detektor.fm-Session mit Klez.e

"Das muss kalt klingen"

15.11.2017

Die neuen Songs der Berliner Band Klez.e handeln von Drohnenkrieg, Sanierung und sozialem Zerfall. Das könnte glatt als Soundtrack für die Tagesschau durchgehen, als düstere musikalische Entsprechung der aktuellen Umstände. Im detektor.fm-Studio sprechen Klez.e über ihr neues Livealbum.

Nicht nur in Sachen Klangästhetik an The Cure interessiert – Klez.e-Sänger Tobias Siebert. Foto: detektor.fm

Eine Hommage an The Cure

1989. Das Jahr des Mauerfalls. Und das Jahr, in dem The Cure ihr Album „Disintegration“ rausbringen. Zwei Ereignisse, die den Musiker und Produzenten Tobias Siebert prägen. Der in Ost-Berlin aufgewachsene The-Cure-Fan veröffentlicht mit seiner Band Klez.e im Januar 2017 ein Album mit demselben Titel, nur ins Deutsche übersetzt: aus „Disintegration“ wird „Desintegration“.

Düster klingen die neuen Songs von Klez.e. Und politisch. Sozialer Zerfall und engstirniges Nationaldenken sind die Themen, um die sich die tiefschwarzen Texte von Tobias Siebert drehen. Der Soundtrack dazu bewegt sich langsam und elegisch und verliert sich in großen Hallräumen. So wie die großen Versprechen von 89. „The Cure auf Ostdeutsch“, schreibt der Tagesspiegel über Klez.e. Tatsächlich kommen die Berliner in Sachen Klangästhetik der düsteren The-Cure-Phase sehr nahe. Sogar die Frisuren und Bühnen-Outfits kann man hier als Hommage verstehen.

Im detektor.fm-Studio spielen Klez.e den Song „Strandlied“. In der Originalversion eine flotte Indiepop-Nummer ihres 2006er-Albums „Flimmern“. Die neue Live-Version tritt auf die Bremse passt sich dem nun dunkleren Klanggewand der Band an.

Aufrüstung und Kalter Krieg

Entstanden sind die Songs für „Desintegration“ schon 2015. Im Angesicht aktueller Entwicklungen, wie jüngst dem Ergebnis der Bundestagswahl, sieht Siebert die in seinen Songs formulierten Befürchtungen bestätigt.

Das Album hat diese Überschrift, weil wir das damals schon gefühlt haben. Das drückt sich nicht nur in den Texten, sondern auch in der Musik aus. Diese Sprünge und Wellen, das klingt wie Anfang der 80er. Aufrüstung und Kalter Krieg sind so Themen. Dinge, die jetzt wieder zurückkommen, was total absurd ist. Und wir wollen die Musik an dieser Stelle auch zurückholen. Das muss kalt klingen und das unterstützen, was da gerade passiert.

Um den Moment festzuhalten, haben Klez.e die Konzerte ihrer „Desintegration“-Tour mitgeschnitten. Das Ergebnis ist gerade als Live-Album mit dem Titel „November“ erschienen. Abgemischt hat es Siebert persönlich, der als Produzent schon mit Kettcar, Me And My Drummer und Enno Bunger gearbeitet hat und auch sonst sehr umtriebig ist, etwa mit seinem Soloprojekt And The Golden Choir.

Bevor Klez.e im November wieder auf Tour gehen, waren sie zu Gast bei detektor.fm.