Die Selbstheilung der Zebrafische, Kühlschränke der Zukunft oder was einen Vulkanausbruch mit der Pest zu tun hat. Das waren drei Themen der letzten Monate hier im Forschungsquartett. Normalerweise sprechen wir über aktuelle Forschung. Heute blicken wir mal auf Orte, wo Wissenschaft betrieben wird, auf Universitäten. Genauer auf die Exzellenzuniversitäten. Was die so besonders und exzellent macht, wie viel Geld in diese Unis fließt und ob das eine gute Idee ist, darum geht es in dieser Folge. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Wie gut, dass ihr zuhört. Das Forschungsquartett – Wissenschaft bei detektor.fm.
Exzellenzuniversitäten und ihre Aufnahme
Anfang Oktober knallten in drei Universitäten und zwei Hochschulverbänden die Korken. Die Universitäten in Freiburg, Jena und Köln sowie der Verbund der Rhein-Main-Universitäten in Darmstadt, Mainz und Frankfurt, das Ruhe Innovation Lab der TU Dortmund und die Uni Bochum wurden neu in den Kreis der Exzellenzuniversitäten aufgenommen. Das bedeutet einiges an Prestige, aber auch einiges an Geld. Wie viel genau und was das alles sonst noch mit sich bringt, das weiß mein Gast Marian Burg. Er ist wissenschaftlicher Referent im Team Forschung und Innovationspolitik beim Stifterverband der Deutschen Wissenschaft e.V. Der Stifterverband möchte das Bildungs- und Wissenschaftssystem sowie die Innovationskraft in Deutschland stärken. Der Stifterverband gibt auch das Hochschulbarometer heraus, eine jährliche Befragung der Hochschulleitung, an der Herr Burg mitgearbeitet hat. Herr Burg, herzlich willkommen im Forschungsquartett!
Was macht eine Universität exzellent?
Hallo, Herr Mikulajczyk. Herr Burg, Exzellenzuniversitäten klingt jetzt nach ziemlich viel Glamour. Es schwingt so ein bisschen der Hauch von Elite-Unis wie Oxford, Cambridge oder auch Yale mit. Was macht eine Universität denn eigentlich exzellent? Mit Blick auf das Bewerbungsverfahren muss man sagen, man wird vor allen Dingen eine Exzellenz-Uni, wenn man bereits im Rahmen der Exzellenz-Cluster-Förderung gefördert wird. Das heißt, Exzellenz-Cluster, das war eine vorgelagerte Förderentscheidung, die jetzt schon entschieden wurde. Da findet eine Förderung ausgewählter Forschungsfelder statt, die international eben besonders wettbewerbsfähig sind. Wenn man gefördert wird mit einem Exzellenz-Cluster, gibt es bestimmte Voraussetzungen, und unter denen konnten sich jetzt geförderte Universitäten und Verbünde auf weitere institutionelle Förderung bewerben. Das heißt, über die reinen Forschungsfelder hinaus, die eben bereits in den Clustern gefördert werden.
Verwendung der Mittel
Diese Mittel, die finanziellen Mittel, können dann eben in Forschungsbedingungen, Infrastruktur, aber eben auch Personalentwicklung oder auch Internationalisierung gehen. Die Hochschulen sind da also sehr frei in ihren eigenen Strategien, diese Mittel zu verteilen. Historisch war bzw. ist man ja eigentlich immer ziemlich stolz auf diese diverse Hochschullandschaft in Deutschland. 2006 gab es dann die ersten drei Exzellenzuniversitäten. Warum wurde diese Idee denn geboren? Genau, eigentlich verfolgt man historisch gesehen mit der Exzellenzstrategie vor allen Dingen drei Ziele. Man will international stärkere Spitzenforschung fördern, man will eben auch stärkere Forschungsprofile ausprägen an den Universitäten und die institutionellen Bedingungen der Universitäten stärken. Die Idee dahinter ist, dass man eben für wissenschaftliche Durchbrüche auch die Fähigkeit braucht, herausragende Talente zu gewinnen. Deswegen ist da ein zentraler Faktor eben auch die Finanzierung.
Geld und Lehre
Das Programm fördert eben nicht nur einzelne Projekte. In den Clustern werden Forscher in ausgewählten Feldern gefördert und Universitäten werden im Rahmen der Exzellenz-Universitätsförderung zusätzlich darüber hinaus am Standort gestärkt. Also, Sie haben schon so ein bisschen gesagt, die Universitäten bekommen Geld. Was haben die denn noch davon, wenn sie in den Kreis der Exzellenten aufgenommen werden? Und wie viel Geld bekommt man überhaupt? Es gab im Rahmen der Förderentscheidung natürlich ein wissenschaftsgeleitetes Antragsverfahren. Da floss erstmal ganz viel Zeit und Geld von den Universitäten rein, um eben überhaupt erstmal diese Anträge zu stellen. Dann war, wie gesagt, eine weitere Voraussetzung eine bereits bestehende Clusterförderung. Und in der Wissenschaft ist dann doch das Geld oder die Höhe der Gelder dann doch auch immer entscheidend. Das heißt, es geht nicht nur um möglichst viel Personal für bestimmte Themen zu bekommen, sondern eben auch für Forschungsinfrastrukturen, für die ganzen Kooperationsthemen. Das heißt, wie können wir auch in den Forschungsverbünden zusammenarbeiten?
Finanzielle Mittel und deren Verteilung
Das ist insbesondere jetzt ein Thema im Rhein-Main-Gebiet, wo neu dazugekommen sind die Uni Frankfurt, die Uni Darmstadt und die Uni Mainz in einem sogenannten Verbund. Das gab es vorher in Berlin auch schon. Das heißt, da braucht es auch noch mal Gelder und Maßnahmen, um diese Verbünde auszusteuern. Insgesamt wurden bis 2025 533 Millionen Euro im Jahr für die Gesamtförderung ausgegeben. Davon waren es 385 Millionen Euro für die Clusterförderung und eben 148 Millionen Euro für die Exzellenzuniversitäten. Wenn wir uns das anschauen, ist das gar nicht so viel für den Gesamthaushalt der Hochschulen, gemessen daran, dass gleichzeitig die Grundfinanzierung der Hochschulen in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist. Das heißt, die Hochschulen haben an verschiedenen Stellen auch mit Finanzierungsthemen zu kämpfen, und dadurch sehen die Hochschulen sehr gerne derlei Finanzspritzen. Die Summen sollen jetzt in der neuen Förderung ab 2026 entsprechend auch noch mal steigen. Ab 2027 sollen das 539 Millionen Euro für die Clusterförderung werden und 208 Millionen Euro für die Förderung der Exzellenzuniversitäten. Die Mittel stammen zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland, in dem die Universität sitzt.
Auswirkungen auf die Studierenden
Das geht ja jetzt alles eher in die Forschung, wenn ich das richtig verstanden habe. Haben die Studierenden an den Universitäten etwas davon? Also geht da auch etwas in die Lehre? Auf den ersten Blick geht das Geld in die Forschung, was aber auch dazu führt, dass man natürlich Spitzenforschende anlockt an die Universitäten, weil man eben die finanziellen Mittel hat, die finanziellen Freiheiten, um denen auch gute Arbeitsbedingungen zu geben. Und das führt natürlich mittelfristig dazu, dass die Studierenden auch im Kontakt, im Austausch mit diesen Spitzenforschenden sind und entsprechend auch Lehrveranstaltungen bei diesen Spitzenforschenden besuchen können. Gleichzeitig geht das Geld nicht nur rein in die Forschung. Also es wird sozusagen anhand von vorgelegten Strategien verteilt, die die Hochschulen festlegen. Da sind sie relativ frei und können eben auch insbesondere bei der Exzellenzuniversitätsförderung darüber hinaus eben Maßnahmen ableiten, wie sie diese Gelder noch einsetzen wollen.
Wissenstransfer und persönliche Erfahrungen
Also man kann da durchaus auch das Thema Wissenstransfer in die Lehre mit reindenken, was den Studierenden zugutekommen würde. Aus persönlicher Erfahrung: Ich habe an einer Exzellenzuniversität studiert. Da war zum Beispiel die Betreuung der Studienbereichsleitung sehr gut, und meines Wissens nach lief das damals zum Teil auch über die Exzellenzförderung. Das heißt, auch da gab es eine Möglichkeit, Mittel entsprechend auch für Studiengangsberatungen über die Exzellenzförderung abzubilden.
Erfolge der Exzellenzuniversitäten
Die Exzellenzuniversitäten gibt es ja jetzt seit 20 Jahren. 15 Stück sind es jetzt insgesamt mit diesen neu aufgenommenen. Hat es denn wirklich etwas gebracht? Was sind denn die Erfolge bisher? Genau, gemessen an den eigenen Strategien. Also es gibt Begleitforschungsmaßnahmen, die eben auch untersuchen, inwiefern wir hier eine Verbesserung sehen. Und gemessen an den eigenen Strategien, die sich die Hochschulen selbst gegeben haben im Rahmen der Förderung, sehen wir durchaus, dass die Hochschulen das erreicht haben. Das sieht man auch darin, dass ein Großteil der Universitäten eben auch weiter gefördert wurden aus der alten Runde, aus der vorherigen Runde, und jetzt eben wieder gefördert werden. Gleichzeitig sehen wir natürlich auch in unseren Zahlen, die wir selbst erheben, dass insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung durch die Hochschulleitungen der Exzellenzunis deutlich besser eingeschätzt wird als an den anderen nicht geförderten Hochschulen.
Kritisierte Ungleichheiten
Wir sehen natürlich da keine kausale Wirkungsevaluation von dem Programm. Es gibt Studien, die nachweisen können, dass die durch Exzellenzcluster geförderten Hochschulen zu einem größeren Teil in den weltweit 10 meist zitierten Arbeiten ihres jeweiligen Fachs gelangen. Da liegt der Anteil unter den Exzellenzcluster-Universitäten deutlich höher als unter den nicht geförderten Universitäten. Das vielleicht mal so als einen Indikator, inwiefern sich hier die Forschung tatsächlich verbessert. Das heißt nicht, dass an den anderen Universitäten keine gute Forschung stattfindet, sondern dass hier einfach auch ein bisschen mehr die Spitzenforschung stattfindet, was auch das Ziel der Förderung ein Stück weit ist.
Wettbewerb und seine Auswirkungen
Es gibt ja durchaus auch Kritik an dem momentanen System. Einige sagen ja, das Prinzip „wer hat, dem wird gegeben“, wird damit verstärkt. Starke Universitäten werden immer reicher, werden mehr gefördert als regionale Hochschulen, die werden abgehängt. Sie haben es ja auch schon gesagt, die meisten Universitäten, die Exzellenzstatus erreichen, erhalten den auch in der nächsten Runde wieder. Jetzt bei der neuen Runde ist nur eine Universität da rausgefallen. Wie stark spaltet dieser Wettbewerb die deutsche Hochschullandschaft? Wir sehen schon, dass wir hier die Situation haben, dass insbesondere die kleineren und mittleren Hochschulen so ein bisschen den Nachteil haben, dass sie eben zum Teil gar nicht die Möglichkeiten aufbringen können, sich zu beteiligen an dem Verfahren. Das wird zum Teil dann eben abgedeckt über Verbünde, dass man versucht, sich in den Verbünden zusammenzustärken.
Leistungsunterschiede und Transfer
Gleichzeitig, Sie haben es gesagt, haben wir so eine Tendenz, dass es immer die gleichen Universitäten sind, die weiter gefördert werden. Wir haben hier natürlich ein bisschen ein Henne-Ei-Problem. Wir wollen Spitzenforschung fördern. Gleichzeitig haben wir natürlich vorher schon eine Art Leistungsunterschiede gehabt zwischen den verschiedenen Universitäten. Das heißt, diejenigen Universitäten, die bereits Spitzenforschung betrieben haben, hatten natürlich auch bessere Voraussetzungen für die Bewerbung auf die Förderung, was dann dazu führt, dass sie natürlich auch weiter sich in dieser Spitzenforschung engagieren können oder stärker werden. Das ist ein Stück weit politisch gewollt, dass man hier wissenschaftliche Leuchttürme schafft.
Wissenschaft in die Breite tragen
Gleichzeitig haben wir natürlich, wie Sie sagen, das Thema, dass nicht geförderte Universitäten eben zurückbleiben. Wir sehen hier aber auch die Möglichkeit, dass wir sagen, okay, es ist nicht nur das Thema Spitzenforschung, mit dem sich die Universitäten beschäftigen müssen. Es entsteht durch Spitzenforschung alleine, es entstehen noch keine neuen Produkte, es entstehen keine verbesserten Prozesse in Unternehmen. Wir lösen dadurch vielleicht auch primär noch keine gesellschaftlichen Probleme. Das heißt, es gibt immer noch auch das Thema Transfer, das wir so ein bisschen versuchen, stärker in den Vordergrund zu rücken. Das heißt, wie kommt eigentlich aus dieser Spitzenforschung, aus der Forschung allgemein, auch die Forschung in die Anwendung? Wie können Kooperationen zwischen Hochschulen, Unternehmen und Zivilgesellschaften stattfinden und aussehen, um eben dann auch die Innovationen erst mal zu entwickeln und dann auch sozusagen in Produkte weiterzuführen, sodass wir als Bürgerinnen und Bürger dann auch profitieren von der Forschung.
Fazit
Und dadurch spielen quasi die verschiedenen Rollen dann auch ein bisschen zusammen, dass man sagt, man hat auf der einen Seite die Spitzenforschung gefördert, auch durch die Exzellenzlinien, und auf der anderen Seite dann mit verschiedenen anderen Fördermaßnahmen der Politik eben auch den Fokus, wie können wir eigentlich diese Wissenschaft in die Breite tragen und die Erkenntnisse daraus. Das sagt Marian Burg, wissenschaftlicher Referent beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. Herr Burg, vielen Dank für Ihre Zeit und das spannende Gespräch. Vielen, vielen Dank. Schönen Tag für Sie.
Damit sind wir am Ende dieser Episode vom Forschungsquartett. Immer donnerstags erscheint eine neue Episode. Wir freuen uns, wenn ihr wieder reinhört, und wir freuen uns ganz besonders, wenn ihr einer wissenschaftsbegeisterten Person vom Podcast erzählt. Mein Name ist Wieland Mikulajczyk. Vielen Dank fürs Zuhören. Bleibt neugierig und bis zum nächsten Mal. Das Forschungsquartett – Wissenschaft bei detektor.fm.