vor Ort inspirieren zu lassen.
Wir dachten, das müssen wir auch machen. Wir sind KünstlerInnen, wir müssen einmal nach Italien fahren. Dadurch, dass ich diesen Fahrradhintergrund habe, habe ich gesagt: „Komm, Akadi, wir fahren mit dem Fahrrad schön dahin.“ Was machen wir? Wir fahren durch das Land auf unseren Gravelbikes und haben Leinwände dabei und malen die Landschaften, die uns umgeben. Wir verausgaben uns körperlich, aber auch künstlerisch. Das klingt spannend! Ihr habt das ja auch schon probiert. Ihr habt das schon gemacht. Das ist jetzt der zweite Teil dieser Reise.
Jetzt mal ganz praktisch: Du sagst, ihr habt die Leinwände dabei. Leinwand ist für viele Menschen, glaube ich, etwas ziemlich Großes. Also ich kann es ja mal ganz kurz erklären: Wir haben irgendwann mal angefangen, als wir quasi noch in Mecklenburg-Vorpommern gelebt haben, und sind da quasi einfach mit unseren Bromptons, in dem Fall, weil da kann man auch ein paar Sachen reinpacken, und haben Leinwände im Sinne von Malkartons mitgenommen.
Wir haben immer das gleiche Format, weil es halt auf so Racks draufpasst. Das sind so 30 mal 40, ist auch egal. Wir benutzen Acrylstifte, die ich quasi auch für meine I Drawn Bikes Bemalungen benutze. Dann fahren wir los, fahren wir raus und setzen uns irgendwo hin und malen. Das haben wir halt relativ lange in MV gemacht. MV ist Mecklenburg-Vorpommern oder MV, Meck Pom. Ja, genau. Das ist Mecklenburg-Vorpommern.
Dann haben wir gedacht: „Komm, wir müssen nach Italien.“ Die Idee war, in vier Wochen von Norden bis in den Süden zu fahren. Das haben wir auch fast geschafft. Nur nach vier Wochen waren wir in Neapel, hatten kein Geld und keine Zeit mehr und mussten schnell nach Hause. Wir haben aber da schon gesagt: Das war im Herbst 2024, wir kommen einfach zurück. Komm, wir kommen zurück und jetzt ist es soweit.
Ja, man soll ja auch nicht so schnell unterwegs sein. Nein, du siehst ja sonst nichts. No one cares about your average speed. Wenn ihr dann da so losgefahren seid, ich stelle mir jetzt immer irgendwie so einen Morgen oder Vormittag vor und dann habt ihr eure Sachen irgendwie zusammengepackt und dann fahrt ihr los. Wie läuft denn die Entscheidung ab, wo ihr mal stehen bleibt und loslegt?
Ja, das wird demokratisch diskutiert. Aber ihr seid zu zweit, ich sehe da ein Problem. Warum? Naja, da ist ja also könnt ihr auf dem Pad hinauslaufen? Ja, das lief es auch manchmal. Ich war eher so: „Komm, wir müssen Strecke machen, wir müssen vorankommen, wir müssen uns durch Italien graben.“ Und Akadi war immer so: „Nee, aber guck mal, hier ist ja auch toll und aber hier ist ja auch toll.“
Und genau, ich glaube, ich war bei der ersten Reise auf jeden Fall die Person, die da ein bisschen vielleicht zu sehr durchpettern wollte und habe Akadi ein paar Mal Spots verwehrt. Und das wird aber jetzt anders. Kann er jetzt entscheiden, wo gehalten wird? Nein, er wird nie zu 100 Prozent entscheiden können.
Ja, aber es kommt ja auch darauf an, was für ein Licht hast du gerade? So in der Mittagssonne ist nicht so toll, weil die Kontraste sehr hoch sind. Und ich muss sagen, so eine Bikepacking-Reise mit künstlerischer Aktivität ist wirklich harte Arbeit. Du hast nicht nur die ganzen Bikepacking-Komponenten: Essen, Schlafplatz suchen, Fahrrad fahren, Wasser etc., sondern du malst auch noch zwei bis drei Stunden.
Das passiert zwar nicht jeden Tag, dafür muss auch ein Spot gefunden werden. Und wir machen Podcast und wir machen Social Media. Also es ist ein ziemlich voller Tag, tatsächlich. Ich habe das auch auf jeden Fall unterschätzt und deswegen haben wir in der ersten Episode auch nicht ganz die Teile geschafft und hatten vielleicht auch ein bisschen zu viele Kaffees und Cornettis. Kann sein, möglich. Das ist auch wichtig.
Jetzt hast du schon gesagt, also ihr macht Podcast und Social Media. Dann sag uns doch mal, wie man das alles verfolgen kann. Ja, genau. Also auf Social Media ist das iDraw on Bikes. Das bin ich. Und Akadi heißt Einzelkino mit einer Null am Ende. Das findet ihr. Und unser Podcast heißt Desire Path auf Spotify etc. pp.
Und das heißt, ihr habt so Aufnahme-Equipment dabei und sprecht ihr dann darüber, was ihr erlebt habt? Sprecht ihr darüber, was ihr gezeichnet habt, gemalt? Gezeichnet? Beides ist in Ordnung. Gemalt. Wir haben so zwei Ansteckmikros dabei mit so Puscheln oben drauf und dann setzen wir uns so ein bisschen ins Zelt und dann raschelt es ganz doll.
Und wir nehmen dann einfach ganz live unsere Erfahrungen auf und erzählen, wie der Tag war, ob irgendwas Lustiges passiert ist. In Rom waren wir zum Beispiel aus Versehen in einer katholischen Messe am Abend, wo uns der, ich weiß nicht, wie sagt man im Katholischen, der Pfarrer? Nee, der Priester. Ich bin mir nicht sicher. Ich glaube, es war ein Priester.
Er hatte auch ein paar Priesterklamotten an. Also da war viel mit Gold und Grün gearbeitet und er hat es komplett in Italienisch gehalten. Und am Ende hat er uns gesegnet auf Englisch und das war ganz toll. Wir waren ganz beseelt danach. Und solche kleinen Geschichten erzählen wir dann.
Sehr gut. Wahrscheinlich wird die erste Folge erschienen sein, wenn diese Folge hier erscheint. Deswegen wird darauf einfach gelinkt in den Show Notes zu diesem Podcast. Und es sind aber noch mehrere Fragen natürlich offen. Die wichtigste ist vielleicht: Was passiert denn mit der Kunst, die dabei entsteht auf dieser Reise?
Die wird im Anschluss ausgestellt und im besten Fall verkauft. Weil so finanzieren wir unser Leben, beziehungsweise diese Reisen. Weißt du schon, wo sie ausgestellt und wo sie verkauft wird? Akadi redet immer davon, dass wir drei bestätigte Orte haben. Und ich kann jetzt aber irgendwie nur Rostock nennen, Leipzig auf jeden Fall auch.
Das haben wir heute im BDO, also im Bike Department Ost mit Phil auch schon direkt geklärt, dass in Leipzig auf jeden Fall auch eine Ausstellung stattfinden wird. Und ich denke auch Berlin. Ja, okay. Dann wird man später dort schauen können. Aber vorher seid ihr erst mal unterwegs.
Wie schaust du jetzt so auf diese Zeit? Also ihr werdet mindestens vier Wochen, ich glaube sogar sechs Wochen unterwegs sein. Was denkst du, wenn du daran denkst? Also wie ist dein Blick auf diese Zeit? Vorfreude? Spannung? Ja, ich bin eigentlich total entspannt. Und das war beim letzten Mal auf jeden Fall nicht so.
In diesem Fall bin ich total entspannt, weil ich weiß, was wir machen werden. Wir haben das Equipment, wir haben das schon alles getestet, wir wissen, es funktioniert alles. Und beim letzten Mal wollte ich zum Beispiel auch die Route komplett durchplanen. Vier Wochen Route vorplanen ist komplett Quatsch.
Selbst, also wir fahren am Montag los. Also in wenigen Tagen fahren wir los. Und heute Morgen haben wir überlegt, ob wir vielleicht noch mal einen Zug in eine ganz andere Ecke fahren und dann noch mal ganz was anderes machen. Das heißt, es gibt keinen Plan, aber das ist nicht schlimm, weil ich weiß, dass alles funktionieren wird.
Und ansonsten bin ich gespannt. Und wir haben uns als Highlight den Ätna rausgesucht. Und da habe ich extrem Bock drauf. Ich weiß nicht, ich habe gerade so eine Vulkanphase. Das ist sogar nachvollziehbar. Also es ist ja faszinierend, was da passiert. Genau. Hat ja dann auch wieder, zumindest über Bande, auch wieder was mit diesen Bergen und dieser Bewegung zu tun.
Aber egal, auch ein anderes Thema. Entschuldigung, fällt mir gerade ein aus biografischen Gründen. Egal. Jetzt freust du dich auf den Ätna. Gibt es aus der letzten Reise, die ihr gemacht habt, so was wie ein Lieblingsmotiv? Oder gibt es irgendeinen Spot, wo du sagst: Das war richtig gut. Dort sind wir lange geblieben und haben Kunst gemacht.
Es gibt quasi den Spot vom letzten Abend in Italien, den wir durch eine andere Person empfohlen bekommen haben. Das war, nachdem wir an der Amalfi-Küste waren. Und die Amalfi-Küste war mega schön, aber es war so touristisch. Jeder Zentimeter von dieser Amalfi-Küste ist vermietet an irgendetwas.
Und danach wurden wir quasi 200 Kilometer südlich zum Punkt Lykosa geschickt. Und das war so ein Naturreservat, auch am Meer. Und das war quasi die menschenleere Version davon. Und es war total schön. Und unsere Zeit ging zu Ende. Und ich habe, glaube ich, auch eins meiner besten Bilder dort vor Ort gemalt.
Das Lustige ist, das Bild ist quasi eine Strandlandschaft, eine Strandsteinsituation, absolut komplett in Rot. Aber in der Zeit, die wir da waren, war es bewölkt die ganze Zeit. Aber ich glaube, ich habe einfach alle Sonnenuntergänge von einem Monat Italien in dieses Bild filtriert.
Ja, wenn du sagst, das ist eines deiner besten, ist es deswegen, weil da so viel reingeflossen ist? Ja, genau. Also die ganzen, also man sammelt ja die ganze Zeit Eindrücke. Du sammelst ja auch Eindrücke von allem und das beeinflusst ja. Es gibt ja nie eine Isolation von Dingen, sondern es baut ja alles immer aufeinander auf.
Und das war quasi so mein Endprodukt der Reise. Ja, das klingt so kanalisiert. So ganz viel, ganz viel Eindrücke und vielleicht auch Kraft und Emotionen und so alles da. Okay. Ist dieses Bild schon verkauft? Ja, die meisten Bilder aus der ersten Italien-Serie sind zum Glück, und auch irgendwie schade, alle schon verkauft.
Ja, aber man kann ja immer Repros machen. Hehe. Na gut, vielleicht geht es auch. Während wir mal von dieser konkreten Reise noch mal kurz ein Stück zurückgehen, so mit dem, was du machst. Ich stelle dir jetzt ja hier auch einen Haufen Fragen dazu. Jule, was ist es überhaupt mit Kunst und mit dem Fahrrad? Wirst du sowas eigentlich oft gefragt?
Ich habe mich am Anfang, als ich mich selber auf diese Reise begeben habe, das rauszufinden, habe ich mich ganz oft gefragt: Was ist das? Weil ich habe mit vielen Leuten darüber geredet. Ich habe auch gemerkt, viele designaffine und kunstaffine Leute fahren Fahrrad. Kann auch einfach daherkommen, dass das Fahrradfahren relativ elitär ist und du schon irgendwie so Geld brauchst, um das umzusetzen.
Aber ich habe immer irgendwie, natürlich auch durch meine Zeit in den Kurier-Communities oder in der Kurier-Community gemerkt, es geht sehr viel um Subkultur. Und zum Beispiel so die ganzen Flyer und Poster und alles in der Kurier-Szene, da ist immer jemand, der malt und das dann macht. Und das sieht total geil aus. Und so.
Ich kann dir diese Frage überhaupt nicht beantworten, aber ich weiß, dass da irgendwas ist und Menschen resonieren mit meiner Arbeit. Aber es gibt ja auch viele andere, die irgendwie was Künstlerisches in der Fahrradwelt machen. Und ich denke, es ist einfach ein Forschungsprojekt.
Du hast gesagt, das ist elitär und man braucht Geld dazu. Würdest du sagen, das gilt für die ganze Fahrradszene oder auch darüber hinaus? Also für alles, für alle Sachen, die man so mit dem Fahrrad machen kann? Oder würdest du sagen, das ist ein bestimmter Bereich? Ja, ich habe ja quasi im nächsten Satz gleich über die Kurier-Szene geredet und deswegen konterkariert das eigentlich meine Aussage, weil da ist es nicht so.
Ja, also es gibt so verschiedene Sparten. Ja. Und wie oft wirst du nach Kunst gefragt? Wir haben ja am Anfang die Frage so ein bisschen verschoben und wir haben sie offen gelassen. Du hast gesagt, wir reden da vielleicht lieber nicht konkret drüber. Das finde ich irgendwie dann besonders interessant.
Ist es schwierig, darüber zu sprechen? Oder bist du genervt vielleicht auch von der Frage nach „Wie ist das mit der Kunst und kann man davon leben?“ Oder ich weiß nicht, was da als Klassiker kommt. Ja, das ist sehr … Wie erkläre ich das? Also sehr oft kommt die Frage: „Kann man davon leben?“ Ja. Und ich habe mittlerweile eine Antwort darauf.
Und wenn ich diese Frage bekomme, kannst du von der Kunst leben? Und dann sage ich meistens: „Fragen wie diese sind der Grund, warum ich es vielleicht nicht kann oder warum es vielleicht schwierig ist.“ Ich merke in Deutschland oft so ein… Es ist, wie sagt man, suspicious. Also es gibt so einen zweifelnden Blick, so einen zweifelnden Blick auf die KünstlerInnen. Den merke ich auf jeden Fall.
Und es hat auch was mit Wertschätzung in dem Kulturbereich zu tun. Natürlich ist es ein hochaktuelles Thema in der Politik. Das habe ich aber so zum Beispiel in Belgien, habe ich ja viele Jahre gelebt. Das habe ich da so nicht bemerkt. Künstler waren Teil der Gesellschaft und nicht irgendetwas, was man vielleicht belächelt hat.
Ja, ich habe dieses mit dem „Kannst du davon leben?“ Ich wollte das jetzt auch eigentlich nur so als Zitat. Und als Zitat, weil ich mir schon vorstellen kann, dass man das oft gefragt wird, weil das ist ja so der Klassiker. Also bei so… Also ich kenne das von anderen Leuten und es ist wie: „Studierst du Philosophie?“ Okay, ja. So.
Deswegen war mir jetzt wichtig, an der Stelle das zu machen, weil klar, also die Frage ist natürlich interessant. Ich finde es auch irgendwie legitim. Die Frage ist halt, wann man die wo stellt. Ich finde es auch, das Timing ist sehr wichtig. Es darf nicht im zweiten Satz kommen: „Du bist Künstlerin, kannst du davon leben?“ Oder auch gerne genommen: „Ist ja ein schönes Hobby.“ Aber Kunst ist Arbeit, immer.
Ja, und zarte Arbeit. Also ich habe ja natürlich auch sehr viele Künstlerinnenfreunde in Rostock, aber auch in ganz Deutschland. Und das sind alles Hustler. Und die wollen das alle. Und du musst es wollen. Wollen wir Hustler übersetzen für die Leute, die das Wort nicht kennen? Naja, so wie würdest du es übersetzen? So ArbeiterInnen. Also man muss halt machen. Man muss machen. Genau.
Also Arkadi sagt auch immer: „Kunst kommt nicht von Können.“ Was sagt er immer? Er ist Wünstler. Er ist nicht Künstler, weil Wunst kommt von Wollen oder so. Er kann es viel besser sagen. Tut mir leid, ich habe es total verkackt. Arkadi, ist es dann das am Ende, das was es definiert? Also jetzt mal so nochmal ein ganz vorsichtiger Versuch.
Also man kann ja Kunst irgendwie ganz weit fassen oder irgendwie ganz eng fassen. Und man kann so… Ich habe da auch ehrlich gesagt immer ein bisschen Respekt vor, wenn ich mit Leuten, die Kunst machen, so wie dir darüber spreche, weil man will dann auch irgendwie nicht so daneben hauen. Und ich finde, es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten.
Aber ist das vielleicht der Unterschied zwischen so, ich sage mal, Zufallskunst? Also wenn das, dass ich sage: „Okay, ich könnte jetzt ein Kunstwerk erschaffen, ich mache irgendwas, das ist Kunst. Ich bemale meinetwegen mein Fahrrad und das ist dann irgendwie… Vielleicht an der Stelle ist es dann Kunst. Und ist dann aber der Unterschied: Okay, Leute, die sich dann wirklich dahinter klemmen, wo das nicht nur Zufall ist, sondern die sich fragen: „Okay, was ist eigentlich die… Wie geht es eigentlich? Worauf kommt es hier an? Wofür steht es eigentlich?“ Und die das üben und wollen. Ist das dann…? Verstehst du, worauf ich hinaus will?
Ja, so ein bisschen. Nee, eigentlich nicht. Also möchtest du darauf hinaus, dass ich dir Kunst definiere? Nee, weil das kannst du nicht. Das wäre zu viel verlangt. Ja. Weil würde ich auch sagen, kann ich nicht. Genau. Aber normalerweise, wenn man so ein Gespräch macht über irgendwie ein Thema, dann definiert man das halt so ein bisschen, was es eigentlich ist.
Ja, aber das muss man hier nicht an der Stelle machen. Ich finde es nur interessant, darüber nachzudenken. Ja, also ich denke immer, dass der Kontext, in dem Dinge geschehen, ausschlaggebend ist dafür, ob es Kunst ist oder nicht.
Und ist es für dich okay, wenn man so sagt, am Ende definiert das jeder Mensch irgendwie für sich selbst, was für ihn oder sie Kunst ist? Oder ist das…? Ja, ist doch in Ordnung. Ich glaube, darauf können wir uns einigen.
Okay, darauf können wir uns einigen. Und worauf wir uns auch einigen können, ist, dass du Kunst auf Fahrrädern machst und Kunst mit Fahrrädern in verschiedener Form. Du gestaltest sie, du stellst Dinge her und du begibst dich auf die Reise auf den Desire Path through Italy, Part 2. Und wir haben darüber gesprochen. Ich finde es sehr interessant.
Danke dir für den Besuch im Studio. Und falls du noch was anfügen willst, kannst du es jetzt tun. Ich bedanke mich bei dir für deine ganzen tollen Fragen und ich bedanke mich bei allen, die zugehört haben und ein offenes Ohr für Kunst haben.
Alles klar, danke Jule. Ups, hab reingelacht. Wie ihr wisst, ist das hier kein Kunst-Podcast und darum ist es vielleicht auch okay, wenn ich mich am Ende dieses Gesprächs zu so einer sehr losen Definition von Kunst hinreißen lasse.
Und nachdem ich mir das Gespräch noch mal angehört habe, finde ich die Sache mit dem Wollen als Bedingung für Kunst schon ziemlich gut. Und womit ich mich wiederum etwas trittsicher fühle als mit Kunst, ist sicher das Radfahren. Da kann ich sehr viel mit Jules Aussage anfangen, dass Radfahren einfach gut ist, weil es dabei einfach leise wird, wie sie sagt.
Das kenne ich von mir und das kenne ich auch von vielen anderen Menschen, die sich aufs Rad setzen und mit mir darüber sprechen. Und vielleicht geht es euch ja auch so. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass es zu einigen Punkten in diesem Gespräch noch einiges mehr zu sagen gäbe.
Und darum verweise ich hiermit noch mal auf Jules und Akadis Podcast Desire Path through Italy, in dem mit Veröffentlichung dieses Gesprächs hier im Antritt auch schon die erste Folge zur aktuellen Italienreise der beiden erschienen sein sollte. Den Link dazu habe ich euch in die Show Notes gepackt.
Für mich hat das Gespräch noch mal eine andere Frage aufgeworfen, die ich mir manchmal stelle, und das ist die nach dem Festhalten meiner eigenen Erlebnisse auf dem Rad. Meine Fotogalerie im Telefon und auf dem Rechner, die quillt seit einigen Jahren konstant über. Das kennt ihr sicher auch.
Ein paar ausgewählte Bilder von bestimmten Momenten auf Touren hängen auch bei mir an der Wand. Aber irgendwie bin ich nicht so richtig zufrieden mit diesem Modus. Zu viele Eindrücke kann ich zwar bei Bedarf abrufen, wenn ich durch meine Galerie scrolle. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich solche Szenen im Alltag einfach vergesse und dann wieder ganz überrascht bin, wenn mir mal wieder klar wird, was ich schon alles gesehen und erfahren habe.
Insofern finde ich es total interessant, wenn da zwei Menschen unterwegs sind und sich Zeit dafür nehmen, ihre Eindrücke auf der Leinwand zu verarbeiten und festzuhalten. Und ich werde das in den nächsten Wochen auch entsprechend verfolgen.
Wer diesen Podcast verfolgen will, kann das ganz einfach auf allen bekannten Plattformen tun. Und wie immer wird es hier die nächste Ausgabe am kommenden Freitag geben. Das wird der 15. Mai sein. Und ihr erreicht uns unter antritt@detektor.fm sowie auf Instagram und Mastodon.
Ich überlege mir jetzt noch, ob ich in die Fronttasche meines in der letzten Ausgabe besprochenen Rades auch mal etwas Mal- und Zeichenzeug packen sollte. Und ich freue mich auf die nächste Ausfahrt, die mich am Wochenende auf eine kleine Langstrecke führen wird.
Ich hoffe, ihr habt auch was Schönes vor und ich wünsche euch dabei, wie immer, gute Fahrt und natürlich schöne Bilder, mindestens im Kopf. Lasst es euch gut gehen. Bis nächste Woche. Ciao.
[Musik: Warhaus – Desire]