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Julia Vorhölter. Foto: Jonathan von Köseritz
Bild: Julia Vorhölter | Foto: Jonathan von Köseritz

Ach, Mensch! | Julia Vorhölter

Was sagt unser Schlaf über unsere Gesellschaft aus, Julia Vorhölter?

Ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. Und doch wissen wir erstaunlich wenig darüber, was Schlaf eigentlich ist. Denn guter Schlaf lässt sich nicht allein in Stunden oder Messwerten ausdrücken. Die Ethnologin Julia Vorhölter verrät, warum Schlaf viel mehr über unser Leben aussagt, als wir denken.

Eine biologische Notwendigkeit

Wenn wir schlafen, regeneriert sich unser Körper; Schlaf unterstützt das Immunsystem und hilft unserem Gehirn, Erlebtes zu verarbeiten. Fehlt uns Schlaf oder schlafen wir schlecht, wirkt sich das schnell auf unser Wohlbefinden aus, langfristig kann es auch unsere Gesundheit beeinträchtigen. Doch was Menschen unter „gutem Schlaf“ verstehen, ist keineswegs universell. Schlafgewohnheiten und Vorstellungen davon, wie viel und wie wir schlafen sollten, sind historisch wandelbar sowie gesellschaftlich und kulturell geprägt.

Am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung untersucht Julia Vorhölter Schlaf deshalb nicht nur als biologischen Zustand, sondern auch als kulturelle und soziale Praxis. Ihre Forschung führt dabei mitten hinein in eine Frage, die viele Menschen beschäftigt: Warum fällt es uns manchmal so schwer, zu schlafen?

Schlaf ist politisch

Ob wir gut schlafen, ist auch eine Frage der Lebensbedingungen. Ein sicherer Ort zum Schlafen, geregelte Arbeitszeiten und ausreichend Ruhe sind keine Selbstverständlichkeiten. Schichtarbeit, Leistungsdruck oder ständige Erreichbarkeit können unseren Schlaf ebenso beeinflussen wie gesellschaftliche Vorstellungen davon, was als „normal“ oder „gesund“ gilt.

Von Schlaf lässt sich sehr viel lernen. An sich geht es als Gesellschaft eher darum, wieder Kontrolle abzugeben, als alles mehr und mehr kontrollieren zu wollen.

Dr. Julia Vorhölter, MPI für ethnologische Forschung

Dr. Julia Vorhölter, MPI für ethnologische ForschungFoto: Jonathan von Köseritz

Gleichzeitig ist Schlaf längst zum Gegenstand einer ganzen Optimierungsindustrie geworden: Apps, Tracker und populärwissenschaftliche Ratgeber versprechen, uns dabei zu helfen, besser zu schlafen. Doch die ständige Beschäftigung mit der eigenen Schlafqualität kann selbst zum Problem werden. In diesem Zusammenhang wird Orthosomnie als Phänomen diskutiert: die zwanghafte Beschäftigung damit, möglichst „perfekt“ zu schlafen.

Feldforschung im Schlaflabor

Vorhölters Forschung schlägt eine Brücke zwischen Ethnologie und Schlafmedizin. Sie zeigt: Schlafen ist zwar eine biologische Notwendigkeit, aber wie wir schlafen, für wie erholsam wir das empfinden und wie wir mit Schlafproblemen umgehen, ist immer auch von unserer Umwelt und unserer Gesellschaft geprägt.

In dieser Folge von „Ach, Mensch!“ spricht Dr. Julia Vorhölter mit detektor.fm-Moderatorin Jessica Hughes darüber, warum Schlaf weit mehr ist als eine biologische Funktion und was unser Schlaf über die Gesellschaft erzählt, in der wir leben.

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