wann hast Du zuletzt etwas selbstgemacht oder repariert? Bei mir ist es schon länger her, obwohl ich aus einer Familie von handwerklich begabten Menschen komme. Meine Eltern und Großeltern haben früher vieles selbst gemacht, von Nahrungsmitteln aller Art wie selbst angebautes Obst und Gemüse bis hin zu selbst gezimmerten Türen und gemauerten Wänden. Eben typisch ostdeutsch, oder?
Um die Reparaturkultur in ostdeutschen Bundesländern geht es in der neuen DAZWISCHEN-Folge. Katja und Marie sprechen mit einer Historikerin darüber, wie sehr Reparieren und Selbermachen die Menschen in der DDR prägte und wie sehr es auch heute Menschen verbindet.
Im Repariercafé Krimzkrams in Zeitz haben sie erlebt, wie Menschen über das Reparieren alter Schmuckstücke in Kontakt und manchmal auch aus der Einsamkeit herauskommen. Das macht Repariercafés zu wichtigen Orten für Begegnung, Zusammenhalt und Demokratie in Sachsen-Anhalt. Dazu empfehle ich Dir auch unsere Folge über sogenannte dritte Orte.
Reparieren liegt wieder im Trend und wird sogar vom Staat gefördert, wie Du im Newsletter lesen kannst. Die EU-Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“ stärkt Repariercafés und macht es Verbrauchern zukünftig leichter, Geräte reparieren zu lassen anstatt sie neu zu kaufen.
Übrigens ist am Sonntag Muttertag. Vielleicht wird es ja etwas Selbstgebautes, Repariertes oder ein Geschenk von einem der im Newsletter angekündigten Flohmärkte?
Hier kommt noch die Auflösung der Umfrage von vergangener Woche:
Im Krimzkrams Zeitz: Von Brotschneidemaschinen und Reparaturkultur
Im Repariercafé Krimzkrams in Zeitz repariert ein Besucher eine alte Brotschneidemaschine aus der DDR. Foto: Katja Schmidt
Ob der geliebte Weihnachtsstern, der plötzlich nicht mehr leuchtet, oder die DDR-Brotschneidemaschine, die nach 40 Jahren den Dienst quittiert: In Sachsen-Anhalt hängen an vielen Alltagsgegenständen wertvolle Erinnerungen.
In unserer neuen Folge von DAZWISCHEN nehmen Katja und Marie uns mit ins Repariercafé KrimzKrams in Zeitz. Einmal im Monat heißt es dort „Reparier ab vier“. Bei Kaffee und Kuchen treffen hier versierte Tüftler auf Menschen, die Hilfe beim Instandsetzen liebgewonnener Gegenstände benötigen. Doch es geht um weit mehr als nur neue Dichtungen und gelötete Drähte.
Das KrimzKrams ist ein Ort, an dem die einen besonders den Austausch und die Begegnungen schätzen. Die anderen erfahren hier Wertschätzung für ihr Können. Schon in der DDR genoss Heimwerken ein hohes Ansehen und wurde staatlicherseits gefördert, wie die Historikerin Reinhild Kreis einordnet.
Aus einem Mangel an Gütern und Ressourcen heraus entstand so eine starke Kultur des Selbermachens und Reparierens. Das prägte die Identität der Menschen in der DDR.
Dementsprechend verloren Reparierkompetenzen im Zuge der Wiedervereinigung an Wert und Relevanz. Viele Menschen im Osten haben das damals als Entwertung ihrer Tätigkeiten und Fertigkeiten empfunden, erklärt Reinhild Kreis. Heute gelten sie wieder als fortschrittlich unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit.
Reparaturcafés wie das Krimzkrams in Zeitz sollen leichter auffindbar werden mit Hilfe einer Onlineplattform. Foto: Katja Schmidt
In Zukunft dürfte in Sachsen-Anhalt auf jeden Fall noch mehr repariert werden. Denn bis Ende Juli dieses Jahres muss Deutschland die europäische Leitlinie zum „Recht auf Reparatur“ in nationales Recht überführen. Das soll der Nachhaltigkeit dienen, Ressourcen schonen und Elektroschrott vermeiden.
Sachsen-Anhalt hat zur besseren Auffindbarkeit von Reparaturfachbetrieben und -cafés den Reparaturatlas Sachsen-Anhalt lanciert. Er soll den Weg zur Reparatur erleichtern. Ein weiterer Anreiz ist ein zusätzliches Jahr Gewährleistung, wenn Verbraucher sich für eine Reparatur anstelle eines Neugerätes entscheiden.
Hersteller müssen zukünftig Ersatzteile und Werkzeuge über die zweijährige Gewährleistungszeit hinaus je nach Gerät bis zu zehn Jahre und zu fairen Preisen vorhalten und auch für unabhängige Werkstätten und Hobby-Bastler zugänglich machen. Das gilt aber nur für bestimmte Haushalts- und Elektrogeräte, wie Tablets, Smartphones, Waschmaschinen, Fernseher, Kühlschränke und Staubsauger.
Ich möchte von Dir wissen, wie oft Du Dir Zeit nimmst, um kaputte Gegenstände zu reparieren. Beteilige Dich gern an der Umfrage!
Umfrage
Wie oft nimmst Du Dir Zeit zum Reparieren von Dingen?
Mach mit bei der Umfrage in dieser Woche und sag uns, wie oft Du Dir Zeit nimmst, etwas wieder instand zu setzen.
Gebraucht statt neu kaufen, schont den Geldbeutel und die Umwelt. Hier gibt es drei Inspirationen für Flohmärkte am Wochenende.
Inklusiver Flohmarkt in Wanzleben
Ein inklusiver, barrierefreier Flohmarkt findet in Wanzleben statt. Foto: Lebenshilfe Helmstedt-Wolfenbüttel
Die Lebenshilfe veranstaltet am Sonnabend, den 9. Mai, in Wanzleben einen inklusiven und barrierefreien Trödelmarkt. Einige Stände werden von den Mitarbeitenden aus Werkstätten für behinderte Menschen organisiert. Der Markt befindet sich am Markt 3 neben dem Rathaus und ist für die Zeit von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Zwischen Kleidung, Spielsachen, Büchern, CDs, DVDs und Selbstgemachtem kann in Ruhe gestöbert werden.
Trödelmarkt auf Burg Querfurt
Das Bauernmuseum auf Burg Querfurt. Foto: Wolfgang Kubak
Im Ambiente der Burg Querfurt findet am Sonnabend, den 9. Mai, ein Trödelmarkt statt. Angekündigt sind 46 Stände unter anderem mit Mopedteilen, Porzellan, Büchern, Werkzeug, technischen Geräten mit Retrocharme, Spielzeug und Antiquitäten. Besucher können in der Zeit von 9 bis 16 Uhr auch das Bauernmuseum auf der Burg besichtigen. Es zeigt, wie Bauersfamilien früher gewohnt und gearbeitet haben. Ein Esel und Ziegen sind auch zu sehen. Der Eintritt kostet ab 18 Jahren 4 Euro. Alle Infos gibt es hier.
Flohmärkte in der Landeshauptstadt
Der Gratisflohmarkt in Magdeburg. Foto: Landeshauptstadt Magdeburg, Städtischer Abfallwirtschaftsbetrieb
Einen Gratisflohmarkt veranstaltet der Städtische Abfallwirtschaftsbetrieb Magdeburg am Sonnabend, den 9. Mai, in der Liebknechtstraße 84. Zwischen 10 und 13 Uhr können Besucher gut erhaltene Haushaltsgegenstände, Bücher, kleinere Möbel und Geschirr kostenlos mitnehmen.
Im Rahmen des Familienfestes der Magdeburger Eisenbahnfreunde findet am Samstag und Sonntag, den 9. und 10. Mai, ein 140 Meter langer Trödelmarkt im Wissenschaftshafen statt. Los geht es an beiden Tagen um 10 Uhr. Am Sonnabend endet das Fest um 18 Uhr, am Sonntag um 17 Uhr.
Ausblick
Nächste Woche geht es ums Geld, denn wir beschäftigen uns mit Fonds und Stiftungen in Sachsen-Anhalt. Die übernehmen oft Aufgaben, die Staat oder Markt nicht vollständig abdecken. Doch in Sachsen-Anhalt gibt es deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt und vor allem nicht die großen, kapitalstarken Stiftungen. Was das für das Land und dessen gemeinwohlorientierte Initiativen bedeutet, erfährst Du nächsten Donnerstag.
Bis dahin
Anne
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