Album der Woche: Matthew E. White – Fresh Blood

"Rock'n'Roll altert nicht besonders würdevoll"

09.03.2015

Matthew E. White hatte für sich eigentlich eine Karriere als Produzent im Sinn. Nach dem Überraschungserfolg seines Debütalbums "Big Inner" wollte er sich aber nicht einfach wieder hinter dem Mischpult verkrümeln. Jetzt legt er sein zweites Album "Fresh Blood" nach.

Matthew E. White ganz in weiß. Foto: Shawn Brackbill

Matthew E. White - Fresh Blood

Fresh Blood

Matthew E. White

(Domino Records, bereits erschienen)

Matthew E. White macht sich nicht viel aus Trends, weder musikalisch noch wirtschaftlich. In einer Zeit, in der Plattenverkäufe schon lange kein vernünftiges Einkommen mehr garantieren und viele Labels sich mit Hilfe des Back-Katalogs über Wasser halten, gründet er Spacebomb. Spacebomb ist der Name seines Labels und auch seines Studios, das White zusammen mit acht anderen Leuten betreibt. Dort gibt es aber nicht nur Technik und Instrumente. In der Tradition von Motown oder Stax hat Spacebomb auch eine eigene Hausband komplett mit Sängern, Streichern und Bläsern. Natürlich hat Matthew E. White dort auch sein zweites Album Fresh Blood aufgenommen.

Beeindruckender Mann, beeindruckende Songs

Matthew E. White ist eine beeindruckende Gestalt: über 1,90m groß, lange Haare und dicker Vollbart. Beeindruckend arrangiert sind auch seine Songs, sie erinnern an üppige Produktionen der 70er Jahre, Curtis Mayfield oder Stevie Wonder. Das entspricht zwar nicht gerade dem Zeitgeist, aber das ist White egal. Für ihn gilt: mehr ist mehr. Trotz seiner Liebe zu ausladender Instrumentierung, stehen die Songs doch immer im Vordergrund, erzählt er.

Das wichtigste sind immer die Songs und ihre Aussage und wie sie geschrieben sind. Die Arrangements sind dazu da, die Inhalte zu unterstreichen. Wenn die Arrangements oder die Produktion die Songs übernehmen, dann ist das nicht gut. Ich glaube schon, dass die Produktion einen Song dreidimensional machen kann, aber man muss immer zuerst am Song arbeiten. Es gibt keine schlechte Platte mit zehn guten Songs drauf.

Rock’n’Roll ist durch

Auf „Fresh Blood“ beschäftigt sich White mit ernsten Themen, ohne dabei zwangsläufig ernst zu sein: Missbrauch in der Kirche, der Tod von Schauspieler Philip Seymour Hoffman oder das unwürdige Altern des Rock’n’roll in dem Song Rock’n’Roll Is Cold.

Rock’n’roll als Bewegung ist durch. Mit 65 Jahren altert er nicht besonders würdevoll. Er wird an Universitäten gelehrt. Immer wenn du etwas so strukturierst und festschreibst, nimmt das etwas von der Magie weg. Und das ist mehr oder weniger mit allen Genres passiert, von Barockmusik bis Jazz. Aber das Schöne ist, in der Musik geht es nicht um eine Bewegung oder ein Genre. Es geht um Menschen, die sich künstlerisch ausdrücken.

Nicht anders, aber besser

Egal ob Matthew E. White von Herzschmerz oder gesellschaftlichen Problemen singt, er tut das immer sehr sanft, fast schon flüsternd. Seine Stimme ist eindringlich, ohne aufdringlich zu sein.

Diese Art zu singen passt sehr gut zu mir. Sie ist entspannt, ruhig, nicht besonders dynamisch. Und das findet man auch in meinen Texten wieder, die wiederum meine Persönlichkeit widerspiegeln. Es gibt da also ein Kontinuität zwischen mir als Person, dem was ich schreibe und der Art, wie ich singe. Außerdem klingt es gut. Ich bin nicht gerade der beste Sänger, aber so kann ich mich ausdrücken und singen und es klingt auch cool.

Nicht anders sollte sein zweites Album klingen sondern vor allem besser, hat Matthew E. White in einem Interview zu Protokoll gegeben. Das ist ihm mit Fresh Blood zweifellos gelungen.