Reingehört: Hinds – Leave Me Alone

Schrammelig-charmantes Debüt

08.01.2016

Seit gut zwei Jahren ist die spanische Garage-Rock-Band Hinds die wohl meistgehypte Band im Internet. Jetzt erscheint das Debütalbum „Leave Me Alone“. Ob das seinen Vorschusslorbeeren gerecht werden kann?

The girls are alright: Hinds Debütalbum kann dem viralen Hype gerecht werden. Foto: Aaron Serrano

Hinds - Leave Me Alone

Leave Me Alone

Hinds

(Lucky Number, bereits erschienen)

Die Karriere der vierköpfigen Band Hinds hat ursprünglich  als Duo angefangen. Vor fünf Jahren haben sich Ana Perrote und Carlotta Cosials im Sommerurlaub gemeinsam das Singen und Gitarrespielen beigebracht. Erst zwei Jahre später folgte dann der richtige Band-Versuch mit eigenen Songs. Für die erste EP „Demo“ kassierte das Duo promt Lob vom britischen NME ein. Schon wenig später wurde aus dem Duo ein Quartett. Als Drummerin ist Amber Grimbergen eingestiegen, als Schlagzeugerin Ade Martin.

Authentischer Hype

Bis vor einem Jahr haben Hinds noch unter dem Namen Deers Musik gemacht. Erst nach einem Rechtsstreit mit der kanadischen Band Dears folgte dann die Umbenunng in Hinds. Aus Hirschen wurden einfach Hirschkühe. Diese Umbenenunng hat dem Hype um die vier Madrileninnen jedoch keinen Abbruch getan. Nach dem NME haben der Guardian und zahlreiche Musikpublikationen über die vier Madrilenninen berichtet.

Die Musik der Band zeichnet sich vor allem durch ihren charmanten spanischer Akzent und ihre schrammelige Gitarrenklänge aus. Lässig verbinden die Madrileninnen Elemente des Garage-Rock und Pop miteinander. Diese Mischung findet nun nach mehreren im Internet vergriffenen EPs auf dem Debütalbum der Band ein Zuhause. Wer Perfektion erwartet, ist bei Hinds jedoch fehl am Platz. Die Songs des Debüutalbum klingen roh, beinahe wie aus dem Proberaum entnommen. Das mag vielleicht daran liegen, dass Hinds ihr Debüt zwischen Konzertterminen rund um die Welt im Süden Spaniens aufgenommen haben.

Wilde Konzerte und Tour-Depression

Auf „Leave Me Alone“ finden sich nicht nur neue, sondern auch ältere Songs der Band. Doch auch die neuen, melancholischeren Lieder gliedern sich nahtlos in das Gesamtgerüst des Albums ein. Das Album klingt so, wie man sich das Bandleben von Hinds vorzustellen hat. Und das besteht neben Auftritten auf dem Glastonbury und Konzerten in Vietnam aus jeder Menge Spaß. Energische Songs wie „Chili Town“ oder „Fat Calm Kiddos“ klingen nach Crowdsurfing, Moshpits und Fans, die die Bühne stürmen. All das kann bei den wilden Konzerten der Band passieren.

In einem Interview hat die Band verraten, das sie seit kurzem an Post-Tour-Depression leidet. Die gibt es mit Songs wie „Garden“ oder „And I Will Send Your Flowers Back“ obendrauf. Auch mit dem rein-instrumentalen Song „Solar Gap“ beweisen Hinds, dass sie über sich und ihren Hype hinaus gewachsen sind. Statt ihr altbewährtes Rowdytum zu behalten, zeigt die Band auch eine andere Seite von sich. Damit gelingt ihnen das, was vielen anderen Bands auch nach Jahren nicht gelingen will: Wandelbarkeit.

Redaktion: Louisa Zimmer