Reingehört: Modest Mouse – Strangers To Ourselves

Geschichten aus der Vogelperspektive

17.03.2015

Acht Jahre lang haben Modest Mouse kein Album mehr rausgebracht. Eine Band, die so lange von der Bildfläche verschwindet, schraubt die Erwartungen der Fans in luftige Höhen. Jetzt sind Modest Mouse zurück mit einem neuen Album und jeder Menge Experimentierfreude.

Vor acht Jahren haben Modest Mouse ihr letztes Album veröffentlicht. Foto: Sony Music

Modest Mouse - Strangers To Ourselves

Strangers To Ourselves

Modest Mouse

(Epic, bereits erschienen)

Es ist nicht gerade ein Feuerwerk, das Modest Mouse zum Anfang Ihres sechsten Albums „Strangers To Ourselves“ abfeuern. Eher sanft werden wir in den Kosmos der Band gesaugt. Wir müssen ja auch erst mal verkraften, dass Modest Mouse nach acht Jahren endlich wieder ein Album rausgebracht haben. Der Titelsong gibt uns knapp dreieinhalb Minuten Zeit um zu realisieren, was wir da gerade in der Hand halten. 15 Songs und knapp eine Stunde Spielzeit, die viel Platz für Hoffnung oder eine herbe Enttäuschung bereithalten.

Emotionale Einzelhaft

Auf dem Cover von „Strangers To Ourselves“ sehen wir eine akribisch geplante und durchstrukturierte Ferienanlage aus der Vogelperspektive. Hunderte unterschiedlicher Leben und Geschichten, die in eine gleichförmige, geometrische Form gepresst werden. Das Cover eignet sich gleich auf mehrfache Weise. Unter anderem, weil die Texte von Sänger Isaac Brooks oft von menschlicher Isolation und emotionaler Einzelhaft handeln. Das können wir nicht nur hören, sondern auch im Video zu „Coyotes“ sehen. Ein einsamer Coyote, der alleine mit der Straßenbahn durch die Gegend fährt.

Die Musik auf dem neuen Album ist so vielfältig, dass sich, wie in der Ferienanlage alles hinter der nächsten, immer gleichen Tür verbergen könnte. Wie zum Beispiel der Song „Sugar Boats“, der uns fast schon hetzerisch über einen Jahrmarkt scheuchen will.

Ein Album mit akustischer Pinkelpause

Für Modest Mouse waren wahrscheinlich viele Dinge auf dem neuen Album ungewohnt. Die Band hat neue Sounds, wie zum Beispiel die Steeldrum ausprobiert und sich weiterentwickelt. Das klappt meistens ziemlich gut. Manchmal allerdings auch nicht. Wie beispielsweise in dem rund einminütigen Intermezzo „God is an Indian and you’re an asshole“. Der Song wirkt weder witzig, noch tiefgründig oder irgendwie sinnvoll. Er ist sozusagen die akustische Pinkelpause des Albums.

Besonders positiv fällt Isaac Brooks gereifte und facettenreiche Stimme auf. Die passt sowohl zu den ruhigeren Songs wie auch zu den Indierock-Nummern der Platte zu denen auch der Song „Be Brave“ zählt. Die Experimentierfreude von Modest Mouse wird besonders bei dem Song „Pistol“ deutlich, in dem Isaac Brooks sich zwischenzeitlich sogar als Rapper versucht. Das ist definitiv unterhaltsam und bringt noch mehr frischen Wind auf das Album. Auch wenn die Rap-Qualität eher einem lauen Lüftchen ähnelt.

Die neuen, alten Modest Mouse

Insgesamt ist „Strangers To Ourselves“ eine ziemlich gelungene Platte geworden. Sie hat zwar ein paar kleinere Schönheitsfehler, über die man aber durchaus hinwegsehen kann. Modest Mouse schaffen auf ihrem sechsten Album den Spagat, an dem viele Bands scheitern: Sie bleiben sich treu und entwickeln sich dennoch weiter.

Eingefleischten Fans von Modest Mouse dürfte es vielleicht ein wenig sauer aufstoßen, dass die Band nach so langer Abstinenz neue Facetten in Ihren Stil miteinfliessen lässt. Aber auch für die sollte „Strangers To Ourselves“ eine durchaus brauchbare Platte sein.

Redaktion: Patrick Schütz