Reingehört: Billy Bragg – Tooth & Nail

22.03.2013

2013 ist das Jahr der Pop-Veteranen: Erst Nick Cave, dann David Bowie und jetzt meldet sich auch der 55-jährige Billy Bragg zurück. In den 80ern kannte man den Briten als Songwriter mit politischer Meinung, als Protestsänger und Systemkritiker. Auf seinem neuen Album „Tooth & Nail“ zieht er sich ins Private zurück.

Das Politische taucht bei Billy Bragg nur noch am Rande auf. Foto: Andy Whale

Autor: Sindyan Qasem

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Vor dreißig Jahren leuchtete Billy Bragg rot. In einem grauen Großbritannien durchschnitten seine schrammelnden Gitarren laut die Tristesse der Ära Thatcher. »Das Wichtigste ist, sich zu engagieren«, sagte der Singer/Songwriter damals und noch immer fällt sein Name im Zusammenhang mit der Hingabe zum Protest. Aber auf den Fotos, die begleitend zu seinem neuesten Studioalbum veröffentlicht wurden, ist ein gealteter Mann zu sehen, der selbst ganz grau geworden ist.

»If you go chasing rainbows you’re bound to end up getting wet«, singt dieser Mann und solche Sätze sind symptomatisch für Billy Bragg 2013. Musikalisch schließt »Tooth & Nail« an die Ausflüge des Engländers in Americana und Country an. In nur fünf Tagen spielte Bragg mit Studiomusikern zwölf Songs ein, sein Gesang wurde live aufgenommen und thront oft gebrochen über kleinen Folk-Miniaturen.

Aus der neuen Musik klingt Resignation hervor. Es sind gelebte Geschichten über Liebe und Abschiede, das Politische taucht nur noch am Rande auf. »Let’s stop pretending we can manage our way out of here«, wird da zum Beispiel konstatiert.

Billy Bragg sagt, er habe lange darüber nachgedacht, wer er eigentlich ist. Dieses Album sei das Resultat. Die bunten und lauten Utopien scheinen Vergangenheit zu sein. Ein politischer Singer/Songwriter tritt den Rückzug ins Private an. Der Wolf leckt seine Wunden. Das ist schaurig und schön, auch weil Bragg’s Songs über die Liebe schon immer seine besten waren.

Und auch ohne den offenen und zur Schau getragenen Kampf bricht sich die Hoffnung am Ende doch noch Bahn. »Tomorrow’s going to be a better day«, croont Billy Bragg und pfeift eine Melodie, bevor er seine Hörer wieder in die einsame, kalte Welt entlassen muss.