Album der Woche: Jake Bugg – Jake Bugg

28.01.2013

"Das ist die Zukunft der Musik - als würde Bob Dylan auf die Arctic Monkeys treffen". Das sagt Noel Gallagher über Jake Bugg. Und ein Noel Gallagher lässt sich nicht oft für ein solches Lob erweichen. Wenn er es dann tut, hat es oft weitreichenden Einfluss. Was dahinter steckt und wie Jake Bugg letztendlich klingt, erfahren Sie in unserem Album der Woche.

Weil er noch minderjährig war, durfte Jake Bugg vor einem Jahr in vielen Bars noch nicht auftreten. (Foto: Universal Music)

Jake Bugg - Jake Bugg

Jake Bugg

Jake Bugg

(Mercury/Universal, bereits erschienen)

Endlich hat die Musikszene wieder ein Wunderkind. Jake Bugg ist in aller Munde. Er wird als Retter der Gitarrenmusik oder sogar als neuer Bob Dylan gefeiert. Und das obwohl er gerademal 18 Jahre alt ist oder vielleicht gerade deswegen. Wenn man Jake Bugg sieht, mit seinem Bubikopf, der Fred Perry-Jacke und dem trotzigen Blick, weiß man eigentlich schon, wie seine Musik klingt.

Und in der Tat, Jake Bugg hat’s drauf. Als klassischer Singer/Songwriter macht er alles selbst, seine zwei Bandkollegen spielen nach seinen Anweisungen. Sein selbstbetiteltes Album kommt auch ohne großen Produzenten aus. Den Song Fire z.B., hat Bugg nur mit dem iPhone aufgenommen und ihn so aufs Album übernommen.

Eigentlich heißt Jake Bugg Jacob Kennedy. Am liebsten schreibt er über wahre Begebenheiten aus seinem Leben und verbindet sie mit Fantasie-Geschichten:

Viele der Stücke sind biografisch und handeln davon, wie ich aufwachse und was ich so erfahre. „Ballad Of Mr. Jones“ ist zum Beispiel Fantasie, Fiktion. Als Schreiber ist es wohl genauso wichtig, seine Fantasie zu benutzen und Geschichten zu erfinden als auch über Dinge zu schreiben, die du erfahren oder gesehen hast.

Eine Erklärung für den enormen Erfolg von Bugg ist sein authentisches Auftreten, gepaart mit einem einfachen, aber grundsoliden Sound. Jake Bugg hat sich auf das Wesentliche konzentriert und auch reduziert. Es ist nur seine Akustikgitarre und seine Stimme, die vom Leben erzählen:

Es ist wie bei den Bluesmusikern: Sie sitzen da auf der Veranda mit drei Saiten auf der Gitarre und vielleicht zwei Zähnen im Mund. Sie singen über ihr Leben und was ihnen wichtig ist. Das klingt toll, weil es sich nur um das Gefühl dreht. Es kann also beides sein. Entweder die Musik oder die Texte.

Die Geschichten in den Liedern von Jake Bugg spielen vor allem in seiner Heimatstadt Nottingham. Die Stadt ist allerdings eher für ihre Mordrate berühmt, als für ihre Musiker:

Nottingham, meine Heimatstadt, wurde vorher eine Zeit lang „Shottingham“ genannt, weil es zu einem bestimmten Zeitpunkt die höchste Messer- und Waffenkriminalitätsrate der Welt hatte. Das war vor ein paar Jahren. Es ist jetzt aber viel besser geworden.

Gebessert hat sich auch die Musikszene von Nottingham:

Es gibt ein paar neue Musiker, die auftauchen und Verträge bekommen. Ich hoffe einfach, dass es auch ein paar mehr Veranstaltungsorte und Möglichkeiten für sie gibt, um ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Es ist aber auf jeden Fall viel besser geworden. Nottingham hatte nie wirklich einen etablierten Künstler. All die Städte drum herum haben diesen Künstler, der schon sehr bekannt ist. Nottingham hatte aber nie so einen.

In Großbritannien wurde das selbstbetitelte Debüt von Jake Bugg schon im Oktober veröffentlicht und landete auf Platz eins der Albumcharts. Es ist wie ein Befreiungsschlag im ewigen Kampf gegen den Einheitsbrei. Jake Bugg lässt uns wieder durchatmen zwischen durchproduziertem Mainstreampop. Denn ein guter Popsong zeichnet sich vor allem durch gutes Songwriting aus, nicht nur durch einen guten Produzenten. Bugg bedient sich dabei nicht nur bei klassischen, britischen Vorbildern, auch die Amerikaner haben ihn beeinflusst. Sei es Bob Dylan, Son House oder Don McLean.

Seine Deutschland-Konzerte im März sind bereits ausverkauft. Wer ein Ticket ergattert hat, wird einen dieser seltenen Abende erleben, wo Jung und Alt in vertrauter Einigkeit nebeneinander stehen. Papa denkt: „Endlich wieder richtige Musik“. Der Sohnemann daneben: „Solche Musik will ich auch machen“.