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Kevin Parker alias Tame Impala und Mike Skinner alias The Streets.
Fotos: Matt Sav/Universal

Keine Angst vor Hits

Alte Nokias und neue Lowrider

Lido Pimienta mixt Cumbia und Elektrobeats, hinter Husten verbirgt sich geballte muskalische Kompetenz und Shabazz Palaces pfeifen auf die 30-Sekunden-Regel von Spotify. Außerdem fragt sich die Musikredaktion: Wann können wir wieder auf Konzerte gehen? All das und mehr in der neuen Folge von „Keine Angst vor Hits“.

Ich bin gespannt, was diese Krise mit der Musik macht. Ob sie sich verändert? Es gab in der elektronischen Musik den großen Trend des harten Techno. Mehr feiern und schneller. Ob das vielleicht zurückgenommen wird? Ich weiß es nicht, ich finde das wahnsinnig interessant.Anja Schneider, DJ/Produzentin

Neue Alben

Lido Pimienta – Miss Columbia

„Miss Columbia“ – das dritte Album der kolumbianisch-kanadischen Sängerin Lido Pimienta ist ein ironischer Liebesbrief an Kolumbien. Die afro-indigene, queere Musikerin und bildende Künstlerin liebt zwar ihre Heimat, lehnt den verbreiteten Machismo und Korruption selbstredend ab. Diese Themen greift sie auch in ihren neuen Songs auf, die eine Mischung aus Slow-Cumbia, Elektro-Pop und Anden-Folk sind. Ihre Anfänge hatte sie als Frontfrau diverser Metal- und Punkbands, bevor sie die afro-kolumbianische Band Sexteto Tabalá entdeckte, bei der sie als Sängerin einstieg. Die sind auch auf ihrer neuen Platte mit dabei.

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Shabazz Palaces – The Don of Diamond Dreams

Shabazz Palaces ist ein Afrofuturist-Hiphop-Duo aus Seattle, bestehend aus Sänger und Produzent Ishmael Butler und Multiinstrumentalist Tendai „Baba“ Maraire. 2011 ist ihr Debütalbum „Black Up“ erschienen, das von Pitchfork kürzlich unter die 200 besten Alben der 2010er gewählt wurde. Ihr neues Album „The Don of Diamond Dreams“ hat auch Elemente zeitgenössischer Rapmusik, aber eine herkömmliche Hiphop-Platte ist es lange nicht. Das Album ist voller Roboter-Vocoder, verfremdeten Synthesizern und verzerrtem Auto-Tune. Die Songs sind sowohl durchdacht als auch spontan. Shabazz Palaces zeigen, dass sie bereit sind, immer wieder etwas komplett neues zu wagen.

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Husten – Wohin wir drehen

Hinter Husten verbergen sich Gisbert zu Knyphausen, Moses Schneider und Tobias Friedrich alias der dünne Mann. Die Idee zur Band entstand, als Schneider und Friedrich gemeinsam am Soundtrack zur Verfilmung von „So was von da“ arbeiteten. Sie haben kurzerhand zu Knyphausen mit ins Studio und geholt und fortan an gemeinsamen Songs gearbeitet. Der Plan lautet, jedes Jahr eine EP rauszubringen, „Wohin wir drehen“ ist Nummer vier. Ihre Songs bewegen sich zwischen Indie, Singer-Songwritertum und alternativem Pop – mal melancholisch, mal beschwingt, mit berührenden und komischen Texten von Gisbert zu Knyphausen.

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Neu auf der Playlist

The Streets & Tame Impala – Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better

Das Debütalbum “Original Pirate Material” von Mike Skinner alias The Streets war 2002 wegweisend. Es funktioniert auch heute noch wegen der luziden Mischung aus heim-produzierten UK Garage Sounds, schnodderigem Sprechgesang und Tresenpoesie über Binge Drinking, Raves in Industriehallen und Großstadtleben. Vor zehn Jahren hat Skinner The Streets wegen Ideenlosigkeit vorübergehend eingestellt. Nach zwei einzelnen Überraschungstracks vor einiger Zeit, hat er nun ein komplettes The Streets-Mixtape angekündigt. Auf dem wird er eine große Bandbreite anderer Künstler*innen featuren. Gleich der erste ist ein Knaller: Kevin Parker von Tame Impala singt mit seiner kristallinen Stimme die Hook von “Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better”, während die beiden im Video weitere Künstler*innen abtelefonieren, die auf dem Mixtape erscheinen werden.

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Alison Mosshart – Rise

Auch Alison Mosshart hat länger nichts mehr mit ihren Bands The Kills oder The Dead Weather veröffentlicht. Jedenfalls nicht musikalisch. In anderen Kunstgefilden war sie aktiver. Unter anderem hat sie auf der Art Basel ausgestellt und aktuell ein Buch in Planung, das “CAR MA” heißen soll. Schon im Titel des Buches wird Mossharts Faszination für Autos deutlich, gleiches gilt für das Video zu ihrer ersten Solo-Veröffentlichung “Rise”. Die musikalische Idee zu “Rise” ist schon 2013 entstanden, aber erst kürzlich als Song in der Facebook-Webserie “Sacred Lies” veröffentlicht worden. Das Video hat Mosshart am heimischen Rechner zusammengeschnitten. Darin ästhetisiert sie auf ganz sonderbare Weise ihre Amateur-Aufnahmen aufgemotzter Lowrider-Schlitten und singt dazu rauchend und alkoholisch leicht angeschossen in die Kamera.“Rise” ist übrigens nur eine kleine Fingerübung während der Isolation und keine Ankündigung einer Solo-Platte. Stattdessen will sie wieder mit The Kills aufnehmen.

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Jamie xx – Idontknow

Und der dritte Künstler, der nach längerer Pause wieder von sich hören lässt: Jamie xx. Seit Herbst letzten Jahres geistert dieser Track schon durch die Clubs. Elektronik-Größen wie Four Tet oder Caribou bauten ihn in ihre Sets ein. Nur wusste keiner offiziell, wer der Künstler dahinter ist. Jamie xx hat nun das Geheimnis gelüftet. Der Mitgründer von The xx hat einige Zeit verstreichen lassen seit seinem Solo-Album “In Colour” 2015, das u.a. für den Mercury Prize nominiert wurde. Ein neues Album mit seiner Band ist angedacht aber noch nicht sonderlich konkret. Stattdessen releast Jamie seinen zappeligen, überreizten Clubtrack “Idontknow” diese Woche auch offiziell. Ein Video dazu gibt’s nicht. Nur die reine, anspruchsvoll-sperrige Elektro-Produktion mit viel innerer Dynamik.

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