Reingehört: Jack Beauregard – The Magazines You Read

29.04.2011

Nächsten Dienstag kommt das Duo Jack Beauregard zum detektor.fm-Radiokonzert nach Leipzig. Mit im Gepäck: Ihr zweites Album "The Magazines You Read", das heute erscheint. Wir haben reingehört und mit Sänger Daniel Schaub gesprochen.

Daniel Schaub und Pär Lammers sind Jack Beauregard. © Tapete Records

Jack Beauregard - The Magazines You Read

The Magazines You Read

Jack Beauregard

(Tapete Records, bereits erschienen)

Dass die beiden Ahnung davon haben, wie man gute Popmusik macht und dass das Klischee von unkreativen Musikstudenten längst überholt ist, haben Jack Beauregard eindrucksvoll auf ihrem Debütalbum Everyone Is Having Fun bewiesen. Auch andere Künstler waren vom Songwriting-Talent der beiden angetan, allen voran Lena Meyer Landrut für die sie mehrere Songs geschrieben haben. Dabei ist das Prinzip eines guten Songs eigentlich ganz simpel, erklärt Sänger und Gitarrist Daniel Schaub.

Das Schöne am Songwriting ist: Wenn ein Song für sich gut ist, ist es eigentlich egal, wer ihn interpretiert. Er muss in sich stimmig sein und wenn man dieses Ziel hat, ist es eigentlich gar nicht so wichtig, für wen man das macht. Es geht in erter Linie immer um das Stück selbst. Natürlich muss es passen. Ob das eine Frau oder ein Mann singt – ob ein 80-Jähriger oder eine 18-Jährige, ist natürlich ein Unterschied. Aber das Songschreiben an sich und in den Songs kleine Geschichten zu erzählen, ist das was uns motiviert.

Genervt sind Jack Beauregard noch nicht, wenn man sie auf das Songwriting für Lena anspricht. Es wäre ja nicht so, als würde man sich dafür schämen. Im Gegenteil: Für gutes Songwriting soviel Aufmerksamkeit zu bekommen, wäre alles andere als normal und umso schöner, wenn es dann, wie im Fall von Jack Beauregard, so hervorragend funktioniert. Neben all dem Songwriting und Aktivitäten in anderen Bands, hatten die zwei aber noch genug Zeit für ein neues Jack-Beauregard-Album.

Wir haben teilweise mit anderen Leuten zusammen gearbeitet, die dann keine Zeit mehr hatten. Wir wollten schnell fertig werden mit dem Album und haben uns dann doch wieder dafür entschieden, wie bei der letzten Platte, fast alles selbst zu produzieren. Die Platte ist natürlich von anderen Leuten gemischt worden, aber wir haben es gar nicht so bewusst entschieden, dass uns da niemand reinredet. Wir hatten den Drang das jetzt zu machen, weil wir auch schon relativ lang daran gesessen haben und das dann einfach fertig haben wollten. Zu zweit hat das am besten geklappt.

Auf The Magazines You Read behandeln Daniel Schaub und Pär Lammers die großen Themen des Alltags. Dabei ziehen sich die Probleme des Zwischenmenschlichen und die Schwierigkeiten auf der Suche nach sich selbst wie ein roter Faden durch das Album. Und wer das erste Album noch ein wenig im Ohr hat, wird feststellen, dass sein Nachfolger doch eine ganze Ecke düsterer daherkommt, dabei aber nie in Pathos abdriftet. Schon das erste Stück You Drew A Line fackelt nicht lange mit der Dramatik des Zwischenmenschlichen. Eine Beziehung geht zu Ende und die oder der Verflossene nimmt dabei ein ganzes Stück des Anderen mit.

Beim einzigen Tanzflächenhit des Albums hat das Duo kräftig in die 80er-Kiste gegriffen. Doch auch wenn Hollywood das ein oder andere Tanzbein bewegen wird, ist es nicht weniger von Liebesschmerz gezeichnet als der Rest des Albums. Der einzige Ausweg scheint dabei nur das Ausschließen der eigenen Gefühle zu sein, wunderbar zusammengefasst in dem Satz „I found my very own but sweet simplicity“. Die zentrale Frage: Was richtig und was falsch ist, beziehungsweise die Wahl zwischen Liebe und Leidenschaft stellt sich auch bei You Or My Guitar.

Es geht um diese leicht naive Zwiespältigkeit, die der ein oder andere Künstler im jugendlichen Alter eventuell hat, wenn man sich denkt: „Ich muss mein Leben aufopfern für das, was ich tue“. Und diese Ambivalenz, dass man vieles aufgeben muss, damit man sich selbst verwirklich kann, die drängt sich ja eigentlich gar nicht auf. Und das haben wir runtergebrochen auf dieses ja fast schon klischeebehaftete Bild von „is it you or my guitar“.

Doch auch jenseits von Herzschmerz haben sich Jack Beauregard Gedanken gemacht: All These Tears erzählt von dem ständigen Gefühl, von irgendwas ein Teil sein zu müssen. Man schließt sich Meinungen und Dingen an, weil man denkt, sie würden ganz gut zu einem passen. Das Vertrauen in die eigenen Gefühle schwindet und die Lebensweisheiten kommen aus der Zeitschrift.

Mit The Magazines You Read haben Jack Beauregard ein Album über die Suche geschrieben. Über die Suche nach der Liebe und nach sich selbst, in einer Gesellschaft, in der es schwer ist, wirklich noch den richtigen und individuellen Weg zu finden. Und anstatt jetzt noch weiter in der NEON zu blättern, sollte man lieber Jack Beauregard lauschen, wie sie die großen Themen in wenigen Worten und schönen Melodien prägnant auf den Punkt bringen.

Jack Beauregard – Hollywood