Krautrock-Legende Michael Rother im Interview

"Und dann hat David Bowie angerufen"

22.01.2016

Iggy Pop mag seine Musik. Radiohead auch. Mit Brian Eno hat er schon Musik gemacht. Und einmal fast mit David Bowie. Michael Rother hat viele glühende Verehrer. In den 70ern hat er mit seinen Bands NEU! und Harmonia Krautrock-Geschichte geschrieben. Dass er jetzt wieder vor großem Publikum spielt, zeigt, wie einflussreich diese Musik noch heute ist.

Michael Rother im detektor.fm-Studio. Foto: detektor.fm

Mit seinen Bands Neu! und Harmonia ist Michael Rother maßgeblich für das verantwortlich, was die britische Musikjournaille irgendwann mal „Krautrock“ getauft hat. 1971 steigt Rother bei den frühen Kraftwerk ein, um die Band kurz darauf schon wieder zu verlassen. Geblieben ist von dieser Zeit ein Auftritt im „Beat-Club“.

Noch im selben Jahr gründet Michael Rother gemeinsam mit Klaus Dinger die Band NEU!.  Hypnotischen Maschinenryhtmen im 4/4-Takt und atmosphärische Gitarrenschleifen formen den Sound von NEU!. Und der prägt bis heute die Trends in der Musikwelt.

Von Eno bis Grönemeyer

Von B wie Brian Eno, über J wie John Frusciante, bis S wie Steve Shelley – wir stellen uns Michael Rothers Handy-Kontaktliste als illustre Rockstar-Sammlung vor. Auch Herbert Grönemeyer dürfte dort zu finden sein. Der hat nämlich Ende der 90er sämtliche Neu! und Harmonia-Alben auf seinem eigenen Label Grönland neu aufgelegt.

Michael Rother lebt und arbeitet seit 1973 in Forst, einem kleinen Örtchen im Weserbergland. Seine Studioumgebung in einem Fachwerkgehöft beherbergt u.a. auch den berühmten Fairlight CMI,  den ersten digitalen Synthesizer mit Sampling-Technologie. Für den musste man damals so viel Geld ausgeben wie für ein kleines Haus. Kaum vorstellbar in einer Zeit, in der Sampling mit ein paar Klicks am Laptop geht.

Wir hatten damals sehr wenige Instrumente und wenig Klangmaterial. Deshalb mussten wir mehr unsere Fantasie einsetzen. Aufgrund des riesigen Angebots an Klängen und Spieltechniken heute, ist es viel wichtiger geworden, eine originelle künstlerische Handschrift zu entwickeln.

Ein nachhaltiger Beitrag zur Popkultur

Fest steht, dass Rother mit seiner Musik nicht nur Generationen von nachfolgenden Künstlern, sondern auch die Anfänge von elektronischer Musik maßgeblich geprägt hat. Und das, obwohl Harmonia und Neu! wohl mehr Menschen in Manchester als in Berlin ein Begriff sind.

Bei Konzerten in Leipzig und Berlin spielt Michael Rother nun Werke von Neu!, Harmonia und aus seinem Solorepertoire. Vorher war er bei uns zu Gast und hat mit detektor.fm-Moderatorin Constanze Müller über digitales Sampling, seine Spotify-Abrechnung und einen Anruf von David Bowie gesprochen.

Redaktion: Louisa Zimmer/Gregor Schenk