Album der Woche | Whitney – Forever Turned Around

Schön verpackte Selbstzweifel

02.09.2019

Vor ein paar Jahren gründeten Julien Ehrlich und Max Kakacek die Band Whitney und schrieben sich ihren Herzschmerz von der Seele. Mit ihrem Debütalbum „Light Upon The lake“ lieferten sie einen Indieklassiker ab. Auch auf dem Nachfolger „Forever Turned Around“ erklingen warme Melodien in sepiafarbenen Songs.

Laden zur Bubble-Party: Whitney.
Foto: Olivia Bee

Whitney - Forever turned around

Forever turned around

Whitney

(Secretly Canadian, bereits erschienen)

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Das Album der Woche wird präsentiert von Dockin. Promo-Code: detektor.fmDockin10


Ein offizieller Ehrentag von der eigenen Heimatstadt – das kann nicht jede Band von sich behaupten. Julien Ehrlich und Max Kakacek alias Whitney aber schon. Seit diesem Jahr ist der 30. August in Chicago „Whitney Day“. An diesem Tag ist ihr zweites Album Forever Turned Around erschienen und das hat Bürgermeisterin Lori Lightfoot zum Anlass genommen, die Band und ihr herausragendes Talent zu ehren. Chapeau, Whitney!

Ausgefeilte Arrangements

Schon mit ihrem Debüt Light Upon The Lake hat die Band einige Wellen geschlagen. Der warme 70er-Folkrock-Sound mit kalifornischem Einschlag rund um den charakteristischen Falsettgesang Ehrlichs kam gut an. In ähnlichen Klanggefilden bewegt sich nun auch der Nachfolger: elegante Gitarrenriffs, ein groovendes Schlagzeug, majestätische Bläser und Streicher. Nur sind die Arrangements noch ein bisschen aufgefeilter, sagt Julien Ehrlich.

Wir nennen es zwar nicht so gerne unsere „Maximalismus-Platte“, aber als wir die Songs fertig hatten und sie angehört haben, dachten wir nur „Wow!“. Diese Arrangements sind viel größer, durchdachter und auch irgendwie erwachsener. Das hat uns gleich zur Frage gebracht, wie wir das beim nächsten Album machen wollen.

Für „Forever Turned Around“ habe sich Whitney Unterstützung von den Produzenten Brad Cook und Jonathan Rado geholt, die vorher mit Künstlern wie Bon Iver oder Father John Misty zusammengearbeitet haben. Entstanden sind die Songs während mehrerer Sessions und auf Tour. Aufgenommen wurde an verschiedenen Orten, unter anderem im Kellergeschoss des ehemaligen Whitney-Gitarristen Ziyad Asrar, wo die Band bereits das Debüt aufnahm.

Beziehungen, Liebe, Freundschaft und Einsamkeit sind die Themen der neuen Songs. Und die sind im Vergleich zum Debüt noch einen Tick melancholischer geraten. Kein Wunder, findet Ehrlich.

Wir wollen nicht allzu politisch sein. Aber wir leben nunmal hier in den USA und hatten immer wieder dieses Gefühl „Was zur Hölle passiert eigentlich gerade?“. Es gibt viel Selbstzweifel, Zweifel generell und Skepsis auf dem Album. Aber wir haben es zumindest schön verpackt. Hoffe ich.

Verlorene Unschuld

Der Titelsong Forever Turned Around greift dieses allegemeine Unwohlsein noch einmal spezifisch auf. Man kann den Albumtitel verschiedenen interpretieren, für Ehrlich und Kakacek steht er für eine verlorene Unschuld.

Als wir den Song geschrieben haben, stand „Forever…“ für vergangene Träume und Hoffnungen, eine verlorene Naivität. Wir haben hier viele Sachen gesehen, die wir nicht mehr rückgängig machen können. Wir hatten gedacht, das Leben wäre besser, schöner; das ist es aber nicht. Unsere Vorstellungen sind gewissermaßen „Forever turned around“ – für immer verändert.

Zugegeben: Whitney machen auf ihrem zweiten Album stilistisch keine großen Sprünge. Trotzdem überzeugt Forever Turned Around mit seinen entspannten, spätsommerlichen Songs und fängt einen genau in der melancholischen Stimmung auf, in die man angesichts des anstehenden Herbstes oder auch politischer Ereignisse fallen kann. Danke.