Album der Woche | Weyes Blood – Titanic Rising

Klimawandel und Kino

08.04.2019

Natalie Mering veröffentlicht als Weyes Blood Songs zwischen Lo-Fi Folk und Chamberpop. Auf ihrem vierten Album „Titanic Rising“ verpackt sie schwerwiegende Themen wie Klimawandel in opulent arrangierte Popsongs, die an Carole King und Burt Bacharach erinnern. Und die Titanic spielt auch eine Rolle.

Weyes Blood hat sich musikalisch von den 70ern inspirieren lassen.
Foto: Brett Stanley

Weyes Blood - Titanic Rising

Titanic Rising

Weyes Blood

(Sub Pop, bereits erschienen)

Ein Teenagerzimmer ziert das Cover des neuen Weyes Blood-Albums Titanic Rising. Man sieht Poster an der Wand, einen Teddy auf dem Bed und einen aufgeklappten Laptop. Dazwischen Natalie Mering alias Weyes Blood selbst in einer Art Schwebezustand – denn das ganze Zimmer steht bis zur Decke im Wasser. Die Musikerin lebt in Los Angeles und in der Küstenstadt ist das Thema steigende Meeresspiegel – nicht überraschend – nochmal drängender als anderswo. Klimawandel und Umweltzerstörung, aber auch die manipulative Kraft des Kinos sind Themen auf Titanic Rising. Und natürlich bezieht sich der Titel auf James Camerons extrem erfolgreiche Mega-Schmonzette aus dem Jahr 1997.

Erste Songs mit 15

Natalie Mering kommt aus Pennsylvania und ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Im Chor hat sie Barockmusik gesungen und mit 15 angefangen, Songs zu schreiben. Sie ging mit verschiedenen Bands auf Tour und veröffentlichte mit The Outside Room 2011 ihr erstes Album als Weyes Blood. The Outside Room ist voller analoger Orgel- und lärmender Dronesounds.

Mittlerweile hat sie den Noise gegen opulente Arrangements getauscht, inklusive Streicher und lieblichen Badabaaa-Backgroundchor. Musikalische Inspiration für ihre viertes Album Titanic Rising hat Mering vor allem in den 70ern gefunden. Carole King, Carpenters und Burt Bacharach klingen in ihren Kompositionen an, dazu erklingt ihre elegante Alt-Stimme. Dabei lässt sie ihre Songs immer wieder überraschende Wendungen nehmen, eine beschwingte Popnummer wie Everyday zum Beispiel endet in dramatischem Getöse.

Erblühen und Vergehen

Thematisch nimmt Mering auch ihre Begeisterung für Filme unter die Lupe und wie diese die eigenen Vorstellungen vom Leben manipulieren können. Und natürlich auch die Liebe, ihr Erblühen und Vergehen. In Andromeda starrt die Protagonistin zum gleichnamigen Sternbild und sucht nach etwas, das sie vielleicht niemals findet.

Trotz seiner eher düsteren Themen ist Titanic Rising von Weyes Blood kein deprimirendes Album. Merings melodisch-epischer Indie-Artpop klingt im Gegenteil sogar hoffnungsvoll. Sie selbst hat dazu kürzlich gesagt, sie wolle das Gefühl vermitteln, dass das Leben lebenswert ist, trotz aller Probleme und Schwierigkeiten. Danke Natalie, wir haben verstanden.