Album der Woche: Nick Mulvey – First Mind

Vom Jazzer zum Songwriter ohne Stereotypen

12.05.2014

Nick Mulvey war bis 2011 Mitglied der Jazz-Formation Portico Quartet. Doch durch sein Studium der Musikethnologie begeisterte er sich immer mehr für afrikanische und orientalische Musik und entschied sich für einen musikalischen Kurswechsel. Das Ergebnis kann man jetzt auf seiner ersten Soloplatte "First Mind" hören.

Nick Mulvey veröffentlicht mit First Mind sein erstes Soloalbum. (Foto:PR)

Obwohl Nick Mulvey anfangs nur einen einzigen Ton auf seiner Gitarre zupft, hat er einen schon gefesselt. Der Klang malt einem die afrikanische Steppe vor die Augen. Gleißende Hitze, die über dem aufgebrochenem Boden flimmert. Als Mulvey selbst das erste Mal afrikanische Musik gehört hat, war er sofort fasziniert. Er liebt es wie hier mit den simpelsten Mitteln Musik entsteht. Die Musik passiert einfach und ist kein Produkt, an dem ewig lang herumgefeilt wird.

Aber nicht nur afrikanische Musik hat es ihm angetan, überhaupt die Musik aus anderen Kulturen. Nicht umsonst hat er Musikethnologie studiert. So kam er direkt mit der traditionellen Musik aus anderen Ländern in Berührung. Diese Erfahrungen beeinflussen ihn in seiner Musik enorm und bilden eigentlich die Basis seines Albums First Mind. Man findet hierauf flamencoartige Gitarren, kubanische Melodien, aber auch fernöstliche, brasilianische oder afrikanische Rhythmen. Dabei beweist Nick Mulvey, dass er ein verdammt guter Gitarrist ist. Mühelos tanzen seine Finger von Saite zu Saite, hypnotisch immer auf und ab.

Subtiler Einfluss anderer Kulturen

Sein Gitarrenspiel erinnert hier stark an die marokkanische Gnawamusik und hat auch den gleichen transeartigen Charakter. Nick Mulvey liebt die Philosophie hinter dieser Musik. Hier geht es um ein ganz subtiles Verständnis von Musik.

Nick Mulvey möchte mit seinem Album aber keine musikethnologische Lehrreise machen. Sein Wissen über die Musik anderer Kulturen beeinflusst ihn in seiner Arbeit, aber er versucht das so subtil wie möglich in seinen eigenen Stil einfließen zu lassen.

Kein hawaiianische Gelassenheit à la Jack Johnson

Nick Mulvey lässt seine Musik durch Schlichtheit glänzen. Wir haben es hier nicht mit Jack Johnson 2.0 zu tun, der von hawaiianischer Gelassenheit singt. Es geht Mulvey um das Pure, das Instinktive in der Musik. Für ihn ist Schlichtheit auch ein Stück Aufrichtigkeit. Deswegen hat er seinem Album den etwas philosophischen Namen „First Mind“ gegeben. Sein Debüt-Album sollte impulsiv sein und ihn als Person und sein Innerstes widerspiegeln.

Spätestens jetzt mit seinem Debüt-Album merkt man, dass Mulvey die Trennung seiner Band Portico Quartet vor 4 Jahren gut getan hat. Er bringt viel mehr Persönlichkeit von sich mit in die Musik und hat eine sehr angenehme eigene Art zu singen. Er benutzt seine Stimme häufig auch mal nur als Instrument. Je länger man ihm zuhört, desto mehr verliebt man sich in sein charakteristisches Summen.

Herzblut statt Songwriter-Stereotypen

Mit einfachen Mitteln schafft es Nick Mulvey, ein volles Klangbild zu malen. Selbst wenn die Gitarre sich hypnotisch durch das ganze Lied zieht, wird das nicht nervig oder langweilig. Seinem Produzenten Dan Carey gelingen sehr kreative Arrangements, die man so in der Mischung noch nicht gehört hat. Jeder Song hat seine eigene Magie. Hier ein Cello, da ein elektronischer Beat. Mal ein Synthesizer, der wie der Wind durch den Raum fliegt oder einfach eine Spieldose, die immer mal wieder auftaucht. Nick Mulvey und sein Produzent ergänzen sich sehr gut.

Singer-Songwritermusik hat schon lange nicht mehr so erfrischend geklungen wie es Nick Mulvey mit seinem Debüt-Album schafft. Er liefert uns mit „First Mind“ ein perfektes Gesamtpaket: poppige Refrains, gepaart mit genialen Instrumentalteilen und mitreißenden Rhythmen. Er zeigt mit seinem Album seine Leidenschaft für die Klänge aus anderen Ländern, mit viel Herzblut und ohne stereotypische Inselszenarios.