Album der Woche: Cloud Control – Bliss Release

16.05.2011

Wenn man Wolken mit Silberiodid “impft”, regnet es, selbst wenn eigentlich Dürre herrscht. Ganz ähnlich funktioniert auch die Musik der australischen Formation „Cloud Control“ – jedenfalls erzeugen die erfrischenden Kreationen auf dem Album „Bliss Release“ ein prima Stimmungsklima.

Ihre Bandkarierre haben Cloud Control ihrer Keyboarderin zu verdanken. Heidi Lenffer meldete sich, ihren Bruder Ulrich und zwei Kumpels kurzerhand bei einem Bandwettbewerb an – obwohl es noch gar keine Band gab. Innerhalb von ein paar Wochen haben die vier ein 20minütiges Set auf die Beine gestellt, die ersten vier Songs waren pünktlich zum Auftritt geschrieben.

Songschreiben ist für die Band Cloud Control ein bisschen so wie Puzzlesteinchen zusammenzusetzen. Zu Beginn ihrer Bandlaufbahn haben die Australier Songs oft nur geschrieben, weil der nächste Auftritt in Aussicht stand und sie Material brauchten. Wenn es keine Deadline gibt, dauert es manchmal auch mehrere Monate, bis ein Song seine endgültige Form bekommt. Sich Zeit zu lassen, ist wichtig für Cloud Control. Diese Philosophie übertragen sie mittlerweile auch auf das Songwriting selbst:

Wir lassen immer bewusst noch etwas Raum in unseren Songs. Stille ist ebenso wichtig wie die Sounds, die wir entstehen lassen. Wir schreiben uns selbst ein bisschen Freiraum und Ruhe in die Musik. – Es steckt viel Denkarbeit in unseren Songs, auch jenseits des eigentlichen Songschreibens, den Noten und den Texten. Insofern ist es ein meditativer Prozess, aber eben nicht das konventionelle Meditieren, wo man dasitzt und „Omm“ macht… Wir denken eben über die Musik nach.

Es ist eine eigenwillige musikalische Mischung, die die vier Australier auf ihr Album gebannt haben. Manchmal sind die Songs meditativ und zurückhaltend, an anderen Stellen wiederum explodieren sie förmlich in überschwänglichen Harmoniegesängen und regenbogenbunter guter Laune. Cloud Control bauen sich eben ihre eigene Welt – da wird im Shanty-Chor-Stil ein Wellensittich als Liebesgabe besungen oder in selbsterdachten musikalischen Ritualen ein höherer Bewusstseinszustand herbeigeführt.

Wer dann sein Album noch Bliss Release nennt und sich so mehr oder weniger die Verbreitung von Glückseligkeit auf die Fahnen schreibt und außerdem aus den Blue Mountains stammt, einer Gegend, die als Treffpunkt für Aussteiger und Alternative gilt, der muss wohl damit leben, dass diverse Vertreter der Musikpresse direkt den Stempel „Hippie-Musik“ aufdrücken. Für Ulrich ist das allerdings eine absurde Einordnung:

Wir sind keine Hippies. Unser Artwork und solche Dinge sind vielleicht von der Natur inspiriert. Wir lieben die Natur, wir sind damit aufgewachsen, aber das macht ja noch keinen Hippie aus dir. Wir fänden es ganz schön, wenn Leute erst mit uns reden, bevor sie uns in diese Schublade packen – dann würden sie sowas nicht sagen.

Trotzdem ist in der Musik von Cloud Control eine große Naturverbundenheit spürbar. Alle vier Bandmitglieder empfinden trotz ihres urbanen Lifestyles großen Respekt für die Umwelt, in der sie leben. Die Songtexte enthalten dementsprechend auch viele Elemente, die der Natur entlehnt sind. Allerdings sei das ja noch lange kein Grund, die Songs nur einseitig zu interpretieren, meint Heidi.

Ein großer Teil der Bilder, die wir in den Texten verwenden, sind Metaphern – eine Art Fantasiewelt, in die wir uns flüchten. Wenn es um einen Fluß geht, dann kann das für eine seelische Reinigung stehen und eben nicht nur fürs Schwimmengehen. Wenn man unsere Texte zu wörtlich nimmt, geht viel verloren.

Cloud Control verstehen Bliss Release als eine Art Sammlung der besten Songs, die in den letzten Jahren entstanden sind. Aus der Fülle an Material haben sie die Stücke ausgesucht, die am besten zueinander passen, die sich in Sound und Stimmung ähneln und insgesamt eine Geschichte erzählen. Just For Now ist vielleicht der älteste Song dieser Sammlung. Frontmann Alistair schrieb ihn, als er grade in einer Beziehungskrise steckte – kurz, es geht um ein Mädchen. Es ist außerdem einer der Songs mit den deutlichsten Country-Anleihen auf dem Album.


Cloud Control lassen sich nicht so einfach auf einen bestimmten Sound festlegen. Ulrich beschreibt das Songwriting als Prozess, der immer im Fluss ist und nicht vorhersehbar – immerhin sind bei Cloud Control vier ganz unterschiedliche Köpfe daran beteiligt. Deshalb könnte die nächste Platte auch völlig anders klingen als Bliss Release.

Wir stehen als Band ja noch ziemlich am Anfang. Wir wollen uns nicht einschränken lassen aus einer Art Antriebsethos heraus oder uns vornehmen, wir sind jetzt eine Garage Band oder machen HipHop. Wir probieren gern herum und stecken uns neue Ziele. Wir klingen jetzt völlig anders als noch am Anfang und mit jedem neuen Song verändern wir uns wieder. Aber weil die Kern-Elemente innerhalb der Band gleich bleiben, gibt das unserem Sound diese Kohärenz, einen Zusammenhalt.

Letztlich ist es auch gar nicht so wichtig, in welche Richtung sich Cloud Control als nächstes bewegen – das perfekte Rezept für gute Songs haben sie schon gefunden: Zwei Ausnahmestimmen, ein gutes Gespür für Harmonien und ein unerschöpfliches Reservoir an eingängigen Melodien.