Reingehört: Bibio -Silver Wilkinson

17.05.2013

Gießkannen, Gartenscheren, Hunde und ein Blechdach haben eigentlich nicht viel mit Musik zu tun. Doch der britische Musiker Bibio hat sich für sein neues Album "Silver Wilkinson" an den Klängen eben dieser Dinge bedient, sie gesampled und in seine Musik integriert.

Bibio beim Aufnehmen seines neuen Albums im Garten (Foto: Bibio Tumbrl)

Bibio - Silver Wilkinson

Silver Wilkinson

Bibio

(Warp Records, bereits erschienen)

Der Schnee schmilzt. Die Tage werden wärmer. Nach und nach stecken die Blumen ihre Köpfe aus dem Boden und fangen wieder an zu blühen. Der Frühling beginnt. Ungefähr dieses Bild entsteht in den ersten Takten von Silver Wilkinson, dem neuen Album von Bibio. Passend dazu trägt der Opener auch den Titel The First Daffodils – Die ersten Narzissen.

Die verschiedenen Jahreszeiten spielen für den Briten Stephen Wilkinson alias Bibio eine ganz besondere Rolle. Er vergleicht seine Alben mit den Jahreszeiten – symptomatisch dafür steht am Beginn von Silver Wilkinson der Frühlingsanfang. Doch nicht nur der Wechsel der Jahreszeiten beeinflusst Bibio sondern auch die Umgebung. Für den Briten war es selbstverständlich, seine Songs an unterschiedlichen Orten aufzunehmen – so wie Bibios persönlicher Favorit auf dem Album: Dye The Water Green.

Diesen Song verbindet Bibio mit seinem kleinen Schuppen im Garten. Dort hat er sich für viele musikalische Ideen inspirieren lassen und einige organische Sounds aufgenommen. Gerade diese Sounds – wie z.B. Hundebellen, Meeresrauschen oder das Knistern einer Schallplatte, lassen Silver Wilkinson lebendiger wirken. Sie verleihen der Musik einen kleinen Sepia-Effekt. Vor allem die ersten vier Songs klingen wie ein melancholischer Rückblick auf den letzten Sommerurlaub.

Erst mit À tout à l’heure bricht die Stimmung. Der Song treibt an und bleibt im Ohr.

À tout à l’heure ist ebenfalls in Bibios Garten entstanden. Das Wetter wäre zu schön gewesen, um sich einen Tag im Studio einzuschließen, erzählt der Brite. Also hat Bibio einfach im Garten weitergearbeitet. Mit einer Gitarre, einem Kassetten-Recorder und einem Sampler. Doch nicht nur das. Er hat auch auf einer Gießkanne getrommelt und mit einer Gartenschere hantiert. Das Resultat: Ein Song der nach Sonne und Sommer klingt und gute Laune versprüht.

Neben À tout à l’heure drängt sich aber auch You auf dem Album in den Vordergrund. Hier spielt Bibio mit einer gepitchten Stimme wie ein kleines Kind mit seinem Ball. Die ganze Zeit springen Gesangsfragmente von der einen Synthiebegleitung zur anderen. Doch plötzlich schwebt die Stimme fast nackt im Raum, um dann von einem breiten Bass wieder aufgefangen zu werden.

Wenn Bibio vor der Albumproduktion von Silver Wilkinson vor zwei Türen gestanden hätte – auf der einen steht Singer/Songwriter auf der anderen Elektronik geschrieben – dann wäre er vermutlich durch die Wand zwischen den beiden Türen gestürmt. Weil es Bibio allerdings nicht immer gelingt, die beiden Stile zu einem großen Ganzen zu verbinden, hat die Platte einige Schwachstellen. Die führen dazu, dass man ab und zu von der Musik abschweift. Die anderen, gelungenen Momente hingegen lassen das Album umso stimmiger werden. Dann erinnert Silver Wilkinson an die eigenen Träume, Sehnsüchte und Urlaub.