detektor.fm-Session mit Sea + Air

"Man geht anders in Konzerte rein"

16.11.2015

Wer als deutsch-griechisches Ehepaar in 22 Ländern Konzerte gespielt hat, kennt sich zur Lage Europas wohl besser aus als so manche Kollegen. Wir haben mit Sea + Air über ihr Album "Evropi" gesprochen – und darüber, wie es ist, nach den Anschlägen von Paris auf Europa-Tour zu sein.

Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin konnten sich auf Tour selbst ein Bild von der Lage Europas machen. | Foto: detektor.fm


detektor.fm sammelt – für eine neue Sendung am Vormittag


Sea + Air haben in den letzten drei Jahren in 22 Ländern stolze 600 Konzerte gespielt. Beim Reisen haben sie einen ganz eigenen Blickwinkel auf die Krisen entwickelt, mit denen Europa im Moment zu kämpfen hat. Dabei waren sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben so Ereignisse mitbekommen, die in den deutschen Medien noch nicht präsent waren. Daniel Benjamin:

Wir haben kurz vor der Ukraine-Krise in der Ukraine gespielt und mitbekommen, dass sich da was anbahnt, was wir im Westen noch gar nicht mitbekommen haben, weil wir ja so blöd immer nur darauf gucken, was die Medien gerade berichten. In Portugal war 50 Meter von unserem Konzert enfernt eine Demonstration. Die war eigentlich friedlich, ist dann aber eskaliert.

Evropi heißt „Europa“

Auf ihrem Album „Evropi“ haben Sea + Air diese Eindrücke verarbeitet – und sie treffen damit den Zeitgeist. In Interviews werden sie oft und gerne nach ihrer Meinung zur Flüchtlingskrise und zum Grexit gefragt.

Wir haben persönliche Bezüge dazu, deswegen nervt das nicht. Das Witzige ist, dass die Lieder eigentlich davor entstanden sind. „Should I Care“ hat mit der Flüchtlingsthematik zu tun, in dem Fall mit der Flüchtlingsthematik von Elenis Vorfahren. In „Lady Evropi“ geht es um den Zwist zwischen Deutschland und Griechenland und damit auch um ganz Europa. Beide sind entstanden, bevor das so krass eskaliert ist.

„Das ist schon sehr persönlich und darum betrifft einen das“

Wie viele ihrer Kollegen zeigen sich Sea + Air schwer betroffen von den Ereignissen in Paris. Bei dem Anschlag auf den Konzertsaal Bataclan starben 89 Menschen – darunter auch der Merchandiser der Band Eagles Of Death Metal. Gerade das geht Eleni Zafiriadou und Daniel Benjamin besonders nahe:

Das schockiert einen natürlich, weil man die Abläufe kennt. Wir sind ja auch gerade auf Tour. Wenn man den Merchtisch aufbaut, stellt man sich vor, dass sich da jemand für einen hinstellt, um was zu verkaufen und eine Stunde später ist er tot. Das ist schon sehr persönlich und darum betrifft einen das.

In der detektor.fm-Session sprechen wir mit Sea + Air über „Evropi“, ihre Erlebnisse auf Tour und darüber, wie sie als tourende Musiker die Anschläge von Paris wahrnehmen.


Redaktion: Vincent Raßfeld