Album der Woche: Okkervil River – In The Rainbow Rain

Die neue Zuversicht

30.04.2018

Okkervil River haben sich seit ihrer Gründung von Alt-Country über Indie-Folk immer weiter Richtung Pop entwickelt, auch auf dem neuen Album "In The Rainbow Rain". Nachdem Frontmann Will Sheff auf dem Vorgänger "Away" den Tod seines Großvaters verarbeitet hat, schlägt er jetzt lebensfrohere Töne an.

Zuversichtlich: Okkervil River.
Foto: Shervin Lainez

Okkervil River - In The Rainbow Rain

In The Rainbow Rain

Okkervil River

(Pias Coop, bereits erschienen)

Er habe realisiert, was für ein großes Glück er hat, nach zwanzig Jahren immer noch Musik machen zu können, sagt Okkervil River-Frontmann Will Sheff. Dabei hätte es schon sehr viel früher vorbei sein können. Als er gerade mal anderthalb Jahre alt war, lief er plötzlich blau an und konnte nicht mehr atmen.

Ein Luftröhrenschnitt rettete dem kleinen Will das Leben. Diese Erfahrung reflektiert er im ersten Song des neuen Albums In The Rainbow Rain. Danach erzählt er noch von einigen anderen berühmten Luftröhrenschnitten, unter anderem bei Schriftsteller Dylan Thomas und Kinks-Sänger Ray Davies.

Krankheit und Nahtod – klingt traumatisch, in der Musik spiegelt sich das aber nicht wider. Es erklingen eine warme Orgel, Synthies und verspielte Gitarren. Keine Spur mehr von der nachdenklichen, zurückgezogenen Atmosphäre des Vorgängers, auf In The Rainbow Rain ist das Leben wieder schön.

Die guten Dinge wertschätzen

Viele der Songs hat Will Sheff im Dezember 2016 geschrieben. Natürlich war auch er vom Ergebnis der Präsidentschaftswahl schockiert, aber trotzdem kamen keine traurigen oder wütenden Songs heraus. Die Verluste und Schwierigkeiten der letzten Jahre scheinen überwunden. Sie dienen ihm jetzt eher als Ansporn und Erinnerung daran, die positiven Dinge noch mehr wertzuschätzen.

Zu den positiven Dingen zählen die neuen Bandmitglieder, mit denen Will Sheff seit dem letzten Album zusammenarbeitet. Einige der neuen Songs hat er mit ihnen zusammen geschrieben, was in der Vergangenheit nicht so üblich war. Musikalisch drückt sich der neue Optimismus in reich ausgeschmückten Arrangements aus, die mit Streichern, Backgroundchor und Saxophon fast ein bisschen zu dick auftragen.

Zieh nicht nach L.A.!

Die Texte handeln nicht nur von berühmten Luftröhrenschnitten. In Don’t Move Back To L.A. bedauert Sheff den Wegzug vieler seiner Freunde nach Los Angeles, während er in New York zurückbleibt. Der Shelter Song ist von einem Tierheim inspiriert, in dem seine Freundin gearbeitet hat.

Mit In The Rainbow Rain haben sich Okkervil River ein gutes Stück wegbewegt vom gitarrenzentrierten Folksound früherer Alben. Auch wenn die Songs nicht immer ins Schwarze treffen, Will Sheffs neu gefundene Zuversicht ist ansteckend.