Album der Woche: The Kills – Ash & Ice

Lebendig, nicht tot

06.06.2016

"Ash & Ice" klingt nach Game of Thrones, ist aber die neue Platte von The Kills. Fünf Jahre sind seit dem letzten Album vergangen. Die Pause war nicht ganz freiwillig so lang. Gitarrist Jamie Hince musste sich mehrmals an der Hand operieren lassen und sein Instrument neu lernen.

Nach Hand-OP: The Kills sind zurück. Foto: Kenneth Cappello.

The Kills - Ash & Ice

Ash & Ice

The Kills

(Domino Records, bereits erschienen)

Doing It To Death heißt die erste Single aus Ash & Ice. Obwohl im dazugehörigen Video ein paar dutzend schwarz gekleidete Männer über einen Friedhof tanzen, geht es im Song nicht um den Tod, sagt The Kills-Gitarrist Jamie Hince. Es ist vielmehr eine Kritik an übertriebener Vergnügungssucht und unermüdlichem Partymachen, daran nicht zu wissen, wann es genug ist. The Kills jedenfalls hatten noch nicht genug. Und trotz der verhältnismäßig langen Pause seit ihrem letzten Album hatte Sängerin Alison Mosshart keine Angst davor, dass die Leute sie vergessen haben könnten.

Die Leute um uns, also die Plattenfirma usw. hatten das befürchtet. Aber ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Als wir „Doing it to death“ veröffentlicht haben, haben sehr viele Leute begeistert reagiert und kommentiert. Es war, als wären wir nie weg gewesen. Es ist sinnlos sich über so etwas Sorgen zu machen. Man kann Kreativität eben nicht erzwingen. Uns war es wichtig, dass wir mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Erleuchtung mit Les Paul

In der Zwischenzeit hatte Alison Mosshart bei Jack Whites Band The Dead Weather gesungen und sich als Malerin betätigt. Gitarrist Jamie Hince musste nach einer schweren Handverletzung und mehreren Operationen das Gitarre spielen neu lernen. Er wollte deshalb, dass die neue Platte etwas besonderes wird, sagt er.

Ich habe mir eine Dokumentation über Les Paul angeschaut, da war mein Arm gerade in einer Stütze, ich konnte ihn kaum bewegen. Les Paul ist ziemlich schnell sehr berühmt geworden, weil er ein fantastischer Gitarrist war. Dann hat er sich bei einen Autounfall den Arm schwer verletzt. Er wurde gezwungen darüber nachzudenken, wie er den Rest seines Lebens gestalten wollte. Das war wie eine Erleuchtung für mich. Ich habe danach viel mehr über Musik nachgedacht und wollte dass dieses Album etwas ganz Besonderes wird.

Eine Folge der Handverletzung von Jamie Hince ist, dass Synthies und Samples auf Ash & Ice eine größere Rolle spielen. Aber The Kills wären nicht The Kills ohne ihre staubtrockenen Gitarrenriffs und Alison Mossharts launisch-bluesigen Gesang.

Zugfahren gegen die Schreibblockade

Aufgenommen haben The Kills das Album in Los Angeles und New York, Inspiration haben sie sich an unterschiedlichen Orten geholt. Mosshart hat viel Zeit in LA verbracht und ist nach Nashville gezogen. Hince hatte genug vom heimischen London und litt an einer Schreibblockade. Um diese zu bekämpfen, ist er ein Stück mit der Transsibirischen Eisenbahn gefahren.

Ich wollte neu anfangen, ich hatte ein Schreibblockade und mein Kopf war komplett leer. Und es hat funktioniert. Ich habe nur eine Gitarre ein paar Drumcomputer und eine Notizbuch dabei gehabt. Und plötzlich kamen mir all diese Gedanken über die Magie der Musik und wie sie funktioniert. Ich habe viel über all das nachgedacht.

Auch wenn die Sonnenbrillen-Coolness von Hince und Mosshart ein wenig totgeritten erscheint, auf Ash & Ice wirken The Kills sehr lebendig. So schnell wird man sie sicherlich nicht vergessen.