Reingehört: My Sister Grenadine – Spare Parts

14.03.2013

Eine imaginäre Schwester war Namensgeberin für Vincenz Kokots Band My Sister Grenadine. Das ursprüngliche Soloprojekt ist mittlerweile auf ein Trio angewachsen. Ihr neues, drittes Studioalbum "Spare Parts" ist voll mit Ukulelen und verschiedenen Klangexperimenten.

My Sister Grenadine spielen auf ihrem neuen Album “Spare Parts” mit Ukulele, Melodica und Plastiktüten. Foto: Mark Benini

Autorin: Juliane Streich

Eine Kooperation mit Kreuzer Online, dem Monatsmagazin für Kultur und Pop, Lifestyle und Stadtgeschehen.

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Zugegeben, beim anfänglichen Hören plätschert diese Platte so dahin. Stört nicht weiter, wenn man sie, sagen wir mal, bei einem Spieleabend im Hintergrund laufen lässt. Aber dann, wenn man ganz ruhig ist, aufmerksam zuhört, eröffnet My Sister Grenadine, die imaginäre Schwester von Bandmastermind Vincenz Kokot, kleine eigene Welten.

Die Person ist natürlich erst mal imaginär, obwohl es mir darum geht, dass es da nicht so klare Grenzen gibt. Ich habe keine physisch vorhandene Schwester. Aber ich habe insofern eine Schwester, als dass ich sie mir ausdenke und über sie auch Lieder schreibe – oder sie mich zu Liedern inspiriert. Insofern ist sie auch real.

Deine Mutter schwimmt vorbei, der Himmel fällt auf den Kopf, jemand läuft im Badeanzug durchs Museum. Jeder Song eine eigene kleine absurde Geschichte zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Begebenheiten.Untermalt werden die lyrischen Zeilen von ähnlich skurrilen Tönen. Ukulele, Glockenspiel, Melodica und ein paar Plastiktüten tun ihr Übriges. Singer/Songwriter-Pop im gar nicht mal so folkigen Sinne.

Susi Sado, die auch in Berlin Musik macht, hatte eine Ukulele – und von ihr hab ich die gegriffen und damit mal gespielt. Das hat sich dann ganz gut angefühlt. Vorher hab ich das Instrument aber eigentlich auch nicht so richtig ernst genommen.

Spare Parts ist ein Akustikalbum voller fröhlicher Spielerei, der stets ein bisschen Melancholie beiwohnt.

Bei der ersten CD war es mir sehr wichtig, dass alles ganz minimiert, irgendwie karg war und die Lieder auch ganz „bloß“ daliegen. Live ist das natürlich immer eine Überwindung, aber gleichzeitig auch eine interessante Situation, die man sonst vielleicht gar nicht hat. Bei den Akustiksongs ist das also eher in eine verspielte und vielschichtigere Ecke gegangen als noch bei dem Debüt.

Das Berliner Trio experimentiert mit Tönen, Worten und Alltagsgeräuschen, die sich immer wieder zu einer Melodie zusammenfinden, die man auch mitpfeifen kann. Was immer noch niemanden stört, einen aber am Ende mit einem ganzen Haufen Eindrücke zurücklässt.