Album der Woche: Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City

13.05.2013

Die clevere Einbindung afrikanischer Elemente in ihre Musik hat Vampire Weekend bekannt gemacht. Auf "Modern Vampires Of The City" erkundet die Band ihre dunkle Seite und erzählt ihre Coming-Of-Age-Geschichte mit einer Heimkehr nach New York zu Ende.

Auf Augenhöhe mit den Wolkenkratzern ihrer Heimatstadt New York City: Vampire Weekend. (Foto: Alex John Beck)

Vampire Weekend - Modern Vampires Of The City

Modern Vampires Of The City

Vampire Weekend

(XL Recordings, bereits erschienen)

Album der Woche: Vampire Weekend - Modern Vampires of the City

Mit Vor- und Nachteilen von Hypes haben Vampire Weekend schon einige Erfahrung. Noch bevor ihr erstes Album erschien, waren sie das heiße neue Ding und die beste neue Band. Ihr Stilmix aus Afrobeat, Indie-Rock und Reggae brachte ihnen aber auch einige Kritik ein: Sie wären nur ein paar privilegierte, weiße Kids, die von afrikanischen Musikern stehlen.

Die Band um Sänger Ezra Koenig ließ sich davon aber nicht beirren. Der Erfolg hat ihnen schließlich Recht gegeben, ihre beiden ersten Alben landeten umgehend in den Charts. Das letzte mit dem Titel Contra ging sogar auf Anhieb auf Platz eins. Jetzt bringen Vampire Weekend mit Modern Vampires of the City den sehnlichst erwarteten Nachfolger an den Start.

Weniger afrikanische Einflüsse, mehr Indie-Rock

Vampire Weekend haben die westafrikanischen Elemente deutlich zurückgeschraubt. Sie haben Platz gemacht für eine ganze Reihe unterschiedlicher musikalischer Einflüsse. Everlasting Arms und Fingers Back zum Beispiel klingen nach straightem Indie-Rock. In Diane Young lärmt das Schlagzeug und Ezra Koenig hickst seinen Text in bester Elvis-Manier raus. Aber wo genau ist jetzt aber die versprochene Düsternis, Ezra Koenig?

Das Album beinhaltet einige unserer düstersten Momente Wir haben ein paar neue Stimmungen ausgetestet. Jetzt stelle ich aber fest, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Wir bezeichnen es eher als „dunkle Schokolade“ also eleganter als Milchschokolade. Das meinte ich damit.

Auch textlich erkundet der Sänger Abgründe. Es scheint, als sei ihm in letzter Zeit die Endlichkeit des Lebens erst so richtig bewusst geworden. Er erzählt kleine Geschichten über teils reale, teils fiktive Personen.

Die beste Art und Weise, einen Schnappschuss von deinem Eindruck einer Stadt zu machen, ist es, sich an bestimmte Personen und kleine Geschichten heranzuzoomen. Ich habe immer schon die Kurzgeschichtensammlung „Dubliners“ von James Joyce gemocht. Er vermittelt ein Gefühl für die Stadt, in der er lebt, und ihrer Energie. Aber anstatt die Stadt allgemein zu beschreiben, konzentriert er sich auf diese kleinen Geschichten. Z.B. über einen zwölfjährigen Junge, der versucht ein Geschenk für ein Mädchen zu kaufen, in das er verknallt ist. Durch das Konzentrieren auf diese kleinen Dinge, bekommst du ein Gefühl dafür.

New York, New York

Vampire Weekend wollen ein Gefühl für ihre Heimatstadt New York vermitteln. Dazu passt auch das Albumcover, es zeigt eine alte Aufnahme, auf der die Stadt fast komplett im Smog versinkt.

Wir haben immer das Gefühl, dass wir von der Welt um uns herum und den Leuten, die wir kennen, geleitet werden. Deshalb haben wir auch die vergangenen drei Alben als eine Art Trilogie gesehen, weil es sich anfühlt, als seien es durchweg dieselben Personen. Als wären wir uns selber und den Leuten, die wir kennen, in den vergangenen sieben Jahren gefolgt. Wir haben im College angefangen und haben davon gesungen. Wir haben dann die Welt bereist. So sehe ich das letzte Album. Dieses Album fühlt sich an wie eine Heimkehr nach New York und das Wiedersehen mit diesen Leuten.

Ein Wiedersehen mit alten Freunden kann ja eine durchaus zwiespältige Sache sein. Wenn es gut läuft, knüpft man einfach dort an, wo man beim letzten Mal aufgehört hat. Wenn es nicht so gut läuft, stellt man fest, dass man sich eigentlich nichts mehr zu sagen hat. Das musikalische Wiedersehen mit Vampire Weekend ist jedenfalls sehr erfreulich. Mit Modern Vampires of the City zeigen sie überzeugend, dass sie auch ohne kongolesische Trommeln äußerst schmissige Popnummern schreiben können.