Wirtschaft Arbeit jetzt – Ein detektor.fm Podcast in Kooperation mit Clockodu, der digitalen Arbeits- und Projektzeiterfassung für mehr Klarheit über Projekte, Ressourcen und Budgets.
Willkommen zurück zu Wirtschaft Arbeit jetzt! In der letzten Folge haben wir über Recruiting gesprochen und darüber, wie Unternehmen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen. Heute widmen wir uns einem Thema, das einen wichtigen Einfluss auf diesen Prozess hat und auch mal für Aufruhr im Unternehmen sorgen kann: sogenannte Arbeitgeberbewertungen. Denn Menschen orientieren sich gern an den Erfahrungen anderer Menschen, wenn sie eine Entscheidung treffen. Das gilt auch, und natürlich, für die Jobsuche, bei der Unternehmensbewertungen auf Onlineportalen nicht zu vernachlässigen sind.
Da stellt sich die Frage: Was verraten Arbeitgeberbewertungen über die Unternehmenskultur? Darüber spreche ich heute mit Nina Zimmermann. Sie ist CEO von Kununu. Hallo, Frau Zimmermann!
Hallo, grüße Sie!
Arbeitgeberbewertungen und Transparenz
Frau Zimmermann, durch Bewertungsportale könnte man jetzt sagen, sind Arbeitgeberbewertungen vielleicht transparenter denn je. Würden Sie dem zustimmen?
Absolut! Also, genau Portalen wie Kununu schaffen es, große Transparenz über das Thema Arbeitgeber zu bringen. Und was würden Sie sagen, welchen Einfluss haben die Bewertungen darauf, ob sich Kandidatinnen und Kandidaten für einen Job dann am Ende für oder gegen ein Unternehmen entscheiden?
Also mittlerweile spielen Bewertungsportale auch in vielen Umfeldern, nicht nur bei der Suche nach dem richtigen Arbeitgeber, eine wirklich wichtige Rolle. Aber bei uns ist es auch nichts anderes. Also, 74 Prozent der Talente informieren sich online über die potenziellen Arbeitgeber. Das heißt, wenn sie das machen und anfangen zu recherchieren, dann kommen sie relativ schnell im deutschsprachigen Raum auf uns. Und dementsprechend konkurrieren Unternehmen oft untereinander. Und ich sage mal, Arbeitgeber sind oft sehr gut darin, glänzen oder ähnlich auszusehen, glatt auszusehen. Da will man ein bisschen unter die Haube gucken, und deswegen kommt man oft bei uns.
Unterschiede in der Kritikkultur
Sie haben gesagt, im deutschsprachigen Raum ist es so. Wenn Sie in andere Länder gucken, gibt es da Unterschiede, wie Talente sozusagen da vorgehen, oder ist Deutschland da ein Markt wie viele andere, was so Bewertungen angeht? Oder machen die Deutschen mal wieder irgendwas anders als alle anderen?
Die Deutschen machen nicht etwas anders als alle anderen. Sie gehen vielleicht ein bisschen anders mit Kritik um. Besonders gut, ne? Das haben Sie gesagt. Ich kenne das leider aus Erfahrung auf unserer Plattform. Wir werden besser. Also, wir merken, dass Arbeitgeber per se immer besser werden mit dem Thema Kritik, und die Welt entwickelt sich weiter. Aber dieses Bedürfnis, dieses Bedürfnis nach Transparenz, nach Erfahrung, dieses Austausch ist etwas, was es immer gegeben hat und immer mehr geben wird. Deswegen ist es nicht nur speziell für den deutschsprachigen Raum.
Fairness der Bewertungen
Was würden Sie sagen, wie fair geht es denn? Jetzt können Sie wahrscheinlich nur für Kununu als Plattform sprechen. Wie fair und wie ehrlich geht es bei den Bewertungen meistens zu?
Also, das ist eine sehr gute Frage. Also, lassen Sie mich das ein bisschen breiter beantworten. Plattformen wie Kununu oder insgesamt Plattformen, die mit Bewertungen umgehen, werden nur langfristig gewinnen, wenn sie wirklich in Plattformen halten, auch wahrgenommen werden. Ich meine jetzt im Sinne von Betrug, im Sinne von Neutralität. Im Sinne von man will eine Seite nicht wirklich bevorzugen, weil da hat man nichts davon. Und deswegen glaube ich, klar, da gibt es immer Ausreißer von der einen oder anderen Richtung, aber die ist extrem wichtig in der Meinungsbildung, das Crowdsourcing. Wenn da genug Bewertungen da sind, dann glaube ich, ist es durchaus repräsentativ.
Das heißt, große Arbeitgeber haben einen Vorteil, weil sie auch sozusagen eine große Zahl von Mitarbeitenden haben, die dann auch im Zweifel eine Bewertung dalassen können. Oder habe ich auch als kleines Unternehmen die Möglichkeit, mich entsprechend darzustellen?
Also, man hat absolut die Möglichkeit, als kleines Unternehmen bei uns auch darzustellen. Klar, die Masse von Bewertungen macht es, aber man kann bei uns einmal im Jahr bewerten. Das heißt, auch kleine Unternehmen, die eine viel geringere Anzahl von Mitarbeitenden haben, können häufiger bewerten und dementsprechend auch zu Meinungsbilden beitragen.
Analyse der Bewertungen
Jetzt sind in Ihrem Fall ja die Bewertungen in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Gibt es Kritikpunkte oder Bewertungspunkte, die insgesamt besonders oft auftauchen, wenn Sie so Ihren eigenen Datenschatz analysieren?
Ja, also wir sitzen, wie Sie zu Recht sagen, auf wahnsinnig vielen Daten. Das gibt uns auch eine Möglichkeit, per se das Thema, ich sage mal, Trends ein bisschen anzuschauen. Klar, dieses Thema KI kommt immer häufiger vor im Moment. Das ist ein Trend, der wirklich immer wieder steigt. Aber man sieht auch insbesondere das Thema Transparenz, wie man mit Kommunikation geht, gerade in schwierigen Zeiten, makroökonomisch schwierigen Zeiten. Da wird Führungsverhalten viel enger angeschaut. Da wird auch, wie gesagt, sehr genau wahrgenommen, wie Führung auch kommuniziert, wie offen die auch mit solchen Themen umgehen. Das kommt immer mehr in unsere Daten vor.
Machtbalance in Unternehmen
Würden Sie so weit gehen und sagen, dass Sie am Ende auch dazu beitragen, ich sage mal, eine Machtbalance in Unternehmen zu verändern? Weil ich habe ja ganz klar als Arbeitgeber zu meinen Arbeitnehmenden, ich muss nicht über Kündigungen sprechen, aber es gibt immer ein ganz natürliches Machtverhältnis, was man irgendwie stärker oder weniger stark lesen kann. Ist das etwas, wo Sie sagen, ja, da können wir zu einer Veränderung der Unternehmenskultur beitragen? Und wenn ja, wie erkennen Sie das?
Ja, also, Sie sprechen mich ehrlich gesagt vom Herzen an. Also, unsere Mission ist es auch, die Arbeitswelt besser zu machen. Dafür gibt es etwas, wo wir sagen, erst mal mit der Transparenz und mit der Information können auch Kulturen geändert werden. Können auch die Anonymen auch in der Stimme gegeben werden. Und wie gesagt, ich ermutige alle Unternehmen, einfach ein bisschen offener mit Kritik umzugehen und einfach da nachzuschauen und zu reflektieren, ob da Punkte sind, wo man durchaus sagen kann, da kann man auch besser werden. Und wenn man intern nicht fragt, weil leider gibt es immer noch sehr viele Unternehmen, die nicht so offen mit Feedback umgehen, dann bildet unsere Plattform eine sehr wichtige Plattform, damit diese Meinungen auch erscheinen können.
Ja, wir hoffen, mit Transparenz kommt auch Change und kommt auch Bewegung und Verbesserung.
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Umgang mit Kritik
Jetzt haben Sie eben im Gespräch auf der einen Seite schon mal angesprochen, dass wir Deutschen vielleicht nicht den souveränsten Umgang mit Kritik haben, immer wieder. Ich würde jetzt mal sagen, egal ob Arbeitgeberseite oder Arbeitnehmerseite, ich glaube, die tun sich meistens gar nicht so viel. Und Sie haben jetzt gerade auch noch mal gesagt, natürlich kann man auch sehen, da sind Sie nicht alleine. Man bewertet natürlich in der Bewertung. Das kann berechtigte Sorge sein, das kann aber sicherlich, oder ist wahrscheinlich kein Einzelfall, dass es da auch genug Leute gibt, die einfach mal auch ordentlich abhatten wollen über ihren Arbeitgeber. Wie gehen Sie damit um? Denn am Ende ist doch sozusagen eine falsche negative Kritik vor allen Dingen nicht nur etwas, was auf das Unternehmen, was da bewertet wird, zurückfällt, sondern auch auf ihre Relevanz als Plattform. Oder?
Absolut, absolut. Und das ist das Letzte, was wir haben wollen. Ich hoffe, irgendwann müssen wir keine anonyme Plattform mehr sein, wenn ich ganz ehrlich bin. Aber wenn wir wirklich die Wahrheit angucken, im Gegensatz zu einem Hotelbesuch oder einem Restaurantbesuch, kann man hier einen Job verlieren, wenn man vielleicht seine Meinung sagt und das nicht ankommt. Das ist auch die Realität. Also, das eine ist, deswegen ist es so wichtig für uns, die Anonymität zu schützen. Auf der anderen Seite haben Arbeitgeber immer die Möglichkeit, bei uns anzumelden, wenn sie glauben, dass eine Bewertung nicht von jemandem geschrieben worden ist, der bei diesem Unternehmen tätig war oder sich beworben hat. Und dann sind wir auch in der Pflicht, das auszuprüfen, was wir auch tun. Aber diese Neutralität und diese Anonymität ist im Moment wirklich, gerade die Anonymität ist gerade wichtig, damit wir auch zu den Meinungen kommen.
Prüfungsprozess der Bewertungen
Und kommt das oft vor? Also dieser Prozess, dass Sie dann sagen, da müssen wir was runternehmen, weil da hat jemand vielleicht auch unrechtmäßig irgendwie oder ohne dass er nachweisen kann oder dass sie sozusagen dort gearbeitet haben, einen blöden Kommentar hinterlassen?
Ja, wie gesagt, die Unternehmen haben das Recht, dass sie das bei uns melden können. Nach dem deutschen Recht ist es so. Und wir halten uns selbstverständlich an der Rechtsprechung. Und im Zuge dieser Prüfung gibt es durchaus Menschen, die dann sagen, nein, ich möchte hier nicht einen Arbeitsnachweis liefern, ich möchte mich nicht beweisen lassen. Und dann bleiben leider diese Kommentare offline. Aber wenn sie das tun, dann sind wir sehr offen gegenüber den Unternehmen und sagen, wir haben diesen Beweis, sagen nicht trotzdem, wer das ist, und machen das Kommentar wieder online.
Nutzung des Datenschatzes
Und jetzt haben Sie eingangs auch gesagt, Sie können nicht nur, also dieser Datenschatz, auf dem Sie da sitzen, diese Bewertungen zu sehen und haben über Trends gesprochen. Geben Sie uns einen Einblick. Also, wie können Sie diese Daten noch nutzen oder wie könnten Sie die Daten vielleicht auch in Zukunft nutzen? Was können wir sozusagen als Unternehmen, als Arbeitgeber, als Arbeitnehmer aus Ihren Erfahrungen oder aus diesem Datenschatz lernen? Oder wie könnten wir den, oder wie werten Sie den noch aus? So anders als einfach nur in der Darstellung auf der Plattform?
Ja, wir haben über 15 Millionen Datenpunkte, die zum Thema Unternehmenskultur, Arbeitgeberbewertung und Gehalt sind. Ehrlich gesagt haben wir über 300 Millionen Daten, weil jeder einzelne Snippet ist ein Datenpunkt. Wie ist mein Scherft? Wo wohne ich? Welche Stelle habe ich? Jeder einzelne Punkt ist ein Datenpunkt. Das heißt, Unternehmen haben die Möglichkeit, auch bei uns zu wissen, was sollte ich denn eigentlich sagen? Wie ist der Trend in das Gehalt? Wie hat sich das entwickelt in den letzten zwei Jahren? Wie ist dieses Bundesland im Vergleich zu einem anderen Bundesland? Wie gehen meine Konkurrenten um? Bei Konkurrenten ist es oft unterschiedlich. Bin ich in der gleichen Industrie oder rede ich über die gleiche Stadt? Weil das ist immer je nachdem, wo man Talente gewinnt. Und auf diesen Daten haben wir auch die Möglichkeit, das Unternehmen sozusagen besser heilen zu können. Aber das große Thema ist das Culture Fit, das sogenannte, dass man die richtigen Talente findet anhand von unseren Daten. Kann man auch für besser Talente gewinnen und halten.
Abschlussfrage
Und was würden Sie sagen, jetzt sind wir zum Abschluss vielleicht mal beim Thema Kritik. Wie offen sind deutsche Unternehmen für diese Art von, ich sage mal, Datenauswertung? Wir haben ja schon darüber gesprochen, Kritikfähigkeit ist jetzt nicht unser Strong Suit vielleicht. Ist auch ein bisschen Klischee, vielleicht ist auch was dran. Auf der anderen Seite sagt man eben, ja auch, Digitalisierung und überhaupt sozusagen Daten, Datenauswertung. Wir haben in Deutschland dieses wunderschöne Wort Datenschutz. Ist ja auch in den 70ern irgendwann mal dieses Datenschutzthema erfunden worden. Wie sehr tun sich deutsche Unternehmen schwer damit?
Ja, das ist eine sehr gute Frage, weil deutsche Unternehmen tun sich nicht nur schwer, vielleicht mit Kritik. Wie gesagt, es wird immer besser. Ich bin da grundsätzlich ein Optimist und deswegen glaube ich, dass es auch besser wird. Es ist aber auch das große Thema Change. Wir sitzen in diesen wahnsinnig chaotischen Zeiten, wo man auch nicht weiß, wie die Welt aussehen wird in zehn Jahren mit der Disruption, mit KI. Und da müssen wir ehrlich gesagt lernen, einfach mit dieser Disruption umzugehen, offen umzugehen, mutig zu sein und die Daten auch für wichtige Entscheidungen zu nutzen. Also, die Daten haben wir. Man kann aus den Daten auch besser werden. So ist es eher eine Frage der Einstellung, des Mindsets, als zu sagen, ob man fähig ist oder nicht. Sondern man muss es nur wollen.
Eine Frage zum Schluss, Frau Zimmermann. Haben Sie selber schon mal auf Kununu bewertet als Arbeitgeber?
Es ist echt, Sie werden es nicht glauben. Ich glaube, Sie sind der Erste, der das mich gefragt hat. Ich habe tatsächlich das nicht gemacht, weil ich glaube, man würde dann erkennen, dass ich es bin. Ich habe doch gelernt, das ist gar nicht so schlimm. Es ist gar nicht so schlimm, aber ich habe es tatsächlich nicht gemacht. Aber vielleicht sollte ich das machen. Wir können ja alle demnächst mal nachgucken, weil da steht: Geschäftsführung ist ein optionales Feld, sage ich immer wieder, aber man kann durchaus das angeben.
Alles klar, Nina Zimmermann, CEO von Kununu, hier bei uns bei Wirtschaft Arbeit jetzt. Ich sage vielen herzlichen Dank für das Gespräch.
Ich danke auch! Sehr gern.
Fazit
Arbeitgeberbewertungen können sichtbar machen, wie Mitarbeitende Unternehmen erleben. Sie beeinflussen nicht nur Bewerbungsentscheidungen, sondern wirken auch darüber hinaus auf die Wahrnehmung von Unternehmen nach innen und nach außen. Vielleicht ist das eine wichtige Frage der modernen Arbeit: Wie gehen Unternehmen mit Bewertungen auf Onlineportalen um?
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Wirtschaft Arbeit jetzt – Ein detektor.fm Podcast in Kooperation mit Clockodu, der digitalen Arbeits- und Projektzeiterfassung für mehr Klarheit über Projekte, Ressourcen und Budgets.