Pop-Kultur | Was steckt hinter BDS?

"Wir lassen uns nicht unter Druck setzen"

14.08.2018

Die israelfeindliche BDS-Bewegung ruft zum Boykott gegen das Pop-Kultur-Festival auf, weil es Fördermittel von der israelischen Botschaft bekommt. Sechs Acts sind dem Aufruf bisher gefolgt. Dabei sprechen Experten von einer antisemitischen Bewegung.

Aufruf gegen das Pop-Kultur-Festival

Es ist schon wieder passiert. Wie auch im letzten Jahr hat die israelfeindliche BDS-Bewegung zum Boykott des Pop-Kultur-Festivals aufgerufen. Der Grund: Das Pop-Kultur-Festival wird mit 1.200 Euro von der israelischen Botschaft gefördert. Das Geld wiederum ist als Zuschuss für die Anreise israelischer Künstler geplant. Bisher sind mit John Maus, Richard Dawson, Nadine Shah, Alun Woodward und den Bands Gwenno und Shopping sechs Acts dem Aufruf gefolgt, noch im letzten Jahr waren es acht.

Wofür BDS steht

Mit seinem Aufruf fordert die BDS-Bewegung Künstler dazu auf, nicht beim Festival aufzutreten, um damit schlussendlich die israelische Politik unter Druck zu setzen. Das steckt schon im Namen der Bewegung: Boykott, Divestment – also Aussetzen von Investitionen – und Sanktion. Mit diesen Mitteln will die Bewegung ihre Forderungen durchsetzen. Welche das sind, weiß der Politikwissenschaftler und Soziologe Floris Biskamp.

Ein Ende der Besatzung, ein Abriss der Sperranlagen, gleiche Rechte für israelisch-arabische Bürger und eben das berüchtigte Rückkehrrecht aller Nachkommen von palästinensischen Flüchtlingen nach Israel. Und wer sich dieser Kampagne anschließt, unterstützt auch auf die eine und andere Art und Weise diese Forderungen. – Floris Biskamp, Politikwissenschaftler, Soziologe und BDS-Experte

Antisemitismus-Verdacht steht im Raum

Dabei handelt es sich nicht bloß etwa um harte Kritik gegen die israelische Politik. Stattdessen sehen Experten wie Biskamp die BDS-Bewegung als antisemitisch. Denn die sieht im Nahostkonflikt bloß einen Schuldigen, nämlich den Staat Israel, statt mehrere Parteien zu kritisieren. Außerdem fordert die BDS-Bewegung ein Rückkehrrecht für alle vertriebenen Palästinenser und deren Nachfahren. Das wären allerdings um die fünf Millionen Menschen. Floris Biskamp sieht darin die implizite Forderung, dass Israel, so wie es derzeit besteht, nicht weiter existieren kann.

Der Grund aus dem ich sage, dass es antisemitisch ist, ist die Art und Weise wie da über den Konflikt gesprochen wird, wie der gedeutet wird und welche Konsequenzen gezogen werden sollen. – Floris Biskamp

Pop-Kultur unbeeindruckt

Obwohl sechs Acts ihren Auftritt abgesagt haben, zeigt sich die Leiterin des Pop-Kultur-Festivals Katja Lucker nicht besonders beeindruckt vom Boykott-Aufruf. Überlegungen, auf die Förderung der israelischen Botschaft zu verzichten, gebe es keineswegs.

Das Wichtigste ist, dass wir uns nicht unter Druck setzen lassen und von niemandem bestimmen lassen, mit wem wir wie kooperieren oder welche Künstlerinnen wir einladen. Das machen wir einfach nicht. – Katja Lucker, Leiterin des Pop-Kultur-Festivals

Was steht hinter dem BDS? Und wie geht das Pop-Kultur Festival mit dem Boykott-Aufruf um? detektor.fm-Moderator Gregor Schenk spricht mit Lars-Hendrik Setz.