Reingehört: The Crookes – Hold Fast

26.07.2012

The Crookes treiben das Ding mit der Zeitmaschine so weit, dass sogar ein Begriff wie „Retro“ nicht so richtig passt – ihre Musik ist nicht einfach eine Neuauflage, sondern eher ein Akt der Wiederbelebung. Ihr neues Album, „Hold Fast“, verdient ein Echtheitszertifikat: Willkommen zurück, 60s Rock`n`Roll.

Altmodisch aus Überzeugung und nicht aus Berechnung - The Crookes (Foto: Dimitri Hakke)

The Crookes - Hold Fast

Hold Fast

The Crookes

(Fierce Panda, bereits erschienen)

The Crookes lassen eine andere Ära wieder aufleben, eine Zeit in der die Mädchen Kleider und Kniestrümpfe trugen, Jungs im Anzug tanzen gingen und man sich zum Knutschen noch in dunkle Ecken zurückzog.

Hold fast – „Festhalten!“ – heißt das neue Album von The Crookes, und tatsächlich legt die Vierer-Kombo aus Sheffield darauf ein Tempo vor, bei dem sich vermutlich nur die abgebrühtesten Jetztzeit-Verfechter nicht auf die nächste Tanzfläche ziehen lassen.

Sänger George Waite und seine Bandkollegen spielen ihr Repertoire im ultra-klassischen Set-up mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Die Nostalgie zieht sich vom Sound bis in die Texte: Natürlich geht es um Liebe und Liebeskummer, wenn auch nicht immer ganz unschuldig und naiv – zwischen den Zeilen blitzt hin und wieder schon durch, dass auch The Crookes eigentlich im Jahr 2012 leben und durchaus nicht in jeder Situation Gentlemen und Romantiker sind.

„You’re the perfect second best“ heißt es zum Beispiel wenig charmant, aber bestens nachzuempfinden in Maybe In The Dark – das musikalische Pendant zur trotzigen Suche nach einem neuen Date, wenn es mit der ewigen Liebe doch nicht so funktioniert hat.

Derartige emotionale Zwischentiefs sind aber selten auf der Platte, grundsätzlich klingt das zweite Album von The Crookes noch genauso unbekümmert und optimistisch wie ihr Debüt Chasing After Ghosts von 2011. Die Musik von The Crookes ist clever und ganz offensichtlich mit viel Herzblut gemacht – altmodisch aus Überzeugung und nicht aus Berechnung. Genau das macht Hold Fast so sympathisch – es gibt nicht vor, musikalisches Neuland zu betreten, aber es lässt einen für einen Moment lang eintauchen in die „gute alten Zeit“.

Und letztlich geht es ja auch gar nicht darum, britischen Gitarrenop neu zu erfinden – im Gegenteil. The Crookes haben verstanden, dass das Genre schon lange Perfektion erreicht hat – bleibt nur, die zu zelebrieren und das tun The Crookes mit Hold Fast aufs Schönste.