Saitenwechsel | Sopranistin Victoria Joyce über Klassik-Openairs

Klassik auf Picknickdecken

18.06.2014

Vor knapp 120 Jahren rief ein englischer Geschäftsmann die "Proms" ins Leben. Die Sommerkonzerte sollten die Leute aus dem Biergarten weglocken, hin zur Klassik. Ihr Leitspruch: Essen, trinken und rauchen während des Konzertes ausdrücklich erlaubt.

Klassik auf Picknickdecken statt im Konzertsaal. Foto: Gewandhaus

in Kooperation mit dem GewandhausSaitenwechsel | detektor.fm entdeckt Klassikwird präsentiert vom Gewandhaus zu Leipzig 

Als der englische Geschäftsmann Robert Newman 1895 die Proms ins Leben rief, wollte er mit klassischen Konzerten in lockerer Atmosphäre Leute für Musik begeistern, die ihre Sommerabende lieber im Biergarten oder im Pub verbrachten. Die Angst um das schwindende Publikum – war sie vor knapp 120 Jahren genauso groß wie heute?

Heute wie damals sei klassische Musik für manche Leute einfach nicht zugänglich, weil sie dieses gesellschaftlich elitäre Image hat, sagt Victoria Joyce. Die englische Sopranistin ist auf den Bühnen des Londoner Westends genauso zu Hause wie in den Konzerthäusern von Berlin, Hamburg und Dresden.

Essen, Trinken und Mitsingen erlaubt

Im Juli wird sie mit dem Gewandhausorchester im Leipziger Rosental auftreten, eine Reminiszenz an die Last Night Of The Proms – das legendäre Abschlußkonzert der britischen Konzertreihe. Die Royal Albert Hall reicht längst nicht mehr aus, um dem Ansturm auf dieses Konzert gerecht zu werden. In Parks wird das Spektakel auf riesigen Video-Leinwänden übertragen. Die Leute bringen ihre Picknickdecken mit und lassen es sich gut gehen.

victoria joyce"Jeder macht das, was er am liebst macht: Essen, trinken und Musik hören. Einfach mal abschalten, Freunde treffen und entspannen - das ist im Zeitalter von Technologie und Social Media wichtiger denn je."Victoria JoyceSopranistin 

Victoria Joyce über Klassik-Openairs, die britische Konzert-Mentalität und ihre Begeisterung für die Oper:

Oper ist wie Seifenoper. Es geht um Liebe, Affären, Geld, und Macht. Wie im Fernsehen. Nur kriegt man in der Oper noch die Musik dazu.