In einer Zeit, in der Geschwindigkeit und Unsicherheit hoch sind und Glaubwürdigkeit eher rar ist, schauen wir in dieser Podcast-Episode mal auf das, was wir dem entgegensetzen können, und landen ziemlich schnell bei Vertrauen. Vertrauen ist hier im Podcast ja auch gerade erst ein großes Thema gewesen im Gespräch mit Anje von Dewitz von VAUDE. Und in dem Fall ging es um Vertrauen in die Führung und deren ernsthaftes Interesse an Nachhaltigkeit.
Wie aber entsteht Vertrauen, und wie können wir es stärken und ausbauen? Gebt mir, Christian Bollert, doch für diese Folge euren Vertrauensvorschuss, und ich verspreche, wir alle können neue Impulse mitnehmen.
Heute wird ja fast alles gemessen: Klicks, Kosten, Krankenstand, Produktivität, Kundenzufriedenheit und vieles, vieles mehr. Aber ein Faktor, der oft darüber entscheidet, ob Zusammenarbeit überhaupt funktioniert, haben viele kaum systematisch im Blick, nämlich Vertrauen. Dabei ist Vertrauen in Organisationen ja mehr als nur ein gutes Gefühl, denn es kann Prozesse beschleunigen und Kontrolle ersetzen, Innovationen und Transformationen ermöglichen und Bindung schaffen, nach innen und nach außen.
Für Unternehmen kann es ziemlich teuer werden, wenn Vertrauen in Zielvereinbarungen oder in Kennzahlen kaum auftaucht. Denn wer sich nicht um ein vertrauensvolles Miteinander kümmert, der zahlt häufig später den Preis in Form von Verzögerungen, Fluktuationen oder auch verpassten Chancen. Und genau hier setzt eine Studie an, die die Pilotagenturgruppe gemeinsam mit brand eins erarbeitet hat: Der Vertrauensindex 2026. Der soll sichtbar machen, wie wichtig Vertrauen für Menschen in Wirtschaftsorganisationen ist, welche Bedingungen Vertrauen überhaupt möglich machen und wie Unternehmen diesen Wirtschaftsfaktor messen und fördern können.
Dafür sind Berufstätige ab 18 befragt worden. 1.048 haben Auskunft gegeben, und über die Ergebnisse dieses Vertrauensindex spreche ich in dieser Folge mit dem Geschäftsführer der Pilotagenturgruppe, mit Christian Meinten. Und ich sage Hallo und herzlich willkommen im brand eins Podcast, Christian.
Hallo Christian, ich freue mich sehr, dabei sein zu dürfen. Fangen wir doch mal mit dem Gegenteil von Vertrauen an, also Misstrauen. Warum kann Misstrauen teuer werden für Organisationen und Unternehmen?
Nun, ich glaube, es ist etwas, was wir alle im Alltag spüren. Und das war eben auch so ein Thema in dieser Studie, herauszufinden: Wie viel ist das eigentlich? Wie viel ist es wert, Vertrauen zu haben? Oder anderswo eben auch: Wie viel schadet es, wenn Vertrauen nicht da ist? Und das haben wir gemessen und konnten tatsächlich relativ klar nachweisen, dass das Fehlen von Vertrauen schädlich ist für das Wirtschaften eines Unternehmens.
Und der Abstand in der Studie, also zwischen den Menschen, die sagen, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens wird deutlich gestärkt durch vorherrschendes Vertrauen, liegt so bei 93 Prozent, haben das gesagt. Und auch klare 85 Prozent sagen: Nein, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wird eher oder auch sehr negativ beeinträchtigt, wenn Vertrauen nicht da ist oder wenn Misstrauen herrscht, was ja nochmal eine Dramatisierung des Ganzen dann ausmacht.
Und wir sehen Zusammenhänge, wie – und ich muss da wieder in Positivität zurückgehen, weil der einfach immer noch viel stärker ist – ein stark vorherrschendes Vertrauen zwischen Teams innerhalb eines Unternehmens oder Menschen auch zwischen Unternehmen schlägt bezogen auf den wahrscheinlichen Erfolg eines Projektes oder einer Zusammenarbeit substanziell stärker durch als andere Ressourcenfragen, wie zum Beispiel die Budgetierung. Das heißt, auch das ist ein Beispiel dafür, dass Vertrauen unterm Strich Geld wert ist.
Immer abgesehen davon, dass, glaube ich, wir alle wissen, dass, wenn man einander vertraut, auch alles irgendwie viel leichter von der Hand geht und viel mehr Spaß macht. Diesen Aspekt mit dem Budget, den werden wir sicher in diesem Gespräch nochmal ein bisschen genauer auseinanderklamüsern. Aber ich finde es schon beeindruckend, was du gerade gesagt hast: Diese 93 Prozent, die eben sagen, das ist sehr wichtig oder eher wichtig. Also das ist schon beeindruckend.
Und trotzdem habt ihr festgestellt, es wird selten gemessen von Unternehmen. Also ist das ein blinder Fleck oder vielleicht auch wirklich einfach schwer messbar? Ehrlich gesagt finde ich, wir beschreiben ja fast ein Paradoxon. Also wenn du anfängst, Vertrauen zu messen, wie viel Vertrauen herrscht denn da eigentlich auch noch? Und also das Signal darin steckt eigentlich: Es ist ein so relevanter Produktivfaktor, dass Unternehmen, die sonst alles messen, darüber steuern, den Faktor Vertrauen als Messmetrik, KPI, besser nicht außen vor lassen sollten.
Und auf der anderen Seite finde ich persönlich, steht dem dann auch entgegen, dass, wenn ich anfange, Vertrauen zu messen, dann frage ich mich, wie viel davon herrscht denn wirklich vor. Also irgendwo stehen wir genau dazwischen, zwischen dem Vertrauen, das Vertrauen leistet, und den Voraussetzungen, die ich dafür schaffen muss, und exakten Messbarkeit und Messung des Grades von Vertrauen zwischen den Menschen im Unternehmen und auch eben an der Standstelle zu Kunden und Partnerinnen außerhalb des Unternehmens.
Dieses Spannungsverhältnis finde ich total gut, was du da beschreibst. Warum habt ihr es denn trotzdem versucht, euch da mal dem zu nähern? Ja, weil natürlich die Idee schon auch ist, zumindest mal diesen Studienansatz zu quantifizieren oder ja zu quantifizieren, dem nahe zu kommen: Welchen Wert hat denn das eigentlich wirklich, in Vertrauen zu investieren?
Und letzten Endes glaube ich, wissen wir auch, dass Vertrauen ist erst mal etwas, was Menschen sich gegenseitig geben und schenken. Aber das hat ja auch seine Voraussetzungen, die vielleicht anfängt bei persönlicher Sympathie. Aber vielleicht muss das gar nicht sein. Vielleicht sind es eben auch andere Dinge, wie sozusagen das Abbau von Distanzen inhaltlicher Art, persönlicher Art, räumlicher Art, die Investition in gemeinsame Zeit und des sich Kennenlernens und durchaus auch anzuerkennen, dass Vertrauen sich über einen Zeitraum auch aufbaut, weil es sich immer wieder bestätigt im Miteinander und umso tiefer und umfassender wird.
Und auch das haben wir nochmal klar bestätigt. Ein bisschen finde ich ist auch das Kommenzenz. Aber wenn man es an den Daten eines solchen Studiums nochmal sieht, wird es umso prägnanter. Das, was ich lange an Aufbau von Vertrauen kann ich eben durch sehr kleine Taten oder Unterlassungen auch wahnsinnig schnell wieder abbauen. Und dann habe ich einen massiven wirtschaftlichen Schaden, nicht nur einen menschlichen.
Und das alles steckt eben dann in diesem Vertrauensindex. Und letzten Endes geht es uns ja durch die Quantifizierung darum, nochmal für Unternehmen und uns alle, die wir da in der Wirtschaft tätig sind, zu untermauern, dass wir bewusster vertrauen sollten und die Voraussetzungen dafür schaffen.
Was hat dich denn am meisten überrascht bei diesem Vertrauensindex, bei diesen, ich sag mal, quantifizierten Daten? Am meisten überrascht hat mich tatsächlich schon der eine Aspekt, den ich eben angesprochen habe: dass das und wie stark Vertrauen letztlich so etwas wie die Budgetierung von Projekten und Ähnlichem schlägt, wenn es darum geht, dass man erfolgreich ist und produktiv ein Ergebnis erreicht.
Und auf der anderen Seite ein Vertrauensverlust schlägt all das, was man an Voraussetzungen schaffen kann für Produktivität. Also wenn man vertraut, ist es sehr viel einfacher, gute Ergebnisse zu erreichen. Und auch mit, das muss ja dann letzten Endes an so einer Aussage auch dranhängen, mit weniger Budget als in einem vielleicht neutralen Vertrauensverhältnis.
Aber die andere Wahrheit ist eben, dass, wenn kein Vertrauen vorherrscht, dann ist es schon fast unmöglich, mit den richtigen anderen Ressourcen überhaupt noch starke Ergebnisse zu erreichen. Ihr habt es auch relativ knallhart auf, ich sag mal, drei Wörter zusammengefasst in dem Index. Da steht: Vertrauen schlägt Budget. Und du hast es ja gerade beschrieben. Was lerne ich denn als Führungskraft daraus? Heißt es wirklich, ich kann beispielsweise bei Technologie oder allgemein finanziellen Mitteln weniger einsetzen, wenn ich den anderen Punkt, nämlich dieses Vertrauen, besser bearbeite oder erhalte?
Meine persönliche Interpretation dieser Aussage und der Daten in der Studie ist genau das. Und das deckt sich, muss ich auch sagen, mit meiner persönlichen Erfahrung, ohne dass man das nach dem Geschäftsalltag immer quantifizieren kann. Aber da, wo sich Menschen vertrauen und sich zutrauen, dass man gemeinsam und in einer entsprechenden Arbeits- und Raumaufteilung starke Ergebnisse erreichen kann, dass das einfach sehr viel schneller geht.
Es braucht viel weniger Investitionen in absichernde Methoden. Es braucht viel weniger Investitionen in absichernde Rahmenbedingungen wie Verträge oder Dokumentationen und all das. Jetzt Dokumentationen und auch andere Werte, die weit über Vertrauen hinausgehen, aber wir wissen auch alle, dass genau an diesen Aspekten ein Teil ist, ein Produktivfaktor, wenn es um Dokumentationen geht.
Ich finde gerade ein ganz gutes Beispiel, geht der absichert, dass man an der Ecke auch zukünftig wieder aufsetzen und weitermachen kann. Und ein anderer Teil hat auch so etwas wie Absicherung von zu gering ausgeprägtem Vertrauen manchmal zum Gegenstand. Und das sind, glaube ich, ein paar Beispiele, die untermalen, wo ich da Geld sparen kann.
Ich kann, glaube ich, auch Geld sparen, wenn ich indem ich viel kleinere Projektteams aufstelle, weil eben nicht alle mit am Tisch sitzen müssen, wenn Vertrauen vorherrscht, dass die, die da am Tisch sitzen, schon für alle irgendwo partizipierenden davon abhängenden Menschen oder Teams oder Teilorganisationen das mit im Blick haben und einfach dafür sorgen, dass es für alle schon am Ende gut wird oder besser als das, was man vielleicht sonst erreichen könnte.
Und das alles sind aus meiner Sicht eben Aspekte, die die untermalen, und ich glaube auch für viele nachvollziehbar sind, dass das Vertrauen Budget schlägt. Christian Meinten, CEO der Pilotagenturgruppe, beim Podcast Radio detektor.fm.
Und wir sprechen in dieser Folge noch ein bisschen genauer darüber, wo Vertrauen in Teilorganisationen entsteht und wie es eben auch kaputt gehen kann. Und natürlich schauen wir auch, wie Unternehmen Vertrauen ganz konkret fördern können.
Christian, was ich auch interessant fand in eurem Vertrauensindex, ist, dass es offenbar vielen der von euch Befragten gar nicht ausschließlich um, ich sage mal, dieses große komplexe langfristige Vertrauen geht, sondern auch um vermeintlich kleine Dinge wie klare Ziele oder effiziente Kommunikationswege, dass die fast genauso wichtig bewertet werden. Ja, total.
Und ich glaube, es sind einfach auch die Bausteine, aus denen Vertrauen entsteht. Bei dem Thema Ziele, ich glaube, Ziel ist so eine Technik, die wir gerne nutzen. Ich weiß nicht, ob es wirklich Ziele in der Form sein müssen. Ich glaube, Ziele sind für mich auch ein Element von Kommunikation, das sich durchaus ablösen kann durch andere Formen von Kommunikation.
Aber ich glaube, eben diese Offenheit in der Kommunikation, die die Transparenz auch Wege zu schaffen, das in einer guten kontinuierlichen Art und Weise zu machen, in einer angemessenen Tiefe und Umfang, was Kommunikation betrifft, aber insbesondere in einem guten Transparenz und Authentizität und Stabilität.
Also, dass das, was ich sage, auch gilt, dass das, was ich sage, zu dem passt, was ich gemacht habe oder mache oder machen werde, sodass da eine große Übereinstimmung einfach herrscht zwischen meinen Worten und meinen Taten.
Aber ich glaube, die Taten auch sichtbar zu machen durch Kommunikation ist schon auch ein wichtiger Teil davon, der Vertrauen schafft und stärkt. Vielleicht auch weil man dafür sorgt, dass es nicht als Zufall interpretiert wird, dass Sachen gut geworden sind, sondern man über Kommunikation Kontext geben kann, erklären kann, einordnen kann, aber eben auch Zugang schafft zu dem, was da passiert ist, weil auch Taten sind ja nicht immer komplett sichtbar für alle.
Und insofern ist Kommunikation einfach ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil oder eigentlich nicht Bestandteil, ist zu wenig, als wesentlicher Treiber für Vertrauen. Die Offenheit zuzuhören gehört dazu, genauso wie das Senden von relevanten Informationen und Botschaften.
Wenn du jetzt Kommunikation schon so konkret ansprichst, dann, ich finde, ist das erst mal im ersten Moment total plausibel. Aber gleichzeitig fragen sich vielleicht auch viele Hörerinnen und Hörer: Ja, was konkret bedeutet das denn? Wie kann ich das denn dauerhaft gut kommunizieren?
Es ist eine Königsdisziplin, diese gute Kommunikation, das Recht in dieser Geschwindigkeit und Schnelligkeit, in der wir gerade unterwegs sind, in der Entscheidungen getroffen werden, Dinge umgesetzt werden, in der man auch feststellen muss, dass man Dinge, die man entschieden hat, neu entscheiden muss, weil sie sich doch nicht als richtig herausgestellt haben.
Vieles ist mit Unsicherheit und Risiko unterlegt. Und da muss ich passende Kommunikationsmethoden finden, solche, die ausreichend weitreichend sind, um einen längeren Weg vorzuzeichnen und Menschen nachvollziehen können, warum man bestimmte Dinge macht und wie man sie. Genauso aber unterwegs immer wieder auch sicherzustellen, dass nachvollziehbar ist, was da passiert.
Und ich glaube, das ist, was meine ich, eine der größten Herausforderungen im Unternehmen auf ganz, ganz vielen Ebenen für die Menschen innerhalb eines Teams, genauso wie unterschiedliche Führungsebenen. Da gibt es noch keinen, was meine ich, noch keinen absoluten Best Practice in der Arbeitswelt und Unternehmenswelt und Führungswelt, in die wir gerade schon reingelaufen sind.
Das Bewusstsein ist das erste, was ich da am Blick haben muss. Also zu wissen und ein Gefühl dafür zu haben, auch reagieren zu können, wenn ich merke, da habe ich noch nicht ausreichend kommuniziert, und dann eben möglichst engmaschig, punktuell klar und immer wieder dann auch Kontext geben zu kommunizieren.
Stichwort Ebenen. Was ich als Geschäftsführer sehr spannend finde, ist, dass ihr im Prinzip auf so einer quantitativen Ebene nachweist, dass Vertrauen laut eurer Befragung jedenfalls mit Distanz und Hierarchie auch abnimmt. Also direkten Kolleginnen und Kollegen wird deutlich schneller und stärker vertraut als beispielsweise der Personalabteilung oder erst recht natürlich vielleicht der strategischen Unternehmensleitung.
Was bedeutet das denn für Führungskräfte? Und wir wissen ja, viele hören diesen Podcast hier. Also was können Führungskräfte da mitnehmen? Sich genau das immer wieder bewusst machen. Und einmal ist das eine Wahrheit, die sich auch nicht jetzt ganz neu herausstellt, dass das da ist. Das haben wir, gibt es andere genug Studien, die das schon immer unterlegt haben.
Aber für mich dramatisiert sich das, genau wie eben schon beim Thema Kommunikation auch angesprochen, in unserer aktuellen Zeit. Also sich das bewusst zu machen und auch anzuerkennen und zu akzeptieren, dass das so ist und dass das Überbrückung braucht, und zwar in direkter Kommunikation, genauso wie in indirekter Kommunikation über Führungsebenen hinweg, in Zugänglichkeit, in Sichtbarkeit, aber auch in Vertrauenswürdigkeit.
Und wenn ich weiß, dass man mich im Alltag wenig sehen oder leben kann und vielleicht auch nicht im Moment nachvollziehen kann, dass das, was ich sage, auch so gemeint ist, dass das, was ich tue, zu dem passt, was ich gesagt habe, oder dass ich auch erklären kann, wenn sich etwas verändert hat und jetzt aus neuen Überzeugungen oder Erkenntnissen daraus etwas anders mache und das mal wieder einordnen und darüber Transparenz schaffe, Nachvollziehbarkeit und Zugänglichkeit schaffe.
Das ist etwas, was wir umso bewusster leisten müssen. Und ich glaube, wie eben schon gesagt, eine der größten Herausforderungen in Führung, das in einem guten und auch angemessenen umfangreichen Modus hinzubekommen. Bewusstsein ist, glaube ich, der Start. Bewusstsein dafür, dass das so ist. Akzeptanz dessen, dass das so ist. Und dann das permanente Suchen nach der bestmöglichen Methode, um Nähe und Zugänglichkeit zu schaffen, sodass Vertrauen entstehen kann.
Es gibt ja, ich sage mal, auch noch eine andere Sphäre von Vertrauen, also eben nicht nur im eigenen Team oder im eigenen Unternehmen, sondern gerade außerhalb der Organisation. Also beispielsweise mit Kunden oder mit Partnern oder Dienstleistern oder auch mit Wettbewerbern beispielsweise. Oder auch, wenn man noch ein bisschen weiter rausgeht, beispielsweise auch mit der Politik oder der Verwaltung oder so.
Was ist denn da aus eurer Erfahrung jetzt aus dem Index rausgekommen, was man mitnehmen kann, was man lernen kann in Sachen Vertrauen? Ja, ich glaube, du hast den Punkt, den du gerade eben angesprochen hast, schon einen ganz zentralen Aspekt auch für diese Außenstellen benannt, nämlich: Distanz vergrößert die Herausforderung, Vertrauen zu schaffen.
Und das ist natürlich schon im Unternehmen, wie wir gerade festgestellt haben, eine ordentliche Herausforderung. Aber nach außen ist Distanz ja umso größer. Wir sehen, dass das Vertrauen zwischen einem Unternehmen und den Kundinnen oftmals nochmal deutlich geringer liegt als das Vertrauen allein auch in die Kolleginnen innerhalb anderer Abteilungen eines Unternehmens.
Also Menschen, die zwar Teil meiner Organisation sind, mir aber im Alltag nicht ganz so nah. Den vertraue ich dennoch substanziell mehr als den Kundinnen, mit denen ich oftmals auch sehr eng und nah zusammenarbeite. Also zu einer Organisationsgrenze ist dann auch eine kleine Vertrauensbarriere. Und auch das braucht wahnsinnig viel Bewusstsein.
Und erst recht auch da in der Welt, in der wir leben. Wir sehen das bei uns in unserem Geschäft. Über die letzten Jahre hat der Umfang von Vertragsdokumenten substanziell zugenommen. Die Komplexität im Geschäft, auch die Fragmentierung, hat zugenommen, ist gar keine Frage. Auch sachliche Gründe dafür.
Ich nehme aber auch Vertrauensaspekte wahr, die sich darüber ausdrücken, dass Verträge umfangreicher werden. Es ist mehr Absicherung dabei und auch Einengung gemeinsamer Gestaltungsräume. Und auch das ist für mich ein Ausdruck einer Veränderung, was den grundsätzlichen Vertrauensgrad betrifft. Und das geht in Richtung Politik dramatisiert sich das natürlich auch in den Zahlen, doch nicht überraschend, noch mal deutlich weiter.
Finde ich super interessant. Und da geht es ja auch wieder vielleicht so ein bisschen um den berühmten Vertrauensvorschuss. Ich habe irgendwie so eine Anekdote im Kopf von einem Fahrradhändler, der mir immer erzählt hat: Naja, pass mal auf, wenn ich den Kundinnen und Kunden nicht vertraue, dann könnte ich kein Fahrrad verkaufen, weil die setzen sich auf so ein Rad, das kostet ein paar tausend Euro und fahren eine Proberunde. Und ich kann ja nicht von allen irgendwie vorher Bürgschaften beim Notar verlangen.
Also es spielt ja auch im wirklich alltäglichen Wirtschaften eine Rolle, dass man auch so einen Vertrauensvorschuss gibt. Ja, das ist so. Und ich finde das eine ganz, ganz spannende Frage: Wie entsteht eigentlich Vertrauen? Wer muss es zuerst geben? Muss ich erst mir vertrauen oder du mir oder ich mir selbst, damit Vertrauen überhaupt entstehen kann?
Ich denke, relativ klar, es sind alle Faktoren. Aber die größte Chance, dass ich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit hinbekomme, liegt aus meiner Sicht darin, indem ich zuerst vertraue und anbiete, dir zu vertrauen, in der Wahrnehmung, dass du mir zurück vertrauen wirst und daraus eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entsteht, die wir professionell auflösen oder weiterentwickeln können.
Und das muss dann natürlich schnell untermauert werden. Wir sehen, es gibt ganz klare Treiber auch für Vertrauen. Die sind Zuverlässigkeit, Professionalität in der Zusammenarbeit. Aber es gibt auch eben so Aspekte, wie gehe ich mit Momenten um, in denen es mal kritischer wird, in denen Konflikte da sind, also die Bereitschaft, auch das zu lösen oder auch die Bereitschaft, resilient mal durch eine Situation zu gehen, in der nicht alles perfekt läuft und dann aber wieder darauf zu vertrauen, dass man zusammen eine Lösung findet und weitergehen kann.
Das sind Kerntreiber für Entwicklung von Vertrauen und Ausbau von Vertrauen. Der Geschäftsführer von Pilot, Christian Meinten, im brand eins Podcast.
Und hier geht es gleich weiter. Christian, wenn wir über Vertrauen sprechen, hier im Podcast, dann müssen wir auch über KI sprechen. Das ist vollkommen klar. Im Jahr 2026, laut eurer Studie, ist KI im Arbeitsalltag angekommen. 65 Prozent der Leute nutzen sie beruflich mindestens ein bis zweimal pro Woche, steht da. Und gleichzeitig vertrauen nur 23 Prozent stark oder sehr stark darauf, dass KI ihre Produktivität steigert. 21 Prozent vertrauen wenig oder gar nicht. Und 55 Prozent, das finde ich sehr interessant, sind unentschieden.
Was zeigt denn diese große Unentschiedenheit? Ich glaube, das ist ein Stück weit eine berechtigte Herangehensweise, gerade. Denn in vielen Aufgaben erleben wir im Alltag, dass die Wahrscheinlichkeit, dass wir der KI vertrauen dürfen in ihren Ergebnissen zwar substanziell gestiegen ist, aber auch noch lange nicht bei kompletter Zuverlässigkeit.
Und wer weiß, ob wir da jemals auch ankommen, weil dann fehlt der KI ja doch vielleicht auch etwas, was wir brauchen, um abschließend umfassend zu vertrauen, nämlich Nähe, Persönlichkeit, auch solche Aspekte. Denn an der reinen Treffsicherheit alleine kann es nicht liegen. Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die eine 100 Prozent Genauigkeit haben in der Wichtigkeit ihrer Aussagen und Angaben.
Sicherlich haben viele eine kontinuierlich höhere Sicherheit, vertrauenswürdige Antworten zu geben, als im Moment noch viele Menschen das im Umgang mit KI erleben, weil das auch eine gewisse Form von Professionalisierung und Entwicklung wieder braucht.
Also ein aufeinander einstellen. Ich glaube aber auch, dass der technische Teil davon eben auch dazu beiträgt, dass insgesamt das Vertrauen niedriger bleibt. Spannend finde ich dann an der Ecke aber auch wieder die Frage, wie sehr müssen sich Menschen wieder auf Vertrauen, wenn im Hintergrund in den jeweiligen Organisationen zum Beispiel KI substanziell zum Einsatz kommt, dass ich das Vertrauen habe, dass die Menschen schon dafür sorgen, dass die Technologie gut überwacht, eingesetzt und gesteuert ist.
Warum glaubst du, ist das wichtig? Weil die Zugänglichkeit zu, wie ist man zu bestimmten Arbeitsergebnissen gekommen, wie laufen Prozesse im Detail wirklich ab, natürlich abnimmt, wenn ich nicht mehr mit den Menschen im Prozess im Alltag sprechen kann.
Und da spreche ich natürlich gerade aus einer Agenturperspektive heraus, sondern plötzlich mehr Tools zum Einsatz kommen, wo ich vielleicht noch sagen kann, welches Tool und mit welchem Prompt das Ganze abläuft, aber gar nicht ganz genau in jedem Moment darstellen kann, wie der Denkprozess war. Klar, es war protokolliert und sichtbar.
Aber das ist dann für einen Kunden von der Agentur in der Form nicht mehr genauso einsehbar und nachvollziehbar. Da muss ich ein Vertrauen haben, dass das Setup des Systems insgesamt, dass die zur Verfügung gestellten Daten, dass die Absicherung, die Security, all die Aspekte, die damit dazugehören, vom Partner gut und sauber aufgestellt sind und ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie stattfindet, gerade in einer Übergangszeit.
Wir werden ja irgendwann ankommen in einer Stabilität und Kommodifizierung der Technologie, ist gar keine Frage. Aber auf dem Weg dahin braucht es Vertrauen darein, dass man verantwortungsvoll mit den Technologien und den Möglichkeiten umgeht und sowohl bei den genannten Punkten als auch bei der Überwachung von Ergebnisqualitäten und so weiter.
Dann bleiben wir doch mal, ich sage mal, in eurem oder in deinem Alltag im Agenturalltag. Wo gibt es denn da Punkte oder Situationen, wo du sagst: Ja, da ist es aus meiner Sicht entscheidend, so zu agieren, um Vertrauen aufzubauen? Sind es dann zum Beispiel auch klare Kommunikationsabsprachen? Du hast vorhin auch Verlässlichkeit beispielsweise, Zuverlässigkeit genannt.
Also wo sind so Punkte, wo du merkst, vielleicht auch mit der Reflexion des Indexes, da sind Hebel, da kann ich schnell irgendwie auch Vertrauen stärken oder aufbauen?
Ja, also auch da ist es erstmal Menschen zu haben, die zugänglich sind, auf unserer Seite, genauso wie auf Seiten unserer Kunden, dass Menschen da sind, die zugänglich sind, die eine Offenheit dafür haben, miteinander ins Gespräch zu gehen, sich kennenzulernen, sich gegenseitig zu verstehen, auch offen sind, sich gegenseitig zu teilen, was sie bewegt und wo sie gefordert sind und in welchen Kontexten sie jeweils arbeiten und wo auch Möglichkeiten und Unmöglichkeiten jeweils sind.
Also wirklich eine Offenheit über das, was die Grundlage der gemeinsamen Arbeit ist. Und dann geht es um Professionalität, dann geht es um Zuverlässigkeit, dann geht es natürlich auch um Sympathie, dann geht es um Kontinuität und all diese Aspekte.
Und es geht um Kommunikation, immer wieder auch zu erklären, darzustellen, nachzufragen, zuzuhören, zu verstehen, verstehen zu wollen. Das ist ein maßgeblicher Aspekt, wie wir vorhin schon festgestellt haben. Und der ist genau der, der auch dann an der Schnittstelle zwischen Kunden und einer Agentur den großen Unterschied macht.
Wie gestalte ich Kommunikation miteinander? Und dann, wie passen die Taten zu dem, was wir besprochen haben? Und dann drehen wir es vielleicht mal um. Wie kann ich es am schnellsten zerstören? Indem ich entweder einmalig einen großen Vertrauensbruch begehe oder kontinuierlich nicht auf dem Niveau oder in der Art liefere, wie man das miteinander besprochen hat. Und das geht in beide Richtungen.
Christian Meinken im brand eins Podcast. Und ich sage vielen Dank für das Gespräch und die Gedanken. Vielen herzlichen Dank, dass ich dabei sein durfte.
Und den kompletten Vertrauensindex 2026 könnt ihr online im aktuellen brand eins Magazin nachlesen. Den Link zur Studie und zum aktuellen Magazin mit dem Schwerpunkt „Modular denken“ findet ihr wie immer in unseren Shownotes.
Und wenn euch dieses Gespräch hier gefällt und ihr uns und unsere Arbeit vertraut, dann empfehlt uns doch gerne weiter. Ihr findet den brand eins Podcast auf allen Podcast-Plattformen. Und schon eine einzige Empfehlung an eine Kollegin oder einen Kollegen hilft uns hier sehr.
Ich sage schon mal im Voraus: Vielen Dank fürs Weitersagen. Und Stichwort Vertrauen: Ihr könnt auch nach mehr als zehn Jahren dieses Podcasts hier darauf vertrauen, dass unser gemeinsamer Podcast immer freitags erscheint.
Das bedeutet, schon nächsten Freitag gibt es die nächste Episode. Jetzt im Juni und Juli diskutieren wir die Frage, wie wir uns in einer Welt mit hohem Veränderungstempo – und das ist auch in dieser Folge deutlich geworden – anpassen können und darauf reagieren können.
Ich sage danke für euer Vertrauen in dieser Episode und gern bis nächsten Freitag. Der brand eins Podcast: Wirtschaft anders denken. Jede Woche bei detektor.fm.
Der brand eins Podcast wird produziert vom Podcast Radio detektor.fm. Redaktion: Stefan Ziegert, Katja Stamm und Gerolf Meyer, in Zusammenarbeit mit Frank Dahlmann vom brand eins Magazin. Moderation: Christian Bollert.