Von Wegen Lisbeth auf Tour

"Vielleicht sind wir die großen Vorreiter"

08.09.2016

Was ist eigentlich Indiepop? Wehleidiger Weltschmerz von jungen Männern Anfang zwanzig, dazu möglichst traurige Klavierklänge und sanfte Gitarrenakkorde? "Von wegen!", sagt die Band Von Wegen Lisbeth aus Berlin. Sie gehen im Herbst mit wahnsinnig guter Laune auf Tour.

Jung, smart und selbstsicher. So gehen Von Wegen Lisbeth aus Berlin im Herbst auf Tour. Foto: PR

Von Wegen Lisbeth - Grande

Grande

Von Wegen Lisbeth

(Sony Music, bereits erschienen)

Indiepop, das traut man sich ja fast schon nicht zu sagen, dass man Indiepop macht, weil es dieser Einheitsbrei von dahintriefenden Was-Weiß-Ich-Songs ist. Vielleicht fehlt da genau das, dieses Gefühl: „Ah, ihr habt ja auch Spaß an der Mucke, die ihr macht!“. Vielleicht sind wir da große Vorreiter.

Julian Zschäbitz ist Drummer bei Von Wegen Lisbeth und mit dem gesunden Selbstbewusstsein der jungen Band ausgestattet, die gerade ihr erstes Album herausgebracht, es mal eben „Grande“ genannt hat und mächtig stolz darauf ist.

Atzen-Porno-Rap und Terrorgruppe

Zufrieden sind sie und sie haben es sich verdient. Denn Von Wegen Lisbeth kennen sich schon ewig und machen auch schon fast genau so lange Musik miteinander. Von Indie oder sogar Pop konnte man anfangs allerdings so gar nicht sprechen. Die Einflüsse scheinen erstmal weit weg von der Musik, die Von Wegen Lisbeth heute machen.

Diese ganzen Berliner Punk-Bands: Ladehemmung, Frustkiller, Terrorgruppe sowieso, solche Sachen. Es hat sich vermischt. Wir haben viel so etwas gehört und dann viel Atzen-Porno-Rap. Diese beiden Einflüsse sind irgendwie ein bisschen da.

Urcool ist der Sound, den Von Wegen Lisbeth auf ihrem ersten Album konstant durchziehen. Ein bisschen klingen sie dabei wie die deutschen Balthazar.

Der akzentuiert gespielte Bass. Blecherne Bläsersamples. Der lässig vorgetragene Gesang, der sich trotzdem pointiert in das musikalische Gesamtgebilde einfügt. Alles sehr laid back, in Sound und Geschwindigkeit, aber manchmal auch mit guten Tempo, was die Berliner dann wieder von den Belgiern Balthazar unterscheidet.

Inspiration? 50 Grad im ICE!

Ganz viel von den Ideen für die Texte entsteht aus Gesprächen, die man mit Leuten hat, ob man die dann scheiße oder gut findet. Bei „Bitch“ zum Beispiel ist das eine reine Aneinanderreihung von Sachen, die mir Leute erzählt haben, bei denen ich dachte: „Boah, ist das dein Ernst? Das ist mir scheißegal!“ Aber die können sich den ganzen Tag darüber unterhalten, dass sie gestern im ICE gefahren sind und es war 50 Grad und das ist eine absolute Unverschämtheit. Da entsteht auf jeden Fall viel!

Diese Absurditäten des Alltags sind Themen der Texte von Sänger Matthias Rohde, genauso wie die Pop-Dauerbrenner Selbstdarstellung in den sozialen Medien und natürlich – die Girls. Dann wäre da nur noch eine Sache zu klären: Der zutiefst selbstsichere Name der Platte, Grande. Julian Zschäbitz:

Irgendwann mit ein paar Kommilitonen war ich im Urlaub in Venedig. Da haben wir auf Basis des Grande Canals zu allem „grande“ gesagt, was einfach total „grande“ war. Dann haben wir irgendwann zu allem „grande“ gesagt. Da dieses Album mindestens so großartig ist wie der Grande Canal in Venedig, musste das auch „Grande“ heißen. Also wie geil ist es bitte, dass wir jetzt eine „Grande Tour“ spielen können? Es ist der Hammer. In Annaberg-Buchholz eine Station der „Grande Tour“! Ist das nicht super?“

Tickets gewinnen

Für die Tour der Berliner Band verlosen wir Tickets. Einfach eine Mail schreiben mit dem Betreff „Von Wegen Lisbeth“ an musik@detektor.fm. Name und Wunschstadt nicht vergessen! Die Gewinner benachrichtigen wir rechtzeitig per Mail.

Redaktion: Jakob Bauer