Ein Weltmeister verliert und wirft seinem Gegner Betrug vor, allerdings ohne Beweise. Und damit hallo, ihr Lieben! Es ist Dienstag, der 7. April. Schön, dass ihr dabei seid. Untold heißt eine Reihe bei Netflix, die sich mit genau solchen brisanten Momenten des Sports beschäftigt. Untold – Chessmates – erzählt die Geschichte eines der größten Betrugsvorwürfe im modernen Schach. Im Zentrum stehen zwei Namen, die seitdem untrennbar miteinander verbunden sind: Magnus Carlsen, einer der besten Schachspieler aller Zeiten, und der junge US-Großmeister Hans Niemann.
Aber zurück. Es ist September 2022. Der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen verliert überraschend gegen Hans Niemann. Ein Ergebnis, das für Aufsehen sorgt. Die eigentliche Geschichte beginnt aber erst danach. Kurz danach passiert nämlich etwas, das im Spitzenschach eigentlich gar nicht üblich ist: Carlsen bricht das Turnier ab, ohne Erklärung. Sein Rückzug sorgt für Schlagzeilen und richtet sich vor allem gegen einen Spieler: Hans Niemann. Ihm wird öffentlich eine absurde Form von Betrug unterstellt. Manche behaupten sogar, er hätte verbotene Hilfsmittel am Körper getragen, um sich Vorteile zu verschaffen.
„Mein ganzes Leben und meine Karriere wurden zerstört. Ich muss damit zurechtkommen, dass in jeder Unterhaltung über Schach immer auch Schallkugeln vorkommen werden. Manipulationen gab es im Schach schon seit Hunderten von Jahren. Ich hatte das Gefühl, nicht gegen einen Menschen zu spielen. Er ist inzwischen total paranoid.“ Magnus Carlsen, der größte Schachspieler aller Zeiten: „Ich bin seit 13 Jahren der beste Spieler der Welt. Ich weiß nur, wenn ich mich ans Brett setze, bin ich besser als die anderen.“ Magnus verliert und wirft Niemann also Betrug vor. Was folgt, ist kein gewöhnlicher Streit, sondern ein öffentlicher Konflikt zwischen zwei Generationen, zwischen Tradition und einer neuen, digital geprägten Schachwelt.
Und diese Schachwelt hat sich verändert. Computeranalysen, Livestreams und künstliche Intelligenz gehören längst dazu und damit auch neue Möglichkeiten zu betrügen. Und in diesem Fall geht es längst nicht mehr nur um die Partie selbst, sondern auch um die Person dahinter: Hans Niemann. Ein junger, talentierter Amerikaner mit unglaublichem Selbstbewusstsein: „Ich bin ein Gott.“ Er prallt gerne. Dieses Wüten ist nicht gespielt. Man kann leider nicht nett und zugleich an der Spitze sein. Gegen den Youngster verloren. Die Schachwelt versinkt im Chaos.
„Sie waren paranoid. Er muss externe Hilfe bekommen. Vielleicht hat er ein Signal bekommen. Vielleicht waren es Anal-Kugeln. Wie war so etwas überhaupt möglich?“ Die Nachricht machte Schlagzeilen. „Das Ganze ist eine Verschwörung gegen mich.“ Eine Frage: „Das kann aus dem Ruder laufen. Damit hatten sie die gesamte Macht über die Welt des Schachs.“ Das war wahnwitzig. Für jeden kommt der Tag des jüngsten Gerichts. Aus einem sportlichen Duell wird ein Grundsatzkonflikt.
Die Doku zeigt nicht nur den konkreten Fall, sondern auch die Dynamiken dahinter. Es geht um Egos, Machtverhältnisse und die Frage, wer im modernen Schach eigentlich die Regeln bestimmt. SpielerInnen und ExpertInnen zeichnen das Bild einer Szene im Umbruch zwischen Tradition und technologischem Fortschritt. Die Doku zeigt, wie aus einem Verdacht ein weltweites Medienthema wird. Und wie schwer es ist, Wahrheit und Spekulation voneinander zu trennen. Aber auch wie schnell selbst eines der ältesten und klarsten Spiele der Welt ins Wanken geraten kann.
Die Doku Untold – Chessmates könnt ihr ab jetzt auf Netflix sehen. Das war unser Streaming-Tipp am Dienstag. Lasst uns doch gerne ein Abo da und empfehlt, was läuft heute, auch weiter, damit noch mehr Serien- und Filmfans auf ihre Kosten kommen. Dieser Tipp und das Skript kamen von Sophie Rabetke Junker, Audioproduktion und Videostreams, TV-Programmen und Dokus, empfohlen vom Podcastradio detektor.fm.