Christian Löfflers neues Album „Mare“

Ein Naturphänomen auf Platte

07.10.2016

Christian Löffler braucht das: Die Leere. Die Weite. Das Meer. Oder den Wald. Oder die Düsternis. Gewitter, Regen, Sturm. Diese Naturphänomene lösen etwas in ihm aus. Und diese Gefühle verwandelt er in elektronische Musik. Heute erscheint sein zweites Album "Mare". Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Jeder Klang ist für ihn mit einem Bild verbunden: Christian Löffler.
Foto: PR

Christian Löffler - Mare

Mare

Christian Löffler

(Ki Records, bereits erschienen)

Für „Mare“ hat sich Christian Löffler in eine Strandhütte mit Gartenlaube auf der Ostseeinsel Darß eingemietet. Das Studio: Halb drinnen, halb draußen. Die Instrumente: Elektronik, klar, aber auch die Natur und all ihre Geräusche. Der Wind. Das Meer. Der akustische Moment.

Ich glaub schon, dass ich so einen gewissen Rahmen eines Naturphänomens brauche – ich weiß nicht ob das überspitzt klingt – um einen Arbeitraum für mich im Kopf zu schaffen. Für mich bedeutet das die Weite, und am Meer ist das ideal, weil das noch ein bisschen weitläufiger ist. Gerade Herbst und Winter sind da für mich die ideale Zeiten, weil man unter der Woche allein am Strand ist, vormittags oder morgens, das ist die ideale Arbeitsumgebung für mich.

Also geht Christian Löffler spazieren. Und wenn er wieder in seine Hütte kommt, hat er ein klares Bild im Kopf. Von den Tönen. Visuell. Er hat einen Ordner auf seinem PC, auf dem er seine Soundskizzen speichert und die verknüpft er dann sofort mit einem Foto, das er geschossen hat. Landschaft, meistens. Die Verbindungen von Bild und Ton sind bei ihm fließend.

Regen und Sturm in Miami

Eigentlich war Mare überhaupt nicht als Konzeptalbum angelegt. Das hat sich alles eher zufällig ergeben. Und der letzte Link kam dann von Mohna. Die Sängerin von Me Succeeds hat auch auf Mare wieder einige Gesangsspuren beigetragen. Und eine hat sie eben Mare genannt. Alles passt zusammen. Trotzdem, nicht alles Tracks sind ein Produkt der Darßer Gartenlaube.

Der Opener „Myiami“ ist in Miami selbst entstanden, im Studio eines Freundes. Das war aber auch nur zehn Minuten Fußweg zum Strand, also trotzdem am Meer. Ich hatte einen Tag, an dem ich das Studio nutzen konnte. Und an dem Tag hat es ungewöhnlicherweise geregnet und gestürmt. Es war relativ dunkel tagsüber und das war eine ganz spannende Erfahrung für mich, irgendwie inspirierend, denn die Tage davor war es, für Miami typisch, eigentlich heiß und sommerlich. Diese andere Stimmung habe ich ganz gut eingefangen. Und da denke ich auch gerne dran zurück.

Berghain? Nie dagewesen

Christian Löffler ist ein ungewöhnlicher Elektroniker. Eigentlich hört er in seiner Jugend Gitarrenmusik. Kommt gar nicht mit dem Clubleben oder den langen Partynächten in Kontakt. Ist aber großer Postrock-Fan. Ihn fasziniert, wie man in sieben oder acht Minuten nur mit ein paar Instrumenten und ohne Gesang so viel Emotionen erschaffen kann. Das will er auch versuchen. Aber lieber für sich. Also probiert er es einfach elektronisch. Christian Löffler macht also eigentlich Postrock. Elektronisch, halt.

Und ich glaube, deshalb bin ich auch so ein bisschen automatisch aus den gängigen elektronischen Abläufen außen vor. Das stört mich eigentlich gar nicht, aber es fällt mir immer wieder auf. Als ich damals zum Beispiel das erste mal in der Panorama Bar im Berghain gespielt habe, merke ich: Ich bin noch nie dagewesen. Das ist mir bei vielen Clubs passiert – eigentlich fast allen. Kollegen, die man in der Zwischenzeit kennen gelernt hat, die sind da früher privat hingegangen und haben sich die Musik angehört. Aber bei mir kam das dann praktisch erst in dem Moment, als ich selbst dort eingeladen war.

Christian Löffler braucht keine große Techno-Familie-Berlin. Er ist ein eher introvertierter, ein sensibler Mensch. Der introvertierte und sensible Musik macht.

Es ist ja in erster Linie Musik, die ich für mich selber mache, weil es Spaß macht. Aber doch gab es immer den Drang, das auch mal Leuten außerhalb des Freundeskreises zu zeigen. Zum Beispiel im Internet. Da gibt es schon einen gewissen Kontrast zwischen dem, dass es eigentlich eine sehr persönliche Sache ist, aber ich auch wissen möchte wie die Wirkung ist. Und ob es anderen Leuten gefällt, ob sie es genießen können, ob es ihnen irgendetwas gibt oder bringt.

Redaktion: Jakob Bauer