Kraftwerk in Berlin: „Das wirkte nur noch gestrig!“

Achttägige Rausschmissparty in der Neuen Nationalgalerie mit Kraftwerk

07.01.2015

Kraftwerk spielt acht Shows in der Neuen Nationalgalerie - bevor die für Jahre zur Sanierung dichtgemacht wird. Eine pompöse 3D-Show, Superlative im Vorfeld, Überhöhung - und dann das: Nichts Neues.

Kraftwerk im Museum – Antiquierte Kunst?

Kraftwerk hat zwei Probleme nicht: Geld und Image. Wer die Band für schlichtes Hallo-sagen auf einer VIP-Party oder einen Auftritt in einem Film buchen will, muss via Formular erst einmal bestätigen, dass er 500.000 Dollar hat – mindestens. Und auch der Ruf der Band ist mächtig. Sie gelten als Wegbereiter des Technozeitalters.

Mit 3-D-Installationen und alten Klassikern spielen sie nun eine acht-tägige Konzertreihe in der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Die Show „Der Katalog 12345678“ spielten sie bereits vor 2 Jahren im New Yorker „Museum of Modern Arts“ (Moma) und auch anderen Museen der Welt vor ausverkauftem Publikum. Die Frage ist also erlaubt: Was ist neu an dieser Berliner Kraftwerk-Show?

Ein achtmaliges Kopieren der Show von Dienstag soll es nicht geben, denn jeder Abend soll chronologisch einem Album der Band gewidmet sein. Dennoch: ein neues Studioalbum liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück. Die Besonderheit ist in diesem Falle also: die Location.

Die Neue Nationalgalerie – Längst überfällige Sanierung

Das Museum aus Glas soll nach der Konzert-Reihe für fünf Jahre zu Renovierungsarbeiten geschlossen werden. Denn eine Vollsanierung ist für das in die Jahre gekommene Gebäude dringend notwendig. Der 1968 eröffnete Bau wird von Star-Architekt David Chipperfield renoviert und soll dabei denkmalgerecht generalüberholt werden.

Wie war’s denn nun? Muss man dort gewesen sein? Große Aura, Musik-Geschichte zum Erleben, eine einmalige Konzert-Location? Naja – sagt Jens Balzer, stellvertretender Ressortleiter des Feuilleton der Berliner Zeitung. Er war dabei, und wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Jens Balzer_Berliner Zeitung"Das wirkte auf sonderbare Weise unehrlich auf mich und auch antiquiert. (...) Es gab nichts Neues zu sehen."Jens Balzerist stellvertretender Ressortleiter des Feuilletons der Berliner Zeitung