Reingehört: Editors – The Weight Of Your Love

03.07.2013

Vier Jahre war es ruhig um die Editors. Jedoch nicht innerhalb der Band. Nach dem Rausschmiss von Gitarrist Chris Urbanowicz formierte sich die Band neu und nahm ihr viertes Studioalbum auf. Pünktlich zur Festivalsaison erscheint "The Weight Of Your Love" und überrascht mit einem neuen Sound.

Mittlerweile zu fünft unterwegs - Editors (Foto: Matt Spalding)

Streicher, Liebesballaden, Stadionrock. Drei Worte, die bisher nicht zu den Editors passten. Doch die Rockband aus Birmingham hatte eine Veränderung nötig. Auf ihrem neuen Album The Weight Of Your Love gehen sie ganz neue musikalische Wege.

Die Wiedergeburt in Belgien

Bereits 2010 verkündeten sie, dass sie an einem neuen Album arbeiten. Doch es ging nicht voran, die Band sprach von künstlerischen Differenzen. Sogar von einer Bandauflösung war die Rede. Schließlich wurde Gitarrist Chris Urbanowicz gebeten, die Band zu verlassen. Ihn ersetzen Gitarrist Justin Lockey und Keyboarder Elliot Williams. Nach ihrem vielumjubelten und bisher größten Auftritt beim belgischen Rock Werchter im letzten Jahr vor 60.000 Leuten war für sie klar, sich richtig entschieden zu haben.

Für die Produktion ihres vierten Studioalbums ging die Band ins texanische Nashville. Die elf Songs des Albums produzuierte Jaquire King, der bereits mit Tom Waits und Kings of Leon zusammengearbeit hat. Und das amerikanische Know How ist besonders auf der aktuellen Single A Ton Of Love unüberhörbar. Editors klingen viel offener und eingängiger als bisher. Auf The Weight Of Your Love wird Pathosrock zelebriert, der jedem Bruce Springsteen Vergleich standhält.

Einmal singen wie Mariah Carey

Der neue Stil verwundert umso weniger, nachdem Sänger Tom Smith verkündete, er sei schon immer Fan von Arcade Fire oder R.E.M. gewesen. Dagegen fällt die Rockballade What Is This Thing Called Love aus der Reihe. Smith schrieb das Falsett-Stück eigentlich für die britische Castingshow X-Factor. Doch der Track fand dort keine Verwendung, was ihn im Nachhinein freute. Denn wie Smith später gestand, wäre es schade gewesen, ihn nicht auf dem Album zu haben. Bei den Aufnahmen soll er den Produzenten King sogar gebeten haben, ihn wie Mariah Carey klingen zu lassen.

Sound für ein ganzes Stadion

Die Band hat sich von den Synthie- und Elektrotönen des Vorgängeralbums verabschiedet. Stattdessen setzen Editors auf massentauglichen Rock. Parallelen zu Snow Patrol, Kings of Leon oder Coldplay werden deutlich. Die Soundgrenze verschwimmt, unverkennbar und eindeutig klingen Editors nicht mehr. Songs wie Honesty, Sugar oder Two Hearted Spider bauen sich mit der Wucht und Breite eines Stadionhits auf. Feinere Songs wie Formaldehyde oder The Phone Book drohen dagegen unterzugehen.

Für Fans von festival-tauglicher Rockmusik könnte das neue Editors-Album ein Ohrenschmaus sein. Satter Sound und eine kräftige Stimme, dazu Songs mit Mitsing-Garantie. Und fast wie auf Bestellung tritt die Band in diesem Sommer auf sage und schreibe 25 Festivals auf. Wie sich die neuen Stücke mit den alten vetragen, bleibt joedoch abzuwarten. Auch ob die Fans der alten Editors sich mit den Neuerungen anfreunden können.