Die Kartoffeln für unsere Pommes, der Mais für unser Popcorn, das Getreide für unser Brot – das alles wächst auf deutschen Feldern. In diesem Jahr haben viele LandwirtInnen aber deutlich weniger geerntet als sonst. Der Grund dafür – zu viel Hitze, zu wenig Wasser. Der Sommer 2026 war extrem. Extrem heiß und trocken. Und Fachleute erwarten, dass es solche Sommer durch den Klimawandel in Zukunft häufiger geben wird.
Was muss sich ändern und welche innovativen Ansätze in der Klimaanpassung in der Landwirtschaft funktionieren schon heute? Das schauen wir uns in dieser Folge mal genauer an. Ihr hört den Klima-Podcast von detektor.fm. Ich bin Ina Lebedjew.
Erntebericht und Herausforderungen
Das hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Reiner von der CSU Anfang September gesagt. Es sind drastische Worte, mit denen er den diesjährigen Erntebericht seines Ministeriums vorgestellt hat. Der Bericht zeigt: Der trockene und heiße Sommer hat zu Ernteverlusten und Futterknappheit geführt.
Wie kann sich die Landwirtschaft in Zukunft besser auf Extremwetter vorbereiten? Wie kann Klimaanpassung konkret aussehen? Wachsen auf deutschen Äckern bald Kiwis und Mangos statt Mais und Weizen? Und wie anpassungsfähig ist die Landwirtschaft eigentlich? Darüber spreche ich mit der Agrarexpertin Dr. Mareike Söder. Sie arbeitet am bundeseigenen Thünen Institut in Braunschweig und beschäftigt sich mit Klimafolgen für die Landwirtschaft, insbesondere mit dem Einfluss von Extremwetterlagen. Also eine Fachfrau auf dem Gebiet.
Hallo Frau Dr. Söder, willkommen im Klima-Podcast von detektor.fm. Ja, hallo. Ja, die Ernte, ich habe es gerade schon angerissen, war in diesem Jahr schlechter als im vergangenen Jahr. Allerdings war wohl 2025 auch ein besonders gutes Jahr. Wie schätzen Sie das denn ein? Wie schlecht war die Ernte 2026 wirklich?
Einschätzung der Ernte
Ja, um das gut einzuschätzen, nehmen wir von der Forschungsseite immer einen längeren Zeitraum. Also üblich sind zum Beispiel fünf oder zehn Jahre, so als Durchschnitt zum Vergleich, weil wie Sie schon gesagt haben, das Jahr davor kann gut oder schlecht gewesen sein.
Für 2026 sind es vor allen Dingen die späten Kulturen, sprich die Sommerkulturen, Silomais, Kartoffeln, Zuckerrüben, also die, die die Sommertrockenheit im vollen Maß abbekommen haben, die sehr, sehr unterdurchschnittliche Erträge gehabt haben. Die Winterkulturen, sprich also Winterweizen, Wintergerste oder auch Raps, sind noch vergleichsweise gut in die Ernte reingekommen, einfach weil die Trockenheit zu dem Zeitpunkt noch nicht so ausgeprägt war, als sie in ihren kritischen Phasen waren.
Und was man dieses Jahr eben auch gesehen hat, es gab einen großen regionalen Unterschied. Also die Erträge in Norddeutschland waren gar nicht so schlecht, weil es dort einfach nicht so trocken war im Vergleich zum Süden, gerade in Bayern, Baden-Württemberg oder auch im Saarland, wo es eben wirklich extrem trocken war und dadurch eben auch die Erträge sehr unterdurchschnittlich ausgefallen sind.
Also das heißt, diese regionalen Unterschiede kamen einfach durch regional unterschiedliches Wetter dann? Ja, vor allen Dingen was die, also die regional sehr deutlich ausgeprägte Trockenheit und auch sehr ungewöhnliche Trockenheit in Bayern und Baden-Württemberg. Gerade so im Osten Deutschlands haben wir häufiger schon trockene Jahre gehabt oder zum Beispiel auch 2018 war vor allen Dingen auch im Osten Deutschlands sehr, sehr trocken und sandige Böden.
Sprich, dort ist die Produktion auch, sage ich mal, eher darauf eingestellt, dass es trockener wird. Und in Bayern und Baden-Württemberg war es doch vergleichsweise eine sehr außergewöhnliche Dürre. Und in Schleswig-Holstein war es vergleichsweise nicht so trocken oder dort würde man eher nicht von einem Extremjahr sprechen.
Fütterung und Herausforderungen
Und vielleicht das noch so als Ergänzung zu den Erträgen: Da in Süddeutschland war vor allen Dingen auch ein Problem, die Fütterung hinzubekommen. Sprich, also alles, was Raufüttererträge von den Wiesen angeht, die Heuernte und so weiter, die war eben auch sehr niedrig, sodass die tierhaltenden Betriebe einfach auch große Probleme hatten, die aktuelle Fütterung, aber eben auch den Aufbau der Fütterreserven für den Winter hinzubekommen.
Jetzt muss man ja auf diese Situation dann in dem aktuellen Jahr immer irgendwie reagieren. Wenn wir so schon mal in die Zukunft gucken, wird es denn durch den Klimawandel dann irgendwann nicht mehr möglich sein, bestimmte Pflanzen auf deutschen Äckern anzubauen, die bis dato ganz normal waren?
Klimasimulationen und Zukunftsausblick
Also das können wir so mit den Simulationen, die derzeit vorliegen, die natürlich noch mit Unsicherheiten behaftet sind, aber was wir so an Simulationen bis zur Mitte und bis zum Ende des Jahrhunderts haben, so nicht pauschal sagen. Also dort ist es immer noch möglich, auch die üblichen, vor allen Dingen die Winterkulturen anzubauen. Winterweizen, Wintergerste, dort sehen wir gar nicht im Durchschnitt drastische Einbrüche in den Ertragserwartungen.
Was wir sehen, ist, dass die Sommerkulturen vermehrt Probleme haben, also alles, was im Frühjahr ausgesät wird und dann erst später im Jahr geerntet wird, weil einfach dann die zunehmenden Sommertrockenheiten dort ein Problem werden. Insgesamt muss man aber sagen, dass wir von dem, was an Klimasimulationen da ist, vor allen Dingen die Unvorhergesehenheit der Bedingungen, sprich also in einem Jahr ist es besonders trocken, in einem anderen Jahr ist es vielleicht im Frühjahr wieder besonders feucht, dass das vor allen Dingen also neben diesen vermehrten Hitzeperioden einfach auch eine Herausforderung in der Klimaanpassung darstellt und es nicht so ein ganz eindeutiges Signal gibt, dass es immer trockener wird.
Also das lässt sich so aus den derzeit verfügbaren Klimasimulationen nicht rausnehmen. Wir haben jetzt mehrfach von diesen Simulationen gesprochen. Können Sie kurz erzählen, wie Sie das erforschen oder wie man so etwas simuliert?
Forschungsansätze und Datenlage
Ja, also das kann ich Ihnen nicht im Detail erklären, das können die Klimawissenschaftler machen. Da arbeiten wir sehr eng, vor allen Dingen mit dem Deutschen Wetterdienst zusammen, der diese Klimaszenarien dann für die weitere Wissenschaft zur Verfügung stellt. Der arbeitet aber auch in einem großen Forschungsnetzwerk dazu zusammen, die eben diese globalen Klimaszenarien, die es gibt, die zum Beispiel auch Grundlage für den Klimabericht IPCC sind, eben runterbrechen in regionale Szenarien dann für Deutschland, möglichst sehr genau, weil gerade für die Landwirtschaft ist es eben nicht nur wichtig zu wissen, wie geht es für Gesamtdeutschland weiter, sondern wie sieht es vielleicht auch für einzelne Regionen aus, die das dann auch weiter runterbrechen.
Was wissen wir in Bezug auf Hitze, also auf Temperaturen? Wie sieht es aus in Bezug auf Niederschläge? Für die Landwirtschaft ist dann auch immer wichtig, nicht nur zu wissen, wie viel regnet es im gesamten Jahr, sondern wie viel regnet es eben im Frühjahr zu einer bestimmten Periode, weil es eben für die Pflanzen wichtig ist, dass in bestimmten Stadien des Wachstums dann auch entsprechend genügend Wasser zur Verfügung steht und nicht nur im Winter.
Gefahren für die Lebensmittelversorgung
Sie haben ja gesagt, man kann es jetzt sozusagen gar nicht so pauschal sagen, dass es immer trockener oder heißer sein wird. Kann man denn schon sagen, ob das gefährlich ist für die Versorgung mit Lebensmitteln, ob es da wirklich zu Engpässen und Problemen kommen kann?
Genau. Also vielleicht das noch einzuordnen: Das Signal für die Hitze ist relativ eindeutig, dass es immer heißer wird und dass wir mehr heiße Tage haben. Vor allen Dingen bei den Niederschlägen sind die Unsicherheiten noch größer. Und ich glaube, da so eine pauschale Aussage zu treffen, dass wir irgendwie mit Versorgungsengpässen in Zukunft rechnen müssen, das lässt sich so nicht sagen.
Einfach auch deswegen, weil wir offene Märkte haben, wir Handel haben und einfach auch, selbst wenn mal in Teilen eine Ernte nicht gut ausfällt, einfach auch über die Weltmärkte, die Agrarmärkte sind eine der integriertesten überhaupt, über die Agrarmärkte dann einfach auch schlechte Ernten ausgeglichen werden können.
Und die Herausforderung dann für die Anpassung ist eben auch, dass man sich an unsichere Bedingungen anpasst. Sprich also eben nicht nur an die eine Trockenphase im Jahr, sondern dass ich dann auch, wenn es dann nicht trocken ist in einem bestimmten Jahr, auch vielleicht Kulturen oder Sorten ausgesucht habe, die dann auch mit den Bedingungen zurechtkommen und eine Art Risikostreuung, kann man das nennen, die man dann vornimmt, um dann eben nicht in solche Engpässe hinein zu laufen.
Anpassungsstrategien für LandwirtInnen
Vielleicht können wir da nochmal ein bisschen konkreter werden. Was können denn einzelne LandwirtInnen tun, um ihren Betrieb zum Beispiel einfach selbst besser auf die Folgen des Klimawandels einzustellen?
Ja, also es ist ein breites Feld. Ich gebe einfach mal so ein bisschen Beispiele, dass man genau da eine Vorstellung von bekommt. Also einmal ist natürlich die Bewirtschaftung des Bodens das, was schon ohne den Klimawandel richtig war, wird umso wichtiger im Klimawandel. Also den Erhalt der Fruchtbarkeit, des Humusgehaltes des Bodens und damit eben auch der Wasserhaltefähigkeit der Böden.
Das kann man zum Beispiel erreichen, indem man Zwischenfrüchte anbaut, indem man für eine möglichst durchgehende Bodenbedeckung sorgt. Reduzierte Bodenbearbeitung kann helfen oder einen Erosionsschutz aufzubauen. Sprich zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen kennt man die Knicks oder den Aufbau von Hecken und so weiter.
Dann kann man eben schauen, welche Kulturarten baue ich an oder welche Sorten suche ich aus, sind die vielleicht besonders hitzegeeignet oder habe ich Kulturen, die ich möglichst früh aussehen kann, vielleicht sogar als Winterkultur, die die Feuchte aus dem Winter gut ausnutzen können und dann vielleicht schon durch sind mit wichtigen Wachstumsphasen, wenn es im Sommer trocken wird.
Und auch über eine Vervielfältigung von Kulturarten und Sorten auf den Betrieb eben auch eine Risikospreuung hinzubekommen, dass man eben nicht nur Sorten und Kulturen einsetzt, die trockenresistent sind, sondern welche, die auch unter feuchten Bedingungen noch gute Erträge geben.
Und vielleicht noch zum Stichwort Risikomanagement: Das waren jetzt alles Maßnahmen, die versuchen, trotz Extremwetterereignisse noch eine gute Ernte einzufahren. Und ich glaube, so ehrlich muss man dann auch sein: Es wird auch Jahre geben, wo es zumindest regional einfach auch Ertragseinbußen gibt, weil das hat einfach seine Grenzen, wie sehr man zum Beispiel durch den Humusaufbau auch gegen Trockenheit vorgehen kann.
Und dann ist natürlich wichtig, dass nicht der Betrieb davon sofort pleite geht, indem ein Jahr eben eine schlechte Ernte da ist. Das heißt, es muss ein Risikomanagement auch auf den Betrieben angepasst werden an den Klimawandel. Sprich, ich muss eben schauen, dass ich Einkommensquellen habe, die vielleicht nicht so stark von einzelnen Witterungsereignissen abhängen oder zumindest unterschiedlich von Witterungsereignissen abhängen.
Es gibt vermehrt Versicherungsangebote, sprich, dass gerade so extreme Verluste auch finanziell ausgeglichen werden können. Ich kann schauen, ob Bewässerung eine Option ist für meinen Betrieb, auch wenn man dazu sagen muss, dass da natürlich auch immer sichergestellt werden muss, dass ich das Wasser zur Verfügung habe, insbesondere dann, wenn es trocken ist und alle Wasser brauchen, und dass das natürlich auch mit Kosten verbunden ist.
Bei tierhaltenden Betrieben kann ich schauen, sind meine Ställe so gestaltet, dass der Wind durchgehen kann, dass ich Hitzeschutz für meine Tiere bereithalte auf den Weiden, dass entsprechend Schattenplätze da sind. Ich kann gucken, kann ich mein Fütterungsregime umstellen, möglichst früh oder in den Abendstunden zu füttern, dass die Tiere nicht zu sehr belastet sind durch die Hitze.
Und auch in diesem Jahr hat man gesehen, wie wichtig es ist, eben auch genügend, da sind wir wieder beim Stichwort Risikomanagement, genügend Lagerhaltung für Tierfutter zu haben, dass ich vielleicht eher anderthalb Jahre Heu in meinen Lagern habe, dass wenn ein Jahr mal sehr schlecht ausfällt, ich eben nicht sofort darauf angewiesen bin, dann für sehr hohe Preise Regionalfutter zuzukaufen.
Fazit zur Klimaanpassung
Ja, das vielleicht so als breiten Überblick, was es bedeuten kann, auch auf den Betrieben sich Klima anzupassen. Also bei ein paar Punkten am Anfang, die Sie gesagt haben, also zum Beispiel Bodenschutz, Zwischenfrüchte, Pflanzen, Knicks und Hecken anlegen. Da habe ich so gedacht, dass das ja eigentlich schon der Kern von Landwirtschaft ist oder zu sagen, zum Beispiel um den Boden zu erhalten, müssen wir ja unsere Arbeitsgrundlagen erhalten, damit wir gute Ernten einfahren.
Und dazu kommt jetzt eben diese Risikoanpassung, die Sie genannt haben, und die verschiedenen Handlungen, je nachdem, in welchem Feld man unterwegs ist oder? Genau, das ist ja in vielen Bereichen so, dass der Klimawandel eher so als Brandbeschleuniger gesehen wird. Also dass eben, was vorher auch ohne den Klimawandel richtig war, dann unter dem Klimawandel umso richtiger ist, sich eben um die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen zu kümmern und eben auch zu schauen, wo kommen wir?
Also ist das so, wie das aufgestellt ist, auch unter extremen Bedingungen? Sprich, wenn wir ein, zwei, vielleicht sogar drei sehr trockene Jahre hintereinander haben, kann ich dann immer noch die nachhaltige Bewirtschaftung sicherstellen?
Und dann kann ich mir vorstellen, Sie haben das ja auch schon angedeutet, kostet es wahrscheinlich einfach auch Zeit, sich dann eben an ein paar anderen Faktoren so reinzuarbeiten und Sachen neu zu gestalten und zu ändern und auch Geld. Oder wenn Sie sagen, zum Beispiel Schattenplätze für Tiere oder wie der Stall gebaut ist, dann sprechen wir ja sofort von großen Investitionen, nehme ich mal an, oder?
Ja, also ich glaube, das muss auch klar sein, dass Klimaanpassung ein Prozess ist und der kontinuierlich gedacht und gemacht werden muss und der natürlich auch für die Betriebe mit Herausforderungen verbunden ist. Also der Einsatz vielleicht von einer anderen Sorte, die ist weniger herausfordernd, als wenn ich jetzt sage, meinen Stall, den kriege ich nicht weiter hitzeangepasst, ich muss einen neuen bauen.
Das sind natürlich andere Investitionen. Oder wenn ich sage, ich nehme eine neue Kulturart in meinem Portfolio auf und dafür brauche ich aber vielleicht eine ganz andere Maschine als die, die ich bisher habe. Also das ist je nachdem, was die Maßnahmen angeht, natürlich mit kleineren oder größeren Herausforderungen verbunden und auch mit einem kontinuierlichen Wandel, diese Dinge zu berücksichtigen.
Aber ich glaube, das ist bei der Klimaanpassung ja auch so, es ist ja auch im ureigensten Interesse der Betriebe, dies zu tun, weil sie natürlich, das ist die Grundlage ihrer betrieblichen Tätigkeit und ihres Überlebens, sodass es auch einfach ein großes Eigeninteresse der Betriebe gibt, sich hier bestmöglichst aufzustellen und anzupassen.
Wahrnehmung der LandwirtInnen
Naja, das hört man ja auch immer mal wieder, dass eigentlich die LandwirtInnen diejenigen sind, die schon seit Jahren sagen, ja, wir merken, dass sich was verändert und dass die Natur anders tickt als noch vor 20 Jahren, so oder? Ja, auf jeden Fall. Also die sind ja nah dran.
Also ich glaube, wenn man mal selber mit draußen war in der Landwirtschaft, man hat ein ganz anderes Erleben auch der Jahreszeiten. Und gerade im Ackerbau wird ja auch jährlich wieder entschieden, was baue ich an, zu welchem Zeitraum sehe ich aus, wann dünge ich, wann muss ich welches Pflanzenschutzmittel einsetzen und so weiter.
Also das sind natürlich viele, viele Entscheidungen, die daran hängen, wie ist die aktuelle Witterung, was erwarte ich auch, wie sich das aktuelle Jahr entwickelt. Zum Beispiel, wenn ich mich entscheide, zu düngen im Frühjahr und erwarte aber, dass in den nächsten zwei Wochen der Boden so trocken ist, dass die Pflanzen das überhaupt nicht mehr aufnehmen, muss dann ich die Düngemengen anders, als wenn ich weiß, okay, es ist eine entsprechende Bodenfeuchte da, die Pflanzen können die Nährstoffe aufnehmen, die ich ausbringe.
Ja, sodass da mit Sicherheit ein großes Erfahrungswissen da ist, aber natürlich auch die Herausforderung, dass wenn sich Bedingungen ändern, dann vielleicht Dinge die man in der Vergangenheit entschieden hat, so nicht mehr gültig sind und dass da einfach auch ein Lernprozess stattfinden muss.
Unterstützung für LandwirtInnen
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Ich weiß nicht, ob Sie diejenige sind, die mir das beantworten kann. Ich frage aber vorsichtshalber trotzdem: Gibt es denn überhaupt finanzielle Unterstützung für diese? Also wir haben ja gerade schon erörtert, dass es einfach teuer sein kann, sich anzupassen an die neuen Gegebenheiten. Gibt es da finanzielle Unterstützung für Bauern und Bäuerinnen?
Gibt es über unterschiedliche Finanzwege? Also einmal gibt es Maßnahmen im Rahmen der ersten und zweiten Säule der Agrarförderung. Sprich, es gibt zum Beispiel Förderung für vielfältige Kulturen und Fruchtfolgen, für besonders bodenschonende Bewirtschaftungsweisen, zum Beispiel Zwischenfruchtanbau, Bodenbedeckung zum Teil für Agroforst auch.
Und es gibt auch zum Teil, das sind nicht nur reine Bundesprogramme, sondern zum Teil eben auch Programme der Länder, so etwas wie Investitionsförderung für effiziente Bewässerungstechnik oder auch den Wasserrückhalt, um dann, wenn man Bewässerungswasser braucht, eben auch das Wasser zur Verfügung zu haben. Also da gibt es unterschiedliche Investitionsförderprogramme. Ob die jetzt für jeden Betrieb im Einzelnen passend sind, kann ich so, glaube ich, nicht beantworten.
Politische Maßnahmen für die Zukunft
Nee, das müssen Sie auch nicht. Also wir sind ja schon nicht mehr am Anfang, sondern mittendrin in diesen Veränderungen im Klimawandel. Und wir sehen es, Sie haben es vorhin gesagt, es wird heißere Jahre geben, heißere Sommer geben. Es muss ja weitergehen. Also wir können ja sozusagen nicht im Status quo bleiben.
Welche politischen Maßnahmen braucht es denn in Ihren Augen, um dann die Landwirtschaft eben in Deutschland fit für die Zukunft, für die Folgen des Klimawandels weiterhin zu machen?
Ja, vielleicht steige ich da mit einer ökonomischen Antwort auf die Frage ein. Wir sehen da vor allen Dingen die Rolle des Staates in den Bereichen, wo die Betriebe eben nicht selber tätig werden können. Also sprich, in der Aufbereitung von der Informationslage zum Beispiel allein.
Also ausreichende Bereitstellung der Informationen: Was ist im Klimawandel zu erwarten? Welche Anpassungsmaßnahmen eignen sich und wie kann ich die als Landwirt umsetzen? Sprich, also dieser ganze Bereich Bereitstellung und Aufarbeitung der Datenlage, sodass eben auch informierte Entscheidungen getroffen werden können auf den Betrieben.
Dann natürlich dieser ganze Bereich struktureller Wandel. Das, was ich eben schon genannt hatte über die Agrarförderung, kann man natürlich auch versuchen, über diese Subventionen gewissen strukturellen Wandel anzuschieben. Zum Teil werden ja auch Versicherungen gefördert in den einzelnen Ländern oder es gibt eben eine Steuerreduzierung auf Versicherungen.
Dann kann der Staat natürlich auch in Bereichen tätig werden, Entwicklungen von Anpassungsmaßnahmen, und das tut er heute auch schon. Sprich, also die Erforschung und Praxiserprobung von Verfahren und Technologien, zum Beispiel zu schauen, welche Bewässerungstechnik eignet sich denn besonders, um Wasser zu sparen und welche Herausforderungen gibt es da vielleicht auch in der Umsetzung.
Oder wie kann ich große Wasserspeicherbecken etablieren, die dann möglichst kein Grundwasser nutzen, sondern vielleicht Oberflächenwasser in Zeiten, wo sehr viel Wasser da ist, im Winter, sprich, wenn wir mehr Winterniederschläge haben.
Oder auch in Bereichen der Züchtungsforschung über die Ressortforschungsinstitute, wie zum Beispiel unser Pendant für den Pflanzenbau, das Rüdeskühn Institut, die sehr viel machen im Bereich Züchtungsforschung. Also wie können wir zu Sorten kommen, die eben besonders klimangepasst sind oder wie kann ich neue Kulturen etablieren?
Zum Beispiel, wenn ich jetzt Sesam oder Erdnüsse anbauen will in Deutschland, dann brauche ich erst mal Saatgut, was dann auch an die deutschen Verhältnisse angepasst ist und nicht eben an die Verhältnisse in den Ursprungsländern zum Beispiel.
Und dann kann der Staat natürlich auch unterstützen, wie bekomme ich dann dieses Wissen, wenn ich Methoden entwickelt habe, wie bekomme ich das eben auch in die Praxis und wie kommt es bei den Betrieben an? Da gibt es dann so ein Format, das nennt sich Modell- und Demonstrationsvorhaben. Da gibt es zum Beispiel Programme, die mit den Landwirten zusammen Maßnahmen zum Humusaufbau ausprobieren.
Aktuell läuft ein neues Modell- und Demonstrationsverfahren an zum Wassermanagement im Gartenbau, weil dort eben gerade Bewässerung besonders eine Rolle spielt. Vielleicht das so als übergreifende Punkte.
Wassermanagement und gesellschaftliche Verantwortung
Und dann ist natürlich auch so dieser ganze Bereich die Frage nach gesamtgesellschaftlichem Wassermanagement, nenne ich das mal. Also die Frage, für was wollen wir Wasser nutzen? Wie können wir mehr Wasser in der Landschaft halten? Und wer hat wann welche Rechte dieses Wasser zu nutzen?
Sprich, wann oder wo darf vielleicht die Industrie besonders Wasser nutzen? Wo ist Wasser besonders relevant für die Trinkwassergewinnung? Und in welchen Bereichen sage ich eben, ich möchte auch Gemüsebau in Deutschland erhalten und dementsprechend bekommt die Landwirtschaft auch entsprechend Rechte und physische Ressourcen dann auf Wasser nutzen zu dürfen.
Das ist natürlich etwas, was über den Wirkungskreis eines einzelnen Landwirtes hinausgeht, sondern das sind dann eher aus Handlungsprozesse, die einmal national und dann aber auch regional in den Wassereinzugsgebieten gemacht werden müssen.
Und da ist zum Beispiel die nationale Wasserstrategie zu nennen, die gerade dabei ist, in die Umsetzung zu gehen und wo man eben versucht, genau diese Prozesse vielleicht auch zu standardisieren und anzuschieben, um solche Entscheidungen dann auch an den Klimawandel anzupassen und insbesondere eben auch zu schauen, was passiert in sehr trockenen Jahren. Wer hat dann noch Zugang zum Wasser? Und ist natürlich dann auch relevant für die Landwirtschaft.
Aber auch die Frage, wie kann ich denn auch mehr Wasser in der Landschaft halten, dass es eben gerade, wenn es trocken ist, wenn ich ja früher war, es ging vor allem darum, Wasser auszuleiten aus der Landschaft, damit eben gewisse Gebiete dann auch nutzbar waren, überhaupt, weil sie traditionell sehr feucht waren.
Und heute geht es dann eher darum, wenn ich viele Niederschläge im Winter habe, kann ich die nicht vielleicht auch länger halten in der Landschaft, dass die Böden dann nicht so schnell trocken sind im Sommer, wenn dann weniger Niederschläge fallen.
VerbraucherInnen und ihre Macht
Es gibt ja diesen Mythos, dass wir als VerbraucherInnen, oder ich frage Sie eigentlich, ob das ein Mythos ist oder ob wir tatsächlich als VerbraucherInnen auch die Macht haben, mit unseren Kaufentscheidungen dann Dinge zu verändern oder zu unterstützen. Wie ist das? Wie sehen Sie das?
Das würde ich auf jeden Fall so sehen. Also ich habe vorhin so salopp gesagt, naja, man soll einfach mal nach neuen Kulturen gucken, zum Beispiel Sesam oder Erdnüsse anbauen. Aber das Ganze hat natürlich nur Zukunft, wenn es dann auch am Ende erst mal den Verarbeitungsprozess gibt, der das Ganze verarbeiten kann, sprich zum Beispiel Mühlen oder andere Schritte in der Prozesskette, die diese Kulturen aufnehmen und dann auch Verbraucher, die die am Ende kaufen.
Also die dann vielleicht für einen Sesam, der regional produziert ist, bereit sind, vielleicht ein bisschen mehr Geld auszugeben als aus anderen Regionen, weil er hier noch nicht die Erträge bringt, die er woanders hat.
Und natürlich auch die Frage, möchte ich Obst und Gemüse aus Deutschland haben oder ist mir das nicht so wichtig und ich kaufe das vielleicht auch aus anderen Regionen und dementsprechend brauche ich das vielleicht auch nicht, dass wir hier regional diese Sachen oder diese Produktion erhalten.
Das sind ja einfach auch gesellschaftliche Entscheidungen oder Konsumentscheidungen, die dann dazu führen, funktionieren gewisse Anpassungsprozesse oder eben nicht.
Chancen in der Problematik
Wir haben ja ganz viel jetzt auch über Herausforderungen von LandwirtInnen gesprochen. Können Sie noch mal so einen Satz dazu sagen, welche Chancen Sie in der ganzen Problematik sehen? Also dass sich das Klima verändert, dass wir uns anpassen müssen.
Gibt es da vielleicht auch so ein paar positive Beispiele, wo Sie sagen, da ist die Forschung schon sehr weit oder es funktioniert ganz cool oder da kommen einfach Möglichkeiten auch auf uns zu?
Also die Chance ist natürlich auch da, indem wir jetzt so ein bisschen mit dem Brennglas auf Prozesse schauen und gucken, wie können wir Bewirtschaftungsweisen eben nachhaltig aufstellen, dass man auch für andere Bereiche, sprich für den Bodenschutz oder für den Biodiversitätsschutz positive Effekte erreichen kann.
Einfach, weil der Klimawandel diese Maßnahmen umso dringender macht. Wir sehen bei den Erträgen durchaus auch positive Entwicklungen, was die Wintergetreide angeht, also dass wir auch Potenziale haben, Erträge in gewissen Regionen auch zu steigern.
Das darf man, glaube ich, auch so sagen oder dass eben gewisse Kulturen auch dann anbaubar sind bei uns, weil wir einfach auf größere Wärmesummen kommen, als wir sie früher gehabt haben und deswegen einfach diese Kulturen bei uns nicht anbaubar waren.
Also zum Beispiel seit einigen Jahren wird ja auch Soja in Deutschland angebaut, aber auch das Beispiel habe ich jetzt schon mehrfach bemüht, also so Sesam und Erdnüsse, dass dann eben entsprechend auch die Wärmesummen da sind, um gewisse Kulturen hier etablieren zu können.
Das sagt die Klimafolgenforscherin Dr. Mareike Söder. Vielen, vielen Dank für die interessanten Einblicke und das Gespräch.
Ja, sehr gerne, danke Ihnen.
Klimawandel und Landwirtschaft
Wie kommt die Landwirtschaft besser mit den Folgen des Klimawandels klar? Darum ging es in dieser Folge unseres Klimapodcasts hier bei detektor.fm.
Und kommende Woche ist es schon wieder soweit. Jedes Jahr im November findet traditionell die Weltklimakonferenz statt, diesmal im türkischen Antalya, und wir sprechen dann drüber.
Für heute bedanke ich mich bei euch da draußen natürlich fürs Zuhören, bei Alea Rentmeister für die Vorbereitung und das Skript zu dieser Folge und natürlich beim Team Audio.
Produziert hat diese Folge Stanley Baldauf. Und die Redaktion hatte ich Ina Lebedjew.
Und ich sage Tschüss, bis nächste Woche, wenn ihr mögt. Macht’s gut.
Mission Energiewende
Der detektor.fm-Podcast zum Klimawandel und neuen Energielösungen in Kooperation mit Lichtblick, Deutschlands größtem reinen Ökostromanbieter mit Solarlösungen, intelligenter E-Mobilität und 100 % Ökostrom.