Reingehört: Mighty Oaks – Howl

28.02.2014

Die Bandmitglieder von Mighty Oaks kommen aus den USA, Italien und Großbritannien. Jetzt wohnen sie alle in Berlin und machen dem Schmelztiegel der Hauptstadt alle Ehre. Die Band jedoch auf ihre Herkunft zu reduzieren, wäre fatal – denn das, was Mighty Oaks auf ihrem Debütalbum „Howl“ präsentieren, ist guter, solider Folk-Pop.

Guter, solider Folk-Pop - Mighty Oaks. Foto: Bowen Ames/Universal

Kennengelernt haben sich die drei Musiker von Mighty Oaks in Hamburg und Berlin. Claudio Donzelli war bereits ein in der Szene bekannter Singer-Songwriter als er Ian Hooper auf dem Melodica-Festival 2010 in Berlin kennengelernt hat. Im Jahr darauf haben Sie gemeinsam ihre erste EP Driftwood Seat als Mighty Oaks aufgenommen – damals noch in Donzellis Wohnzimmer. 2011 ist dann auch Bassist Craig Saunders dazugestoßen.

Bis dahin war die Musik für alle drei eine große Leidenschaft und ein Traum, jedoch keine ernsthafte Alternative, um Geld zu verdienen. Hooper hat Internationale Politik studiert, im Bundestag und später als Lehrer gearbeitet, Donzelli hat an seiner Doktorarbeit geschrieben und Saunders hat Schauspiel studiert. Die Entscheidung, den Traum von der Musik in die Wirklichkeit umzusetzen, kam dann eher plötzlich und war zumindest für Sänger Ian Hooper eine sehr persönliche.

Meine Mutter ist 2012 gestorben und das war für mich ein Schlüsselmoment, wo ich gesagt habe: Ok, ich hör jetzt auf zu arbeiten und mache das, was mein Herz betrifft. Wenn man so jung sterben könnte, ist es scheißegal, wie viel man am Ende des Monats auf dem Sparkonto hat. Das bringt ja nichts am Ende. Also lieber das Leben leben und die Jungs sind mitgekommen auf der Reise: Claudio hat seine Doktorarbeit abgebrochen und Craig ist nach Berlin gezogen.

„Die deutsche Musikindustrie ist klein“

Danach ist alles relativ schnell gegangen: Mighty Oaks haben ihre zweite EP aufgenommen und im Vorprogramm der Shout Out Louds und Kings of Leon gespielt. Ihre Auftritte bei renommierten Indie-Festivals haben Sie dann auch einem breiteren Publikum bekannt gemacht.

Daraufhin haben sie mehrere Angebote von Plattenlabels bekommen, darunter auch Universal. Nach einiger Überlegung haben sie sich für den Vertrag mit dem Majorlabel entschieden. Leicht ist ihnen die Entscheidung nicht gefallen, aber sie wissen auch, dass sie als Folkband in Berlin einen großen Vorteil haben.

Die deutsche Musikindustrie ist schon relativ klein. Die Menge an Leuten aus der deutschen Musikindustrie, die auf der Schlesischen Straße sitzen – das ist sehr lustig. Das hat nicht so lange gedauert, bis man das herausgefunden hat. Man kann den Weg hier machen, wenn man das möchte. Und natürlich ist das für uns vorteilhaft, dass wir Wahlberliner sind und wir machen Folkmusik, was gerade sowieso ein Trend ist. Das ist so ein mixed blessing: es hilft uns auf jeden Fall, aber es schmeißt uns halt auch in eine Schublade.

Akustische Gitarren, Banjo und Mandoline sorgen für den typischen Folksound, der mit dem mehrstimmigen Gesang der drei Bandmitglieder abgerundet wird. Dass Mighty Oaks trotzdem nicht wie jede x-beliebige Folkband klingen, ist auch der rauen Stimme mit Wiedererkennungswert von Ian Hooper zu verdanken.

Keine Lieder über Twerking

Dass manche Songs so klingen, als wären Sie bei einem Spaziergang im Wald im Nordwesten der USA entstanden, ist kein Zufall. Für den Videodreh zu ihrer ersten Singleauskopplung Brother vom neuen Album Howl sind die drei gemeinsam in Hoopers Heimat gereist, an die Nordwestküste der USA, kurz vor der kanadischen Grenze. Die Heimat von Hooper, die ja gleichzeitig auch der Ursprung der Folkmusik ist, ist für ihn eine große Inspirationsquelle. Genauso wie persönliche Erlebnisse und Ereignisse, wie zum Beispiel der Tod seiner Mutter, um den es im Song When I Dream, I See geht.

Auf der Platte dreht es sich dann auch hauptsächlich um diese alltäglichen Themen: der Song Brother besingt eine lebenslange, intensive Freundschaft, Just One Day erzählt vom Abenteuer Leben und in Shells geht es – natürlich – um die Liebe. Es sei ihnen wichtig, ehrliche Musik zu machen, sagt Hooper.

Diese Lieder werden nach zehn Jahren immer noch logisch sein. Beziehungen, Abenteuer, Verlust, Tod – das sind Emotionen und Gefühle, mit denen sich jeder identifizieren kann. Das ist kein Trend, ein Lied für Twerking zu schreiben, in zehn Jahren wird es heißen: What the fuck is twerking? Aber in zehn Jahren weiß jeder noch was eine Beziehung und Liebe ist.

Ehrliche Texte, Mandoline und mehrstimmiger Gesang – das zeichnet das Album aus. Mit Howl legen Mighty Oaks ein solides Debüt vor – leise und ruhige Töne treffen auf schwungvolle Folksongs. Ab April werden sie diese dann auf einer ausgedehnten Tour in Europa und den USA vorstellen. Auf volle Clubs können sie sich jetzt schon freuen – die Konzerte in Berlin und Köln sind schon ausverkauft.