Film- und Videokunst in Los Angeles
Über sechs Etagen können Besucherinnen und Besucher durch Film- und Videokunst aus einem Jahrhundert wandeln. Das Variety Arts Theater stand viele Jahre leer. Für kurze Zeit wurde ihm mit der Ausstellung “What a Wonderful World: An Audiovisual Poem“ wieder neues Leben eingehaucht. Es ist zwar nur ein kurzer Besuch, dafür aber einer, der lange nachwirkt. Das Variety Arts Theater wurde in den 1920er-Jahren gebaut und steht für die goldenen Jahre in Hollywood, seit den 1990ern stand es leer. Und so wird die Ausstellung nicht nur zu einer Reise durch die Film- und Videokunstgeschichte, sondern auch zu einer tatsächlichen Spurensuche in den Gängen und Sälen des alten Kinos. Denn mal werden die Werke ganz intim in kleinen Räumen gezeigt, einzig begleitet von einem Sessel und einer Stehlampe, wie Silke Hohmann sagt; und dann wieder werden die großen Hightech-Projektionsflächen in den Ballsälen ausgerollt.
Alles fühlt sich plüschig an, es gibt noch die alten Lampen und Anzeigenschilder, außerdem der dicke Teppich und Popcorn.
Silke Hohmann, Monopol-Magazin
Foto: Wolfgang StahrSie zeigen Werke von Christoph Schlingensief, Mark Leckey, Monica Bonvicini, Marina Abramović, aber auch jüngeren Datums, wie von Jon Rafman, Jordon Wolfson, Lu Yang und Arthur Jafa. Werke von 45 Künstlerinnen und Künstlern führen durch mehr als 100 Jahre Film- und Videokunstgeschichte und folgen dabei keiner Chronologie, sondern Assoziationen. Gepaart sind sie mit Ikonen der Filmgeschichte. Gleich im Foyer wird man von Walt Disneys „The Skeleton Dance“ von 1929 begrüßt. Außerdem findet man in dem alten Kino das surrealistische Werk „Ein andalusischer Hund“ von Luis Buñuel — ebenfalls von 1929 — und Georges Méliès‘ Klassiker „Die Reise zum Mond“ von 1902.
Zusammen stehen sie für die These des Kurators Udo Kittelmann und der Sammlerin Julia Stoschek, dass die Themen immer dieselben sind, egal ob vor hundert Jahren oder heute, sagt Silke Hohmann, immer geht es um Liebe, Schmerz, Verlust, Abhängigkeiten. Aber auch um das Miteinander. „Das Kino ist per se ja auch so eine Erfahrung, wo man diese Gefühle gemeinsam erlebt“, so Hohmann.
Mit der Julia Stoschek Foundation hat die Namensgeberin über die vergangenen Jahre eine bemerkenswerte Sammlung zusammengestellt, einen Fundus, der in Deutschland seinesgleichen sucht. Sie folgt dabei dem Motto: „Kunst mit Nachbild“. Mit der Ausstellung “What a Wonderful World: An Audiovisual Poem“ ist ihr in Los Angeles ein weiteres Kapitel gelungen.
Neue Orte zum Träumen
Los Angeles, Hollywood, diese Worte stehen für Glamour, die goldenen Jahre der Filmgeschichte. Hier werden bei der jährlichen Oscar-Verleihung die roten Teppiche für die ganz großen ausgerollt. Downtown — da, wo „What a Wonderful World“ zu sehen ist — dominieren hingegen Leerstand und Obdachlosigkeit. Und während sich zeitgleich Multikonzerne wie Netflix und Paramount um die Übernahme der legendären Warner Bros. Studios streiten, wollen andere ihre Stadt und Kunstszene nicht einfach so aufgeben. So kaufte die Schauspielerin und Drehbuchautorin Kristen Stewart kürzlich das Highland Theatre in Los Angeles, das kurz vor seinem 100-jährigen Jubiläum vor zwei Jahren geschlossen werden musste. Dort soll ein neuer Raum für Vernetzung und künstlerischen Austausch entstehen, um dem „corporate bullshit“, wie sie sagt, etwas entgegenzusetzen. Denn in LA gebe es so viele kreative und interessante Menschen, die ihre eigenen Geschichten erzählen wollen.
In dieser Folge von „Kunst und Leben“, dem Podcast in Kooperation mit dem Monopol-Magazin, spricht detektor.fm-Moderatorin Sara-Marie Plekat mit Silke Hohmann vom Monopol-Magazin. Sie war kürzlich in Los Angeles und hat sich die Ausstellung “What a Wonderful World: An Audiovisual Poem“ der Julia Stoschek Foundation angeschaut. Die läuft noch bis zum 20. März. Auch in Deutschland kann man sich Werke aus der Sammlung anschauen. In Berlin und in Düsseldorf gibt es wechselnde Ausstellungen.