Album der Woche: Django Django – Marble Skies

Ein Lob auf die Auszeit

29.01.2018

Kreatives Burnout schon nach dem zweiten Album und trotzdem haben Django Django für ihre neue Platte nur ein knappes Jahr gebraucht. Ohne ihre Musik halten sie es eben einfach nicht allzu lange aus. Gut für alle Fans, die sich jetzt über „Marble Skies“ freuen können.

Sind nach kleiner Pause zurück: Django Django. Foto: Fiona Garden

Django Django - Marble Skies

Marble Skies

Django Django

(Because Music, bereits erschienen)

Durchatmen und alles ein bisschen entspannter angehen lassen: Nach ihrem zweiten Album Born Under Saturn brauchten Django Django nicht nur Zeit, sondern auch einen Plan B: Weil ihr Schlagzeuger und damit das bandeigene Producer-Genie David Maclean sich für eine Weile ins heimische Schottland zurückziehen wollte, waren die drei übrigen Djangos in London erst einmal auf sich allein gestellt.

Nach acht Kaffee klingt alles großartig

Das bandinterne Umdenken führte unter anderem dazu, dass das nächste Album auf jeden Fall wieder in der eigenen Studioumgebung stattfinden sollte, wie zu den guten alten Anfangszeiten von Django Django. Vor allem wollten sie Zeit haben, auch mal scheitern zu dürfen, wenn eine Songidee nicht gleich perfekt war. Und davon gab es viele, erinnern sich Sänger Vincent Neff und Bassist Jim Dixon.

Wenn du am Ende des Tages allzu euphorisch bist, dann liegst du meistens falsch, selbst wenn du denkst, du hättest den nächsten Superhit geschrieben. Uns geht es oft so, dass wir Aufnahmen am nächsten Tag nochmal anhören und feststellen, dass es furchtbar klingt. Vielleicht hab ich gestern acht Tassen Kaffee getrunken und danach klingt alles großartig…

Eigenes Studio, eigenes Tempo – und alle Freiheiten. Obwohl – oder vielleicht weil – Django Django erst einmal in reduzierter Konstellation loslegen mussten, war Platz zum Ausprobieren. Eine Zeitlang unterstützte Anna Prior von Metronomy die Band am Schlagzeug und komplettierte diverse Jam-Sessions im Londoner Studio. Auch andere Freunde und Kollegen kamen zeitweise dazu, zum Beispiel Rebecca Taylor von Slow Club, deren Stimme im Track Surface To Air zu hören ist.

Es war großartig, zu sehen, wie sich der Track durch sie komplett wandelt. Sie hat eine fantastische Stimme, die sehr gut für die Melodie passt. Der Song brauchte uns also gar nicht, warum also was erzwingen? Wir haben uns quasi selbst nach Hause geschickt.

Vincent und Jim beschreiben ihr neues Studio-Zuhause selbst als Mischung zwischen Schlafzimmer und Studentenbude, mit nicht so ganz perfekt gedämmten Wänden, durch die man auch mal Hunde aus der Nachbarschaft bellen hört. Der Raum ist vollgestopft mit allem, was die Musikerherzen von Django Django höher schlagen lässt – vor allem beherbergt er natürlich eine beachtliche Sammlung von Synthesizern.

Wir sind alle irgendwie Sammler, aber Tommy hat einfach wahnsinnig viele Synthesizer. Ein Viertel des Raums ist mit Davids Plattensammlung vollgestellt, Tommys Synthesizer nehmen nochmal ein Drittel ein. Und dann gibt es noch eine winzige Fläche, auf der wir stehen und proben können.

Bei Django Django ist nach wie vor alles ziemlich ausgeglichene Teamarbeit. Auch wenn für Marble Skies einige Songideen zumindest am Anfang nur digital ausgetauscht wurden, weil David noch nicht im Studio dabei war. Die vier Musiker haben durch die ersten beiden Alben gelernt, einander Freiraum zu geben, offen zu sein, für den Input der anderen, sagt Jim.

Wenn man zu viert versucht, einen Song zu schreiben, dann darf man nichts persönlich nehmen. Du musst flexibel bleiben und den Prozess zulassen. Wenn es dann funktioniert, entsteht ein Song, der komplett anders ist als das, was du dir vielleicht vorgestellt hattest. Aber passiert natürlich nicht, wenn man nicht aushält, dass auch mal eine Idee zerpflückt wird.

Echten Streit gibt es bei Django Django also selten, Meinungsverschiedenheiten schon. Aber zum Glück sind sie nicht der Typ Mensch, der lange schmollt. Bisher hat die Band bei den entscheidenden Dingen immer noch zusammengefunden – und dabei eine sehr hilfreiche Bewältigungsstrategie entwickelt.

Wir streiten schon manchmal oder nerven uns gegenseitig – so wie das eben bei allen vorkommt, die vielleicht wochenlang am Stück in einem Büro hocken. Aber wir kauen da nicht ewig drauf herum oder nehmen es dem anderen übel. Das muss man einfach hinter sich lassen.

Erste Bandkrise überstanden

Django Django haben die erste kleine Bandkrise auf jeden Fall hinter sich gelassen – und ihrer Spielfreude hat das nicht geschadet. Das neue Album bringt alle Soundqualitäten mit, die Django Django-Fans erwarten dürften: Beat-getriebene und trotzdem melodische Tracks, natürlich immer noch Synthie-verliebt und zumindest punktuell auf so hohem Energie-Level, dass man sich vorab schon auf eine schweißtreibende Live-Variante freuen kann. Vor allem aber haben Django Django den Spaß an der Sache als wesentlichen Faktor und Daseinsberechtigung für die Band wiederentdeckt. Echte Begeisterung kann man einfach nicht faken, findet Sänger Vincent.

Wenn jemand nur sagt, er hätte Spaß und dann ist nichts davon zu hören – das spürt man doch sofort. Wenn du jemandem sagst, er soll mal lächeln, dann wird das doch niemals ein ehrliches Lächeln sein. Wenn es aber echt ist, dann gibt es eine besondere Lebendigkeit. Bei uns hat diesmal irgendwie alles gestimmt und das überträgt sich in die Musik. Da ist definitiv ganz viel Positives, dass aus einem ehrlichen Gefühl kommt.

Ehrliche Gefühle, ehrliche Platte: Mit dieser simplen Formel haben Django Django das Beste aus ihrer Krise gemacht. Marble Skies ist ein Lob auf die Auszeit – und ein weiterer Beweis dafür, dass alles, was mit Liebe gemacht wird, letztlich auch gut wird.