Album der Woche | Mitski – Be The Cowboy

Isolation, Kontrolle, Liebe

13.08.2018

Die amerikanisch-japanische Musikerin Mitski gilt als die neue Avantgarde des Indierock. Ihre Songs sind sehr direkt und emotional, oft geht es um darum, eine Außenseiterin zu sein. Auf ihrem neuen Album "Be the Cowboy" tauscht sie die fiebrigen Emotionen gegen kaltherzige Kontrolle.

Ist manchmal kühl und kontrolliert: Mitski.
Foto: Bao Ngo

Mitski - Be The Cowboy

Be The Cowboy

Mitski

(Dead Oceans, bereits erschienen)

logo_dockin_neu_1c_black

Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor10


Für das Musikmachen würde sie alles andere vernachlässigen, sagt Mitski Miyawaki in einem Interview. Darum geht es auch in vielen ihrer Songs. Das vermeintlich menschliche Gegenüber, das man liebt und von dem man geliebt werden möchte, ist in Wirklichkeit die Musik. Für Mitski zumindest. Sie ist fast ununterbrochen auf Tour, hat keine feste Adresse, ihre Sachen sind dauerhaft in einem Lagerraum untergebracht. Und fürs Musikmachen nimmt sie auch die unangenehme, geschäftliche Seite des Musikbusiness in Kauf. Schnell hat sie gemerkt, dass sich Emotionalität dort nicht auszahlt. Diese Erfahrung hat ihren Weg auf ihr neues Album Be The Cowboy gefunden.

Die Idee der kaltherzigen Frau, die ihre Gefühle unterdrückt, kam von meiner Erfahrung mit dem Musikbusiness. Wenn man Gefühle zeigt, gilt man gleich als hysterisch und wird nicht ernst genommen. Ich reiße mich also zusammen und versuche, so logisch und rational zu sein, wie möglich. Und das auch in stressigen Situationen, auf Tour. Daher stammt die Idee für die Person in den Songs.

Musik als Zuflucht

Mitskis nomadenhafter Lebensstil hat schon als Kind begonnen. Sie ist in Japan geboren und ihre Familie ist wegen des Jobs ihres Vaters ständig umgezogen. Sie hat unter anderem in der Türkei, in China und in der Tschechischen Republik gelebt. Damals hat sie sich oft als Außenseiterin gefühlt: ihr gemischter Background war für andere Menschen oft fremd. Freundschaften waren, wegen des ständigen Umziehens, schwer aufrechtzuerhalten. Musik war ihre Zuflucht und die scheinbar einzig lohnende Beziehung. Jetzt dient ihr die Musik dazu, mit anderen in Verbindung zu treten und Bestätigung zu erfahren.

Ich war immer anders als die meisten anderen. Musik mache ich auch deshalb, um zu zeigen, dass ich gar nicht so anders bin. Wenn jemand sich in meinen Texten wiederfindet, bedeutet das ja auch, dass wir uns eigentlich recht ähnlich sind. Ich sehe auf den ersten Blick vielleicht fremd aus, aber wir gleichen uns doch. Dieses Gefühl von Verbundensein ist auch ein Grund, warum ich Musik mache.

Be The Cowboy bedient sich musikalisch aus unterschiedlichen Quellen: Folkelemente und Indierocknummern wechseln sich mit Disco und 80s-Pop ab. Es geht um Isolation, Kontrolle und ja, Liebe, dieses Mal vielleicht auch im romantischen Sinne – die Künstlerin hält sich da bedeckt. Und wie auf den Vorgänger-Alben sind ihre Songs fast alle unter drei Minuten lang. Das war ursprünglich keine künstlerische, sondern eine taktische Entscheidung, sagt sie.

Also einerseits mag ich es, dass man in Songs nur einen kleinen Bildausschnitt zeigen kann und nicht wie in einem Roman, eine ganze Geschichte erzählen muss. Andererseits, war ich nie jemand, dem man viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ich habe deshalb schnell gelernt, mich kurz zu fassen und alles, was ich sagen möchte, in zwei Minuten reinzupacken.

Alles in zwei Minuten

Und das ist ihr auf jeden Fall gelungen. Es ist spannend, Mitski auf ihrer Selbstentdeckungsreise zu begleiten. Vor allem, wenn sie in so tolle, eingängige Songperlen verpackt ist wie auf Be The Cowboy.