Album der Woche: O´Death – Outside

07.06.2011

Bedenkt man, was O’Death in den letzten zwei Jahren erlebt haben, birgt der Bandname eine bitterböse Ironie: Während der letzten Tour wurde bei Schlagzeuger David Rogers-Berry ein bösartiger Knochentumor gefunden. Seit letztem Jahr ist der Schlagzeuger wieder gesund und nun erscheint – in der Ursprungsbesetzung – ihr neues Album „Outside“.

O'Death - Outside

Outside

O'Death

(City Slang, bereits erschienen)

Wüsste man nichts von der Krankheit von O’Death-Schlagzeuger David Rogers-Berry, man würde es dem neuen Album kaum anmerken. Nach ihrer zweijährigen Zwangspause sind O’Death fast wieder da, wo sie vor zwei Jahren aufgehört hatten. Spätestens beim zweiten Song der Platte Ghost Head springt das Kopfkino an: Fünf junge Musiker, mit Banjo, Gitarre und Geige vor einer rostigen Wellblechhütte in der weiten Steppe des amerikanischen mittleren Westen. So stellt man sich die Aufnahmen zum Album Outside vor.


Aber so gut dieses Bild auch zur Musik passt, O’Death kommen eigentlich aus New York City und verzaubern dort schon seit einigen Jahren das musikbegeisterte Publikum. „Americana Gothic“ nennen sie ihren Mix aus Punk, Folk und Country. Die Krankheit von David Rogers-Berry hat eher subtil ihre Spuren hinterlassen. Bandmitglied Gabe Darling sieht den größten Unterschied zu der Zeit vor der Krankheit in der Entstehung der Songs:

Es hat unseren Schreibstil verändert. Diesmal haben nur Greg und ich uns hingesetzt und Songs geschrieben. Die haben wir dann an die anderen drei geschickt und jeder hat individuell seine Ideen dazu entwickelt. Früher haben wir ausschließlich als Band geschrieben. Jetzt hat sich uns eben eine ganze neue Perspektive eröffnet.

Wer genau hinhört, stellt fest: Outside ist stellenweise ruhiger und bedächtiger als seine beiden Vorgänger. Das chaotisch-unbeschwerte Zusammenspiel der Band ist zum Beispiel in The Lake Departed einem morbiden Schleier gewichen. Zäh schleppt sich die Melodie vorwärts und man fühlt sich ab und zu ganz unweigerlich an düstere Friedhofsszenen erinnert.

Der Tod hat O’Death schon immer fasziniert. Nicht nur im Bandnamen, sondern auch in den Songs und der Optik der Band findet sich das Thema immer wieder. Rabenschwarz ist das Albumcover zu Outside und zeigt kaum erkennbar, ein Pferd, das einem Lichtkegel entgegen galoppiert. Den Gesangspart von Greg Jamie übernehmen im aktuellen Video Totenköpfe.

Tod ist ein Thema für uns, aber wir konzentrieren uns eher auf das Leben, als auf das was danach kommt. Keiner von uns glaubt wirklich an ein Leben nach dem Tod oder besser gesagt: wir denken darüber nicht nach. Tod ist für uns nur ein Thema, um uns den Wert des Lebens zu zeigen.

Trotz ihrer Affinität zum Tod, blicken O’Death also positiv auf das Leben. Der Großteil der Platte besteht aus sehr energetischen Songs. Man hört ganz deutlich, dass hier Herren am Werk sind, die Krankheit und Schwäche trotzen. Deutlich wird das auch in ihren Liveshows. Selbst wenn man das den Songs nicht unbedingt anhört, sind die Konzerte von O’Death aufreibend. Die Band strotzt geradezu vor Energie und schnell wird klar: Diese Band hat gar keine andere Wahl, als auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen.