Einführung
Wirtschaft Arbeit jetzt – Ein detektor.fm Podcast in Kooperation mit Clockodu, der digitalen Arbeits- und Projektzeiterfassung für mehr Klarheit über Projekte, Ressourcen und Budgets. Willkommen zurück zu Wirtschaft Arbeit jetzt! In der letzten Folge ging es um Generationenmanagement und darum, wie Spannungen im Arbeitsalltag abgebaut werden können. Heute legen wir den Fokus auf die jüngste Generation und ihre Bedeutung für Unternehmen.
Fachkräftemangel
Wir sprechen über die Ausbildung von Fachkräften im eigenen Betrieb. Immer weniger junge Menschen in Deutschland entscheiden sich für eine duale Berufsausbildung. Vor allem für mittelständische Betriebe bedeutet das schlicht eins: Fachkräftemangel. In diesen Zeiten müssen Unternehmen planvoll vorgehen, um ihre Zukunft zu sichern. Dabei stellt sich die Frage: Wie gelingt es, den Nachwuchs selbst zu entwickeln und an das Unternehmen zu binden? Darüber spreche ich heute mit Thomas Grüner. Er ist Gründer und Geschäftsführer von CadiLack.
Nachwuchsgewinnung
Hallo, Herr Grüner! Hallo, Herr Niesen! Herr Grüner, bevor aus Schülerinnen und Schülern Fachkräfte werden können, müssen sie sich ja zunächst mal für eine Ausbildung im Unternehmen entscheiden oder überhaupt interessieren. Wie gelingt es Unternehmen, Nachwuchs für sich zu gewinnen? Das ist schwierig mit einem Satz zu beantworten, aber deswegen sitzen wir auch nicht zusammen.
Ich glaube, es fängt schon allein damit an, dass man den Menschen, die noch nicht im Berufsleben stehen, erklären und vermitteln muss, dass es ohne einen Beruf nicht geht. Wenn wir dieses schöne Leben, diesen Wohlstand behalten wollen, müssen wir alle dazu beitragen. Und von vielleicht schon ab dem siebten Schuljahr zu erklären, wie eigentlich Wohlstand funktioniert, wo der herkommt, was man dafür tun muss und so weiter.
Denn all das, was wir erleben, was wir nutzen, was wir genießen, das ist ja nicht einfach da gewesen. Das wurde von Menschen, von unseren Vorfahren erschaffen. Und ich glaube, ein Teil des Schlüssels liegt eben auch darin, dieses Bewusstsein zu vermitteln. Das, was die Eltern oder das Elternhaus oder das familiäre Umfeld vielleicht nicht immer ganz gut kann, müsste versucht werden, über so eine Unterrichtsstunde Arbeit und Beruf den Schülern zu vermitteln.
Interessen und Fehlerkultur
Und dann ist das nächste sicherlich der Schritt herauszufinden, was einem mehr oder weniger liegt. Wobei das für uns alle schwierig war. Aber ich kann mir gut vorstellen, wenn man dann versucht, so ein bisschen, ich sage mal, über das Interesse oder über die Leidenschaft etwas hinzubekommen, dass man dann sagen kann: Dieser Mensch ist dafür oder dafür geeignet oder er fühlt sich dafür oder dafür geeignet.
Da gehört aber auch gleich dazu mitzuteilen, es ist nicht schlimm, wenn man einen Fehler macht. Wenn man einen Weg eingeschlagen hat und merkt, nö, der gefällt mir nicht, dann kann man ja auch wieder zurückgehen. Wobei das ja jetzt in Deutschland nicht unbedingt eine unserer Primärtugenden ist, dass man sagt: Irgendwie, du bist hier falsch abgebogen, geh mal zurück und dann nochmal zurück auf los.
Fachkräftemangel als Pseudodiskussion
Also da sind ja andere weiter in der Fehlerkultur. Oder haben wir uns da auch verbessert? Ich weiß nicht, ob wir uns da schon verbessert haben, aber es wird Zeit, vielleicht darauf hinzuweisen, dass es in der Vergangenheit höchstwahrscheinlich gewesen ist, dass wir das falsch gemacht haben.
Ich mache mal gleich einen großen Schritt zu der Diskussion Fachkräftemangel. Ich halte sie für eine Pseudodiskussion, weil sie inflationär genutzt wird, um einfach – ich will jetzt nicht sagen, sich wichtig zu tun – aber es hört sich immer gut an. Es hat noch nie einen gegeben, der gesagt hat: Ich möchte jetzt nicht mehr über Fachkräftemangel sprechen.
Aber es gibt keine Fachkraft, die über Nacht eine Fachkraft ist. Eine Fachkraft entwickelt sich. Das ist ähnlich wie im Sport. Es gibt keinen Spitzensportler, der über Nacht Spitzensportler ist. Wir könnten ja dann auch von einem Spitzensportler-Problem sprechen oder von einem Spitzensportler-Mangel. Das ist alles eine Entwicklung, eine Ausbildung.
Ausbildung und Förderung
Und das Einzige, was eben hilft, um Fachkräfte zu bekommen, ist: Wir müssen sie ausbilden. Wir müssen sie fördern und auch fordern. Und vor allen Dingen, ähnlich wie im Sport, manche wissen vielleicht, dass sie sehr talentiert sind, also Sportler oder angehende Sportler. Aber oftmals ist es so, dass ein Scout wohl erkennt: Oh, der hat Talent. Aber der Scout macht dieses Talent nicht besser. Das muss wieder ein Trainer machen.
So, und das sind also mehrere Stufen. Und so ist es auch wichtig, vielleicht in den Schulen schon Möglichkeiten zu erarbeiten, zu sichten, wer wäre wofür geeignet, um dann vielleicht über gewisse Patenschaften diese Menschen zu begleiten.
Sportunterricht und Bequemlichkeit
Wenn wir bei Ihrem Sportbild bleiben: Wie ist es denn, und Sie sagen ja, Fachkräftemangel an sich ist Ihnen eine zu politische Diskussion oder eine zu aufgeladene Diskussion. Wenn ich jetzt bei dem Sportbild bleibe, haben wir denn das Problem, dass es nicht darum geht, wer bleibt Breitensportler und wer wird Spitzensportler, sondern dass zu viele sagen: Oh nee, Sportunterricht, darauf habe ich keine Lust, da gehe ich gar nicht erst hin?
Ja, ich glaube, es ist so, weil vieles hat im Leben einfach mit der Schwierigkeit der Bequemlichkeit zu tun. Man muss etwas machen. Und auch da könnte ich mir vorstellen, dass die Vermittlung ein Schlüssel wäre, dass man zum Beispiel auch jungen Menschen vermittelt: Es gibt Dinge, da kann man sich freuen, dass man das jetzt tun muss.
Es gibt andere Dinge, da freut man sich nicht so sehr. Aber dann gibt es noch Dinge, da darf man gar nicht darüber nachdenken, ob das jetzt Freude auslöst oder Unbehagen auslöst, sondern es muss einfach gemacht werden. Ich gehe mal davon aus, wir müssen alle irgendwann aufs Klo gehen. Und da gibt es welche, die sich vielleicht freuen oder auch nicht, aber darum geht es gar nicht.
Eigenverantwortung und Job
Man muss einfach sagen: In dem Bereich geht es nicht um Freude oder um Ängste oder was auch immer, sondern das wird einfach gemacht und auch ordentlich gemacht. Denn ab einem gewissen Alter ist, gerade bei diesem Beispiel, es so, dass man eine Eigenverantwortung lebt. Und wenn man auch sagt: Ich habe keine Lust, mich zu säubern nach dem Toilettengang, okay, dann muss man aber auch die Konsequenzen aushalten, mit allen Konsequenzen.
Und deswegen glaube ich, ist auch dort zu sagen: Wir brauchen einfach einen Job, wir brauchen eine Tätigkeit, weil wir können hier von Sammeln und Jagen nicht leben. Wir müssen etwas tun, etwas erwirtschaften. Und wenn wir auch vielleicht alleine nicht etwas erwirtschaften können, dann vielleicht in der Gemeinschaft innerhalb einer Unternehmung, einer Verwaltung oder was auch immer.
Attraktivität der Ausbildungsplätze
Und so muss man versuchen, noch mehr zu vermitteln und noch mehr zu erklären. Diese Vermittlung und Erklärung gehört da für Sie als Unternehmer auch dazu, dass Sie rausgehen müssen und zeigen müssen, wie attraktiv Ihre Ausbildungsplätze sind. Und wenn ja, wie machen Sie das?
Ich würde das zweiteilen, Ihre Frage. Ja, ich gebe Ihnen völlig recht, dass das unsere Aufgabe ist, weil wir möchten doch die Schüler irgendwann zu unseren Mitarbeitern haben, zu unseren Auszubildenden oder Mitarbeitern haben. Und wir können von den Schulen nicht alleine erwarten, dass die das, was wir im Beruf in der freien Wirtschaft erwarten, dass das von der Schule vermittelt wird.
Ehrenamtliche Unterstützung
Da müssen wir auch bereit sein, ehrenamtlich in die Schulen zu gehen, wenn die Schulen die Möglichkeiten oder die politischen Gremien die Möglichkeiten schaffen, dass wir eben ab dem siebten Schuljahr einmal im Monat eine Unterrichtsstunde haben: Arbeit und Beruf. Im achten Schuljahr zweimal und im neunten Schuljahr einmal die Woche Arbeit und Beruf, um die Leute einfach darauf vorzubereiten.
Ja, und dann ist es eben ein Bewerben, denn ich bin der Meinung, heute müssen sich seit einigen Monaten Firmen bewerben, damit die Schüler sich oder die möglichen Auszubildenden fürs Unternehmen interessieren. Wenn wir sonst immer diesen Duktus hatten: Ich muss mich bewerben, um einen Job zu kriegen, würde ich mal heute sagen: Also ich würde es so sagen, nein, das drehen wir mal einfach um.
Ausbildung und Übernahme
Wir müssen versuchen, das so attraktiv wie möglich zu gestalten. Und wenn diese erste Hürde jetzt genommen ist und Sie haben einen neuen Auszubildenden oder eine neue Auszubildende im Betrieb, was gehört aus Ihrer Sicht zum, nennen wir es mal, zum kleinen Einmaleins dazu, was eine gute Ausbildung in einem Betrieb ausmacht?
Tja, ich weiß gar nicht, ob das so richtig ist, aber ich versuche mal an mich selbst zu denken, während meiner wirklichen Ausbildung, aber auch in meinem späteren Berufsleben, wo ich glaube, dass ich bis heute immer noch weiter ausgebildet werde. Vielleicht weniger ausgebildet, mehr gebildet. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht eingebildet bin.
Mix aus verschiedenen Aspekten
Aber ich glaube, es ist sehr wichtig, den jungen Menschen im Berufsleben einen Mix aus verschiedenen Sachen zu erklären, dass zum Beispiel das einzelne Verhalten des einzelnen Auszubildenden auch wieder ein Teil innerhalb der Gruppe ist. Denn das Verhalten, wie man sich benimmt, wie man sich gibt, wie man sich einfügt, beeinflusst auch die Gruppe und auch die Gruppendynamik.
Das heißt also, da geht es um den Betriebsfrieden, Betriebskultur oder wie auch immer. Es ist dann auch wichtig, vielleicht den Leuten, den jungen Menschen, wenn ich jetzt mal an den kaufmännischen Beruf denken darf, dass man dort auch vermittelt: Wenn Briefe bald nicht mehr ins Haus kommen, es kommen E-Mails nur noch rein oder so.
Aufmerksamkeit und Informationen
Aber dann ist es total wichtig, sich alles von oben links bis unten rechts anzugucken und zwar sehr aufmerksam. Nicht nur wegen irgendwelchen Spams oder so etwas, sondern das sind alles Informationen. Das heißt: Wie heißt die Firma, wie wird sie geschrieben, hat sie eine Eigenschreibweise, in welcher Stadt ist diese Firma?
Und dann ist in der Signatur häufig ein Hinweis: Das ist der Chef und da gibt es noch das und so weiter. Das heißt also, sehr gründlich. Ähnlich, wie man das auch vor kurzem in der Schule hatte: Wem das kleine 1×1 beigebracht wird, der versteht auch das große 1×1 und auch die Mathematik.
Krise im Ausbildungsbereich
Und wer die Buchstaben irgendwann lernt zu erkennen und daraus Wörter zu bilden, der kann auch irgendwann Romane schreiben oder Geschichten erzählen. Aber im Prinzip ist das, wie ich finde, alles das Gleiche, nur anders. Aber so wie Sie das beschreiben, könnte man ja jetzt auch fragen: Gibt es überhaupt irgendeine Art von Krise, wenn es um Fachkräfte oder einen auszubildenden Nachwuchs geht?
Ja, absolut, denn es ist erst mal die Demografie, die wir einfach ernst nehmen müssen. Dazu vielleicht auch noch ein sehr aktuelles und auch schwieriges Thema: Dass Menschen aus anderen Ländern hier in unser Land reinkommen und nicht arbeiten dürfen. Also das heißt, wir scheren alle über einen Kamm.
Arbeitsgenehmigungen
Sie müssen erst mal irgendwelche Sachen erfüllen, bevor sie eine Arbeitserlaubnis bekommen, obwohl es Leute gibt, die in ihren Ländern nachgewiesen haben, dass sie fantastische Handwerker sind oder was auch immer, dürfen die nicht arbeiten. Eigentlich ein Widerspruch par excellence. Und da frage ich mich auch: Wo ist mal endlich der Oberpolitiker, der sagt: Können wir mal endlich mit dem Quatsch aufhören?
So, das nächste, weshalb wir vielleicht auch Schwierigkeiten haben, Auszubildende zu finden, ist, dass es auch vielleicht immer mehr – ich weiß nicht – aber zumindest gibt es auch Menschen, Erwachsene, Eltern, die auch schon, sage ich jetzt mal, nicht einer geregelten Arbeit nachgehen können (Klammer auf: können? Fragezeichen). Und die Kinder sehen, was da passiert. Warum sollten die sich dann bemühen?
Wohlstand und Verantwortung
Das heißt, auch dann, wenn ein gewisser Wohlstand da ist, ist es schwierig, sich um diesen Wohlstand zu bemühen, dass er gehalten wird. Und das ist das, was ich eben auch als Problem ansehe, weil den Leuten zu wenig erklärt wird, dass das, was wir hier genießen, was wir nutzen können, nicht vom Himmel fällt.
Wir müssen den jungen Menschen erklären: Da ist eine Steckdose in der Wand, ja, da kannst du Strom nehmen, aber ein Elektriker hat diese Steckdose da montiert. Ein Handwerker, ein Techniker hat vielleicht dafür gesorgt, dass die Funktionalität im Gebäude auch, sage ich mal, hinbekommt. Und irgendein Ingenieur hat vielleicht dafür gesorgt, dass man ein Gebäude mit der Elektrik so hinbekommt, dass das in der Straße dann auch an Strom angeschlossen ist.
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Akademisierung und Berufswahl
Gehört zu der Problematik rund um die Ausbildung oder Ausbildungsplätze auch dazu, dass ich denke, jetzt nicht nur an Eltern, die ihren Kindern raten: „Du, studier mal“, sondern sozusagen – ich glaube schon, ohne dass ich jetzt ganz konkrete Zahlen im Kopf hätte – dass das über die letzten Jahre und Jahrzehnte der Grad der Akademisierung in Deutschland deutlich gewachsen ist.
Also es war ja auch lange nicht nur die Erzählung, sondern auch, wenn man sozusagen auf die Gehaltskurven geguckt hat, dass man nicht mit jedem Studiengang und nicht mit jedem Beruf, aber doch im Großen und Ganzen besser verdienen konnte, bessere Berufschancen hatte. Jetzt gibt es nicht erst seit KI schon wieder irgendwie auch Überlegungen, ob das so weitergehen kann, weil am Ende haben wir ja auch jetzt schon einen starken Handwerkermangel, Fachkräftemangel.
Haben wir jetzt auch schon sozusagen – Sie sagen, naja, die Diskussion ist schwierig, weil politisch, aber dass Menschen fehlen in diesen Berufen und in diesen Ausbildungsbereichen. Ich glaube, das sehen Sie ganz ähnlich. Wie lässt sich das lösen?
Lösungsansätze
Ja, wie sich das lösen kann, bin ich selbst überfragt. Aber ich versuche, sage ich mal, durch Vergleiche, sage ich mal, Sichtweisen aufzuzeigen, wie man vielleicht dann Lösungsansätze finden kann. Stellen wir uns ein großes Unternehmen vor, eine große Unternehmung, die eben auch, ich sage mal, in vielen verschiedenen Bereichen aufgestellt ist. Ich sage jetzt mal einfach Siemens.
Siemens macht sowohl Kühlschränke als auch, sage ich mal, Kernkraftwerke, obwohl sie das vielleicht gar nicht mehr bauen. Aber dazwischen ist ganz viel, was sie machen. Und es ist einfach dann Aufgabe des Chefs oder des Vorstandes, dafür zu sorgen, dass in allen Bereichen möglichst, sage ich mal, alles gut läuft.
Erfassung von Ausbildungsplätzen
Und wenn wir jetzt überlegen, jetzt sind wir nicht Siemens, sondern Deutschland, dann muss es doch auch die Möglichkeit geben. Und wenn nicht, kann man es sehr schnell schaffen, dass wir einfach, sage ich mal, so eine Art fast wie eine Excel-Tabelle aufschreiben: Wie viele Menschen haben wir hier? Wie viele Menschen haben Abitur gemacht? Wie viele Menschen haben sozusagen Fachabitur gemacht und gehen umweg oder zweiten Bildungsweg? Wie viele wollen studieren? Wie viele brauchen wir als Handwerker und so weiter?
Das müsste man eigentlich alles erfassen können. Das hört sich natürlich sehr stark dann nach irgendwie Staatsregelung an oder so etwas, aber man muss eben auch sagen: Ja, in dem Bereich ist nicht viel.
Filmbranche und Handwerk
Überlegen wir uns mal: Filmbranche ist ja für viele faszinierend. Ich weiß, wir haben einen Nachbar hier bei mir, eine Filmproduktionsgesellschaft. Die Mitarbeiter, die da arbeiten, verdienen alle sehr, sehr wenig Geld, wirklich sehr wenig Geld, haben aber gleichzeitig sehr viel Zeit aufzuwenden und denken aber auch nicht viel darüber nach, weil es ihnen Spaß macht. Sie kreieren etwas.
Und natürlich, ich habe mit Restauratoren zu tun, berufsbedingt, mit Restauratoren und Leuten, die in der Denkmalpflege tätig sind. Die verdienen alle, sagen wir mal, Hungerlohn, in Anführungsstrichen. Und viele der Selbstständigen in diesem Bereich liegen auch unter dem Mindestlohn, wenn man die Stundenzahl mal verrechnen würde. Aber sie tun das aus Leidenschaft und sind zufrieden.
Staatsaufgabe und Verantwortung
Und diese Zufriedenheit zu bewerten in Euro oder Cent ist ja eben sehr schwierig. Und deswegen ist es einfach, ja, ich sage mal, vielleicht auch doch eine Staatsaufgabe. Aber da brauchen wir Fachleute, die gar nicht staatlich denken, sondern unternehmerisch denken, um eben aufzuzeigen: Wenn du heute diesen Berufsweg einschlägst, das geht vielleicht noch gut, aber in fünf Jahren ist das vielleicht nicht mehr so gut.
Das heißt also, wir haben Kunden, zum Beispiel, das sind Firmen, die stellen Schilder her, wo die Schrift graviert wird und da wird die Schrift gefräst und dann kommt da noch Farbe wieder rein in die Vertiefung. Und das sind Graveure. Das ist ein Lehrberuf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man heute noch jemandem empfiehlt: Mach eine Ausbildung als Graveur, weil das ist etwas, was jedenfalls in Deutschland nicht mehr so an Bedeutung gewinnt, vielleicht eher weniger.
Herausforderungen in der Ausbildung
Also es ist schwierig, das alles, sage ich mal, zu regeln, aber wir müssen uns der Tatsache stellen, dass das, wie es im Moment ist, ein schwieriger Punkt ist. Und letztendlich ist dann sozusagen der Vorstand oder auch der Aufsichtsrat, der Vorstand, der ist dafür verantwortlich. Und der Vorstand ist im Prinzip die Politik.
Bindung von Nachwuchskräften
Jetzt sind wir mal zurück bei Ihnen oder bei vielen Betrieben, die in Ausbildung investieren, wo vielleicht aber am Ende, trotz der Übernahme der Auszubildenden, nicht immer klar ist: Können wir die übernehmen? Ist das garantiert? Wie lassen sich Nachwuchskräfte langfristig an ihr Unternehmen binden? Kann ja nämlich auch sein, dass die jungen Leute – also ich habe jetzt sozusagen die eine Seite skizziert – das Unternehmen wirtschaftlich nicht so in der Lage sind oder noch nicht wissen: Wie geht es weiter?
Aber kann ja auch genauso – wir erleben es ja auch andersrum – gerade aktuell kann man sich in manchen Berufen ja auch aussuchen, wo und wie man arbeitet. Das heißt, nebenan ist das Gras vielleicht eh immer grüner.
Flexibilität und Wanderschaft
Ja, ich bin erst mal gar nicht so sehr der Meinung, dass man dort, wo man seine Ausbildung gemacht hat, sein Leben lang oder lange bleiben sollte. Ich glaube, es ist sogar vielleicht ganz gut, wenn man eine Ausbildung macht und geht dann woanders hin. Wir kennen das im Handwerk von den Dachdeckern oder auch Zimmerern, die eben dann auf Wanderschaft gehen oder auf die Walz oder wie das auch immer heißt.
Das ist, glaube ich, schon ganz gut, weil man lernt noch andere Sachen kennen. Man lernt natürlich auch Verantwortung kennen für sich selbst. Und ich habe noch nicht so richtig darüber nachgedacht, fällt mir aber jetzt gerade ein: Vielleicht müsste man mal darüber nachdenken, dass man sagt: Ausbildung, okay, aber danach muss Schluss sein.
Solidarprinzip in der Ausbildung
Denn ich selber würde auch viel ausbilden wollen, wenn, sage ich mal, die Möglichkeit bestünde. Bei uns ist das ein bisschen schwierig, wir sind ein sehr kleiner Betrieb. Ich habe aber auch wiederholt schon mal, ob jetzt bei mir im Betrieb und auch bei anderen gehört, die dann gesagt haben: Und wenn man ausbildet, dann gehen nachher die Leute woanders hin.
Ja, Moment, das haben wir alle aber auch getan. Und wenn dann aber auch die Leute woanders hingehen, dann kann ja auch jemand, der woanders eine Ausbildung gemacht hat, zu uns kommen. Also da müssen wir auch wieder so ein bisschen mehr an das Solidarprinzip appellieren und auch darauf hinweisen, dass das eben so ist.
Fazit
Und dazu kommt auch: Selbst wenn man jetzt vielleicht sagt: Ich bilde aus, der soll bei mir bleiben, ja, meinetwegen, dann wandert der aus, dann wird der krank oder bringt sich um, ist er auch nicht mehr da. Also wir dürfen nicht immer so festhalten an manchen Sachen und müssen dann gucken, dass wir die Leute erstmal überhaupt in den Beruf reinkriegen.
Das sagt Thomas Grüner, er ist Gründer und Geschäftsführer von Cadillac. Und ich sage vielen herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Grüner. Ja, ich sage danke fürs Zuhören! Sehr gerne!
Ausbildung als Zukunftsinstrument
Ausbildung ist für Unternehmen also mehr als nur Wissensvermittlung. Sie ist ein Instrument zur Zukunftssicherung. Vielleicht ist genau das eine der zentralen Fragen moderner Arbeit: Wie müssen Unternehmen Ausbildung gestalten, damit sie sich langfristig positiv auf den Unternehmenserfolg auswirkt?
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